Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 1
2 DIE METHODE „LERNEN DURCH LEHREN“ 2
2.1 Theoretischer Rahmen 2
2.2 Begründung der Methode 3
2.2.1 Möglichkeit zur Bewältigung der Zielkonflikte. 3
2.2.2 Neue Rolle des Lehrers. 4
2.2.3 Neue Rolle des Schülers 5
2.2.4 Zentrales Element der Schüleraktivität 5
2.3 Zielsetzungen im Bezug auf die Anwendung der Methode 6
3 PLANUNG UND DURCHFÜHRUNG DER UNTERRICHTSSTUNDEN. 6
3.1 Stunde in der 10. Klasse Wirtschaftsschule. 6
3.1.1 Anthropogene Voraussetzungen der Klasse 6
3.1.2 Thematische Inhalte der Stunde 7
3.1.3 Geplanter Unterrichtsverlauf 8
3.1.4 Tatsächlicher Unterrichtsverlauf 9
3.2 Stunde in der 9. Klasse Wirtschaftsschule. 12
3.2.1 Anthropogene Voraussetzungen der Klasse 12
3.2.2 Thematische Inhalte der Stunde 13
3.2.3 Geplanter Unterrichtsverlauf 13
3.2.4 Tatsächlicher Unterrichtsverlauf 14
3.3 Stunde in der 12. Klasse Fachoberschule/Berufsoberschule 15
3.3.1 Anthropogene Voraussetzungen der Klasse 15
3.3.2 Thematische Inhalte der Stunde 16
3.3.3 Geplanter Unterrichtsverlauf 16
3.3.4 Tatsächlicher Unterrichtsverlauf 17
3.3.5 Auswertung des Fragebogens 18
4 KRITISCHE REFLEXION 19
4.1 Überprüfung des Theoriegerüsts 19
4.2 Überprüfung der Begründungen und Zielsetzungen der Methode 21
5 SYNTHESE 24
6 LITERATURVERZEICHNIS 26
7 ANHANG 27
1 EINLEITUNG
Wie viele ehemalige Schüler würden wohl der Aussage zustimmen, dass sie in ihrer Schulzeit trotz jahrelangem Unterricht in einer Fremdsprache keinen Satz sprechen könnten und sich dies erst geändert habe, als sie nur wenige Wochen in dem Land verbrachten? Jemand, der nicht das Glück hatte, nach Frankreich oder in die USA zu reisen, kam nie in den Genuss und zu dem Erfolgserlebnis, eine jahrelang gelernte Fremdsprache zu praktizieren. Eigentlich darf das doch nicht sein! Es muss doch allen Lernern einer Fremdsprache ermöglicht werden, sich zumindest ansatzweise mündlich zu verständigen. Es tut sich also der Verdacht auf, dass in Deutschlands Schulen nicht immer effektiv genug gelernt wird, was auch in den Pisa‐Studien mehrfach bestätigt wurde (Martin, 2002, S. 3). Was kann aber der einzelne Lehrer dagegen tun? Als Lehr‐ kraft, sei es im Fremdsprachenunterricht oder in allen anderen Fächern, sollte man den Mut haben, neue Methoden auszuprobieren, Risiken einzugehen und Experimente auszuführen, um seinen eigenen Stil zu finden. Auch unter den gegebenen Bedingun‐ gen ist es möglich, dass grundlegende Veränderungen am Lernort Schule initiiert wer‐ den. Allerdings bedarf dies einer fundierten Reflexion nicht nur über Unterrichtstech‐ niken, wie es ja schon seit längerer Zeit der Fall ist, sondern über das Lernen im Unter‐ richt überhaupt.
Im Rahmen der Referendarsausbildung werden die angehenden Lehrer dazu ermutigt, stets neue Methoden im Unterricht zu erproben und zu reflektieren. Auch diese wis‐ senschaftliche Arbeit untersucht eine Methode, die vor allem im Fremdsprachenunter‐ richt, aber auch in anderen Fächern Eingang gefunden hat. Diese Methode - LdL (Ler‐ nen durch Lehren)‐ wird daher speziell im Bereich der beruflichen Schulen auf ihre Eignung getestet. Geeignet und somit Erfolg versprechend erscheint sie dann, wenn sie dazu beiträgt, die Schüler im Unterricht zu aktivieren, wenn sich durch sie also der Sprechanteil der Schüler deutlich erhöht.
