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Der prüde Eichendorff

Dämonische Frauenbilder versus christliche Symbolik in Eichendorffs Märchennovelle 'Die Zauberei im Herbste'

Titel: Der prüde Eichendorff

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 22 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Viktoria Groepper (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„…gleich einem Schiffer, der bestimmt weiß, wo er hinsteuern soll, und sich von dem wunderbaren Lied der Sirenen unterwegs nicht irremachen läßt.“
Der bekannte Lyriker und Schriftsteller Joseph von Eichendorff greift in diesen Zeilen das alte Motiv der Loreley auf, der verführerischen Wassernixe, welche den symbolischen ‚Schiffer‘ durch ihren Gesang vom Weg abkommen lässt und ihn letzten Endes in sein Verderben führt. Auffallend häufig thematisiert Eichendorff dämonische Frauengestalten in seiner Dichtung und in seinen Erzählungen: „[Es wird] das Thema angeschlagen, das nur in wenigen der erzählenden Werke Eichendorffs völlig fehlt: die verführerische Macht der durch eine dämonische Frauengestalt verkörperten, vom göttlichen Schöpfungsgrund emanzipierten Natur.“ , so auch in seiner frühesten Prosaarbeit, Die Zauberei im Herbste. Dabei entwickelt der Autor eine starke Gegensätzlichkeit von erotischen, oft naturverbundenen, eher mythischen Frauengestalten, und dem idealisierten Frauenbild des Christentums: die reine Jungfrau, deren Bestimmung sich in der Ehe und dem Zeugen von Nachkommen erfüllt. Letztere erweckt beim Leser immer wieder die Assoziation mit Maria, dem christlichen Idealbild einer Frau, welche ihren Sohn Jesus ‘unbefleckt‘ empfangen hat...

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzer Abriss der Dämonisierung der Frau in der christlichen Religion und in Eichendorffs Werk im Allgemeinen

3. Die stark antithetische Symbolik in Eichendorffs Werk

4. Das Zauberfräulein versus Berta

4.1 Berta – Inbegriff von Reinheit und Unschuld?

4.2 Das Zauberfräulein – Dämonin oder Göttin Venus?

5. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das früheste Prosawerk Joseph von Eichendorffs, die Märchennovelle "Die Zauberei im Herbste", hinsichtlich der gegensätzlichen Symbolik von dämonisierten Frauengestalten und christlicher Motivik sowie deren Bezug zur autobiographischen Identitätssuche des Autors.

  • Analyse des Dualismus zwischen christlichem Idealbild und erotisch-mythischen Frauengestalten.
  • Untersuchung der psychologischen Ebene von Triebunterdrückung und Schuldkomplexen.
  • Interpretation der symbolischen Landschafts- und Naturgestaltung als Ausdruck des Seelenzustands.
  • Kontrastierung der Figuren "Berta" und "Zauberfräulein" als Manifestationsformen eines Weiblichkeitsparadigmas.
  • Reflexion über die Verwischung von Realität und Wahn im Kontext der Erzählstruktur.

Auszug aus dem Buch

Die stark antithetische Symbolik in Eichendorffs Märchennovelle Die Zauberei im Herbste

Eichendorffs Märchennovelle Die Zauberei im Herbste weist genau wie seine späteren Prosaarbeiten eine starke Antithetik und ein gesteigertes Schwarz-Weiß-Denken auf: „[…] der Mensch [ist] nach Ansicht Eichendorffs […] in den polaren Lebensrhythmus hineingestellt, in dem sich die großen antinomischen Grundkräfte des Daseins aussprechen und im übertragenen Sinne auch der Dualismus des geistigen Lebens wie: gut und böse, christlich und heidnisch, klassisch und romantisch, aber: als geistiges Wesen hat er darüber hinaus die Aufgabe, die Polaritäten als Entscheidungsmöglichkeiten zu fixieren, um sich für die eine oder die andere Seite zu entscheiden.“ Es gilt also, der „allegorische[n] Figur der zauberischen Frau Venus, die mit ihren magisch-heidnischen Kräften den Menschen verführen und von seiner eigentlichen Bestimmung abbringen will“, zu widerstehen. Ebenso findet sich in Eichendorffs Texten oft eine undefinierbare Sehnsucht, einerseits der Sehnsucht nach Erotik und Leidenschaft, und andererseits der Sehnsucht nach der ‚verlorenen‘ Kindheit und seiner Unschuld und Reinheit: „Eichendorffs Texte sind bevölkert von ‚Vaganten‘, von Heimatlosen“, mit einer „unendlichen Sehnsucht ohne Ursprung und Ziel.“

