Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
2
1 Lexik
2 Phonetik
2.1. Seseo /Ceceo 3
2.2. Lleísmo/ Yeísmo
2.3. Vokale: Lautliche Umgestaltung und Wegfall
2.4. Aussprache des Diphthongs /ei/
2.5. Aussprache des Phonems /x/
2.6. Ausfall und Schwächung des Phonems /d/
2.7. Entfall des /r/ 6
3 Morphosyntax
Gegenstände (Substantiv):
3.1. Numerus 7
3.2 Genus 7
3.3 Diminutiv 7
3.4 Pronomen (Anredeformen): tú / usted/ sumercé 8
Sachverhalte (Verb):
3.5 Tempus (Futur) 9
3.6 Diathese (Reflexiver Verbgebrauch) 9
10
4 Status des Spanischen in Kolumbien
11
5 Schule
11
6 Sprachgeographie und individuelle Sprecherin
Zusammenfassung 12
Quellenverzeichnis 13
Anhang (Abkürzungen/ Karte Kolumbiens /Tonaufnahmen/) 14
Einleitung
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Spanischen in Kolumbien. Obwohl sich die geschriebene Sprache an das Kastilische der iberischen Halbinsel annähert, was sich auch in den Medien und in der Literatur bemerkbar macht, gibt es in der gesprochenen Sprache Kolumbiens einige Besonderheiten. Die Untersuchung der spanischen Sprache hat in Kolumbien schon eine lange Tradition, so wurde der erste Sprachatlas (der ALEC) eines lateinamerikanischen Landes in Kolumbien herausgegeben. Be- sonders die Analyse der gesprochenen Sprache ist sehr wichtig, da sich hier am schnellsten Verände- rungen zeigen, die erst lange Zeit später (oft sogar gar nicht) in die Schriftsprache übergehen. Diese Arbeit wird versuchen, Besonderheiten des Spanischen in Kolumbien aufzuzeigen. Dabei wer- den einige Beispiele aus der Lexik angeführt und auf die Phonetik eingegangen. Vor der eigentlichen Analyse der Phonetik wurden der kolumbianische Text „La noche de los feos“ und drei Witze von einer Kolumbianerin gesprochen und auf CD sowie auf Audiokassette aufgenom- men (siehe Anhang). Die Arbeit wird sich außerdem mit der Morphosyntax beschäftigen. Auch der Status der Sprache, das Schulwesen und die Sprachgeographie sind bei der Untersuchung des Spani- schen in Kolumbien berücksichtigt worden.
In meiner Arbeit stütze ich mich in erster Linie auf die Erfahrungen der wissenschaftlichen Studie „Spanisch in Kolumbien“ von Peter Wenzel Scholpp, der wichtige Merkmale in der gesprochenen Sprache herausgefunden hat. Dabei habe ich versucht, mich von dem Aufbau seines Buches weitge- hend zu lösen und seine Ergebnisse auch mit eigenen Beispielen zu untermauern.
1 Lexik
Die Erforschung der Lexik in Kolumbien ist gut entfaltetet. Im ALEC, dem Atlas Lingüístico- Etnográfico de Colombia, findet man etwa 1500 Begriffe in ihrer regionalen Bedeutung sowie die Or- te, wo sie benutzt werden (vgl. ZIMMERMANN 1997: 401).
In der Lexik gibt es Neuschöpfungen, besonders stark darunter ist die Gruppe der Diminutive (das sind Verkleinerungsformen), beispielsweise „un momentico, por favor“.
In der kolumbianischen Lexik tauchen Vulgarismen, (wie el coso: `Dingsda´), Archaismen, Regiona- lismen und indianisches Vokabular auf. Auch existieren zahlreiche Anglizismen, wie chequear, par- quear, tiquete, cloche < englisch clutch, suiche < englisch switch. Teilweise lässt sich auch eine Ent- lehnung aus der englischen Syntax ableiten, so z.B. „el aunto está siendo considerado“ (vgl. ebd.). Der Ausdruck casimba wird (immer noch) an der Atlantikküste benutzt; es kennzeichnet einen kleinen Brunnen, der in der Nähe eines Flusses oder eines Meeres ausgegraben wurde, um trinkbares Wasser zu gewinnen:
„CASIMBA [Hervorhebungen im Original] se usa aún en nuestra Costa Atlántica para designar un pequeño pozo que se excava cerca de un río para obtener agua potable.” (DEL CASTILLO MATHIEU 1995: 141).
Der Begriff malanga wird ebenfalls an der Atlantikküste, im Osten des Flusses Magdalena, im Norden von Santander und in den östlichen Ebenen gebraucht, aber es wird auch in vielen Ländern der Karibik genutzt. Sicher ist, dass es von dem Wort malanga abstammt, welches eine Pflanze meint, deren Blä t- ter und Knollen man isst.
„MALANGA [Hervorhebung im Original] (...) se emplea solamente en la Costa Atlántica al oriente del Río Magdalena, en Norte de Santander y en los llanos orientales, pero tiene amplio uso en los países del Caribe (...). Proviene seguramente del vocablo kikongo malanga, que equivale a `planta de la cual se comen las hojas y los tubérculos...´ .. .“ (DEL CASTILLO MATHIEU 1995: 143).
