Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Werdegang und Werk Augusto Boals 2
3. Grundsätze und Ziele des Theaters der Unterdrückten 5
3.1 Boals Definition von Theater 5
3.2 Grundsätze des Theaters der Unterdrückten 6
4. Formen und Techniken des Theaters der Unterdrückten 7
4.1 Das Zeitungstheater 7
4.2 Unsichtbares Theater 8
4.3 Statuen- und Bildertheater 9
4.4 Das Forumtheater 10
5. Das Theaters der Unterdrückten in Europa 11
5.1 Das erweiterte Theaterkonzept Augusto Boals 11
5.2 Abgrenzung des Theater der Unterdrückten zum therapeutischen Theater 13
6. Resümee 14
7. Literatur 15
1
1. Einleitung
„Theater ist die erste Erfindung des Menschen und zugleich die Erfindung, die den Weg zu allen weiteren menschlichen Entdeckungen geebnet hat.“ 1
Dieses Zitat Augusto BOALS, des wohl bekanntesten Theatermacher Lateinamerikas, macht die Bedeutung des Theaters für den «Brecht Lateinamerikas« gleich zu Beginn dieser Arbeit deutlich. Seinen Werdegang und sein Lebenswerk, das »Theater der Unterdrückten«, vorzustellen ist das Hauptanliegen dieser Hausarbeit. Eigenes Interesse am Theaterspielen wie auch die Möglichkeiten, die seine Methoden in der pädagogischen Praxis bieten können, haben mich zur Wahl dieses Themas veranlasst.
Zunächst werde ich den Werdegang und das Werk Augusto BOALS erläutern sowie auf die Ursprünge und die Entwicklung des »Theaters der Unterdrückten« eingehen. Im darauffolgenden Kapitel wird zunächst BOALS Definition von Theater vorgestellt, um anhand seiner unterschiedlichen Perspektiven die Grundsätze und Ziele des »Theaters der Unterdrückten« aufzuzeigen.
Im vierten Kapitel dieser Arbeit werden die wichtigsten Techniken und Methoden des »Theaters der Unterdrückten» vorgestellt und deren praktisches Umsetzungspotential erläutert.
In Kapitel fünf gehe ich der Frage nach, in welcher Weise das »Theater der Unterdrückten« hierzulande umgesetzt werden kann und wie sich das erweiterte Theaterkonzept BOALS vom therapeutischen Theater MORENOS abgrenzt.
2. Werdegang und Werk Augusto Boals
Am 15. März 1931 wurde Augusto BOAL in Rio de Janeiro geboren und begann bereits in jungen Jahren mit dem Schreiben von Theaterstücken. Sein Studium des Dramas und der Regie bei John Gassner sowie ein Studium der Industriechemie führten ihn 1953 nach New York an die Columbia University.
1 Boal 1999, 24.
2
Nach dem erfolgreichen Ende seiner Studienzeit übernahm BOAL 1956 die künstlerische Leitung des »Teatro de Arena« in Sao Paulo. Bis zu diesem Zeitpunkt war das »Arena-Theater« eine Art Studiobühne mit karger Ausstattung und ebenerdiger Bühne, welche die Nähe zum Publikum sicherstellen sollte. Dieser theatertechnischen Innovation stand jedoch ein eher konventioneller Spielplan gegenüber.
Unter der Direktion Augusto BOALS, welcher in New York bereits Theaterstücke geschrieben und inszeniert hatte, veränderte sich die Struktur wie auch der Spielplan des »Arena-Theaters« grundlegend.
Die politische Situation in Brasilien war im Jahre 1956 durch Liberalisierungstendenzen des damaligen Präsidenten Goulart gekennzeichnet. In einem Land mit 40 Millionen Analphabeten sollten durch eine große »Alphabetisierungskampagne« vor allem die Landbevölkerung und die Arbeiter der »Favelas« erreicht werden. Hunderte von sogenannten Volkskulturzentren (centros popular de cultura), vor allem von Studenten und Teilen der Katholischen Kirche getragen, schossen aus dem Boden.
Auch Augusto BOAL und sein Ensemble arbeiteten eng mit den Alphabetisierungsgruppen in den Volkskulturzentren zusammen. Sie wollten nicht mehr nur die Intellektuellen Sao Paulos ansprechen, sondern auch die Landbevölkerung und die Arbeiter der »Favelas«. Das »Arena-Theater« wurde von der Studiobühne zum »Volkstheater« und inszenierte vor allem Agitationsstücke, welche die Arbeit der Volkskulturzentren unterstützen sollte. Das Ensemble um BOAL schloss dem Theater außerdem eine Schauspielerwerkstatt an, in der Schauspieler «für das Volk« ausgebildet und Stücke über die brasilianischen Zustände geschrieben wurden. Hier galt das Theater Bertolt BRECHTS als großes Vorbild. Obwohl das Interesse an diesen Aufführungen und den Agitationsstücken sehr groß war, wurden im »Arena-Theater« ab 1961 wieder vermehrt klassische Stücke inszeniert, was auf die politische Veränderung in Brasilien zurückzuführen war. Regierungskritisches Theater zu spielen wurde immer schwieriger, und die Mitglieder des »Arena-Theaters« waren Verfolgungen und Repressionen ausgesetzt.