In dieser Arbeit wird in Punkt 2 zunächst der theoretische Rahmen von LdL erläutert. Es werden Leitfragen entwickelt, anhand derer die Zielsetzungen der Methode über‐ prüft werden können. In Punkt 3 werden drei gehaltene Unterrichtsstunden zu LdL in Ihrer Planung und Durchführung geschildert. Die Stunden fanden in der neunten und zehnten Klasse der Wirtschaftsschule sowie in der 12. Klasse der Fachoberschule /
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Berufsoberschule statt. Punkt 4 beinhaltet eine kritische Reflexion des Theoriegerüstes sowie der Zielsetzungen der Methode. Was versteht man also unter LdL?
2 DIE METHODE „LERNEN DURCH LEHREN“
2.1 Theoretischer Rahmen
Die handlungsorientierte Methode „Lernen durch Lehren“ (im Folgenden mit „LdL“ abgekürzt) basiert auf der Idee, dass sich Schüler gegenseitig den Unterrichtsstoff vermitteln. Diese Idee existiert bereits, seit es Unterricht gibt. Prägend war unter an‐ derem die Bewegung der Reformpädagogik mit der Arbeitsschulbewegung um Kerschensteiner (1914) und dem Projektunterricht bei Dewey und Kilpatrick. Seit den achtziger Jahren wird diese Methode insbesondere mit Jean‐Pol Martin (*1943), mittlerweile pensionierter Fachdidaktiker an der Uni Eichstätt und zeitweise Gymnasiallehrer für Französisch und Deutsch, in Verbindung gebracht. Der Begriff „LdL“ bezeichnet eigentlich einen didaktischen Ansatz, der in den siebziger Jahren an einigen Universitäten getestet wurde und sich hauptsächlich auf den per‐ sönlichen Lernerfolg bezog, den Tutoren durch ihre Lehrtätigkeit erzielten. Von der Projektgruppe um Jean‐Pol Martin wurde er gewählt, um von der allzu personalisierten Benennung „Methode Martin“ wegzuführen (Martin, 1994, S. 12).
LdL ist theoretisch in verschiedener Hinsicht verankert. Die Bedeutung der Habituali‐ sierung durch imitative und repetitive Verfahren ist auf den strukturalistisch‐ behavioristischen Einfluss zurückzuführen (Martin, 1986, S. 19‐23). Bei diesen Verfahren steht die Ausstattung des Lerners mit Sprachreflexen über die wiederholte Manipulation von Sprachstrukturen im Vordergrund. Dieser Aspekt ist für LdL von Bedeutung, allerdings klammert diese Denkrichtung einige wichtige Dimensionen des Fremdsprachenunterrichts aus. Der kognitionspsychologische Theorieschub wirkte sich insofern positiv auf die Weiterentwicklung des behavioristischen Paradigmas aus, als hier über das bewusste Erlernen von Grammatikregeln der Aufbau der Fähigkeit zum Einsatz des vorhandenen Wissens im Sinne der Problemlösung (=epistemische Kompetenz) geschult wird. Auch diese Fähigkeit wird bei LdL trainiert. Der handlungstheoretische, kommunikative Theorieschub hat für die Gestaltung des Fremdsprachenunterrichts die Auswirkung, dass der Lerner zunehmend mit realen Kommunikationssituationen konfrontiert wird, in denen er sich zu behaupten hat und zudem durch die Lernsituation im Allgemeinen dazu angeregt wird, komplexe
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Handlungen auszuführen. Diese Gedanken sind zentral auch bei LdL. Die Erkenntnisse der Zweitsprachenerwerbsforschung stützen sich auf das Piagetsche Stufenmodell der kognitiven Entwicklung bei Kleinkindern und postulieren, dass der Erwerb einer Fremdsprache in ähnlicher Weise verlaufe. Anders als das behavioristische Paradigma beharrt die Zweitsprachenerwerbsforschung auf der Bedeutung heuristischer Kompetenz 1 . Daraus ergeben sich Forderungen an einen modernen Fremdsprachenunterricht, der in LdL realisiert werden soll: Es muss die