Das Wort tanga ist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in das kolumbianische Spanisch einge- drungen. Es kam mit den neuen Strandmoden aus Brasilien. Der brasilianische Tanga stammt vom Wort ntanqa ab, das die Bedeutung von `Stoff, Tuch, Verhüllung´ hat. Dieses Wort ist in viele spa- nisch-amerikanischen Länder eingedrungen:
„TANGA [Hervorhebung im Original] es quizá el único bantuismo que ha penetrado en el español de Colombia en la segunda mitad del siglo XX. Vino de Brasil al unísono con las nuevas modas playeras. La tanga brasileña proviene del kikongo ntanqa, que significa “tela, paño, taparrabos” (Balandier: 107, 159, 160). Esta voz ha penetrado en muchos países de la América española.” (DEL CASTILLO MATHIEU 1995: 145).
Außerdem zeigt sich eine charakteristische Lexik im Schulbereich: So beispielsweise `pasar en pla n- cha´, übersetzt heißt es soviel wie „die schlechteste Note bekommen haben, um gerade noch zu beste- hen“, `pupilo´, der „Liebling des Lehrers“ und `quemarse´, „ohne ein gutes Ergebnis lernen“ (vgl. ZIMMERMANN 2000:402).
2 Phonetik
2.1 Seseo und Ceceo
Die Annahme, das Lateinamerika ein einheitliches Seseogebiet sei, ist Kubarth (1987: 123) nach zu urteilen, falsch. In Kolumbien existiert auch der Ceceo in vielen Landesteilen. Der Seseo ist in vielen spanischsprachigen Ländern Lateinamerikas zu finden und bezeichnet den laut- lichen Zusammenfall der Phoneme /s/ und /O/. Beim Ceceo wird das kastilische Phonem /O/ nicht rein artikuliert, sondern eher interdental ausgesprochen. Der Gebrauch des Ceceo ist geographisch nicht eingrenzbar. Er ist in der Alltagssprache fast nicht anzutreffen. Er wird in vereinzelten, ländlichen Or- ten verwendet. Die häufiger benutzte Variante ist, auch auf dem Land, der Seseo. Nach Scholpps Be- fragungen unter Sprechern aus Bogotá ist der Ceceo ein sprachlicher Archaismus. Er wird verwendet, um bestimmte Situationen (feierlich, affektiert) auszudrücken. (vgl. SCHOLPP 2000:23 ff.) Bei meinen Tonaufnahmen war feststellbar, dass manche Wörter mit dem Phonem /s/ sehr weich aus- gesprochen wurden, wie z.b. bei
exacta,
manchmal auch wie ein deutsches
“Levantó la cabe(sch)a.” “Tristes, feli(s)es.“
Auch Scholpp bemerkt, dass die Aussprache des Phonems /s/ in Kolumbien sehr unterschiedlich ist, dass es teilweise als alveolarer Reibelaut artikuliert wird und in nachlässiger Umgangssprache teilwei- se eine Aspiration, also eine Schwächung, vorhanden ist (vgl. SCHOLPP 2000:25).
2.2 Yeísmo und Lleísmo
Der Begriff Yeísmo bezeichnet den lautlichen Zusammenfall der Phoneme /j/ und / / zu /j/. In sehr vielen spanischsprachigen Ländern ist der Yeísmo ein charakteristisches Phänomen. Unter gebildeten Sprechern ist der Yeísmo sehr verbreitet, nur in einzelnen Gebieten wird noch zwischen dem Phonem /j/ und / / differenziert, wobei also der erste Laut der Wörter yerba und lluvia anders ausgesprochen wird (vgl. SCHOLPP 2000:21).
Die Buchstaben ll wurden bei meiner Tonaufnahme beim Wort ella nicht mit dem Phonem / / sondern eher wie zwei Phoneme ausgesprochen wurden. Das erste Phonem war dabei ein /l/, das zweite ein / /. Beispiel:
„Tanto los de el(j)a como los míos son ojos duros; en el(j)os sólo se lee que poco o nada nos
Das Wort llena hingegen wurde bei meiner Tonaufnahme mit / /, also ohne Besonderheit, artikuliert: „La cafetería estaba llena, pero en ese momento se quedó libre una mesa.“ Der ALEC begrenzt das Gebiet des Lleísmo auf Gebiete der Ostkordilleren, vor allem bei der weniger gebildeten Bevölkerung ist das Sprachphänomen anzutreffen. Dort wird also in den Wörtern caballo und llave das Phonem / / artikuliert.
Ein Grund dafür, dass der Lleísmo heute noch in Bogotá anzutreffen ist, liegt in der Immigration von Personen vom Land in die Hauptstadt. Viele der Immigranten ändern jedoch ihre Aussprache zuguns- ten der Variante, die in der Metropole vorherrscht (also zum /j/), da diese einen höheren Status hat. Selten hört man in Bogotá das laterale / /. Die Verbreitung des Yeísmo wird durch die Massenmedien, besonders Radio und Fernsehen, gestärkt. Die Verwendung ist also dialektal bedingt. (vgl. SCHOLPP 2000:21 ff.).
2.3 Vokale: Lautliche Umgestaltung und Wegfall
Beim schnellen und hastigen Sprechen, so hat Scholpp bei seinen Tonaufnahmen festgestellt, wird ein Vokal häufig abgeschwächt oder entfällt sogar. So kommt es beispielsweise zum Wegfall des /o/ bei bueno und des ersten /a/ bei hasta in folgendem Satz, den er bei einem Telefonat mitzeichnete: „Si....., buen...., que buen.........buen [Hervorhebungen im Original]....., ¡’stá luego!“
Eine lautliche Veränderung, ein Übergang des Vokals /e/ zu /i/ ist häufig in ländlichen Gebieten anzu- treffen. Aber diese Erscheinung ist nicht nur regional bedingt, sondern oftmals handelt es sich dabei
Arbeit zitieren:
Sarah Lindner, 2002, Spanisch in Kolumbien, München, GRIN Verlag GmbH
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