Inhalt:
1. Einleitung 3
2. Biographie und Hintergrundwissen zu MacIntyre 3
3. Kritik der gegenwärtigen Situation der Moral 5
3.1 Ein Gedankenexperiment 5
3.2 Beispiele aktueller Diskussionen zu moralischen Fragen 6
3.3 Die Beschaffenheit von Voraussagen in den Sozialwissenschaften 7
4. Bedeutungsverlust der Moral als Folge der Aufklärung 9
4.1 Gründe für das Scheitern einer rationalen Rechtfertigung der Moral 9
4.2 Kritik am Emotivismus 11
5. Kritik 12
6. Fazit 13
7. Literaturverzeichnis 14
2
1. Einleitung
Alasdair MacIntyre stellt in seinem umstrittenen Buch „Der Verlust der Tugend“(1981) die These auf, dass die Zeit der Aufklärung zur Zersplitterung und Demontage der Moral geführt hat. Die großen Denker der Aufklärung, beispielsweise Kant, Kierkegaard, Hume etc., werden von ihm kritisiert für den Versuch, Moral rational zu rechtfertigen. Dieser gescheiterte Versuch hätte zur Entstehung des emotivistischen Denkens anfangs des 20. Jahrhunderts geführt, den MacIntyre ebenfalls eindringlich kritisiert. Der Emotivismus sei dafür verantwortlich, dass heutzutage auf moralische Fragen keine konsensfähigen Antworten mehr gefunden werden. MacIntyre selbst bekennt sich deutlich zur aristotelischen und thomistischen Ethik.
Diese Hausarbeit beschreibt zunächst MacIntyre’s Beurteilung der gegenwärtigen moralischen Situation und konzentriert sich dann auf seine Kritik an den Denkern der Aufklärung und den Anhängern des Emotivismus.
2. Biographie und Hintergrundwissen zu Alasdair MacIntyre
Alasdair Chalmers MacIntyre wurde am 12. Januar 1929 in Glasgow, Schottland, geboren. Seine Eltern waren mindestens so wohlhabend, dass sie ihm die Möglichkeit eines Studiums an der University of London geben konnten, welches er nach einiger Zeit an der Oxford University fortsetzte. 1 In einem Interview 1991 teilt er sein akademisches Leben in drei Phasen. Die erste Phase beginnt 1949 mit seinem Studium in London und endet 1971 als Dozent an der Manchester University. Diese Zeit beschreibt er als schlecht organisiert und oft frustrierend, in der er aber dennoch viel gelernt hat. Er ist zeitweise Mitglied einer kommunistischen Partei und beschäftigt sich viel mit den Themen Marxismus und Christentum. Die zweite Phase beginnt 1971 kurz nach seiner Emigration in die USA und endet 1977, sie wird von ihm als schmerzhafte Zeit der selbstkritischen Reflektion charakterisiert. In dieser Zeit beschäftigt er sich unter anderem mit Hegel und schreibt vor allem Artikel in Journalen. Seit 1977 befindet er sich in der dritten Phase, in der er ein zentrales Projekt verfolgt, dass „After Virtue Project“. 2 Während dieser dritten Phase schreibt er die Bücher „After Virtue: A Study in Moral Theory.“, „Whose Justice? Which Rationality?“ und „Three Rival Versions of Moral Enquiry: Encyclopaedia, Genealogy, and
