Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Maria Montessori - Leben und Werk 2
2.1 Biographie 2
2.2 Theoretische Grundlagen der Montessori-Pädagogik 8
2.2.1 Anthropologischer Ansatz 9
a) Mensch als Lebewesen 9
b) Mensch als auf die Gesellschaft ausgerichtete Person 9
c) Mensch als Gottesgeschöpf 10
d) Exkurs: Die Wachstumsperioden des Kindes 10
2.2.2 Kosmische Theorie 11
2.2.3 Religiöse Dimension 12
2.3 Polarisation der Aufmerksamkeit 13
2.4 Ausblick: Montessori-Pädagogik heute 14
3. Zusammenfassung 16
4. Literatur- und Quellenverzeichnis. 18
4.1 Primärliteratur 18
4.2 Sekundärliteratur 18
4.3 Virtuelle Quellen 18
1
1. Einleitung
„Nehmt eure erwachsenenzentrischen Brillen ab und betrachtet vorurteilslos die
Maria Montessori hat in ihrem Leben viel und ausführlich über das Wesen des Kindes nachgedacht. Von ihrer Entdeckung des Phänomens „Polarisation der Aufmerksamkeit“ über ihr Konzept der sensiblen Phasen bis hin zum kosmischen Plan versuchte sie die Bedeutung der Kindheit und die Natur des Kindes zu hinterfragen. Das Kind befinde sich ihrer Ansicht nach in einem Klassenkampf gegen die „Großen“, die es an seiner Entfaltung hindern. 1 All diese grundlegenden Elemente sind Mittelpunkt dieser Arbeit, die sowohl ihr pädagogisches Erbe in seinen Grundzügen vorstellt, als auch die Person Maria Montessori in einen größeren Fokus rückt.
Aufgrund wichtiger Eckpunkte ihrer Biographie, die sich gut mit ihren pädagogischen Gedanken verknüpfen lassen, wird ihr Lebenslauf einen großen Teil der Arbeit einnehmen. Die wichtigsten Grundlagen ihrer Pädagogik sowie die theoretische Basis werden vorgestellt. Voraussichtlich kann nicht auf jede wichtige Facette eingegangen werden, da der Rahmen der Arbeit zu einengend ist, somit wird versucht einen guten Überblick über Leben und Werk zu vermitteln. Inwiefern die Ideen Montessoris heute noch weiterleben, soll in einer statistischen Ausführung über deutsche Montessori-Einrichtungen deutlich gemacht werden. Ob sich dort die Ziele und Methoden mit befriedigendem Ergebnis heute noch umsetzen lassen, ist eine schwierige Frage, die meist nur auf empirischen Untersuchungen basierend und nur dürftig beantwortet werden kann. Auch diese Problematik soll kurz angerissen werden um einen möglichst objektiven Blick der durchaus auch umstrittenen Methodik zu bekommen. Dies ist in der Tat ein Problem, da Literatur über Montessoris Werk oftmals einen tendenziösen Unterton enthalten, hervorgerufen durch die gespaltenen Ansichten der Kritiker. Gute objektive Untersuchungen, die für diese Arbeit das Hauptmaterial bilden, sind zum einen: Hebenstreit, Sigurd: Maria Montessori: eine Einführung in ihr Leben und Werk, Freiburg 1999 und zum anderen: Hedderich, Ingeborg: Einführung in die Montessori-Pädagogik: Theoretische Grundlagen und praktische Anwendung, 2. überarb. Aufl., München 2005.
1 Hebenstreit, Sigurd: Maria Montessori: eine Einführung in ihr Leben und Werk, Freiburg 1999, S. 14. (Im Folgenden: Hebenstreit, S.: Maria Montessori, S. x.)
2
2. Maria Montessori - Leben und Werk
2.1 Biographie
Es sei nochmals zu betonen, dass die Quellenlage zu Maria Montessoris Leben und ihrem pädagogischen Werk sehr kritisch zu betrachten ist, da die meisten Abhandlungen auf der einen Seite nahezu Verehrungen, auf der anderen Seite stark kritisierende Sichten darstellen. Eine Autobiographie, auf die man sich stützen könnte, hat Montessori leider nicht verfasst, was einen wahrheitsgetreueren Einblick in ihren Lebenslauf gegeben hätte. Auf diese „Schwarz-Weiß-Zeichnung“ in den Schriften über die italienische Pädagogin weist Sigurd Hebenstreit hin 2 und versucht, einen weitestgehend neutralen Einblick zu skizzieren. Es sei aufgrund der polarisierenden Ansichten in der Literatur sehr schwierig, eine sachliche Reflektion der Erziehungsmethode, wie auch ihres Lebenslaufes zu formulieren. 3 Da sich auf dieses Werk (Hebenstreit, S.: Maria Montessori: eine Einführung in ihr Leben und Werk, Freiburg 1999.) oftmals andere Forscher beziehen, es darüber hinaus empfohlen wird und aufgrund der Tatsache, dass versucht wurde, objektiv zu bleiben, dient es für den biographischen Abriss als Hauptarbeitsgrundlage.