Interessant ist, dass in der modernen Psychologie Identitätsstörungen mit extremem Schwarz-Weiß-Denken mit der Borderline-Störung in Verbindung gebracht werden. Für den Autor der Erzählung, welcher wie bereits erwähnt sehr häufig ein gewisses Schwarz-Weiß-Muster in seinen Erzählungen erkennen lässt, scheint es entweder Gut oder Böse zu geben, jedoch kaum etwas dazwischen. Auch der Protagonist der Zauberei im Herbste, Raimund, scheint an einer Krankheit zu leiden, welche jedoch nicht explizit als solche umschrieben wird. Es stellt sich die Frage, ob es tatsächlich eine Krankheit ist, welche nur im Kopf des Ritters Raimund stattfindet, oder ob dieser dem Zauber einer venusähnlichen Frau verfallen ist, welche in der Geschichte tatsächlich existiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema der Loreley-Motivik und Darstellung der Problematik dämonischer Frauenbilder im Gegensatz zum christlichen Ideal bei Eichendorff.

2. Kurzer Abriss der Dämonisierung der Frau in der christlichen Religion und in Eichendorffs Werk im Allgemeinen: Psychoanalytische Betrachtung der Angst vor dem Weiblichen und der religiös geprägten Ablehnung von Sexualität als Sünde.

3. Die stark antithetische Symbolik in Eichendorffs Werk: Untersuchung der polaren Weltanschauung des Autors und der Verwischung von Realität und Wahn innerhalb der Novelle.

4. Das Zauberfräulein versus Berta: Gegenüberstellung der beiden gegensätzlichen Frauenfiguren, die unterschiedliche Aspekte von Weiblichkeit und Moral verkörpern.

4.1 Berta – Inbegriff von Reinheit und Unschuld?: Analyse der Rolle von Berta als traditionelles Idealbild der christlichen Ehefrau und Mutter.

4.2 Das Zauberfräulein – Dämonin oder Göttin Venus?: Untersuchung der dämonischen Züge des Zauberfräuleins und ihrer Funktion als Verkörperung erotischer Gefahr und Memento Mori.

5. Ausblick: Zusammenfassende Einschätzung zum Wandel des Eichendorffschen Frauenbildes und dessen Bedeutung für das dichterische Werk.

Schlüsselwörter

Eichendorff, Die Zauberei im Herbste, Romantik, Frauenbild, Dämonisierung, christliche Symbolik, Antithetik, Sexualität, Wahnsinn, Identitätsverlust, Maria, Venus, Loreley, Literaturwissenschaft, Märchennovelle.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das literarische Frauenbild in Eichendorffs früher Märchennovelle "Die Zauberei im Herbste" und untersucht das Spannungsfeld zwischen christlich-moralischen Idealen und dämonisierten, erotischen Weiblichkeitsentwürfen.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die christlich geprägte Dämonisierung von Sexualität, die Bedeutung antithetischer Symbolik, das Motiv des Identitätsverlustes sowie die psychologische Verarbeitung autobiographischer Konflikte des Autors.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie Eichendorff die Verlockung durch erotische Leidenschaft mittels bildreicher Sprache beschreibt, diese jedoch gleichzeitig als "böse" dämonisiert und verwirft.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die durch psychoanalytische Deutungsansätze (insbesondere hinsichtlich verdrängter Wünsche und Ängste) ergänzt wird.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil besonders im Fokus?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der Figuren Berta und Zauberfräulein, die symbolische Funktion von Natur- und Landschaftselementen sowie die Erzählstruktur zwischen Rahmen- und Binnenhandlung.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Romantik, Eichendorff, Weiblichkeitsparadigma, christliche Moral, Dualismus und die ambivalente Darstellung von Erotik und Tod.

Welche Rolle spielt die "Rahmen- und Binnenhandlung" für die Interpretation?

Die Vermischung beider Ebenen führt dazu, dass die Grenze zwischen Realität und Wahn verschwimmt, was den Leser daran hindert, das Geschehen eindeutig als bloße Einbildung des Protagonisten zu klassifizieren.

Warum wird das Zauberfräulein als eine Allegorie des Todes gesehen?

Da ihr Zauber an den Herbst und das Vergehen gebunden ist, stellt sie ein Memento Mori dar; wer ihr verfällt, verliert wie in einem Trugbild die Lebenskraft und stirbt letztlich ab.

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Details

Titel
Der prüde Eichendorff
Untertitel
Dämonische Frauenbilder versus christliche Symbolik in Eichendorffs Märchennovelle 'Die Zauberei im Herbste'
Hochschule
Universität Regensburg  (Institut für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Schlüsselerzählungen der Romantik
Note
1,7
Autor
Viktoria Groepper (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V161339
ISBN (eBook)
9783640744015
ISBN (Buch)
9783640744039
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eichendorff Dämonische Frauenbilder Symbolik Eichendorffs Märchennovelle Zauberei Herbste
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Viktoria Groepper (Autor:in), 2010, Der prüde Eichendorff, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161339
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  22  Seiten
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