Inhaltsverzeichnis Seite I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abk ürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VI
1 Einleitung und Problemstellung 1
2 Pay-TV in Deutschland 2
2.1 Definitionen von Pay-TV 2
2.1.1 Pay-per-Channel 2
2.1.2 Pay-per-View 3
2.1.2.1 Video-on-Demand 3
2.1.2.2 Near-Video-on-Demand 4
2.2 Definition von Content und grundlegende Begriffsbestimmungen 4
2.3 Pay-TV-Anbieter in Deutschland 6
2.3.1 Firmenprofil Premiere 6
2.3.2 Firmenprofil Unity Media/ Arena 8
3 Methodische Grundlagen 10
3.1 NOA-MModell 10
3.1.1 Modellformulierung 10
3.1.2 Zusammenfassung der Modellergebnisse 14
3.1.3 Modellkritik und Übertragbarkeit auf den deutschen TV-Markt 15
3.2 Strategische Positionierung durch Content-Angebote 17
3.2.1 Fokussierung durch Content-Angebote 17
3.2.1.1 Sparten 18
3.2.1.2 Sendungsformen 18
3.2.2 Differenzierung durch Content-Angebote 18
3.2.2.1 Qualität 19
3.2.2.2 Quantität 22
3.2.2.3 Flexibilität 22
Inhaltsverzeichnis Seite II
4 Empirische Untersuchung der Content-Angebote von Premiere und
Unity Digital TV/ Arena 24
4.1 Grundlegende Vorgehensweise 24
4.2 Zeitungsanalyse 25
4.3 Operationalisierung der theoretischen Konstrukte 26
4.4 Statistische Verfahren zur Auswertung der Untersuchungsergebnisse 29
4.4.1 Chi-Quadrat Homogenitätstest 30
4.4.2 U-Test von Mann und Whitney 32
4.5 Fokussierung der Content-Angebote auf der Makroebene 33
4.5.1 Spartenprofile von Premiere und Unity Digital TV/ Arena 34
4.5.2 Spartenprofile der Programmpakete von Premiere und Unity Digital TV/
Arena 36
4.6 Fokussierung bei ausgewählten Fiction-Content-Angeboten auf der Mikroebene 37
4.6.1 Sendungsformenprofile der Fiction-Content-Angebote 38
4.6.2 Chi-Quadrat Homogenitätstest für die Fiction-Content-Angebote 41
4.7 Differenzierungen innerhalb der ausgewählten Fiction-Content-Angebote 46
4.7.1 Qualität 46
4.7.1.1 Produktionsländerprofile 47
4.7.1.2 Chi-Quadrat Homogenitätstest für die Produktionsländer 49
4.7.1.3 Fachzeitschriftenbewertungsprofile 52
4.7.1.4 U-Test von Mann und Whitney für die Fachzeitschriftenbewertungen 54
4.7.1.5 Aktualität 55
4.7.1.6 U-Test von Mann und Whitney für die Aktualität 57
4.7.2 Quantität 59
4.7.3 Flexibilität 60
4.7.3.1 Wiederholungen 60
4.7.3.2 U-Test von Mann und Whitney für die Wiederholungen 61
4.8 Fokussierung bei ausgewählten NVoD-Fiction-Content-Angeboten auf der
Mikroebene 63
4.8.1 Sendungsformenprofile der NVoD-Fiction-Content-Angebote 63
4.8.2 Chi-Quadrat Homogenitätstest für die NVoD-Fiction-Content-Angebote 65
Inhaltsverzeichnis Seite III
4.9 Differenzierungen innerhalb der ausgewählten
NVoD -Fiction-Content-Angebote 67
4.9.1 Qualität 67
4.9.1.1 Produktionsländerprofil 67
4.9.1.2 Chi-Quadrat Homogenitätstest für die Produktionsländer 68
4.9.1.3 Fachzeitschriftenbewertungsprofile 69
4.9.1.4 U-Test von Mann und Whitney für die Fachzeitschriftenbewertungen 71
4.9.1.5 Aktualität 71
4.9.1.6 U-Test von Mann und Whitney für die Aktualität 72
4.9.2 Quantität 73
4.9.3 Flexibilität 74
4.9.3.1 Wiederholungen 74
4.9.3.2 U-Test von Mann und Whitney für die Wiederholungen 75
4.10 Fokussierung bei ausgewählten Sport-Content-Angeboten auf der Mikroebene 76
4.10.1 Sendungsformenprofile der Live-Sport-Content-Angebote 76
4.10.2 Chi-Quadrat Homogenitätstest für die Live-Sport-Content-Angebote 79
5 Interpretation 81
6 Kritische Würdigung 100
7 Zusammenfassung und Ausblick 102
Literaturverzeichnis VII
Hinweise zum individuellen Beitrag im Rahmen der Gruppenarbeit XIV
Anhang XV
Abkürzungsverzeichnis Seite IV
Abkürzungsverzeichnis FTA Free-to-air HDTV High Definition Television KEK Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich MGM Metro-Goldwyn-Mayer NVoD Near-Video-on-Demand RStV Rundfunkstaatsvertrag RTL Radio Télévision Luxemburg TCM Turner Classic Movies TKP Tausender-Kontakt-Preis UEFA Vereinigung europäischer Fußballverbände Ufa Universal Film AG VoD Video-on-Demand
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Inhaltliche Positionierung eines Fernsehsenders
Abbildung 2: Inhaltliche Positionierung eines neu eintretenden Fernsehsenders
Abbildung 3: Inhaltliche Positionierung zweier Fernsehsender im Gleichgewicht
Abbildung 4: Inhaltliche Positionierung mehrerer Fernsehsender im Gleichgewicht
Abbildung 5: Kosten- und Erlösstrukturen von Fernsehsendern
Abbildung 6: Spartenprofile von Premiere und Unity Digital TV/ Arena
Abbildung 7: Sendungsformenprofile ausgewählter Fiction-Einzelprogramme
Abbildung 8: Produktionsländerprofile ausgewählter Fiction-Einzelprogramme
Abbildung 9: Fachzeitschriftenbewertungsprofile ausgewählter
Fiction -Einzelprogramme
Abbildung 10: Boxplots der Produktionsjahre ausgewählter
Fiction -Einzelprogramme
Abbildung 11: Boxplots der Wiederholungen ausgewählter Fiction-Einzelprogramme
Abbildung 12: Sendungsformenprofile ausgewählter NVoD-Fiction-Programme
Abbildung 13: Produktionsländerprofile ausgewählter NVoD-Fiction-Programme
Abbildung 14: Fachzeitschriftenbewertungsprofile ausgewählter
NVoD -Fiction-Programme
Abbildung 15: Boxplots der Produktionsjahre ausgewählter
NVoD -Fiction -Programme
Abbildung 16: Boxplots der Wiederholungen ausgewählter NVoD-Fiction-Programme
Abbildung 17: Sportartenprofile ausgewählter Live-Sport-Einzelprogramme
gewichtet mit Livestunden
Tabellenverzeichnis Seite VI
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Spartenanteile bei Premiere und Unity Digital TV/ Arena 34
Tabelle 2: Sendungsformenanteile ausgewählter Fiction-Einzelprogramme 38
Tabelle 3: Kontingenztabelle und Chi-Quadrat Test Genre * Fiction-Einzelprogramme 43-45 Tabelle 4: Produktionsländeranteile ausgewählter Fiction-Einzelprogramme 47
Tabelle 5: Kontingenztabelle und Chi-Quadrat Test ………….