Maria Montessori kam am 31. August 1870 in Chiaravalle bei Ancona in Italien zur Welt. 4 Als sie drei Jahre alt war, wohnte sie mit ihrer Familie in Florenz, später, mit fünf Jahren, zogen sie um nach Rom.
In dieser Zeit befand sich Italien in einer Art Um- bzw. Aufbruchstimmung. Es wurde ein einheitlicher Staat, der sich nun zunehmend den massiven sozialen Problemen widmete. In dieser Zeit verbrachte Maria Montessori ihre Kindheit, in einer gesellschaftlich gespaltenen Grundstimmung zwischen Reformbestrebungen, hervorgerufen durch den neuen Wirtschaftswandel im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung, und andererseits konservativen Beharrungen. Diese Situation spiegelte sich auch in Marias Elternhaus mit ihrem konservativen Vater und der fortschrittlich denkenden Mutter wider. 5 Es ist wichtig, diese Umstände zu erwähnen, da sie Montessoris Denken, im Hinblick auf ihre neue Pädagogik, und Handeln, besonders ihr Engagement für soziale Reformen, sehr beeinflussten.
2 Ebda, S. 14.
3 Ebda, S. 14.
4 Hedderich, Ingeborg: Einführung in die Montessori-Pädagogik: Theoretische Grundlagen und praktische Anwendung, 2. überarb. Aufl., München 2005, S. 12. (Im Folgenden: Hedderich, I.: Einf., S. x.)
5 Hebenstreit, S.: Maria Montessori, S. 16.
3
„Sie lernt, dass es auf die Selbstbestimmung der einzelnen ankommt, die sich kraftvoll gegen die bestehenden Verhältnisse wehren müssen und dies auch können; und sie betont in ihrer Theorie und Praxis deshalb das Ziel der individuellen Stärke jedes einzelnen Kindes, das eine unabhängige Persönlichkeit werden müsse, um auch in sozialer Hinsicht verantwortungsvoll handeln zu können.“ 6
Da sie, wie die Mutter, ebenfalls fortschrittlich dachte und sie sich nicht in die gewohnte Rolle des weiblichen Geschlechts als Hausfrau drängen lassen wollte, waren Konflikte mit ihrem Vater vorprogrammiert. Sie entschied sich gegen den Wunsch des Vaters, eine „traditionelle“ Karriere zu beginnen, und beschloss Medizin zu studieren mit dem Ziel, Ärztin zu werden. Obwohl es in Hinblick auf ihre bevorstehenden Lebensweg Streitigkeiten gab, hatte sie stets ein gutes und treues Verhältnis zu ihren Eltern. Als Einzelkind wohnte sie mit ihnen zusammen zu Hause bis sie starben. 7 Der ursprüngliche Gedanke des Vaters war, dass Maria eine Lehrerin werden sollte. Dass sie genau mit diesem Beruf großen nachhaltigen Erfolg haben sollte, hätte der Vater aufgrund der Ablehnung Marias gegenüber seiner Sichtweisen sicherlich nicht gedacht.