Im April 1964 wurde Präsident Goulart gestürzt und die Volkskulturzentren verboten. Auch BOALS bisherige Theaterarbeit wurde verboten, jedoch durften die internationalen Klassiker weiter gespielt werden. 2
In dieser Situation gewann die Haltung Augusto BOALS und des »Arena-Theaters« „...den Charakter eines politischen Aufrufes zum Widerstand gegen die Gewaltherrschaft. Künftige Aufführungen fanden mit dem Ziel statt, die Massen zu politisieren.“ 3
2 Vgl. Neuroth 1994, 52ff; Ehlert 1986, 34ff.
3
Dies führte zur Entwicklung verschiedener Volkstheatertechniken, welche den Zuschauer stärker in das Bühnengeschehen mit einbezogen. Erste Techniken entstanden mit dem »Zeitungstheater«, das den Zuschauer zum Protagonisten machte und sich als Opposition gegen die zunehmende staatliche Zensur verstand. 4
BOAL entschied sich, wie er es selbst ausdrückte, für eine „...Übereignung des Theaters an die Zuschauer.“ 5
Während der zweiten Militärdiktatur wurde BOAL 1971 in Sao Paulo verhaftet und gefoltert. Dank internationaler Proteste kam er drei Monate später auf freien Fuß und konnte das Land verlassen. Im argentinischen Exil entwickelte er das »Unsichtbare Theater«. 1973 arbeitete BOAL in Peru zusammen mit seinem Freund Paulo FREIRE in einem Alphabetisierungsprojekt. Dort entstand, angelehnt an Paulo FREIRES »Pädagogik der Unterdrückten«, der Begriff »Theater der Unterdrückten«. Im Anschluss an dieses Projekt entwickelte BOAL auch das sogenannte »Statuentheater« sowie das »Forumtheater«, wohl seine originärste Methode. Im Laufe meiner Arbeit werde ich noch detailliert auf einzelne Techniken BOALS zu sprechen kommen.
Zurück in Argentinien begann er seine Theatererfahrungen zu systematisieren und zu publizieren. In dieser Zeit entstanden seine wichtigsten Schriften. 1976 kehrte er, aufgrund der verschärften politischen Lage in Argentinien, Lateinamerika den Rücken zu und übersiedelte nach Portugal, wo er einen Lehrauftrag am Konservatorium für Theater in Lissabon annahm . Hier modifizierte und entwickelte er seine Methoden und Ansätze weiter. Es entstanden seine sogenannten «prospektiven» und «introspektiven» Methoden. 1978 erhielt er eine Dozentenstelle an der Pariser Sorbonne und machte seine Techniken des «Theaters der Unterdrückten» in ganz Westeuropa bekannt.
Hier gründete er unter Mitwirkung einiger Schauspieler und Pädagogen, die zuvor an Seminaren BOALS teilgenommen hatten, das «Centre d’étude et de diffussion des techniques actives d’expression« (CEDITADE).
Das CEDITADE wurde später umbenannt in «Centre du Théâtre de l’Opprimé - Augusto Boal». Nach dem Ende der Militärdiktatur in Brasilien konnte BOAL 1986 in seine Heimat zurückkehren. Im Jahr 1989 gründete er ebenso wie in Paris, unter Mitwirkung bereits ausgebildeter Kulturanimateuren, das CTO-Rio (Centro de teatro do Opprimodo).
3 Neuroth 1994, 54.
4 Vgl. ebd., 54f.
5 Boal 1979, 14.
4
Arbeit zitieren:
Sebastian Schmidt, 2007, Analyse des Werkes »Theater der Unterdrückten« von Augusto Boal, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Bernhard Bueb: "Lob der Disziplin - Eine Streitschrift"
Eine Erörterung im Rahmen der ...
Wissenschaftlicher Aufsatz, 6 Seiten
Die Transkulturalität auf dem Prüfstand
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Hausarbeit, 19 Seiten
Schwarze Pädagogik - Eine Betrachtung moderner und historischer Erzieh...
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Entstehungsbedingungen von Gewalt bei Jugendlichen mit türkischem Migr...
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Hausarbeit, 24 Seiten
Zur filmischen Auseinandersetzung Guillermo del Toros mit dem spanisch...
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Magisterarbeit, 133 Seiten
Beschreibung der Poetik Aristoteles und möglicher Spannungsverhältniss...
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
"Hol dir den Kick!" - Kulturelles Event-Marketing am Beispie...
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing
Hausarbeit, 31 Seiten
Jugendkriminalität als gesellschaftliche Abweichung und soziales Probl...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 19 Seiten
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 25 Seiten
Die Sehnsucht nach der harten Hand - Rezension zu Bernhard Bueb: Lob d...
Rezension / Literaturbericht, 5 Seiten
Zur Gewalt Jugendlicher mit Migrationshintergrund
Empirische Befunde und Erkläru...
Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Interkulturelle Kommunikation im Krankenhaus am Beispiel muslimischer ...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 17 Seiten
Schwarze Pädagogik: Geschichte und Methoden
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 23 Seiten
Pädagogik / Erziehungswissenschaften: Analyse des Werkes »Theater der Unterdrückten« von Augusto Boal ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Pädagogik / Erziehungswissenschaften: neuer Titel erschienen: Analyse des Werkes »Theater der Unterdrückten« von Augusto Boal
Sebastian Schmidt hat einen neuen Text hochgeladen
Theater spielen mit Kindern und Jugendlichen
Konzepte, Methoden und Übungen
Christel Hoffmann, Annett Israel
0 Kommentare