…………...Produktionsländer * Fiction-Einzelprogramme 51
Tabelle 6: Fachzeitschriftenbewertungsanteile ausgewählter Fiction-Einzelprogramme 52 Tabelle 7: U-Test von Mann und Whitney für die Fachzeitschriftenbewertungen …………. der Fiction-Einzelprogramme 54
Tabelle 8: U-Test von Mann und Whitney für die Aktualität der Fiction-Einzelprogramme 58 Tabelle 9: Quantität ausgewählter Fiction-Einzelprogramme 59
Tabelle 10: U-Test von Mann und Whitney für die Wiederholungen der …………...Fiction-Einzelprogramme 62
Tabelle 11: Sendungsformenanteile ausgewählter NVoD-Fiction-Programme 64
Tabelle 12: Kontingenztabelle und Chi-Quadrat Test Genres * NVoD-Fiction-Programme 66 Tabelle 13: Produktionsländeranteile ausgewählter NVoD-Fiction-Programme 68
Tabelle 14: Kontingenztabelle und Chi-Quadrat Test …………...Produktionsländer * NVoD-Fiction-Programme 69
Tabelle 15: Fachzeitschriftenbewertungsanteile ausgewählter NVoD-Fiction-Programme 70 Tabelle 16: U-Test von Mann und Whitney für die Fachzeitschriftenbewertungen der …………...NVoD-Fiction-Programme 71
Tabelle 17: U-Test von Mann und Whitney für die Aktualität der …………...NVoD-Fiction-Programme 73
Tabelle 18: Quantität ausgewählter NVoD-Fiction-Programme 73
Tabelle 19: U-Test von Mann und Whitney für die Wiederholungen der …………...NVoD-Fiction-Programme 75
Tabelle 20: Sportartenanteile ausgewählter Live-Sport-Einzelprogramme …………...gewichtet mit Livestunden 77
Tabelle 21: Kontingenztabelle und Chi-Quadrat Test Sportart * Sender 80
Tabelle 22: Zusammenfassung der Fokussierung und Differenzierung der …………...Fiction-Content-Einzelprogramme 94
Tabelle 23: Zusammenfassung der Fokussierung und Differenzierung der …………...NVoD-Fiction-Programme 98
Kap. 1: Einleitung und Problemstellung Seite 1
1 Einleitung und Problemstellung
Die fortschreitende Digitalisierung des Fernsehprogramms führt zu einer Überwindung der einst bestehenden Kapazitätsengpässe auf der Ebene der Programmdistribution. Durch die freiwerdenden Kapazitäten kommt es zu einem Anstieg des Angebotes an Rundfunkkanälen. Hieraus resultiert, dass sowohl der Zuschauer- als auch der Werbemarkt von einer steigenden Zahl von TV-Anbietern umworben werden. Um sich im Zuge der zunehmenden Fragmentierung der Märkte behaupten zu können, ist es für die TV-Anbieter notwendig, ihr Programmangebot auf immer spezifischere und individuellere Rezipientenwünsche abzustimmen. 1 Der alternativen Finanzierungsform des entgeltfinanzierten Fernsehens wird gerade im digitalen Fernsehmarkt eine bedeutende Rolle zugesprochen. Pay-TV-Anbietern ist es, im Gegensatz zu werbefinanzierten TV-Anbietern möglich, sich auf kleine Zuschauergruppen mit hoher Zahlungsbereitschaft zu konzentrieren. 2 Alternative Finanzierungsformen wie das Pay-TV sind laut NOAM sogar zwingend notwendig um eine größere Programmvielfalt im TV-Markt zu erreichen. 3
Im deutschen TV-Markt, in dem es lange Zeit nur den Pay-TV-Anbieter Premiere gab, versuchen heutzutage auch weitere Pay-TV-Anbieter Fuß zu fassen. Die Konkurrenz für Premiere besteht hierbei hauptsächlich aus den Pay-TV-Angeboten verschiedener Kabelnetzbetreiber. Für die Marktchancen von Pay-TV-Anbietern ist von entscheidender Bedeutung, ein möglichst einzigartiges und somit schlecht substituierbares Programmangebot anzubieten. 4 Da sich die Inhalte der Pay-TV-Anbieter jedoch in vielen Bereichen scheinbar sehr ähneln, werden sie in der vorliegenden Arbeit einer detaillierten Analyse unterzogen. Hierfür werden die konkurrierenden Pay-TV-Anbieter Premiere und Unity Digital TV/ Arena bezüglich ihres Programmangebots miteinander verglichen. Nachdem in Kapitel 3 Kriterien herausgestellt werden, die es den Sendern ermöglichen, sich von Ihrer Konkurrenz zu differenzieren, werden diese Kriterien in Kapitel 4 operationalisiert und auf die Content-Angebote der Sender angewandt. Mit dem erarbeiteten Datenmaterial kann gezeigt werden, inwieweit sich die Content-Angebote von Arena und Unity Digital TV/ Arena unterscheiden bzw. in wieweit die einzelnen Programme substituierbar sind. In Kapitel 5 werden die gewonnenen Erkenntnisse in Bezug auf die Marktchancen der einzelnen Programme interpretiert.
1 Vgl. Schössler (2001), 1
2 Vgl. Neumann (1998), 106
3 Vgl. Noam (1987), 182
4 Vgl. Neumann (1998), 108
Kap. 2: Pay-TV in Deutschland Seite 2
2 Pay-TV in Deutschland
Unter dem Begriff TV wird der audiovisuelle Teil des Rundfunks verstanden, welcher die Übermittlung und Wiedergabe von aufgenommenen Ton- und Bildsignalen beinhaltet. Für die Übermittlung der Signale stehen in Deutschland folgende TV-Distributionswege zur Verfügung: Kabel (56%), Satellit (39%) und Terrestrik (5%). 5 Im deutschen TV-Markt kann zwischen den öffentlich-rechtlichen und privaten Free-TV-Sendern, sowie dem Pay-TV unterschieden werden. Der deutsche Fernsehmarkt ist durch eine Vielzahl von frei empfangbaren Fernsehprogrammen und seit 1984 durch das duale System gekennzeichnet, welches den öffentlich-rechtlichen mit dem privaten Rundfunk vereint. 6 Die privaten Pay-TV-Sender unterliegen mit ihren Programmen ebenso wie die Free-TV-Sender keinem staatlichen Programmauftrag. 7,8
2.1 Definitionen von Pay-TV
Der Ausdruck Pay-TV ist gleichbedeutend mit dem deutschen Begriff Bezahlfernsehen. Das Fernsehunternehmen stellt hierbei, auf der Basis eines zivilrechtlichen Vertrages, den Zuschauern gegen Zahlung eines Entgeltes sein Programm zur Verfügung. 9 Die Verschlüsselung von Programminhalten ermöglicht nur solchen Kunden den Empfang, die in Besitz eines Decoders mit gültiger Chipkarte sind. 10 Dem Pay-TV-Unternehmen stehen bei der Verbreitung seiner entgeltfinanzierten Fernsehangebote verschiedene Abrechnungssysteme zur Verfügung: 11
2.1.1 Pay-per-Channel
Das Pay-per-Channel System entspricht dem im allgemeinen Sprachgebrauch häufig mit dem Pay-TV gleichgesetzten Begriff Abonnement-Fernsehen und ist die vorherrschende Abrechnungsmethode der Pay-TV-Anbieter. 12 Hierbei abonniert der Zuschauer ein grundsätzlich werbefreies Programmangebot gegen Zahlung eines meist monatlich zu entrichtenden Entgeltes. 13 Dies ermöglicht ihm jederzeit einen unbefristeten Zugang zu den abonnierten Programmen. Der Pay-TV-Anbieter erzielt auf den Rezipientenmärkten transaktionsunabhängige Nutzungsgebühren. 14