Der Wunsch, Ärztin zu werden, war in dieser Zeit in Italien sehr ungewöhnlich, da es ein Beruf darstellte, der ausschließlich für Männer bestimmt war. Ein Medizinstudium war für eine Frau undenkbar, trotzdem trieb der Wunsch sie voran und sie setzte sich über die Konventionen hinweg. Aber das Studium wurde ihr nicht leicht gemacht. Sie durfte in die Hörsäle immer erst zum Schluss, musste den Männern den Vortritt lassen und konnte deshalb meist nur in der letzten Reihe oder gar nicht sitzen. Anatomische Übungen, das Sezieren von Leichen musste sie allein durchführen, letzteres wurde ihr nur spät abends oder nachts gewährt. 8
Auch gegen Vorurteile und Hänseleien sowohl von Mitstudierenden als auch von Professoren musste sie ankämpfen. Selbstbewusst soll sie einmal einer Gruppe Studenten geantwortet haben, die sie auf dem Gang mit einem lauten „Puh!“ belästigten: „Blasen Sie, liebe Freunde, …je kräftiger sie blasen, desto höher kann ich steigen.“ 9
All diese Hindernisse konnten Maria Montessori nicht davon abhalten, mit 26 Jahren ihr Medizinstudium erfolgreich abzuschließen. Sie wurde als erste Ärztin Italiens 1896
6 Ebda, S. 16.
7 Ebda, S. 17.
8 Hedderich, I.: Einf., S. 13.
9 Hebenstreit, S.: Maria Montessori, S. 21.
4
promoviert, gewann eine Stelle als Assistenzärztin in Rom an der Psychiatrischen Universitätsklinik. In den folgenden Jahren betrieb sie viel Öffentlichkeitsarbeit, hielt Vorträge, machte sich stark für soziale Gerechtigkeit, für Frauen und bessere Erziehungsbedingungen für Kinder. 10 Neben der Assistenzarbeit und den Vorträgen betrieb sie außerdem eine private Arztpraxis. 11 Große Bedeutung für ihren weiteren Lebensweg hatte jedoch die Arbeit an der Universitätsklinik. Hier hatte sie in den nächsten Jahren die Aufgabe, die Anstalten aufzusuchen, in denen behinderte Kinder zusammen mit psychotischen Erwachsenen untergebracht waren, dort Patienten auszuwählen, die eine bessere Förderung hätten bekommen können. In diesen Anstalten herrschten katastrophale Zustände, die Kinder waren mit den Erwachsenen wie in einem Gefängnis untergebracht. 12 In einem Gespräch mit einer Wärterin erzählte diese, dass sich die Kinder wie wilde Tiere auf die nach dem Essen übrigen Krümel stürzen würden. Maria Montessori interpretierte dieses Verhalten jedoch als ein Bedürfnis der Kinder, sich in der kalten und lieblosen Umgebung mit etwas zu beschäftigen, zu spielen, nicht als ein wildes Fressverhalten. 13 In dieser Zeit las Montessori Literatur von Jean Marc Gaspard Itard (1774-1838) und dessen Schüler Eduard Séguin (1812-1880), zwei Ärzten, die wichtige Arbeiten über Erziehungsmethoden bei behinderten Kindern verfassten. Das heute bekannte Montessori-Material, ist eine Weiterentwicklung des „Sinnesmaterials“ von Séguin, was Montessori für ihre praktischen Versuche adaptierte. 14 Rasch wurde sie in Italien Expertin für Arbeit mit geistig behinderten Kindern, hielt Vorträge auf sowohl Ärzte- als auch Pädagogenkongressen, unternahm Studienreisen und bildete sich ständig weiter. Ihre Kompetenzen sowohl auf medizinischer als auch erzieherischer Seite ließen sie Leiterin des Heilpädagogischen Instituts in Rom werden, dass dort Ende des 19 Jahrhunderts gegründet wird. Sie hatte die Aufgabe, zukünftige Lehrer auf die Arbeit mit geistig zurückgebliebenen Kindern vorzubereiten und die Möglichkeit, selbst pädagogische Methoden für den Umgang mit behinderten Kindern zu erforschen. 15 Zwei Jahre später brach sie diese Arbeit allerdings ab, wobei die Gründe nicht ganz klar sind und in der Forschung darüber viel spekuliert wird. 16 Klar ist, dass sie sich während dieser Zeit in einen Kollegen verliebte, schwanger wurde und diese Schwangerschaft, sowie die spätere Geburt des Sohnes Mario geheim gehalten wurde. Dies wurde vor allem durch Marias Mutter stark geraten, die die Karriere ihrer Tochter durch das
10 Hedderich, I.: Einf., S. 13.
11 Hebenstreit, S.: Maria Montessori, S. 24.
12 Ebda, S. 25.
13 Ebda, S. 25.
14 Ebda, S. 25.
15 Ebda, S. 25.
16 Hedderich, I.: Einf., S. 13.
Arbeit zitieren:
Erik Kurzke, 2008, Maria Montessori - Leben und Werk, München, GRIN Verlag GmbH
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