Möglichkeit gegeben sein, Redeketten zu verinnerlichen und diese an komplexe Handlungen zu knüpfen. Dabei soll die Redekette einem echten Mitteilungsbedürfnis entsprechen. Das Unterrichtsmaterial soll den Lerner dazu anregen, seine Problemlösefähigkeit zu schulen und somit seine heuristische Kompetenz (s.o.) zu erweitern. All diese Theorieschübe sind für LdL in ihrer Gesamtheit von Bedeutung. Jeder einzelne für sich gesehen würde zu kurz greifen. Die Frage stellt sich nun, wie die Ideen der Theoriegerüste in einem Ansatz vereint werden können. Martin (ebd., S. 23‐24) schlägt hierzu den Informationsverarbeitungsansatz vor. Folgender Zyklus wird diesem zu‐ grunde gelegt: Informationsinteresse, Informationsaufnahme, Informationsverarbei‐ tung, Informationsspeicherung, Reaktivierung der gespeicherten Information, Informa‐ tionsanwendung. Wie lässt sich diese Reaktionskette in Gang setzen und wie kann sie aufrechterhalten werden? Nach Martin ist dies zu leisten, wenn Schüler die in den Lehrwerken vorhandenen Inhalte mit Hilfe des Lehrers aufbereiten und ihren Mit‐ schülern vermitteln. So wird ein Handlungsfeld eröffnet, bei dem alle Stufen des eben beschriebenen Zyklus ständig durchlaufen werden. Die Aufgabe des Lehrers konzent‐ riert sich dabei hauptsächlich auf die Sicherung des Faktors „Informationsinteresse“. Als technische Voraussetzung gilt, dass die entsprechenden linguistischen und didakti‐ schen Kompetenzen der Schüler schrittweise und systematisch aufgebaut werden.
2.2 Begründung der Methode
2.2.1 Möglichkeit zur Bewältigung der Zielkonflikte
Es stellt sich die Frage, warum gerade LdL dazu geeignet ist, die Forderungen an einen modernen Fremdsprachenunterricht zu erfüllen. Im Fremdsprachenunterricht werden
1 Unter heuristischer Kompetenz versteht man die Fähigkeit, mithilfe von Problemlöseverfahren neue Schemata aus unbekanntem Material abzuleiten.
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unterschiedliche Ziele verfolgt, die sich vermeintlich gegenseitig ausschließen. (Martin, 1994, S. 13‐14). Der sprachdidaktische Zielkonflikt besteht darin, dass beim Erlernen einer Sprache einerseits auf die Richtigkeit geachtet werden muss, andererseits eine Sprache in authentischen Redesituationen gelernt wird. Übt man im Unterricht haupt‐ sächlich Grammatik und Übersetzung, um den korrekten Sprachgebrauch sicherzus‐ tellen, wird wenig gesprochen. Falls der Schwerpunkt auf dem Sprechen liegt, gerät möglicherweise die Sprache als korrekt zu erlernendes System aus dem Blick. Der sprachdidaktische Zielkonflikt kann durch LdL insofern gelöst werden, dass die Schüler sich in ihrer Lehrfunktion (also der Vermittlung von Grammatik und Wortschatz) be‐ wusst auf Sprachkorrektheit konzentrieren und sich gleichzeitig ihr Redeanteil um ein Vielfaches erhöht.
Es ist einerseits wünschenswert, dass die Sprache mithilfe kognitivierender Verfahren (Grammatik, Übersetzung) als System begriffen wird. Andererseits müssen Sprach‐ strukturen verinnerlicht werden. Das geschieht durch eine behavioristische Vorge‐ hensweise. So entsteht der lerntheoretische Zielkonflikt: Aus Gründen des Zeitmangels wird im Fremdsprachenunterricht entweder der Schwerpunkt auf die eine oder die andere Verfahrensweise gelegt. Hier kann LdL dazu dienen, beide lerntheoretischen Zielsetzungen zu vereinen. Wenn die Schüler nämlich den Auftrag erhalten, den Stoff aufzubereiten und zu präsentieren, wird dieser kognitiv angegangen und dann durch die ständige Verbalisierung im Klassenzimmer verinnerlicht.