5 Vgl. Wirtz (2006), 336
6 Vgl. Pagenstedt (1996), 31
7 Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten sind an eine Aufgabentrias gebunden: Bildung, Information und Unterhaltung; und finanzieren sich hauptsächlich durch Rundfunkgebühren. 8 Vgl. Wirtz (2006), 318
9 Vgl. Woldt (2002), 534
10 Vgl. Becker (1992), 231-232
11 Vgl. Berengeno (2001), 4-5
12 Vgl. Woldt (2002), 535
13 Vgl. Pagenstedt (1996), 2
14 Vgl. Wirtz (2006), 350
Kap. 2: Pay-TV in Deutschland Seite 3
2.1.2 Pay-per-View
Beim Pay-per-View abonniert und bezahlt der Kunde nur eine ausgewählte Sendung (z.B. ein Sportereignis oder einen Spielfilm). Damit ist Pay-per-View transaktionsbasiert. Der Sender erzielt transaktionsabhängige Mediennutzungsgebühren. Zu einem definierten Sendetermin erhält der Zuschauer dann die Möglichkeit die abonnierte Sendung zu sehen. Auf Art und Inhalt der Sendung sowie auf den genauen Zeitpunkt der Ausstrahlung hat der Rezipient keinen Einfluss. Der Rezipient hat lediglich einen indirekten Einfluss, da er nur bei Befriedigung seiner Präferenz bereit ist eine Gebühr zu zahlen. 15 Es ist eine telefonische bzw. eine online getätigte Voranmeldung oder eine Anmeldung über einen Rückkanal zur Nutzung erforderlich. Erst danach wird die ausgewählte Sendung vom Pay-TV-Anbieter freigeschaltet. Meist wird der Inhalt für einen bestimmten Zeitraum aktiviert, dies ermöglicht bei einer Unterbrechung des Nutzungsvorgangs eine Wiederaufnahme bei wiederholter Ausstrahlung der gleichen Softwareeinheit innerhalb des definierten Zeitraumes. 16 Aufgrund der starken Transaktionssegmentierung durch eine Vielzahl kleiner Bagatellgeschäfte erhält der Rezipient eine Fülle von Exit-Optionen. Dies sorgt beim Anbieter des Pay-per-View Fernsehens für starke Qualitätsanreize, da der Kunde im Grunde für jede Sendung neu geworben werden muss. 17
Auch eine Abrechnung nach genauer Sehdauer (Pay-per-Minute) wäre denkbar, jedoch wird dieses Abrechnungssystem momentan nicht angewendet.
Durch die Möglichkeiten des digitalen Fernsehens haben sich einige Untervarianten des Payper-View entwickelt, welche sich hauptsächlich in der zeitlichen Flexibilität des Zuschauers bei der Programmauswahl unterscheiden. 18
2.1.2.1 Video-on-Demand
Die flexibelste Variante des Pay-per-View stellt das Video-on-Demand (VoD) dar, bei der der Zuschauer die Startzeit einer ausgewählten Sendung völlig frei bestimmen kann. Beim Video-on-Demand wird es dem Rezipienten ermöglicht, sein Fernsehprogramm individuell sowohl nach dem Zeitpunkt, als auch nach dem Inhalt selbst zu gestalten. 19 Eine Datenbank des Pay-TV-Anbieters ermöglicht dem Zuschauer den Zugriff auf zahlreiche Spielfilme oder andere Unterhaltungsprogramme. 20
15 Vgl. Wirtz (2006), 350
16 Vgl. Woldt (2002), 534
17 Vgl. Franck (2000), 7
18 Vgl. Woldt (2002), 534
19 Vgl. Wirtz (2006), 351.
20 Vgl. Berengeno (2001), 5-7
Kap. 2: Pay-TV in Deutschland Seite 4
Diese können dann mit Videorekorder ähnlichen Funktionen wie Vorspulen, Zurückspulen, Pause etc. nach individuellem Bedarf verwaltet werden. 21 Technisch wird dies durch einen Rückkanal vom Empfangsgerät des Rezipienten zum Pay-TV-Anbieter ermöglicht, über welchen Befehle an den Zentralrechner des Pay-TV-Anbieters gesendet werden. 22 Voraussetzung hierfür ist ein rückkanalfähiges digitales Endgerät oder ein internetfähiger Personalcomputer als Empfangsgerät beim Rezipienten. Des Weiteren ermöglicht ein Rückkanal den Pay-TV-Anbietern inhaltsbezogene value-added Services, wie beispielsweise Zuschauer Chats oder zusätzliche Informationen anzubieten. 23
2.1.2.2 Near-Video-on-Demand
Das Near-Video-on-Demand (NVoD) System bietet dem Zuschauer die Möglichkeit eine Startzeit grob zu bestimmen, dabei ist dieses System jedoch weniger flexibel als das reine Video-on-Demand. Das gleiche Programm wird vom Pay-TV-Anbieter zeitversetzt auf mehreren Übertragungskanälen ausgestrahlt, so dass der Zuschauer die Wahl zwischen mehreren Anfangszeiten hat. 24 Der große Vorteil dieses Systems basiert auf der deutlichen Einsparung von Übertragungskapazitäten, da es nicht erforderlich ist auf die Anfragen und Wünsche der Rezipienten individuell einzugehen. 25
2.2 Definition von Content und grundlegende Begriffsbestimmungen Der englische Begriff ‚Content’ bedeutet ins Deutsche übersetzt zunächst einmal schlicht ‚Inhalt’. Derzeit wird der aus den klassischen Medien stammende Begriff jedoch in vielerlei Zusammenhängen und mit häufig unterschiedlicher Intention benutzt. In Theorie und Praxis wird Content meist exemplarisch zu definieren versucht. 26 Einen solchen Ansatz wählten auch GERPOTT/SCHLEGEL, die Content als redaktionelle Beiträge definieren. 27 Diese erfüllen den Zweck Informationen, Meinungsbildung und Unterhaltung an ein disperses Publikum zu kommunizieren. Begreift man das Fernsehprogramm als eine zeitlich geordnete Abfolge von redaktionell zusammengestellten Einzelsendungen, 28 kann folglich auch das durch Fernsehveranstalter gesendete Programm als Content verstanden werden. Im Rahmen der Digitalisierung hat sich das Begriffsverständnis von ‚Programm’ inhaltlich verändert. Neben dem geschilderten klassischen Begriffsverständnis von ‚Fernsehprogramm’ existiert heutzutage ein weiter gefasstes Verständnis dieses Begriffes, welches auch andere
21 Vgl. Woldt (2002), 535.
22 Vgl. Wirtz (2006), 351.
23 Vgl. Wirtz (2006), 352
24 Vgl. Harstein et al. (1995), 1311
25 Vgl. Wirtz (2006), 352
26 Vgl. Anding; Hess (2003), 1
27 Vgl. Gerpott; Schlegel (2002), 135
28 Vgl. Eberle (2000), 61
Kap. 2: Pay-TV in Deutschland Seite 5
mögliche Angebote wie Hörfunkprogramme und multimediale interaktive Dienste mit einschließt. 29 Diese erweiterte Sichtweise hat im Rahmen des Rundfunkstaatsvertrags (RStV) zur Einführung des Begriffs ‚Programmbouquet’ als eigenständige medienrechtliche Kategorie geführt. Häufig wird der Begriff des Programmbouquets als Synonym für ein digitales Programmangebot verwendet.
