Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung u. Problemstellung
S. 1
2. Der Kapitalbegriff
S. 1
3. Erweiterung der Kapitalbegriffs nach Pierre Bourdieu
S. 4
3.1. Das kulturelle Kapital
S. 5
3.2. Das soziale Kapital
S. 7
3.3. Das symbolische Kapital
S. 9
4. Veränderungen des Sozialkapitals durch digitale Medien
S. 10
4.1. Online-Kapital
S. 11
4.2. Ökonomie der Aufmerksamkeit
S. 13
5. Übertragung der Kapitalsorten
S. 15
5.1. Kulturelles Kapital der (Medien-)Unternehmung
S. 16
S. 20
6. Resumee / Fazit
22
1. Einleitung und Problemstellung
I postulierte Michael
Vester im Jahre 1994 einst, dass jede Forschung neben der Professionalität ihrer Untersuchungsweise vor allem an ihrer Fragestellung zu erkennen sei. Angelehnt an das Eingangszitat war das Ziel der vorliegenden Modularbeit die Untersuchung und der gleichzeitige Vergleich verschiedenster Begrifflichkeiten des Kapitals. Die traditionelle Vorgehensweise bei der Bemessung der Profitabilität einer Gesellschaft oder eines Unternehmens sowie dessen spezifischen Wachstumsmöglichkeiten beruht in der traditionellen Betrachtung auf ökonomischen und buchhalterischen Wertgrößen, wie Jahresüberschüssen, Dividendenzahlungen und Umsätzen. Sie sind zunächst mit dem Vorteil belegt, mit relativ einfachen Mitteln aus Jahresabschlussbilanzen (z.B.) erfasst werden zu können. Im Laufe der Untersuchungen wird sich herausstellen, dass Unternehmensbewertungen und jeweiliges Kapital nicht ausschließlich aus dieser Perspektive gedacht werden können. Vor allem in Kapitel 3 5 wird verdeutlicht, welche Ordnungsgrößen und Kapitalsorten ergänzt werden müssen, um den Wert einer Instititution messen zu können. Es besteht die Notwendigkeit, weitere Erklärungsmuster bezüglich des Kapitals auszumachen, um alle tatsächlich vorhandenen gesellschaftlichen Strukturen zu erfassen. Die Arbeit leistet so die Erforschung einer Fragestellung entlang der Auffassungen Pierre Bourdieus, welche es schließlich zulassen, die untersuchten Kapitaltypen auf die Unternehmung und neue digitale Strukturen zu übertragen.
2. Der Kapitalbegriff
Innerhalb des hier stattfindenden Forschungsprozesses ist es zunächst elementar, das Kapital durch die Abstraktion von Begrifflichkeiten und Kategorien als solches begreifbar zu machen. Um das Wesen des Kapitals und dessen Aussage erfassen zu können, ist es dabei notwendig, sich mit den von Karl Marx geprägten Begrifflichkeiten von Ware, Wert, Geld, Mehrwert und Kapital (u.a.) auseinanderzusetzen. 1890 verfasstes Werk und seine auf Produktionsverhältnisse konzentrierten angewandten Untersuchungsmethoden bilden bis heute einen Grundstein der Kapitaltheorie ab und kennzeichnen die ökonomische Formation der Gesellschaft wesentlich. Kennzeichnend ist die Entwicklung einer dialektisch-materialistischen Methodik, welche gleichzeitig eine Voraussetzung schafft, die kapitalistische Gesellschaft bis ins Innerste zu untersuchen.
Zentraler Ausgangspunkt zur Untersuchung des Kapitals und dessen Wirkungsweisen ist die Warenzirkulation. Den Ursprung einer Kapitalzirkulation und deren verschiedenen Wertigkeiten findet Marx dabei in der Verwandlung von Geld in Kapital. Hierbei unterscheide sich der Kapitalkreislauf vor allem insofern vom einfachen Zirkulationsprozess ((W)are - (G)eld - (W)are 1 ), als dass dieser nicht den Gebrauchswert selbst, sondern das Geld zum zentralen Gegenstand der Zirkulation habe. So lässt sich der Prozess umformulieren, sodass sich eine Anordnung von (G)eld (W)are (G)eld 2 ergibt. Es wird gar nachgewiesen, dass sich eingesetzte Geldmittel nicht ausschließlich durch den Kauf von Produktionsmitteln, sondern ferner durch den 3 in wertes Kapital umwandeln lassen. Es lässt sich
annehmen, dass sich arbeitende Lohnempfänger und Kapitalbesitzer durch den Besitz einer solchen Ware ähnlich seien. Diese Vermutung lehnt Marx jedoch ab, so führt er den Wandel von Arbeitskraft in den jeweiligen Gebrauchswert an und hebt dabei die Bedeutung eines absoluten Mehrwert-Begriffs für die Untersuchungen hervor. 4 Aufgrund der Tatsache, dass Arbeitskraft zur Ware werde, sei festzulegen, dass sie ebenso der Bestimmung eines Wertes untertänig sei. Die Begrifflichkeit des Mehrwertes beschreibe, so Marx, das Anwachsen einer vorliegenden Wertsumme in Form von Kapital durch den direkten Einsatz angewandter Arbeitskraft. Im Wesentlichen sei der 5 .
