Inhaltsverzeichnis
Abstract 1
1 Gebrauchswert Tauschwert Wert 2
2 Arbeit Produktion Produktivkraft 4
3 Arbeit Gesellschaft Wertform 6
4 Genesis der Geldform 10
5 Metaphysik und Fetisch 17
6 Eine Welt aus Prototypen 22
Literatur 27
0
Abstract
Die erste Absicht dieser Arbeit besteht in einer gründlichen und nachvollziehenden Darstellung und vorsichtigen Interpretation der Werttheorie im ersten Kapitel des Kapitals, insbesondere der Kategorie der Ware als solcher und der Genesis der Geldform. Ziel ist es, die konstitutiv-immanente Widersprüchlichkeit der s- führlichkeitscheint mir insofern gerechtfertigt, als daß sowohl die zu entwickelnden
t- problematikdarin zu bestehen, daß die von Marx hier rekonstruierten Begriffe gerne und gängigerweise einfach so verwendet und als gegeben angesehen werden und das, obwohl sie eben von vorneherein keineswegs so klar sind, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Im Anschluß daran s e- gentlichreligiös anmutende Aura beleuchten, die vor allem Geld und Ware zu umgeben scheint.
Schließlich werde ich versuchen, das sich aus meiner Sicht im Zusammenspiel der Ergebnisse der ersten beiden Teile abzeichnende Warendispositiv näher zu analysieren. Meine Grundthese dabei: Unserer an verschiedenen Dispositiven nicht armen Gegenwart liegt ein ganz grundlegendes Muster zugrunde, gewissermaßen ein Metadispositiv, das auch den anderen Dispositiven gegenüber als ein solches wirkt.
Keim findet sich dabei bereits im Eröffnungskapitel des Kapitals, was aus meiner o- nomiekritikjenseits ihrer vielbesprochenen Kampfschrifthaftigkeit ausmacht.
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1 Gebrauchswert Tauschwert Wert
Das Kapital beginnt mit der
äußerer Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürf-
Nützlichkeit ist direkt und untrennbar verbunden mit dem Ding selbst, dem Warenkörper und seinen Eigenschaften. Denn ihre Realisierung vollzieht sich erst und nur im Gebrauch des Dinges selbst (wobei dieser Gebrauch auch Konsumption sein kann), welches insofern Gebrauchswert ist. Man könnte sagen: Als Ding ist das Ding Gebrauchswert, als Ware hat es Gebrauchswert. Denn die Gebrauchswerte sind zumal in der zu betrachtenden bürgerlichen Gesellschaft kapitalistischer Produktionsweise
50). In seiner simpelsten Form scheint der Tauschwert von Gebrauchswerten ober- flächlich betrachtet schlicht in den anderen Gebrauchswerten zu bestehen, die im Tausch dafür zu bekommen sind, als eine nach Zeit, Ort und allerlei sonstigen Umständen jeweils verschiedene Austauschproportion. Eher zufällige, auf jeden Fall aber rein relative Quantität. Allerdings werden dabei gegenständlich natürlich nicht Quantitäten getauscht, sondern deren stoffliche Träger, die Gebrauchswerte. Dem einzelnen Gebrauchswert kommen dabei allerlei verschiedene Tauschwerte zu. So könnte man beispielsweise für ein Paar Schuhe ein Quantum x an Mehl oder ein Quantum y an Stoff oder ein Quantum z an Nägeln bekommen. Da diese Quanta alle gleichermaßen Tauschwerte für die Schuhe darstellen und insoweit untereinander offensichtlich als voneinander jeweils ersetzbar gelten müssen, scheint ihnen trotz ihrer offenkundigen Unterschiedenheit als Gebrauchswerte dieselbe Tauschwertigkeit zuzukommen. In Bezug auf den Moment des Tausches lässt sich für das Ding n u- schenergibt keinen Sinn außer sie unterschieden sich wiederum als solche signifikant voneinander).