Laut Rundfunkstaatsvertrag ist ein Programmbouquet „die Bündelung von Programmen und Diensten, die in digitaler Technik unter einem elektronischen Programmführer verbreitet werden“ 30 . Überträgt man die Definition des Programmbouquets auf die digitalen Programmangebote deutscher Pay-TV-Sender kann zusammenfassend unter Content-Angeboten alles verstanden werden, was den Rezipienten über einen Fernsehkanal auf den Fernsehbildschirm sichtbar, hörbar und nutzbar gemacht wird. Im Mittelpunkt der Content-Angebote von Pay-TV-Sendern stehen jedoch nach wie vor die klassischen Fernsehprogramme, welche teilweise durch multimediale interaktive Dienste ergänzt werden. 31 Daher wird im Rahmen dieser Arbeit auf eine genauere Untersuchung der multimedialen interaktiven Zusatzdienste verzichtet. Durch die Vielzahl an Sendern im deutschen TV-Markt kommt es zu einem verstärkten Programmwettbewerb, indem die Content-Angebote der einzelnen Sender um die Gunst der Zuschauer konkurrieren. Dabei unterscheiden sich die Programmangebote inhaltlich durch ihre Programmstruktur und zeitlich im Programmschema. 32
Die inhaltliche Unterscheidung findet sich auch im RStV wieder, welcher zwischen Voll- und Spartenprogrammen differenziert. Ein Vollprogramm im Sinne des RStV ist „ein Rundfunkprogramm mit vielfältigen Inhalten, in welchem Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung einen wesentlichen Teil des Gesamtprogramms bilden“ 33 . Als
Spartenprogramm wird ein „Rundfunkprogramm mit im wesentlichen gleichartigen Inhalten“ 34 bezeichnet.
Vollprogramme richten sich hierbei prinzipiell an das gesamte Publikum, wobei es zu bestimmten Tageszeitabschnitten zu einer gewissen Zielgruppenorientierung kommen kann. 35 So richtet sich bspw. das Vormittagsprogramm häufig an Hausfrauen, während das Nachmittagsprogramm sich an den Präferenzen von Kindern orientiert. In der Hauptsendezeit sollen hingegen möglichst viele und dadurch schwach selektierte Zuschauerpräferenzen befriedigt werden. Spartenprogramme richten sich, im Gegensatz zu Vollprogrammen,
29 Vgl. Bornemann (2004), 11
30 § 2 Abs. 2 Nr.9 RStV
31 Vgl. Ziemer (2003), 266
32 Vgl. Neumann (1998), 39
33 § 2 Abs. 2 Nr.1 RStV
34 § 2 Abs. 2 Nr.1 RStV
35 Vgl. Neumann (1998), 40
Kap. 2: Pay-TV in Deutschland Seite 6
durchgängig an ein festumrissenes Zuschauersegment, d.h. an Zielgruppen mit ähnlichen Interessen bzw. Vorlieben und ähnlichen soziodemographischen Merkmalen. Neben der Kategorisierung des Einzelprogramms eines Senders in Vollprogramm oder Spartenprogramm werden im Rahmen dieser Arbeit auch die Einzelsendungen jeweils kategorisiert. Dies ermöglicht es inhaltliche Schwerpunkte differenzierter darzustellen.
2.3 Pay-TV-Anbieter in Deutschland
Die deutschen Pay-TV-Anbieter sind am größten TV-Markt Europas mit 33,5 Millionen TV-Haushalten tätig. Hierbei ist anzumerken, dass Deutschland, im Gegensatz zu anderen Ländern mit stärkerer Verbreitung von Pay-TV, über eine Vielzahl von FTA Programmen verfügt: 36 Allein das öffentlich-rechtliche Fernsehen stellt mit ARD, ZDF und 8 dritten Programmen, 10 Vollprogrammen sowie 4 bundesweit empfangbaren Spartenkanälen ein sehr großes Programmangebot zur Verfügung. 37 Hinzu kommen ca. 20 weitere private Free-TV-Programme.
Im Rahmen dieser Arbeit beschränkt sich die Betrachtung auf Premiere und Unity Digital TV/ Arena, welche die beiden größten deutschen Pay-TV-Sender sind. Im Folgenden werden diese kurz vorgestellt.
2.3.1 Firmenprofil Premiere
Im Februar 1991 38 gründeten der französische Medienkonzern ‚Canal Plus’, Leo Kirchs ‚Medienclub’ und die Bertelsmann-Tochter ‚Ufa’ die Premiere Medien GmbH & Co. KG. 39 Canal Plus und Bertelsmann waren mit je 37,5% und Leo Kirch mit 25% an Premiere beteiligt. 40
Erst im November 1995 konnte der bis dahin nur analog vertriebene Pay-TV-Sender Premiere 1 Millionen Abonnenten vorweisen, was die große Diskrepanz zwischen hohem Anspruch und enttäuschenden Ergebnissen der deutschen Pay-TV Entwicklung aufzeigte. 41 Im Juli 1996 wurde der erste digitale Pay-TV-Sender ‚DF1’, der Teil der Kirch-Gruppe war, ausgestrahlt. 42 Wenig später begann auch Premiere sein Pay-TV-Angebot digital zu distribuieren. 43
Bereits Ende 1997 vereinbarten Kirch und Bertelsmann, Premiere, DF1 und das Deutsche Sportfernsehen zu einer Pay-TV-Gruppe zusammenzuschließen. Als Konsequenz verkaufte
36 Vgl. o.V. (2000), TV Marktvolumen, 1
37 Vgl. Witt (2002), 4
38 Vgl. Woldt (2002), 539
39 Vgl. Anhang A, Unternehmensentwicklung Premiere (grafisch)
40 Vgl. Gehrling (2003), 44
41 Vgl. Zervos (2003), 79
42 Vgl. Witt (2002), 3
43 Vgl. Wold (2002), 539
Kap. 2: Pay-TV in Deutschland Seite 7
Bertelsmann im Jahre 1999 95% seiner Anteile für knapp 800 Millionen Euro an die Kirch-Gruppe. Im Oktober 1999 verschmolzen die bis dato getrennten deutschen Pay-TV- Sender Premiere und DF1 zu ‚Premiere World’. 44 Trotz der Dominanz und der monopolistischen Stellung konnte sich Premiere World nicht durchsetzen (2001: 2,4 Mio. Abonnenten; Soll: 4 Mio. Abonnenten) und bescherte dem Kirch-Konzern riesige Verluste. Im Jahr 2002 brach der Kirch-Konzern unter seiner Schuldenlast zusammen. Die Holding Kirch Pay-TV, zu der auch Premiere zählte, meldete im Mai 2002 Insolvenz an. Premiere World hatte allein im Jahre 2001 einen Verlust vor Steuern von 989 Millionen Euro ausgewiesen. 45 Anfang 2003 wurde Premiere dann von einer Bietergruppe unter Führung des Finanzinvestors ‚Permira’ übernommen und mit neuem Eigenkapital ausgestattet. Für die Sanierung des Senders wurde durch den neuen Geschäftsführer Georg Kofler ein drastisches Kostensenkungsprogramm eingeleitet: Die Kosten für Film- und Sportlizenzen, vor allem die der deutschen Bundesliga, wurden reduziert, 30% der Mitarbeiter entlassen und mit Nagravision statt Betacrypt ein neues, zuverlässigeres Verschlüsselungssystem installiert. Mit überarbeiteten themenspezifischen Programmpaketen und einem Einstiegspaket von 5 Euro versuchte Kofler die Zahl der Abonnenten wieder zu erhöhen und die Kündigungsrate von 17% zu senken. Mit der Offerierung eines Einstiegspaketes mit einem Querschnitt aus den angebotenen Programmbouquets wurde die erfolglose Hochpreis- bzw. Premiumstrategie verlassen und statt dessen mit der digitalen Übertragungstechnik der Weg zur Abschöpfung des Marktes durch Preis- und Produktdifferenzierung ermöglicht. 46 Die Umstrukturierung gelang so gut, dass Premiere Anfang 2005 an der Börse emissioniert werden konnte. 47 Mit ‚Premiere Direkt+’ bietet der Pay-TV-Sender seit Juli 2005 einen broadcast-basierten VoD-Dienst an. Gegen Gebühr stehen jeden Monat ca. 30 neue Spielfilme zur Verfügung, die der Abonnent erwerben kann und mit Hilfe eines digitalen Festplattenreceivers über Nacht aufgespielt bekommt. 48 Zusätzlich bietet Premiere mit ‚Premiere Direkt’ einen Near-Video-on-Demand Service an, bei dem der Filmstart zeitversetzt in einer Wiederholungsschleife erfolgt. Premiere erreicht mit seinem NVoD-Angebot einen Umsatzanteil von 82% am gesamten deutschen Pay-per-View-Marktumsatz von 37,8 Millionen Euro. Das Kerngeschäft von Premiere ist das Abonnement-Fernsehen (Pay-per-Channel) für Endkunden; hinzukommen Pay-per-View-Verträge, Decodervermietung und Business-to-Business Abonnements beispielsweise in Hotels oder Premiere Sportbars.