2.2.2 Neue Rolle des Lehrers
LdL ist für den Lehrer insofern interessant, als sie ihm die Gelegenheit bietet, seine Rolle als alleiniger Wissensvermittler zu überdenken (Fischer & Graef, 1993, S. 7‐11). Vielmehr übt der Lehrer hier eine beratende Tätigkeit aus; er lenkt die Lernprozesse der Schüler, agiert dabei aber helfend im Hintergrund und ist bei Unklarheiten die letzte Instanz. Hierbei ist anzumerken, dass es für den Lehrer anfangs nicht leicht ist, sich in diese neue Rolle einzufinden. Es wird ihm anfangs schwerfallen, sich zurückzunehmen und nicht sofort zu intervenieren, falls die durch Schüler angeleitete Unterrichtseinheit ins Stocken gerät oder Fehler gemacht werden (Martin, 1985, S.30‐ 31).
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2.2.3 Neue Rolle des Schülers
Auch für den Schüler finden im Rahmen von LdL enorme Veränderungen statt. Hier steht er und nicht der Lehrer im Zentrum des Interesses. Unter der Anleitung der Lehr‐ kraft erarbeitet und vermittelt der Schüler den Stoff selbst. So entsteht die Gelegenheit, rücksichtsvolles und höfliches Verhalten an den Tag zu legen (beispiels‐ weise wenn etwas nicht verstanden wurde und der Wunsch nach Wiederholung besteht oder wenn ein Fehler korrigiert werden soll) und die Lehrtätigkeit als verant‐ wortungsvolle Aufgabe zu begreifen. Dabei werden nebenbei Kompetenzen erlernt, die in der zunehmend komplexer werdenden Welt immer mehr gefordert werden. Solche Kompetenzen sind Fähigkeit zur Empathie oder die Bereitschaft, sich mit vielschichtigen Problemstellungen auseinanderzusetzen.
Der Schüler durchläuft ebenso wie der Lehrer einen Entwicklungsprozess, wenn LdL eingeführt wird. Am Anfang ist er noch unsicher und traut es sich vielleicht nicht ein‐ mal zu, vor der Klasse zu stehen. Resultierend aus dieser Unsicherheit sucht er ständig den Blickkontakt des Lehrers und hofft, durch ein nonverbales Zeichen wie zum Bei‐ spiel ein Kopfnicken Bestätigung zu erhalten. Normalerweise findet sich der Schüler aber nach einiger Zeit in der neuen Rolle gut zurecht.
2.2.4 Zentrales Element der Schüleraktivität
Sofern sich der Schüler in der neuen Rolle eingefunden hat, kommt die Schüleraktivierung‐ oder Aktivität zum Tragen. Aktivität bezeichnet im modernen Sprachgebrauch gewöhnlich ein Verhalten, bei dem der Mensch durch Aufwendung von Energie eine bestimmte Wirkung erzielt (Ewig, 1990, S. 9). Schüleraktivierung im Sinne einer Erhöhung des Sprechanteils der Schüler kann als zentrales Element von LdL angesehen werden, da sie im traditionellen Fremdsprachenunterricht bisher zu kurz kam. Was ist unter Schüleraktivierung zu verstehen?
Schülerinnen und Schüler sind meist dann aktiv bei der Sache, wenn sie selbst etwas tun dürfen, wenn sie Verantwortung dafür tragen und emotional daran beteiligt oder davon angesprochen sind. Dazu trägt bei eine angenehme und angstfreie Lernumge‐ bung, ansprechendes und anregendes Material, klare und für alle machbare Leistungsanforderungen (Differenzierung) und Hilfestellungen zum selbstständigen Tun (Methodenkompetenz). Für die Unterrichtsorganisation heißt das, dass es in jeder Stunde genügend Raum und Zeit geben muss, die Schüleraktivierung ermöglichen. Die
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Lehrperson wird dabei aus ihrer aktiv lenkenden Rolle heraustreten und eher die Rolle der Lernbegleiterin/des Lernbegleiters einnehmen. Auch ist Schüleraktivierung daran zu erkennen, wie selbstverständlich die Lerngruppe mit Arbeitsmitteln wie Wörter‐ buch, Lexikon oder sonstigen Nachschlagewerken umgeht (Leist & Spitzner, 2007, S.1‐ 2).