Worin besteht aber das Gleiche an oder in x Mehl und y Stoff (von der zirkulären
Diese Gleichheit ist offensichtlich nicht in den Dingen an sich (als Gebrauchswerten)
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zu finden, da sie als solche ja gerade nicht gleich sind. Sie findet sich also weder am Mehl, noch am Stoff, wohl also in einem Dritten, das den beiden Dingen gemeinsam ist, aber in unterschiedlicher Quantität zukommt (da x y). Dabei kann es sich nicht um natürliche Eigenschaften der Waren handeln. Denn diese sind nur von Belang insofern sie das Ding als solches nutzbar, also zu Gebrauchswerten machen. Für das Austauschverhältnis ist ja aber gerade die Abstraktion vom Gebrauchswertaspekt der Dinge konstitutiv. In ihrer Identität als Tauschwert kommt der Ware eben gerade kein Gebrauchswert zu. Als Tauschwerte ist ihre qualitative Andersheit zugunsten einer rein quantitativ bestimmten Unterscheidung eliminiert. Natürlich ist das, was da den Besitzer wechselt nach dem Tausch weiterhin Mehl oder Stoff. Für den Tauschakt als solchen sind sie jedoch ihrer körperlichen Beschaffenheit, überhaupt aller sinnlichen Dimension enthoben. Für den jeweils vor dem Tauschakt Besitzenden sind Mehl und Stoff für den und im Tauschakt selbst keine Dinge mehr die als solche noch nützlich wären (streng genommen nicht einmal mehr existent sind). e- sem Moment reine Quantität und insofern z Nägeln vollständig identisch. Die einzige Eigenschaft, die nach dieser völligen Abstraktion noch bleibt und die den Dingen in der Tat gemeinsam ist, ist die, daß sie Arbeitsprodukte darstellen. Das gesuchte den Waren innewohnende Gleiche scheint also mit der menschlichen Arbeit verwoben zu sein.
In den konkreten Gebrauchswerten steckt jeweils konkrete, verschiedene menschliche Arbeit: Schusterarbeit in den Schuhen, Müllerarbeit im Mehl, Weberarbeit im Stoff, usw. Als Tauschwerte, in der dafür notwendigen Abstraktion, kommt den Dingen diese konkrete Verschiedenheit der Arbeit aber zwangsläufig abhanden. Das Mehl ist nicht länger Mehl, ergo auch nicht länger das Produkt von Müllerarbeit oder sonst irgendeiner bestimmten produktiven Arbeit: Es ist gewissermaßen reine Gegenständlichkeit als solche, ohne relevante konkrete Form und Qualität nützlichen Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet der nützliche Charakter der in ihnen dargestellten Arbeiten, es verschwinden also auch die verschiedenen konkreten Formen dieser Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht länger, sondern sind allzu-
52). Als Tauschwerte sind die Dinge insofern nur noch nicht-verschiedene Repräsen- e-
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e- meinsamesim Tauschwert manifestiert. Sein Maß ist das im Ding selbst vergegenständlichte Quantum abstrakter menschlicher Arbeit. Nur dieser Materialisierung wegen hat ein Gebrauchswert einen Wert.
Bei genauerer Betrachtung lässt sich feststellen, daß mit der Kategorie des Wertes (nicht nur morphologisch) bereits eine weitere, zweite Abstraktion verbunden ist. So
als solcher ist zwar ontologisch vom Tauschwert zu unterscheiden, manifestiert sich aber nur als dieser (dazu später mehr). Der Wert selbst lässt sich nicht absolut darstellen, sondern nur im Verhältnis zweier Dinge, zweier Gebrauchswerte (vgl. Backhaus 44).
2 Arbeit Produktion Produktivkraft
Da nun Arbeit als die wertbildende Substanz identifiziert ist, könnte man einwenden, dies bedeute, daß besonders langsames Arbeiten zu besonders wertvollen Waren führen würde. Das konkrete Quantum konkreter Arbeit (in Zeiteinheiten als ihrem Maß) stiege und damit auch der Wert des Produktes. Dies ist natürlich nicht der Fall.
gleiche abstrakte Arbeit. Mehr noch (Marx 53):
Die gesamte Arbeitskraft der Gesellschaft, die sich in den Werten der Warenwelt darstellt, gilt hier als eine und dieselbe menschliche Arbeitskraft, obgleich sie aus zahllosen individuellen Arbeitskräften besteht. Jede dieser individuellen Arbeitskräfte ist dieselbe menschliche Arbeitskraft wie die andere, soweit sie den Charakter einer gesellschaftlichen Durchschnitts-Arbeitskraft besitzt und als solche gesellschaftliche Durchschnitts-Arbeitskraft wirkt, also in der Produktion einer Ware auch nur die im Durchschnitt notwendige oder gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit braucht. Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt, um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit darzustellen.