44 Vgl. Gehrling (2003), 44
45 Vgl. Woldt (2002), 540
46 Vgl. Witt (2002), 4
47 Vgl. Woldt (2002), 540
48 Vgl. Graband (2006), 10-11
Kap. 2: Pay-TV in Deutschland Seite 8
Die Kunden können sich aus differenzierten Angebotsbausteinen ihr Wunschprogramm zusammenstellen. Die Pakete unterscheiden sich in Umfang und Preis in einer Bandbreite von 10-84 Euro.
Laut dem Quartalsbericht der Premiere AG betrug der Gesamtumsatz im 1.Quartal 2007 224,3 (2005: 247,4) Millionen Euro bei Kosten von 186,6 (2005: 247,4) Millionen Euro. 49 Es abonnieren zurzeit ca. 3,46 (2005: 3,3) Millionen Haushalte das Premiere Angebot. Aufgrund einiger besonderer Charakteristika, wie z.B. überdurchschnittliches Einkommen und hohe Affinität zur Technik, ist die Zielgruppe der 14 - 49 jährigen für das Pay-TV von besonderem Interesse. 50
2.3.2 Firmenprofil Unity Media/ Arena
Parallel zu den in Punkt 2.3.1 beschriebenen Entwicklungen bekam der einstige Monopolist und First-Mover Premiere Konkurrenz auf dem Pay-TV-Markt. 51 Der nordrheinwestfälische Kabelnetzbetreiber der Netzebene-3 ‚ish’ startete im März 2003 mit der verschlüsselten Ausstrahlung von Fremdsprachenprogrammen in Ballungsräumen. Zwar wurde für die Entschlüsselung lediglich eine einmalige Aktivierungsgebühr erhoben, jedoch war dies der Anfang der Kabelnetzbetreiber im Abonnenten-Fernseh-Markt. 52 Im Herbst 2003 erweiterte Ish unter dem Namen ‚Ish Plus TV’ sein digitales Kabelnetzangebot auf 56 digitale TV und 47 Audio Programme und bot zusätzlich erstmalig das Pay-per-View Angebot ‚Ish Kino’ im Near-Video-on-Demand Verfahren an. 53 Die unterschiedlichen Verschlüsselungssysteme und Set Top Boxen der bisherigen deutschen Pay-TV-Anbieter erschwerten den Wettbewerb auf dem Pay-TV-Markt, was ähnlich wie beim Kampf um Standards der Videorekordern in den 80ern zu Verunsicherungen führte. 54 Erst am 20.7.2004 passte sich Ish Plus TV seinem Konkurrenten Premiere an und wechselte von dem Verschlüsselungssystem ‚Powerkey’ zu ‚Nagravision’. 55 Dadurch konnten Premiere und Ish Plus TV mit der gleichen Set Top Box und dem gleichem Modul entschlüsselt werden. Im August 2004 trat das digitale (Pay-)TV Angebot von Ish unter einem neuen Namen auf: ‚Ish Digital TV’. Aus einem neuen, vergrößerten Angebot konnten sich die Rezipienten ihr Fernsehprogramm ‚á la carte’ selbst zusammenstellen und zusätzlich aus einer Reihe von Spartensendern wie ‚Wein TV’ 56 , ‚TV Gusto’ oder ‚Einstein TV’ wählen. 57
49 Vgl. Premiere Bericht zum 1. Quartal (2007), 2
50 Vgl. Knappe (2003), 11
51 Vgl. Anhang B: Unternehmensstruktur Unity Media (2007) (grafisch)
52 Vgl. Krüger; Lennardt (2003), 1
53 Vgl. Krüger (2003), 1
54 Vgl. Besen; Farrell (1986), 118
55 Vgl. Lennardt; Krüger (2004), 1
56 Vgl. Unity Media (2004), Wein TV neu im Ish Kabel, 1
57 Vgl. Lennardt; Krüger (2004), 1
Kap. 2: Pay-TV in Deutschland Seite 9
Nach der Übernahme von Ish und der Tele Columbus Holding GmbH (Tele Columbus) 58 durch die iesy Repository GmbH in der zweiten Hälfte des Jahres 2005, folgte im Oktober 2005 unter dem gemeinsamen Dach der Muttergesellschaft 59 Unity Media die Einführung von ‚tividi’. 60
Tele Columbus bietet den Endkunden der Netzebene-4 je nach Region die Pakete ‚tividi’ 61 , bzw. wenn die Kabel-Deutschland Gruppe auf Netzebene-3 auftritt, die Kabel Deutschland Pay-TV-Pakete an. 62 ‚Tividi’ löste die bis dahin bekannten Ish-(Pay-)TV-Kabelpakete ‚Ish Plus TV’ und ‚Ish Digital TV’ ab.
Im Dezember 2005 erhielt die Unity Media GmbH mit seiner 100%-igen Tochterfirma ‚Arena Sport Rechte und Marketing GmbH’ (Arena) den Zuschlag für die Pay-TV-, Free-TV-live und die Nachverwertungsrechte an den Fußballspielen der 1. und 2. Bundesliga für die Spielzeiten 2006/2007 und 2007/2008. 63 Arena setzte sich widererwartend gegen den langjährigen Lizenzrechteinhaber Premiere durch und reichte am 16.2.2006 bei der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen einen Antrag zur Zulassung eines eigenständig produzierten Pay-TV-Spartenprogramms 64 ein. 65 Mit diesem Schritt stieg Unity Media/ Arena in die eigenständige Programmproduktion ein und erweiterte das bis dato aus fertigen Programmbouquets bestehende Pay-TV-Angebot ‚tividi’.
