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Im Laufe des Jahres 2008 sollte mein Enkelsohn Nicolas Hammadou im Lyzeum über „Luxemburg im ersten Weltkrieg“ vortragen. Da er trotz emsiger Suche im Internet nur wenige, dazu noch äußerst dürftige Angaben über das vorgenannte Thema fand, bat er mehrere Erwachsene um Hilfe. Nach Bestandsaufnahme verfügte er über folgende nicht gerade überwältigende Informationen: „Von 1914 bis 1918 besetzten die Deutschen das neutrale Luxemburg. Großherzogin Marie-Adélaïde beging den unverzeihbaren Fehler, den Deutschen Kaiser im Großherzoglichen Palais zu empfangen und musste darum auch nach dem Kriege abdanken. Unsere Großeltern haben die Jahre 1914 - 1918 insbesondere in schlechter Erinnerung, da sie übermäßig unter der im Land herrschenden Hungersnot litten“.
So wandte sich der junge Mann in seiner Bedrängnis an mich, seinen Großvater, mit der Bitte um möglichst schnelle Hilfe. Ich wollte bereits kapitulieren. Doch stieß ich in letzter Minute im Internet auf das „Kriegstagebuch von Jean-Pierre Flohr über das tägliche Leben im Großherzogtum Luxemburg im Verlauf des Großen Krieges (1914-1919)“. Für einen Geschichtsforscher eine wahre Fundgrube!
Weiterhin fand ich in der Luxemburger Nationalbibliothek Einsicht in folgende Publikationen:
1921: Kriegstagebuch eines Neutralen in Luxemburg. 1939: Kriegstagebuch eines Neutralen.
1954 - 1958: Kriegstagebuch eines Neutralen. Aufzeichnungen und Stimmungen (Zeitschrift: Letzebuerger Ex-Militär).
Für die nun hier vorliegende Arbeit konsultierte ich des Weiteren die wissen- schaftlichen Abhandlungen - über das Geschehen in Luxemburg in den Jahren
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1914-1918, der Historiker Christian Calmes, Gilbert Trausch, Jean Kill und Emile-Théodore Melchers.
Das Tagebuch von Jean-Pierre Flohr
Nach seinem Kriegstagebuch zu urteilen war Jean-Pierre Flohr in jeder Hinsicht der wohl Bestinformierte über „Luxemburg im zweiten Weltkrieg“ ist. In seinen Bemühungen um eine möglichst objektive Berichterstattung hat er gleichwohl gewisse Sympathien für die Großherzogin Marie-Adélaïde nicht unterdrücken können. In sich verständlich, da Jean-Pierre Flohr (1875 - 1935) als großherzoglicher Hofkommissar im Dienste der Großherzogin stand!
Vor 1914: Eine Großbourgeoisie, die nach Deutschland schielt Zum allgemeinen Verständnis gebe ich dem Kriegstagebuch des Luxemburger Jean-Pierre Flohr einen historischen Rahmen. Ein Luxemburg, das infolge seines Beitritts zum deutschen Zollverein industriell regelrecht aufblüht. So sind zu Ende des 19. Jahrhunderts an dem Aufbau der Stahlindustrie, mit deutschem Kapital, vornehmlich Deutsche beteiligt. Die so eingeleitete Industrialisierung des Landes führt zu einer starken Einwanderung von deutschen Staatsbürgern. So wird auch verständlich, dass die Großbourgeoisie Luxemburgs rein wirtschaftlich nach Deutschland ausgerichtet ist. Was nicht verhindert, dass sie kulturell eher nach Frankreich tendiert. Dagegen schwimmen die anderen Bevölkerungsschichten des Landes, vom einfachen Bürgertum bis zu den Arbeitern, eher auf einer patriotisch-nationalistischen Welle. So ist das Volk je nach Agieren seiner Nachbarländer einmal gegen Deutschland, das andere Mal gegen Frankreich und wenn erforderlich gegen Belgien.
Ungewollte Böllerschüsse zum Einmarsch der deutschen Truppen Die eigentliche Invasion Luxemburgs durch die Deutschen Truppen datiert auf den 2. August 1914.
Doch als am Nachmittag des 1. August die Luxemburger Musikföderation „Union Grand-Duc Adolphe“ (UGDA) in Clerk ein großes Musikfest eröffnet, meldet sich bereits aus Bahnhof Ulflingen per Telefon ein Offizier der deutschen Vorhut, mit der Forderung, sofort das Schießen auf die deutsch- kaiserliche Armee einzustellen.
Arbeit zitieren:
Prof. Henri Schumacher, 2010, Luxemburg im Ersten Weltkrieg, München, GRIN Verlag GmbH
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