Die Verwandlung des in monetärer Form vorgezogenen (Geldwert-)Kapitals bzw. die Vergrößerung desselben um eine erweiterte Wertigkeit findet sich somit in folgender Formel wieder: (G) (W) 6 Der Leser verdeutliche sich, dass die Entstehung eines Mehrwertes hierbei der Bedeutung des Wertes an sich erhaben ist 7 und nicht mit Profit gleichgesetzt werden kann.
Die Ablehnung des Bildes eines Lohnarbeiters und Kapitalisten als gleichwertige Warenbesitzer wird ferner durch folgendes Zitat verdeutlicht:
Geldbesitzer schreitet voran als Kapitalist, der Arbeitskraftbesitzer folgt ihm nach(,) als
1 Jahn, Wolfgang (1983) : S. 35
2 Jahn, Wolfgang (1983) : S. 35
3 Jahn, Wolfgang (1983) : S. 42
4 Durch die Entdeckung des Mehrwertes hebt Marx sich von zuvor getätigten Erklärungsversuchen
Mit der Entdeckung des Mehrwerts war hier
plötzlich Licht geschaffen, während alle früheren Untersuchungen, sowohl der bürgerlichen Ökonomen
wie der sozialistischen Kritiker, im Dunkel sich verirrt hatten
5 Jahn, Wolfgang (1983) : S. 43
6 ls vermehrter Geldbetrag bzw. Mehrwert ( G + g ).
7 Vgl. Marx, Karl; Engels, Friedrich (1967) : S. 205 209
sein Arbeiter; der eine bedeutungsvoll schmunzelnd und geschäftseifrig, der andre scheu, widerstrebsam, wie jemand, der seine eigne Haut zu Markt getragen und nun nichts andres zu erwarten hat(,) als die 8
In seiner Betrachtung nimmt Marx die Einteilung zweier Kapitalanteile vor, dem konstanten Kapitalanteil zum Einen sowie dem variablen Kapitalanteil zum Anderen. Während ersterer einen unveränderten Faktorenanteil im Produktionsprozess und die Umsetzung in Produktionsmittel beschreibt, begreift variables Kapital ferner die Umsetzung in Arbeitskraft als veränderbare Wertgröße. Diese ist in ihrer Ausprägung als subjektiver Faktor nicht festgelegt, sodass neuer Wert hier unabhängig vom Wert einer solchen Arbeitskraft entsteht. Innerhalb des Arbeitsprozesses, so Marx, erheben die beiden Kapitale Anspruch an unter sich verschiedenen Anteilen der Entstehung des jeweiligen Produktwertes. Die vorgestellte Aufteilung ermöglicht dem Wissenschaftler
9 sei dabei beschrieben durch das Verhältnis zwischen dem erzielten Mehrwert und der zuvor eingesetzten Größe des (variablen 10 ) Kapitals.
Da die Arbeit auf Pierre Bourdieus wissenschaftstheoretischer Grundlage beruht, sei zu erwähnen, dass er selbst das ökonomische Kapital als geeignete Basis einer Institutionalisierung in Form des Eigentumsrechtes handelt. 11 Anders als Marx begreift er selbiges also nicht als Grundlage des Eigentums an Produktionsmitteln, vielmehr findet er hierin die wichtigste und gleichsam allen anderen Kapitalsorten zugrunde liegende Form des Kapitalzustandes. 12
Interessant hierzu ist die kommunikationswissenschaftlich angelegte, ökonomische Kapitalauffassung Manfred Knoches (1999), welcher das Kapital selbst als handelnden Akteur begreift und gleichzeitig in direkten Bezug zum Unternehmertum der Medienindustrie setzt. Es findet eine Auseinandersetzung mit den Bewegungsgesetzen des Kapitals und des Medienkapitals im Speziellen statt. Da die Medienindustrie, so die Auffassung, zu
8 Marx, Karl; Engels, Friedrich (1967) : S. 190/191
9 Jahn, Wolfgang (1983) : S. 49
10 Da konstantes Kapital keinen Einfluss auf eine produzierte Mehrtwertmasse ausübe, so Marx, könne selbiges bei der Erfassung der Rate des Mehrwertes nicht berücksichtigt sein. (Vgl. hierzu Engels,
Friedrich (1967) : S. 39)
11 Vgl. Fuchs-Heinritz, Werner; König, Alexandra (2005) : S. 161
12 Es sei von einer Auffassung Abstand genommen, welche einerseits die grundlegende Bedeutung des
Energieformen angeblich vorausginge.