Der Gewinn der Übertragungsrechte zeigte, dass die Kabelanbieter eine zunehmend wichtige Rolle auf dem deutschen Pay-TV-Markt einnehmen. 66
Seit dem 05.06.2007 treten die regionalen Marken von Unity Media ‚ish’, ‚iesy’ und ‚Tele Columbus’ unter dem einheitlichen Markennamen ‚Unity Media’ auf. 67 Einhergehend mit dem Rebranding heißt auch das Pay-TV-Angebot von Unity Media ‚Unity Digital TV’. Laut dem Quartalsbericht der Unity Media Group betrug der Gesamtumsatz mit den 4,9 Millionen Kabelabonnementen im 1.Quartal 2007 ca. 225,9 Millionen Euro, wovon 45,1 Millionen Euro auf das Spartenprogramm von Arena fallen. 68 Das Unity Digital TV Angebot wird von ca. 500.000 Kabelabonnenten hinzugebucht, das Arena Programm wird zum 31.3.2007 von ca. einer Millionen Kunden abonniert. 69 Es ist anzumerken, dass die eine Millionen Arena Abonnenten nicht zwangsläufig auch Abonnenten von Unity Digital TV oder einem Unity Media Kabelanschluss sind.
58 Größter Betreiber der deutschen Netzebene-4.
59 Vgl. Unity Media (2005) Unity Media GmbH ein neuer Name auf dem Kabelmarkt, 1
60 Vgl. Lennardt; Krüger (2005), 1
61 Seit dem 05.06.07 vertreibt Unitiy Media die ‚tividi’ Pakete unter dem Namen ‚Unity Digital TV’.
62 Vgl. KEK (2006) KEK 330, 5
63 Vgl. KEK (2006), KEK 330, 2
64 Fußball bzw. Sport stellt in diesem Zusammenhang eine massenattraktive Sparte dar.
65 Vgl. KEK (2006), KEK 330, 1
66 Vgl. Graband (2006), 4
67 Vgl. Susbauer; Köster (2007), 1
68 Vgl. Unity Media (2007a) Factsheet Unitymedia Group 1. Quartal 2007
69 Vgl. Unity Media (2007a) Factsheet Unitymedia Group 1. Quartal 2007
Kap. 3: Methodische Grundlagen 10
3 Methodische Grundlagen
Um einen Vergleich der Content-Angebote zwischen den Pay-TV-Anbietern Premiere und
Unity Digital TV/Arena durchführen zu können, bedarf es eines theoretischen Grundgerüstes,
welches die Kriterien herausstellt, die Einfluss auf die Content-Angebote der Sender nehmen.
Die zentrale Frage nach der Content-Auswahl und der damit verbundenen Positionierung der
Sender wird nachfolgend anhand des Programmwahlmodells von NOAM beantwortet. Eine
genauere Abgrenzung der durch das Content-Angebot angesprochenen Zielgruppe kann durch
die Analyse des Programmangebotes hinsichtlich zahlreicher Differenzierungskriterien
erreicht werden. Die Ermittlung dieser Kriterien ist Gegenstand des zweiten Teils dieses
Kapitels.
3.1 NOA-MModell
Erste modelltheoretische Anhaltspunkte bezüglich der Content-Auswahl von TV-Sendern
k önnen bereits durch die traditionellen US-amerikanischen Programmwahlmodelle 70 der
Television Economics’ gewonnen werden. Jedoch ist anzumerken, dass erst mit den
nachfolgenden modernen’ 71 Programmwahlmodellen die Intensität der Programmpräferenzen
Ber ücksichtigung findet. 72
Aus diesem Grund wird zur Betrachtung des Content-Angebotes der beiden deutschen Pay-
TV -Anbieter Premiere und Unity Digital TV/ Arena das NOA-MModell herangezogen.
3.1.1 Modellformulierung
Das Programmwahlmodell von NOAM ist eine Erweiterung der traditionellen
Programmwahlmodelle und erweitert diese um Überlegungen der Public-Choice-Theorie’
unter Berücksichtigung der institutionellen Strukturen und technischen
Übertragungskapazitäten des Fernsehens. 73 Als Grundlage seines Modells zieht NOAM eine
Parallele zur politischen Ökonomie der Demokratie. Er vergleicht die privaten Fernsehsender
mit demokratischen Politikern, die über ein bestimmtes Wahlprogramm versuchen möglichst
viele Wählerstimmen auf sich zu vereinen. 74
Im NOA-MModell wird angenommen, dass sich die Fernsehsender auf einer Ordinalskala
gem äß ihrer jeweiligen Programmniveaus von niedrigem kulturellem Niveau bis zu hohem
kulturellem Niveau positionieren. Das Modell könnte auch in ein multidimensionales System
überführt werden, wobei Bekanntheit der Schauspieler’ und technischer Distributionstyp’
70 Vgl. u.a. Steiner (1952), Rothenberg (1962) und Beebe (1977)
71 Vgl. u.a. Spence-Owen (1975), Wildman-Owen (1985) und Noam (1987)
72 Vgl. Wurth (1994), 54
73 Vgl. Noam (1987), 163-164
74 Vgl Noam (1987), 165
Kap. 3: Methodische Grundlagen Seite 11
weitere Dimensionen darstellen könnten, die die Präferenzen der Zuschauer beeinflussen. 75 Jede Senderpositionierung, der sogenannte ‚Pitch’, spricht den Teil der Zuschauer an, die den Pitch als erste Präferenz angeben. Nur wenige Zuschauer bevorzugen die Extreme, daher geht NOAM davon aus, dass sich auch die Programmpräferenzen der Rezipienten ordinal ordnen lassen und zu einer Standardnormalverteilung aggregieren. 76 Obwohl die Zuschauer ein bestimmtes Programm bevorzugen, sind sie bereit auch Sendungen mit ähnlichem Niveau zu konsumieren, falls ihnen ihre Erstpräferenz nicht angeboten wird. Diese Bereitschaft sinkt mit wachsender Abweichung von der Erstpräferenz, so dass das maximale Publikumspotential eines Programms in einer Bandbreite von + / - B um einen Programmschwerpunkt P durch die Dreiecksfläche {(P-B);(P+B);X} umrissen werden kann (Abb.1).
Wird diese Analyse auf zwei im Wettbewerb zueinander stehende Fernsehanbieter ausgeweitet, positioniert sich der neue Programmanbieter P Y inhaltlich so, dass seine Zuschauerzahl 77 , unter Berücksichtigung des ersten Programmanbieter P X , maximiert wird (Abb.2). 78 Kommt es zu Überschneidungen (Fläche S) bei den Toleranzbereichen der Zuschauer, teilen sich die Rezipienten gemäß der Modellannahme zwischen beiden Sendern gleich auf.
75 Vgl. Noam (1987), 165
76 Vgl. Noam (1987), 165-166
77 Annahmegemäß wird davon ausgegangen, dass jeder Zuschauer denselben Wert für die werbetreibende Wirtschaft aufweist, so dass eine Zuschauermaximierung einer Gewinnmaximierung entspricht.
78 Vgl. Noam (1987), 174
Kap. 3: Methodische Grundlagen Seite 12
Wenn P X gegeben ist, wird sich ein neu eintretender, gewinnmaximierender Veranstalter P Y inhaltlich so differenzieren, dass seine Dreiecksfläche {(P Y -B);(P Y +B);Y} abzüglich der halben Überschneidungsfläche (S) maximiert wird. Da durch den neu eintretenden Fernsehsender der erste Anbieter Zuschauer durch die Aufteilung der Überschneidungsfläche (S) verliert, wird auch dieser nach gleichem Maximierungskalkül seine Positionierung anpassen. Abb. 3 zeigt die dadurch resultierende symmetrische Senderpositionierung an den gegenüberliegenden Seiten des Scheitelpunktes der Normalverteilungskurve. 79
Treten nun weitere Programmanbieter in den Markt, so setzt sich die Differenzierungstendenz fort, bis auch weiter außen liegende Bereiche der standardnormalverteilten Präferenzkurve erreicht werden. Gleichzeitig schrumpfen die Abstände, bei annahmegemäß gleicher Programmbandbreite B, zwischen den einzelnen Programmniveaus (Abb. 4). Die Rezipienten erhalten dadurch eine größere Programmvielfalt und ihrer Erstpräferenz wird durch immer bessere Substitute eher entsprochen.