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Das zur Produktion einer Ware tatsächlich aufgewandte Quantum konkreter Arbeit ist also für die Bestimmung ihres Wertes höchstens rudimentär von Bedeutung (als ein Berechnungsglied der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit). Wieviel mein Mehl der Menge x wert ist wird nicht dadurch bestimmt, wie viel Zeit ich in seine Produktion gesteckt habe, sondern hauptsächlich dadurch, wie viel Zeit die anderen in die Produktion ihres Mehls der Menge x gesteckt haben. Dies ist nun auf den ersten Blick nicht weiter aufsehenerregend. Man darf wohl davon ausgehen, daß es zu allen Zeiten und in allen möglichen Gesellschaftsformen die diesen Namen verdienten der Fall war, daß Tauschende eine wenigstens ungefähre Vorstellung davon hatten, wie viel Arbeitszeit sich in etwa, im Normalfall (im Sinne eines näherungsweisen Durchschnitts), im zu ertauschenden Ding veranschlagen ließ. Sie hätten sicherlich eine davon signifikant zu ihren Ungunsten abweichende Austauschproportionalität als hor- ngsam gemahlen,deshalb war
dieses Mehl besonders zeitaufwendig und daher verlange ich für x Mehl nun 3z Nä- b- lichenTempo arbeiten können. Das Motiv der gesellschaftlich notwendigen Arbeit ist bislang auch dann noch nicht sonderlich brisant, solange sich die Produktionsbedingungen der Einzelnen peu à peu entwickeln und ohne dabei allzu riesige Unterschiede zu produzieren (z.B. im Spielraum menschlicher Fingerfertigkeit o.ä.). Allerdings, und das ist das verheerende Moment dieses Zusammenhangs, befinden wir uns (bei Marx und noch immer) im Zeitalter der Industrialisierung! Marx führt das Beispiel der Entwicklung und Einführung des Dampfwebstuhls in Eng-land an. Auf einen Schlag war es möglich in halb so langer Zeit x Garn in Gewebe zu verarbeiten wie vorher. Wer noch von Hand webte, brauchte dafür natürlich noch
stellte jetzt nur noch eine halbe gesellschaftliche Arbeitsstunde dar und fiel daher auf
natürlich ebenfalls gleich, sein Wert nicht. Der Zusammenhang von Gebrauchswert und Wert ist zwar allein schon deshalb elementar, weil in nutzlosen Dingen enthaltene Arbeit ebenfalls als nutzlos und insoweit nicht als wertbildend betrachtet wird.
(Marx 54). Die Konstanz der Wertgröße einer Ware wäre Ausdruck des Umstandes, dass die zu ihrer Produktion gesellschaftlich notwendige Arbeit und damit die Produktivkraft der Arbeit ebenfalls konstant blieben.
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Die Produktivkraft und ihr Steigen oder Fallen hängen dabei zwar nicht nur von der Durchschlagskraft der Produktionsmittel ab Marx nennt noch einige andere, darunter Geschick des Arbeiters oder Naturverhältnisse aber mit Einsetzen der Industrialisierung gewinnt dieser Faktor schlagartig ein ungeheures Gewicht. Bemerkenswerterweise führt der Zusammenhang von Produktivkraft und Wert dazu, daß das Ansteigen des einen zum Verfall des anderen führt und umgekehrt das Ansteigen des
Arbeit, desto kleiner die zur Herstellung eines Artikels erheischte Arbeitszeit, desto
Aspekt wechselnder Produktivkraft wird das widersprüchliche Verhältnis von Gebrauchswert und Wert besonders offenbar. Das Perfide besteht gerade in der sich immer wieder aktualisierenden Möglichkeit der Nicht-Parallelität ihrer Entwicklungen. der steigenden Masse des
60).
3 Arbeit Gesellschaft Wertform
ist das Ding Gebrauchswert, als Ware hat ferenzierenderweise muss man in Bezug auf das Ding als e- mandein Ding produzieren, das für ihn selbst Gebrauchswert ist. Wer in seinem Garten Gurken anbaut um sie anschließend selbst zu essen, tut genau dies. Allerdings sind diese Gurken dann keine Ware. Die Produktion von Ware bedeutet die Produktion von Gebrauchswert für andere (nicht für sich selbst) zum Zwecke des Austauschs. Es handelt sich also um gesellschaftlichen Gebrauchswert. Wie man sieht, hat nicht nur die Ware einen Doppelcharakter (als Gebrauchs- und als Tauschwert), sondern auch die Arbeit. Gebrauchswerterzeugend ist sie konkrete, individuelle, qualitativ bestimmte Arbeit so wie der produzierte Gebrauchswert konkret, individuell und qualitativ bestimmt ist. Werterzeugend ist sie dagegen ab-
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Arbeit zitieren:
Tobias Kaiser, 2009, Wert und Schein: Zur Werttheorie in Marx’ Kritik der politischen Ökonomie, München, GRIN Verlag GmbH
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