1 Encyclopedia of World Biography, URL a.a.O.
2 Murphy, Mark C. (2003): S. 1ff.
3
Tradition.“. Diese Bücher sind geprägt vom aristotelischen und thomistischen Denken und beeinflussen nicht nur die akademischen Berufsphilosophen, sondern auch die Wirtschaft, das Management und die Politik. 3 Begeisterte Anhänger seiner politischen Theorie gründeten sogar die „International Society for MacIntyrean Equiry“. 4 „Die Zeit“ betitelte MacIntyre 2001 als „äußert gerissenen Provokateur“. 5 Auf einer islamischen Internetseite empfiehlt man das Buch „Whose Justice? Which Rationality?“ unbedingt zu lesen, z.B. wegen seiner Kritik an der Aufklärung oder am Liberalismus. 6
MacIntyre hat bisher 33 Bücher und eine Vielzahl von Artikeln veröffentlicht. Er durchquerte dabei verschiedene Denkschulen: die Analytische, die Marixistische, die Christliche, die Atheistische, die Aristotelische, die Augustinische und die Thomistische. Außerdem gilt er als einer der Hauptvertreter des Kommunitarismus. 7
MacIntyre hat dreimal geheiratet, zuerst 1953 Ann Peri, sie bekamen zwei Töchter Toni und Jean und ließen sich 1963 scheiden. Im gleichen Jahr heiratete er Susan Margery Willans. Ein gemeinsamer Sohn namens Daniel und eine gemeinsame Tochter namens Helen wurden geboren. Im Jahr 1977 ließen die beiden sich scheiden. Im gleichen Jahr heiratete er Lynn Sumida Joy, sie haben keine Kinder und sind bisher noch zusammen. 8 Ihr und seinen Kindern spricht er in den Vorwörtern seiner Bücher größten Dank aus. Neben seinen Büchern und Artikeln hat MacIntyre an vielen Universitäten unterrichtet, beispielsweise der Leeds University, Princeton University, Brandeis University, Boston University, Wellesley College, Yale University oder Vanderbilt University. 1984 war er Präsident der „Eastern Division of the American Philosophical Association“. Seit 1985 ist er an der University of Notre Dame und nahm 1989 die Position des McMahon-Hank Professors für Philosophie ein. Von 1995 - 1997 war er Arts & Sciences Professor für Philosophie an der Duke University. Danach kehrte er wieder zur University of Notre Dame zurück. 9
3 University College Dublin, URL a.a.O.
4 Jeffery Nicholas, URL a.a.O.
5 Honneth, Axel, URL a.a.O.
6 Dr. Muhammad Legenhausen, URL a.a.O.
7 Wikipedia, URL a.a.O.
8 Encyclopedia of World Biography, URL a.a.O.
9 Ebd.
4
Seine Vorträge bringen die Zuhörer nicht nur zum nachdenken, sondern auch zum Lachen. Bei einem Gastauftritt an der Dublin University, wo er hoch geschätzt wird, kann man diese Fähigkeit beobachten. 10
3. Kritik der gegenwärtigen Situation der Moral
MacIntyre behauptet, die gegenwärtige Situation der Moral sei in einer Krise, weil bei moralischen Diskussionen kein Konsens gefunden wird und diese Diskussionen deshalb endlos sind. 11 Wie es zu einer solchen Dekonstruktion der Moral kommen konnte, veranschaulicht er bildlich in einem Gedankenexperiment, dass im folgenden genauer beschrieben wird.
3.1 Ein Gedankenexperiment
Man stelle sich folgende Entwicklung vor: die Öffentlichkeit wirft den Naturwissenschaftlern vor, dass ihre Forschungen zu massiven Umweltkatastrophen geführt hätten. In der Gesellschaft entstehen Unruhen, es kommt zu gewalttätigen Vorkommnissen, Labors, Bücher und Geräte werden zerstört, alle Naturwissenschaftler werden verfolgt und gelyncht. Eine Politik des „Nicht-Wissens“ wird übermächtig und schafft überall den Unterricht von Naturwissenschaften ab. Nach einiger Zeit entsteht eine Gegenbewegung, sie versuchen, die Naturwissenschaften wieder zu beleben. Allerdings sind nur noch Bruchstücke von Dokumenten, wenige Geräte aus Labors und einzelne Seiten aus Büchern vorhanden. Man fängt an sich über die Bedeutung von Theorien zu streiten, obwohl man ohnehin nur noch einen Teil der Theorien rekonstruieren kann. Begriffe wie z.B. „Neutron“ oder „Atomgewicht“ würden beliebig und willkürlich benutzt werden. Niemand bemerkt, dass dieses Zusammenpressen unterschiedlicher Puzzle-Teile nichts mehr mit den Naturwissenschaften zu tun hat und somit keinen Sinn ergibt. Es wäre also eine Welt, in der die Sprache der Naturwissenschaften wieder existiert, aber ihr Zustand absolut entgleist ist. 12 MacIntyre möchte mit dieser Metapher seine These verbildlichen, dass sich die heutige Moral in einem ebenso verwahrlosten Zustand befindet wie die Naturwissenschaften in dem Gedankenexperiment.
10 University of Dublin, URL a.a.O.
11 MacIntyre, Alasdair (1981): S. 19.
12 Ebd. S. 13f.
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Arbeit zitieren:
Anna-Katharina Dhungel, 2010, Emotivismus in Alasdair MacIntyres "Der Verlust der Tugend", München, GRIN Verlag GmbH
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