79 Vgl. Noam (1987), 175
Kap. 3: Methodische Grundlagen Seite 13
Durch das digitalisierte Fernsehsystem werden zwar Kapazitätsengpässe abgebaut, jedoch sinkt sowohl der marginale Beitrag zur Präferenzbefriedigung mit steigender Senderzahl als auch die Zuschaueranzahl pro Sender. 80 Die hieraus resultierenden geringeren Werbeeinnahmen fordern die Wirtschaftlichkeit der werbefinanzierten Fernsehsender, besonders an den Rändern der Verteilung, heraus. An diesem Punkt setzt NOAM mit seiner ’New Media’ Theorie an und nimmt eine vereinfachte Kostenfunktion 81 (C) und eine normalverteilte Erlösfunktion 82 (R) in das Modell auf. 83
Ökonomisch realisierbar sind grundsätzlich nur Programme zwischen P L und P R , da außerhalb dieses Bereichs die Kosten höher als die erzielbaren Erlöse sind (Abb. 5).
80 Vgl. Noam (1987), 176-177
81 Annahmegemäß konstante Produktionskosten.
82 Annahmegemäß konstanter Tausender-Kontakt-Preis.
83 Vgl. Noam (1987), 180
Kap. 3: Methodische Grundlagen Seite 14
Durch die Digitalisierung verschiebt sich die Kostenkurve, aufgrund vergünstigter Distributionskosten, nach unten (C→C D ). 84 Die Nutzung neuer Erlösquellen, von denen dem Pay-TV eine zentrale Bedeutung zukommt, 85 ermöglicht die direkte Abschöpfung der Konsumentenrente. Hierdurch sind, gerade in preisunelastischen Nachfragebereichen mit geringer Zuschauerzahl, höhere Erlöse als durch Werbung möglich. 86 Dies hat zur Folge, dass sich die Erlösfunktion nach oben verschiebt (R→R D ). In Kombination mit der Verschiebung der Kostenkurve nach unten erhöht sich die Programmvielfalt von (P R -P L ) auf (P RD -P LD ). Die Verschiebung der Erlöskurve ist vor allem bei den Minderheitenpräferenzen an den Rändern des Angebotsspektrums, die sich aufgrund der geringen Reichweite nur schwer durch Werbung finanzieren lassen, stärker ausgeprägt. Die hieraus resultierende erhöhte Programmvielfalt geht ebenfalls mit einer besseren Präferenzbefriedigung einher, was zu einer Erhöhung der Gesamtzuschauerzahl führt. 87
Der durch die Überwindung von Kapazitätsengpässen entstehende Anstieg der Anzahl an Fernsehsender könnte ohne die Nutzung alternativer Erlösquellen laut NOAM auch einen gegenteiligen Effekt auf die Programmvielfalt haben. Der Anstieg der Anzahl an Fernsehsender hat dann eine Abnahme der durchschnittlichen Gesamtzuschauerzahl pro Sender zur Folge, was gleichbedeutend mit einer Abnahme der durchschnittlichen Werbeerlöse ist. 88 Die Erlöskurve verschiebt sich folglich nach unten. Bei entsprechend geringer Verschiebung der Kostenkurve nach unten hätte dies als Konsequenz, dass die Programmvielfalt geringer als im Ausgangszustand wäre. 89 Dieser Umstand betont nochmals die Bedeutung alternativer Erlösquellen im Rahmen der Digitalisierung.
3.1.2 Zusammenfassung der Modellergebnisse
NOAM widerlegt in seinem Modell Ergebnisse von früheren Programmwahlmodellen, die eine undifferenzierte Strategie des ‚more of the same’ 90 als optimal herausstellten. 91 Für ihn stellt die inhaltliche Differenzierung eine rationale Verhaltenweise der TV-Anbieter dar, wodurch sie versuchen, einen möglichst schlecht substituierbaren Pitch anzubieten. Denn nur durch eine solche Verhaltensweise sind die TV-Sender in der Lage, ihre Zuschauerreichweite zu maximieren. 92 Durch die Notwendigkeit sich auf möglichst unterschiedliche Pitches zu fokussieren, gewinnen vor allem alternative Erlösformen wie das Pay-TV zunehmend an
84 Vgl. Noam (1987), 181
85 Aufgrund der Verschlüsselung können nicht zahlungswillige Rezipienten vom Konsum ausgeschlossen werden (vgl. Kapitel 2.1).
86 Vgl. Noam (1987), 182
87 Vgl. Noam (1987), 177
88 Vgl. Noam (1987), 177
89 Vgl. Noam (1987), 182
90 Vgl. Steiner (1952), 214
91 Vgl. Noam (1987), 175
92 Vgl. Noam (1987), 178
Kap. 3: Methodische Grundlagen Seite 15
Bedeutung. 93 Durch diese Art der Finanzierung ist es möglich, gerade in preisunelastischen Nachfragebereichen mit geringer Zuschauerzahl, höhere Erlöse als durch Werbefinanzierung zu erzielen.
In der Konsequenz kommt es neben dem Angebot massenattraktiver Programme auch zum Angebot von Minderheitenprogrammen und damit zu einer ansteigenden Programmvielfalt. Durch den Abbau von Kapazitätsengpässen und der damit einhergehenden steigenden Anzahl an TV-Sender verringern sich jedoch die Abstände zwischen den Pitches, was dazu führt, dass die Rezipienten bessere Substitute für ihre erste Programmpräferenz finden. Die hieraus resultierende stärkere Zuschauerfragmentierung macht eine Spezialisierung der Fernsehsender auf immer kleinere Zuschauergruppen notwendig; es kommt zu einer Veränderung vom Broadcasting hin zum Narrowcasting. 94 Die Dichte der Anbieter ist im Bereich des Verteilungsmaximums am größten, so dass diejenigen Zuschauer die größte Programmauswahl haben, deren Präferenzen sich um den Median bewegen.