2.3 Zielsetzungen im Bezug auf die Anwendung der Methode
LdL ist eine komplexe Methode. Das Vielversprechende an ihr ist, dass den Schülern von Beginn an die Möglichkeit eröffnet, den Unterricht kommunikativ zu gestalten. Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit ist es, zu untersuchen, ob LdL tatsächlich als eine Erfolg versprechende Methode zur Schüleraktivierung angesehen werden kann. Zu diesem Zweck soll anhand von folgenden Leitfragen im Reflexionsteil geprüft werden, ob das Ziel der Schüleraktivierung erreicht wurde: a) Sind die Schüler imstande, Unterrichtsphasen (Grammatikeinführung, Lehrbuch‐ übungen zur Grammatik) mit anderen durchzuführen? b) Arbeiten die Schüler aktiver mit? c) Kann der Sprechanteil der Schüler erhöht werden?
d) Verbessert sich das Sozialverhalten durch die Übernahme von Verantwortung für die Gesamtgruppe und durch die verstärkte Zusammenarbeit miteinander? e) Kann die Motivation durch die aktivere Teilnahme, die Identifikation mit den Produkten und den verschiedenen „Lehrern“ erhöht werden? f) Inwieweit verändert sich dabei die Rolle des Lehrers?
3 PLANUNG UND DURCHFÜHRUNG DER UNTERRICHTSSTUNDEN
3.1 Stunde in der 10. Klasse Wirtschaftsschule
3.1.1 Anthropogene Voraussetzungen der Klasse
Die Klassen VM10H und VH10E befinden sich im Schuljahr 2007/08 im Abschlussjahr der vierstufigen Wirtschaftsschule (beginnend ab der siebten Klasse). Für beide Züge ist ab der neunten Klasse ein Wahlpflichtfach mit drei Wochenstunden vorgesehen. Zwölf Schüler in der 10. Jahrgangsstufe belegen Französisch. Ich unterrichtete von November 2007 bis Juli 2008 zwei Stunden wöchentlich in der Gruppe. In der Klasse legte ich auch die zweite Prüfungslehrprobe ab. Die Schüler der Klasse sind zwischen
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16 und 18 Jahre alt. Vier sind männlich (Ralph, Richard, Albert und Patrick), acht (Mehtap, Anna, Mona, Ebru, Annika, Sabine, Monika, Tuğba) weiblich. Die Vorbildung der Schüler setzt sich wie folgt zusammen: Sieben Schüler haben zuvor die Hauptschule bis zur einschließlich sechsten Klasse besucht, drei Schüler bis zur einschließlich siebten; ein Schüler hat das Gymnasium bis zur einschließlich sechsten Klasse besucht, ein Schüler bis zur einschließlich siebten. Insgesamt weist die Französischgruppe einerseits große Stärken, andererseits Defizite auf. Die Gruppe ist sehr kommunikationsfreudig und begeistert bei der Sache, wenn schüleraktive Methoden durchgeführt werden. Viele Schüler besitzen ein ausgeprägtes Improvisati‐ onstalent. Einige Schüler lernen aber die Vokabeln und die Grammatik nicht kontinuierlich mit. So ist es Standard, dass trotz intensiver Vokabelarbeit neu gelernte Wörter in der Regel nach kurzer Zeit bei vielen nicht mehr verfügbar sind. Bei der Durchführung schüleraktiver Methoden müssen viele Vokabeln vorgegeben werden. Die Klasse kann bezüglich ihres Leistungsniveaus also durchaus als heterogen bezeich‐ net werden. Auch sind Störungen des Unterrichts durch private Gespräche keine Seltenheit. Die Gruppe ist zwar mit nur zwölf Leuten relativ klein. Dennoch musste ich oft das Wort „silence“ benutzen, um für Ruhe zu sorgen. Insgesamt eignet sich meiner Einschätzung nach die Klasse aufgrund ihres großen Kommunikationsbedürfnisses und des Vorhandenseins einiger starker, motivierter Schüler, denen ich die Anleitung der Stunde zutraue, dazu, die Methode LdL zu erproben.
