Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ideologische Prämissen marxistischer Faschismusanalysen 1
1.2 Zeithistorischer Kontext 1
1.3 Die kommunistische Bewegung in den 1920er Jahren 2
2. Hauptströmungen marxistischer Faschismusanalysen
2.1 Tendenzen marxistischer Theorie zu Beginn des 20.Jahrhunderts 3
2.2 Der Faschismus als Agent großkapitalistischer Interessen 4
2.3. Sozialfaschismus 6
2.4 Bonapartismustheoretische Konzepte 8
2.4.1 Das Thalheimer´sche Bonapartismuskonzept 8
2.4.2 Otto Bauers Faschismusanalyse 10
3. Abschließende Betrachtung 12
4. Literatur- und Quellenangabe 15
1. Einleitung
1.1 Ideologische Prämissen marxistischer Faschismusanalysen
Es erscheint sinnvoll, zunächst den Begriff Marxismus zu klären, da eine Vielzahl von Konnotationen mit ihm verbunden ist, sodass er einer gewissen definitorischen Schärfe entbehrt 1 . Als marxistisch soll hier definiert werden, was sich auf gewisse grundlegende Annahmen bezieht. Insbesondere seien hier die Marx´sche Arbeits- und Mehrwerttheorie, die Existenz eines antagonistischen Klassengegensatzes zwischen Kapital und Arbeit sowie die Notwendigkeit der Überwindung des kapitalistischen Systems genannt. 2 Ausgehend von diesen Kriterien lässt sich festhalten, dass es allen marxistischen Analysen des Faschismus gleich ist, dass sie die Frage nach der ökonomischen Funktion des Phänomens Faschismus in kapitalistischen Gesellschaften und die nach der sozialen Zusammensetzung der faschistischen Bewegung in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen rücken. Dabei wird von allen zeitgenössischen Autoren von einem generalisierenden Faschismusbegriff ausgegangen, dem zwar historisch bedingte nationale Unterschiede zugebilligt werden, was aber an der ihm zugesprochenen objektiven ökonomischen Funktion nichts ändert.
1.2 Zeithistorischer Kontext
Die Analysen des Faschismus und ihre realpolitische Umsetzung 3 lassen sich nur aus ihrer Einordnung in den zeithistorischen Kontext voll erfassen. Bis spätestens 1923 waren sämtliche revolutionären Bewegungen, die im Gefolge der sozialistischen Oktoberrevolution in Russland und des Zusammenbrechens des alten Staatengefüges nach Ende des 1. Weltkrieges eingesetzt hatten, entweder niedergeschlagen oder
1 Der Begriff Marxismus wird mehr als politischer Kampfbegriff gebraucht, denn als Bezeichnung eines sozialwissenschaftlichen Paradigmas. Von daher scheint die Bezeichnung Marx´sches Theorem zutreffender.
2 Siehe dazu: Marx, Karl: Zur Kritik der Politischen Ökonomie, Berlin 1974 S. 15-17; Kromphardt, Jürgen: Konzeptionen und Analysen des Kapitalismus. Von seiner Entstehung bis zur Gegenwart, Göttingen 1991; Bolte, Gerhard: Von Marx bis Horkheimer. Aspekte kritischer Theorie im 19. und 20. Jahrhundert, Darmstadt 1995
3 Hier insbesondere die Konzepte der „Einheitsfront“ bzw. des „Sozialfaschismus“.
1
(zumindest zeitweise) in demokratische Systeme integriert worden 4 . Dabei zeichnete sich vor allem in den Staaten, die zu den Verlierern des 1. Weltkriegs gehörten, eine Tendenz zu reaktionären, autoritären und antikommunistischen Regimes ab. 5 Entsprechend der Erfahrungen der italienischen Arbeiterbewegung wurden von kommunistischer Seite alle gegen eine sozialistische Revolution ausgerichteten politischen Regimes zunächst als „faschistisch“ definiert. Dies trug zu einer besonderen Unschärfe des Begriffes bei, da er schnell auch auf sozialistische und sozialdemokratische Parteien 6 ausgeweitet wurde, sodass bald alles was nichtkommunistisch war, als „faschistisch“ angesehen wurde.