3.1.3 Modellkritik und Übertragbarkeit auf den deutschen TV-Markt Das im NOAM-Modell prognostizierte Differenzierungsvorgehen der Sender konnte 1984 beim Markteintritt ‚RTLs’, des ersten deutschen werbefinanzierten Fernsehsenders, beobachtet werden. Die öffentlich-rechtlichen Sender positionierten sich aufgrund ihres spezifischen Programmauftrags im ‚high-culture’-Segment, so dass die gewinnmaximierende Positionierung für RTL sich in Richtung ‚low culture’ verschob. Um Zuschauer zu erreichen, deren Präferenzen nicht ausreichend von den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern befriedigt wurden, konzentrierte sich RTL auf „einfache“ Sendungen aus dem Unterhaltungsbereich, wie beispielsweise Tutti Frutti, Karlchen oder Traum Hochzeit 95 . Auch in anderen Medienbereichen ist ein ähnliches Differenzierungsvorgehen zu beobachten. Beispielhaft sei an dieser Stelle der Zeitschriftenmarkt genannt, der mit einer Vielzahl von Special-Interest-Titeln die Massenblätter ergänzt. Je unterschiedlicher die Präferenzstrukturen der Rezipienten sind, desto erfolgreicher ist die Spezialisierung auf Special-Interests, so lange die Erlöse der Zuschauer die Gesamtkosten decken. 96 Die Ergebnisse des NOAM-Modells müssen jedoch im Hinblick auf die vereinfacht dargestellten Erlös- und Kostenstrukturen (vgl. Abb. 5) kritisch hinterfragt werden. Da für ein kaufkräftigeres Publikum in Deutschland tendenziell ein höherer TKP bezahlt wird, ist die Annahme homogener TKPs, über alle Programmniveaus hinweg, nicht haltbar. Besserverdiener weisen im Allgemeinen einen überdurchschnittlichen Bildungsgrad auf,
93 Vgl. Noam (1987), 182
94 Vgl. Noam (1987), 175
95 Vgl. RTL (2007) RTL Chronik, 1
96 Vgl. Pagenstedt (1996), 141
Kap. 3: Methodische Grundlagen Seite 16
weshalb ihre Präferenzen eher durch ein niveauvolleres und qualitativ hochwertigeres Programm befriedigt werden können. Zudem kann von einer positiven Korrelation zwischen den Programmkosten und der Programmqualität ausgegangen werden, wodurch sich die Annahme einer konstanten Durchschnittskostenkurve (C) ebenfalls als unrealistisch erweist. Berücksichtigt man die genannten Umstände, so käme es grafisch zu einer Verschiebung des Erlösmaximums in Richtung ‚high culture’ und zugleich zu einem steigenden Verlauf der Kostenkurve. 97
Des Weiteren ist es fraglich, inwieweit inhaltliche Differenzierungen und die damit einhergehende Fokussierungen auf spezielle Zuschauersegmente allein noch die zur Refinanzierung nötigen Zuschauerreichweiten garantieren. NOAM stellt in seinem Modell fest, dass bereits bei 15 Programmanbietern über 90% der Gesamtpräferenzen bedient werden. 98 Ein weiterer Anstieg der Programmanbieter führt hierbei nur noch zu einer marginalen Erhöhung der Präferenzbefriedigung. Dies impliziert die Schwierigkeit durch geeignete Pitch-Positionierung unbefriedigte Zuschauerpräferenzen zu erreichen. Vor allem in Deutschland, mit einer Vielzahl von privaten und öffentlich-rechtlichen Programmanbietern, fällt diese Schwierigkeit besonders ins Gewicht.
Die am stärksten zu kritisierende Annahme des NOAM-Modells ist die Annahme einer gleichmäßigen Zuschauerfragmentierung. Im Modell teilen sich die Zuschauer stets gemäß ihrer Präferenzen auf alle Sender gleich auf. 99 Eine derartige Zuschauerfragmentierung wäre jedoch nur zu erwarten, wenn alle für die Senderwahl des Zuschauers wichtigen Kriterien perfekt substituierbar wären. Ferner müsste von Suchkosten abstrahiert und von vollständig informierten Zuschauern ausgegangen werden. Diese Annahmen sind allerdings im deutschen TV-Markt nicht tragbar. Betrachtet man die Zuschaueranteile für das Jahr 2006 100 , so wird deutlich, dass es im deutschen Markt nicht zu der im NOAM-Modell prognostizierten gleichmäßigen Zuschauerfragmentierung gekommen ist. Sender mit vergleichbaren Pitches besitzen sehr unterschiedliche Zuschaueranteile im deutschen Markt. Neben der Präferenzbefriedigung durch einen geeigneten Pitch existieren folglich noch weitere Kriterien, die die Zuschauerfragmentierung determinieren: Erfahrungswerte aus der Vergangenheit, Reputation und Marketingauftritte der Sender sind nur einige Beispiele, durch die die Zuschauerreaktion beeinflusst und eine gleichmäßige Fragmentierung verhindert wird. 101
97 Vgl. Wurth (1994), 71-72
98 Vgl. Noam (1987), 177
99 Vgl. Noam (1987), 176
100 Vgl. AGF (2006) Marktanteile der AGF- und Lizenzsender im Tagesdurchschnitt 2006, 1
101 Etablierte Sender mit bereits vorhandener Reputation haben Vorteile gegenüber neuen Anbietern. Durch Erfahrungswerte können Suchkosten reduziert werden. Vgl. Hafkemeyer (2003), 106
Kap. 3: Methodische Grundlagen 17
3.2 Strategische Positionierung durch Content-Angebote
Eine der wichtigsten Aufgaben eines TV-Senders vor dem Markteintritt ist die Definition von
zu bearbeitenden Marktdimensionen. 102 Hierbei entscheiden sich die Sender, ob sie den
gesamten Markt oder nur Teile davon bearbeiten wollen. Marktdimensionen können sowohl
demographische Zielgruppen als auch Programminhalte sein. Da der Empfang von Free-TV-
Programmen kostenlos ist, entsteht auf dem TV-Markt hauptsächlich ein
Qualit ätswettbewerb. In diesem müssen die Sender ihren Zielgruppen signalisieren, dass ihre
Content -Angebote am besten für die jeweilige Präferenzbefriedigung geeignet sind. Wahl und
Ausgestaltung der Content-Angebote sind folglich zwei wesentliche Determinanten, die die
strategische Positionierung der TV-Sender beeinflussen.
Bez üglich dieser Determinanten wird eine Analogie zu PORTERs Wettbewerbsstrategien 103
deutlich. Die von NOAM vorgeschlagene rationale Strategie der inhaltlichen Differenzierung
kann hierbei mit PORTERs Nischenstrategie bzw. Konzentration auf Schwerpunkte
verglichen werden, bei der sich Wettbewerbsvorteile durch die Fokussierung auf bestimmte
Kundengruppen (hier: Zuschauergruppen) ergeben. 104
Die Zahl der Wettbewerber, die eine Nischenstrategie mit einem ähnlichen Pitch verfolgen,
w ächst stetig. Daher muss die Strategie um Kriterien erweitert werden, die es ermöglichen,
sich gegen die größer werdende Anzahl an Substituten zu profilieren. Neben den genannten
Kriterien wie Reputation oder Marketingauftritten sind vor allem Kriterien zur Ausgestaltung
des Content-Angebotes zu identifizieren. Ziel hierbei ist es, dass sich das Content-Angebot
eines Senders von dem eines anderen Senders mit ähnlichem Pitch abhebt. In Anlehnung an
PORTER kann der Sender, welcher sich innerhalb einer Nische positioniert hat, dies durch
eine Kostenführerschaftsstrategie oder eine Differenzierungsstrategie 105 erreichen. Durch die
Konkurrenz mit kostenlosen Free-TV Programmen fällt die Möglichkeit einer
Kostenf ührerschaftsstrategie weg. 106 Um sich als Spartensender innerhalb einer Nische gegen
die Konkurrenz zu behaupten, ist demnach die Umsetzung einer Differenzierungsstrategie
sinnvoll.
3.2.1 Fokussierung durch Content-Angebote
Die Auswahl eines Content-Angebotes determiniert gleichzeitig eine durch das Programm
angesprochene Zielgruppe. Im NOA-MModell wurde bereits ein Trend vom Broadcasting hin
zum Narrowcasting prognostiziert. 107 Dieser Trend erweist sich auch im deutschen TV-Markt
102 Vgl. Karstens Schütte (2005), 87
103 Vgl. Porter (1983), 71
104 Vgl. Porter (1983), 75
105 Vgl. Porter (1983), 75
106 Vgl. Karstens Schütte (2005), 85
107 Vgl Noam (1987), 175
Arbeit zitieren:
Dipl.-Kfm. Axel Busch, Dennis Motzkau, 2007, Content-Angebote deutscher Pay-TV-Sender , München, GRIN Verlag GmbH
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