3.1.2 Thematische Inhalte der Stunde
Für die Unterrichtseinheit wählte ich die Lektion 6 A „Les vacances en Ardèche“ des Lehrbuchs „Ensemble 2“ (Klett Verlag) aus. Der Lektionstext einschließlich Übungen befindet sich im Anhang. Die Stunde findet am Dienstag, 08. Juli 2008 statt. Das Schul‐ jahr neigt sich dem Ende zu, die zehnte Klasse hat zudem die Abschlussprüfungen bereits hinter sich gebracht. Deshalb erscheint mir das Thema „les vacances“ passend, auch wenn die Ferien im Lektionstext bereits im Februar stattfinden. Der Text handelt von einem Geschwisterpaar, Emilie und Olivier Pradel. Sie packen ihre Koffer, um die Winterferien im Landhaus einer befreundeten Familie, der Girards, zu verbringen. Am Bahnhof in Paris treffen sich die Pradels und die Girards. Olivier und Emilie werden mit den Kindern der Girards, Hélène, Joffrey und Fleur ohne Eltern in das Ferienhaus in Lamastre fahren. Sie nehmen den TGV bis Valence, dann den Bus bis Lamastre und
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zuletzt ein Taxi. Als sie angekommen sind, machen sie zunächst ein Feuer und möchten dann etwas kochen. Der Text bietet die Möglichkeit der Lektüre für sechs Leser: Den Erzähler, der einen hohen Leseanteil hat, Mme Pradel, Olivier, Emilie, Hélène und Joffrey.
Die Lektion 6A ist ziemlich vokabellastig. Thematischer Schwerpunkt sind Kleidungsstücke und das Haus und seine Bestandteile. Manche Kleidungsstücke lassen sich gut aus dem Englischen oder Deutschen herleiten (zum Beispiel le sweat‐shirt, les baskets, le pyjama). Auch die Wörter les W.C. la cheminée (Engl. chimney) und la salle de bains dürften kaum Schwierigkeiten bereiten. In der Grammatik wird die Konjuga‐ tion der Verben dire, lire und écrire eingeführt. Weiterhin sind die Inversionsfrage in der zweiten Person Singular und Plural und das Verb connaître Inhalt der Lektion 6A. Die Grammatik ist als nicht allzu schwer verständlich einzustufen.
3.1.3 Geplanter Unterrichtsverlauf
Die Methode LdL ist der Klasse nicht gänzlich neu. Bereits vor Bekanntwerden des Themas der Hausarbeit habe ich eine Stunde zu LdL durchgeführt. Daher gehe ich davon aus, dass LdL nun keine allzu großen Schwierigkeiten mehr bereitet. Für die Unterrichtseinheit sind nur 45 Minuten vorgesehen. Zudem ist zu berücksichtigen, dass ich am 08. Juli 2008 zum allerletzten Mal in der Klasse sein werde und die Schüler eventuell nicht damit rechnen, dass ich Unterricht mache. Sicherlich werden sie eher ein französisches Lied erwarten. Auf Proteste werde ich mich also einstellen dürfen. Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren ist der Unterrichtsverlauf wie folgt geplant (ein tabellarischer Verlaufsplan befindet sich im Anhang): Die 45‐minütige Unterrichtseinheit ist klassisch in die Phasen Motivation, Erarbeitung und Sicherung gegliedert. Für die Motivationsphase sind zwei Minuten vorgesehen. In diesen zwei Minuten erkläre ich den Schülern in einfachem Französisch, dass heute wieder einmal sie die Lehrer sein werden und wir uns so den neuen Lektionstext 6A erarbeiten. In der Erarbeitungsphase werde ich aus Zeitgründen die Vokabeln selbst auf Folie am Over‐ headprojektor präsentieren. Ich werde jede einzelne Vokabel vorlesen, die Schüler sprechen nach. Schließlich werde ich den Schülern erklären, wie sie die Lektüre des Textes anleiten können. Dazu gebe ich ihnen beispielhafte Sätze, wie sie auch Martin vorschlägt (Martin, 1985, S. 30‐34n) an die Hand (siehe Anhang). Solche Sätze sind z.B. „Anna, dirige la lecture du texte 6A, s´il te plaît“ oder „Ralph, tu es le narrateur“. Diese
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Diplom-Handelslehrerin Katharina Waldmüller, 2008, Lernen und Lehren (LdL) im Französischunterricht an beruflichen Schulen, München, GRIN Verlag GmbH
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