1.3 Die kommunistische Bewegung in den 20er Jahren
Nach Ende des 1. Weltkrieges und nach dem Erfolg der Oktoberrevolution zeichnete sich in fast allen traditionellen Arbeiterparteien Westeuropas ein Prozess der Abspaltung der radikaleren Flügel ab. Theoretisch lassen sich diese Spaltungen auf die sich zuspitzenden Konflikte zwischen zumeist reformistischen Parteiführungen und revolutionär gesinnten Flügeln Anfang des 20. Jahrhunderts zurückführen 7 . Handfest wurden diese Konflikte während des 1. Weltkrieges im Zuge der von vielen Arbeiterparteien zu Kriegsbeginn geschlossenen „Burgfrieden“ mit den bürgerlichen Regierungen. Daraufhin verschärften sich zunächst die parteiinternen
Fraktionsbildungen, deren Konsequenz dann schließlich die Abspaltungen der sich nun als „kommunistisch“ bezeichnenden Parteien war. Nach Abebben der revolutionären Welle in Folge der Oktoberrevolution bildeten sich feste Strukturen heraus, die bestimmte gemeinsame Charakteristika besaßen: So verstanden sich alle KPen als nationale Sektionen der 1919 gegründeten Kommunistischen Internationale 8 , was auch eine dem Prinzip des sog. Demokratischen Zentralismus verpflichtete streng hierarchisch gegliederte Parteistruktur implizierte, an deren Spitze das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale (EKKI) stand. Das ist für die vorliegende
4 z.B. die deutsche Novemberrevolution oder die ungarische Räterepublik unter Béla Kun bzw. die „bienio rosso“ in Italien
5 bspw. Horthy-Ungarn, das Polen Pilsudskis oder die jugoslawische Monarchie
6 so die Positionen Bordigas gegenüber der PSI oder der KPD gegenüber der SPD
7 bestes Beispiel hierfür Marxens Kritik am Gothaer Programm der SPD: Marx, Karl: Kritik des Gothaer Programms (Randglossen zum Programm der deutschen Arbeiterpartei). Manuskript von 1875. MEW, Bd. 19
8 oft auch als „III. Internationale“ bezeichnet
2
Untersuchung vor allem deshalb relevant, da sich hieraus ergab, dass alle theoretischen und analytischen Vorgaben des EKKI verbindlichen Charakter für die Politik der nationalen KPen hatten. 9 Mit der zunehmenden Stalinisierung der Komintern und damit einhergehend auch der nationalen KPen im Verlaufe der 20er Jahre 10 lässt sich auch eine gewisse Kongruenz zwischen den jeweiligen aktuellen Faschismusanalysen des EKKI und den außenpolitischen Interessen der Sowjetunion erkennen. 11 Was vor allem auch als Indiz dafür zu werten ist, dass sich der Charakter der KPen im Verlaufe der 1920er Jahre grundlegend änderte. Vom anfänglichen Verständnis als Avantgarde der bevorstehenden Weltrevolution hin zu Agenturen sowjetrussischer Interessen, deren vorderste Aufgabe der Schutz der Sowjetunion war. Zumal die revolutionäre Perspektive in den meisten Ländern angesichts der relativen Stabilität des Kapitalismus immer unwahrscheinlicher wurde.
2. Hauptströmungen marxistischer Faschismusanalysen
2.1 Tendenzen marxistischer Theorie zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Wie oben bereits erwähnt, ist der Begriff Marxismus sehr unscharf, zumal sich darunter sehr verschiedene Theorien und Themenbereiche subsumieren lassen. So bildeten sich im Verlaufe des 20. Jahrhunderts eine Reihe von Denkschulen heraus, die sich in ihrer Schwerpunktsetzung stark unterschieden und die sich dennoch durchgängig als marxistisch verstanden. Dabei lassen sich jedoch zwei sehr allgemeine Hauptströmungen herausstellen. Zum einen die ökonomistisch - reduktionistische Marxismusrezeption 12 , die vor allem in den linken Kreisen der II. Internationale und später auch in der Komintern weitestgehend dominant war und andererseits eine eher undogmatische Rezeption 13 , die größeres Gewicht auf den Dualismus und die Interdependenz von ökonomischer Basis und gesellschaftlichem Überbau legte. Diesen
9 siehe dazu: Kinner, Klaus: Der deutsche Kommunismus. Selbstverständnis und Realität. Die Weimarer Zeit. Bd. 1, Berlin 1999; Fülberth, Georg: Der große Versuch. Geschichte der kommunistischen Bewegung und der sozialistischen Staaten, Köln 1994
10 Für die KPD lässt sich der Stalinisierungsprozess an der Einsetzung des sog. „Thälmann ZKs“ 1925 relativ eindeutig nachweisen.
11 Besonders Klaus Kinner verweist in diesem Kontext auf den Zusammenhang von „Sozialfaschismus-propaganda“ der KPD und der außenpolitischen Westorientierung der SPD. Kinner: Der deutsche Kommunismus, Berlin 1999
12 bspw. Nicolai Bucharin
13 hier besonders hervorzuheben sind Antonio Gramsci und die Kritische Theorie der Frankfurter Schule
3
Arbeit zitieren:
Magister André Keil, 2004, Marxistische Faschismustheorien, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg: Marxistische Faschismustheorien ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg: neuer Titel erschienen: Marxistische Faschismustheorien
André Keil hat einen neuen Text hochgeladen
Three-Dimensional Link Theory and Invariants of Plane Curve Singularit...
David Eisenbud, Walter Neumann, Walter D. Neumann
Industrial and Organizational Psychology: Linking Theory with Practice
Gary L. Cooper, Locke, Robertson Cooper
Settings for Health Promotion: Linking Theory and Practice
Lawrence W. Green, Blake D. Poland, Irving Rootman
Linking Theory to Practice: Case Studies for Working with College Stud...
Stage&dannells, Michael Dannells, Frances K. Stage
English Teaching in the Secondary School 2/E: Linking Theory and Pract...
Mike Fleming, David Stevens
Information & Communication Technologies in Action: Linking Theory & N...
Larry D. Browning, Alf Steinar Saetre, Keri K. Stephens
0 Kommentare