verstehen sei, bedeutet seine Theorie einen Entwurf, welcher Medien und deren Ökonomie sowie einen aktuellen strukturellen Wandel ins Zentrum der Betrachtung rücken. Das Kapital selbst nehme insofern eine zentrale Rolle ein, als dass es als 13
Aus diesem Grunde ergebe sich eine permanente Neuorganisation bzw. Neuordnung durch (inter-)nationale Kapitalbewegungen innerhalb verschiedenster medialer Sektoren. 14
Innerhalb der ersten Untersuchungen des Kapitalbegriffs setzt sich auf offensichtliche Weise eine Kapitalvorstellung durch, welche ökonomisch ausgerichtet ist, kurz: als
ein 15 und erweitert die Mar Da im Zuge der 16 mitnichten angebracht erscheinen würde, das
gesellschaftliche Leben sowie - zu späterem Zeitpunkt - die Unternehmensführung nicht auf eine ökonomische Betrachtung beschränkt werden soll, werden die Kapitalsorten im
ökonomische durch die Form des kulturellen, des sozialen, sowie durch die Form des symbolischen Kapitals ergänzt.
3. Erweiterung des Kapitalbegriffs nach Pierre Bourdieu
17 beschreibe, und die in ihr lebenden und handelnden Menschen sich
wandeln und somit in ihrer Rolle reduziert werden dürften, entwirft Pierre Bourdieu in eine Kapitaltheorie, (n) 18 ,
vielschichtigen Erscheinungsformen sowie Machtverhältnisse in ihrer Andersartigkeit
scheinbar unverkäufliche Dinge ihren Preis 19 Es wird die Auffassung vertreten, dass neben dem Ökonomischen gar zunächst scheinbar Unverkäufliche Dinge ihren Preis
13 Knoche, Manfred (1999) : S. 150
14 Als Beispiel wirft der Wissenschaftler die Frage nach dem Miteinbezug des Digitalen als erweitertes Aktionsfeld auf.
15 Fuchs-Heinritz, Werner; König, Alexandra (2005) : S. 161
16 Fuchrs-Heinritz, Werner; König, Alexandra (2005) : S. 162
17 Bourdieu, Pierre (1997) : S. 49
18 Bourdieu, Pierre (1997) : S. 49
19 Bourdieu, Pierre (1997) : S. 52
besitzen könnten. 20 So ließen sich gerade diese nur aus dem Grunde so schwerlich in Verneinung
des Ökonomischen 21 . Dies beinhaltet überdies nicht, dass sich die jeweiligen Kapitalsorten ihrerseits ausschlössen. Vielmehr bedeuten die folgenden Darstellungen eine Erweiterung des Ökonomischen, sodass die Gesellschaftsstrukturen in ihrer Vollständigkeit erfasst werden.
3.1. Das kulturelle Kapital
Während er den Kapitalbegriff zunächst um das Kulturelle ergänzt, nimmt Bourdieu innerhalb dieser Ausprägung der Begrifflichkeit eine Dreiteilung der verschiedenen Zustände vor. 22 Im ersten, im inkorporierten Zustand findet sich das körpergebundene in Form
von dauerhaften Dispositionen. Dabei finden sie ihre äußere Erscheinung in Unterrichts-und Lernzeiten; die Dauer des Bildungserwerbs sei somit die geringst präzise Maßzahl 23 . Um wirkungsvoll und der jeweiligen Person zugehörig zu sein, müsse diese, so Bourdieu, notwendigerweise an den Investor persönlich gebunden, das heißt, vom 24 werden. Der Prozess der Zahlung wird mit der Person selbst vollzogen. Eine kurzfristige Wiedergabe durch Tauschhandlungen oder Schenkung ist ferner nicht möglich. Bourdieu verwendet den von ihm in weiterer Literatur intensiv ausgearbeiteten Begriff des Habitus. Dabei sei inkorporiertes Kapital
25 Je nach Epoche, sozialer Zugehörigkeit,
Vererbung und auch Erziehungsmaßnahmen als grundlegende Bedingungen ist es denkbar, dass sich der Erwerb kulturellen Kapitals in der Form des Inkorporierten gänzlich unbewusst vollzieht. Grundsätzlich sei zu sagen und hierin begründet sich auch die Auffassung des Behandelten als Kapital - dass der Einverleib einer inkorporierten kulturellen Kompetenz mit quasi symbolischer Logik die Grundlage zu 26
20 Vgl. Bourdieu, Pierre (1997) : S. 52
21 Bourdieu, Pierre (1997): S. 52
22 In welcher Gestalt das kulturelle Kapital jeweils primär erscheine, sei dabei von der jeweiligen Anwendung abhängig.
23 Vgl. Bourdieu, Pierre (1997) : S. 55
24 Bourdieu, Pierre (1997) : S.55
25 Bourdieu, Pierre (1997) : S. 56
26 Bourdieu, Pierre (1997) : S. 57 - Dies sei nicht zu verkennen, so warnt Bourdieu, und nicht mit Fähigkeiten oder Autoritäten austauschbar zu machen.
Arbeit zitieren:
Sandra Winzer, 2010, Die Veränderung des Kapitals nach Pierre Bourdieu, München, GRIN Verlag GmbH
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