Inhalt
1. Einleitung
2. Was ist „Schönheit“ und wie verhält sie sich zum Begriff der Macht?
3. Luchino Visconti: ein Regisseur filmischer Ästhetik
4. Macht und Schönheit in Viscontis Film Ludwig II. - Einzelne Aspekte der filmischen
Umsetzung
5. Ausblick
6. Literaturverzeichnis - Quellen
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1. Einleitung
Der Begriff Schönheit ist in einer globalisierten und multimedialisierten Welt zu einem beinahe inflationären Platzhalter geworden ohne eine Präzisierung erfahren zu haben, die eine eindeutige Definition implizieren würde. Im Laufe der Jahrhunderte waren die verschiedenen Schönheitsideale, und Schönheitskonzepte, einer ständigen Wandlung und Fortentwicklung unterworfen, bei der gesellschaftspolitische Einflüsse und die existierenden Gesellschaftssysteme jene Begrifflichkeiten mitbestimmten.
Im 20. Jahrhundert, in dem die Medien, die Werbung, aber auch die florierende Filmindustrie, Entwicklungslinien in ungeheuer rasantem Tempo beschritten, erlitt der Begriff Schönheit eine Diffusion, die ihn kaum fassbar macht. Eng verknüpft mit dem Begriff der Schönheit sind auch immer die Fragen der Macht. Schon der damalige Präsident John F. Kennedy und seine Frau Jackie Kennedy - Onassis waren sich der teils unheilvollen Verbindung von Schönheit und Macht bewusst. Als noch relativ junger, vitaler Präsidentschaftsanwärter inszenierte er sich perfekt vor der Kamera und war sich seines nach den allgemeinen Normen gültigen attraktiven Aussehens durchaus bewusst. Dasselbe galt für seine Gattin Jackie. Schönheit und Macht gehen hier Hand in Hand und verfehlen ihre Wirkung in der breiten Masse keineswegs.
Am Beispiel von Luchino Viscontis Film Ludwig II. (1972) will ich aufzeigen, wie Schönheit und Macht einander bedingen, welche Schnittstellen sie aufweisen, welche Interdependenzen vorherrschen, aber auch welche spezifischen Problematiken daraus erwachsen. In einem vorgeschobenen Teil will ich versuchen den Begriff Schönheit in kulturhistorische Kontexte einzubetten, und darauf eingehen welche konkreten Vorstellungen heute mit dem Begriff assoziiert werden.
Der Wandel der Schönheitsideale durch die Jahrhunderte hindurch wird ebenso Erwähnung finden. Im Film Ludwig II. wird der Untergang des Bayernkönigs eben durch die fatale Verknüpfung von Schönheit und Macht nachgezeichnet und offen gelegt. An konkreten Beispielen soll nicht nur erläutert werden mit welcher stileigenen Filmsprache Visconti das Schicksal des Königs bebildert, sondern wie hier der Glaube an die Schönheit, und die Ästhetik schlussendlich den eigenen Machterhalt demontiert.
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Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Themenkomplex ist unerschöpflich, ebenso das schier unüberschaubare Material an Publikationen, Aufsätzen und anderweitigen Analysen. Deshalb ist diese Hausarbeit auch nur als ein Ansatz zu sehen, sich mit einem Teilaspekt des Themas zu beschäftigen.
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2. Was ist „Schönheit“ und wie verhält sie sich zum Begriff der Macht?
Durch die Jahrhunderte hindurch hat der Begriff Schönheit einen permanenten Paradigmenwechsel durchlaufen und in keiner Epoche ist eine plausible und transparente Definition entwickelt worden, die umfassend besagt, was Schönheit eigentlich ist. Die Soziologin Waltraud Posch führt hierzu aus:
„ Soviel steht fest: Schönheit ist wichtig, sehr wichtig. Seit Menschen sich und ihre Umwelt in Bild und Schrift darstellen, spielt sie eine entscheidende Rolle. Schönheit ist eine alltägliche Herausforderung. Sie findet Ausdruck in Mode, Frisuren und Kosmetik, aber auch in grundlegenden Körpermerkmalen wie Gewicht, Größe, Körperbau, Gesichtszügen und Haut. Was Schönheit eigentlich ist wollten Menschen immer wieder herausfinden. Schönheit ist etwas Überdurchschnittliches, Herausragendes, etwas nicht für jeden Menschen Erreichbares, lautet die häufigste Definition. […] Schönheit ist keine objektive Größe. Ihre Wandlungsfähigkeit erklärt auch die große Vielfalt an Schönheitsidealen, die es im Laufe der Geschichte gab. Schönheit hängt immer vom sozialen Kontext ab. Was zählt, ist nicht die Erscheinung, das Aussehen einer Person selbst, sondern wie es von der jeweiligen Gesellschaft bewertet wird. Denn Schönheit ist Ansichtssache.“ (Posch, Waltraud: Körper machen Leute. Der Kult um die Schönheit. Frankfurt / München, 1999, S. 14.)
Die Wissenschaftlerin zielt mit ihrer Definition darauf ab Schönheit als eine wechselseitige Interaktion von Objekt und Betrachtendem aufzufassen. Bezieht man die Definition auf die momentan vorherrschenden Klassifizierungen hinsichtlich des Begriffs, schneidet die Autorin ein wichtiges Thema an, da allen voran in den Medien, aber auch in der Werbung die so genannten grundlegenden Körpermerkmale eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Gleichzeitig aber werden psychologische Dilemmata evident, die nicht selten und vornehmlich bei Frauen zu psychogenen Erkrankungen führen, oder den Geldbeutel von Schönheitschirurgen voller werden lässt. Die Wechselseitigkeit von Anspruch und Realisierung gerät vollends aus dem Gleichgewicht und die Schönheit erfährt hier ihren zutiefst widersprüchlichen Charakter.
Während einerseits die reine Ausrichtung auf das Äußerliche als banal stigmatisiert wird - auf die inneren Werte soll es ja schließlich ankommen - ist sich jeder der beinahe übernatürlichen Kraft der äußeren Fassade bewusst, die erst durch das zunehmende Alter demaskiert und
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entlarvt wird. Um den genormten Körper zu erreichen, denn nur er verheißt Schönheit, werden die verschiedenen und absurdesten Wege, wie Appetitzügler, übertriebener Sport, Abführmittel, teure Diäten - um nur einige zu nennen - beschritten. Die Schönheit und der damit bedingte Umgang offenbart hier ihr ambivalentes Gesicht. Oftmals versuchen gerade junge Frauen ein Abziehbild von in der Werbung suggerierten Schönheitsidealen zu werten, ohne sich der Erkenntnis bewusst zu sein, dass es nicht nur ein Schönheitsideal gibt und dass überdies die Frage wie man Schönheit misst in erster Linie von ökonomisierten Werbestrategen bestimmt wird.
Blickt man zurück in die Menschheitsgeschichte wird Schönheit sehr unterschiedlich bestimmt. In der Antike hatte man konkrete Vorstellungen davon wie ein schöner Körper auszusehen hatte. Die Idealmaße eines harmonischen Körpers wurden mathematisch exakt berechnet und vor allen Dingen die Symmetrie eines Gesichtes und die Übereinstimmung der Körperproportionen waren relevant. Diese Ideale galten für Männer und Frauen in gleicher Weise.
In der Zeit der Gotik wurden Menschen eher als dünn, feingliedrig und schmal dargestellt, während in der Renaissance und im Barock üppige und ausladende Körperformen, sowohl bei Männern als auch bei Frauen maßgebliche Elemente des vorherrschenden Schönheitsideals waren. Bombastische Haarfrisuren, pralle Brüste und ausladende Erscheinungen verkörperten das Idealbild einer gut aussehenden Frau. Etwas schlichter und weniger auf Pomp ausgerichtet, entwickelte sich das Schönheitsideal im Klassizismus und der Romantik, in der die Menschen rein äußerlich schlicht wirkten. Es war die Zeit in der Frauen sich oft in enge Korsett geschnürt einem bestimmten Ideal folgten. Zärtlichkeit, Anmut, und eine gewisse Zerbrechlichkeit bei der Frau, Willensstärke und Tatendrang beim Mann, standen im Vordergrund.
Ein wesentlicher Umschwung manifestierte sich in den so genannten goldenen 20er Jahren. Das Verständnis in Bezug auf Schönheit und den Schönheitsidealen wurde nicht zuletzt durch die nun einsetzende Emanzipation der Frau, aber auch den historischen Umständen beeinflusst. Ein kurz geschnittener Bubikopf, oder aber elegant anmutende, emanzipierte Frauen mit langen Zigarettenspitzen, in der Figur superschlank, prägten nunmehr das Ideal jüngerer Frauen. Sie verkörperten die anrüchige und mythische Femme Fatale, die auch in der Literatur Einzug hielt. Daneben entwickelte sich der Hang zur Androgynität, sowohl bei
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Männern als auch bei Frauen, und dies nicht nur in der homosexuellen Subkultur. Ein geschlechterübergreifendes Schönheitsideal stand vor allen Dingen in den urbanen Intellektuellenmilieus hoch im Kurs und wurde von den Beteiligten bisweilen stilisiert. Nicht minder von Belang für die Schönheitskonzepte dieser Zeit ist die frappante Entwicklung filmtechnischer Möglichkeiten, also des Films und der damit verbundenen Filmindustrie, die von Hollywood alsbald nach Europa überschwappte und auch hier die Schönheitskonzepte maßgeblich und nachhaltig beeinflusste. Die Stars aus Hollywood und der damit einhergehende Glamour prägten von nun an das Schönheitsideal, das nunmehr durch das Medien Film und Werbung transportiert wurde, nicht unerheblich.
Rassige Frauen, die Sexappeal ausstrahlten mutierten zu Sexidolen, die durch Aufsehen erregende Formen und Erscheinungen Schönheitsbilder kreierten. Filmstars hatten ihre Rolle als Sexidole und Vorreiter eines neuen Schönheitsideals sicher, und fungierten nicht selten auch als Vorbilder. Die Hollywood Diven verkörperten die Schönheitsideale ihrer Zeit, trugen teure Kleider und verkörperten so die utopischen Träume ihrer Zuschauer / innen. Sie waren sich ihrer Macht, die sie sowohl über den männlichen, als auch weiblichen Zuschauer hatten, durchaus bewusst. Plagiate und Kopien gab es genug. Beleuchtet man den Zusammenhang von Mannsein und Schönheit, kommt man zu dem interessanten Ergebnis, dass auch im Hinblick auf den schönen Mann Schönheitsideale existent waren und durch das 20. Jahrhundert hindurch transportiert wurden, nur nicht mit
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Arbeit zitieren:
Sven Weidner, 2007, Schönheit & Macht, München, GRIN Verlag GmbH
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