Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Begriffsklärungen 4
2.1. Repräsentationen von Abwertung 4
4
2.1.2. Was sind Schimpfwörter? 5
2.1.3. Wer oder was wird beschimpft? 6
2.2. Das Geschlecht von Abwertungen 7
2.2.1. Die Doppelrolle der Sprache 7
7
2.2.3. Schlussfolgerung 10
3. Umfrage 10
3.1. Verwendung der einzelnen Lexeme 10
3.1.1. Vorkommen 10
3.1.2. Geschlechtsneutralisierung 11
3.1.3. Kontroverse Beispiele 12
3.2. Kategorisierung der Lexeme 13
3.2.1. Fäkalbereich/Ekel 13
3.2.2. Sexualität 13
3.2.3. Tiernamen 13
3.2.4. Geistige Mängel 14
3.3. Semanalyse 14
14
3.3.2. Merkmalsmatrix 14
3.4. Wortfeldanalyse 16
3.4.1. Dummheit 16
3.4.2. Gemeinheit 17
3.4.3. Versagen/Unfähigkeit 18
3.4.4. Normabweichendes Sexualverhalten 19
3.4.5. Unsauberkeit 20
4. Conclusio 21
5. Bibliographie 22
5.1. Literatur 22
5.2. Internetquelle 22
2
1. Einleitung
Sprache ist, zumindest für den Großteil aller männlichen wie weiblichen Menschen, allgegenwärtig, immer da, sie steht ständig zur Verfügung, wenn frau/man sie braucht; zwar womöglich nicht immer genau so wie gewollt, Versprecher, linguale Ausreißer etc. gehören dazu, aber sie ist doch konstant vorhanden, ohne dass lange gesucht werden müsste. Was ich damit sagen will ist, dass Sprache, obwohl sie gewissermaßen unser Denken ist und es in filtrierter Form auch widergibt, kein beliebter Gegenstand des Nachdenkens an sich ist. Sie wird zumeist als fertiges Objekt hingenommen, vergleichbar mit einem Stuhl oder Tisch, bei denen im Normalfall auch nicht lange nach der Herstellung gefragt wird, sondern die gefallen oder nicht, qualitativ hochwertig sind oder nicht etc. Ebenso gibt es innerhalb der Sprache, deren Herkunft im Alltag kaum reflektiert wird, schöne oder weniger schöne, prestigeträchtige oder weniger reputative Ausdrücke.
Aus sprachwissenschaftlicher Perspektive bietet es sich an, genau dort anzusetzen und zwischen offensichtlichen sprachlichen Hierarchien, die im Allgemeinen ohne Probleme akzeptiert werden, und deren Ursprung bzw. Erfindung Bezüge herzustellen. Aus feministisch bzw. postfeministisch linguistischer Perspektive können und müssen diese sprachlichen Hierarchien zusätzlich auf die Geschlechter und deren scheinbare Differenzen bezogen werden.
schönen, reputativen Ausdr, wie ich meine, angesichts ihres hohen emotionalen Authentizitätsgrades, da meist im Affekt geäußert, etwas mehr Aufmerksamkeit von Seiten der Linguistik verdient hätten. Es stehen folglich Schimpfwörter, genauer gesagt solche für bzw. gegen Männer, im Mittelpunkt. Obgleich es vielleicht interessanter wäre, sich die Schimpfwortbesetzung beider Geschlechter anzusehen, und somit Symmetrien wie Asymmetrien aufzuzeigen, konzentriere ich mich hier ausschließlich auf Repräsentationen männlicher Abwertung. Einerseits aus dem einfachen Grund, dass alles weitere den Umfang einer Proseminararbeit sprengen würde, andererseits auch um auf kürzestem Weg einer klaren Linie folgen zu können, die letztendlich zu einem ähnlichen, wenn auch weniger detaillierten und differenzierten Ergebnis führt wie ein Vergleich:
Wenn bei Frauen und Männern andere Eigenschaften mittels Schimpfwörtern verurteilt werden, dann täuscht die Sprache vor, daß es diese Wesenszüge beim jeweils anderen Geschlecht
1 nicht gibt.
Diese Feststellung Ingeborg Breiners diente mir als eine Art roter Faden, anhand bzw. auf Grund dessen ich mir die Aufgabe gestellt habe, und von an sich zu definieren, um anschließend darauf eingehen zu können, wes- 1 IngeborgBreiner: Die Frau im deutschen Lexikon. Eine sprachpragmatische Untersuchung. Wien: Edition Praesens 1996. S. 123.
3
halb Abwertungen überhaupt ein Geschlecht zu besitzen scheinen. Ein Antwortansatz darauf n- den,die nicht nur lebensweltlich, sondern auch sprachlich festgeschrieben wurden. Von diesem theoretischen Teil aus gehe ich zu einer empirischen Umfrage über, die das Schimpfwortverhalten von Männern wie auch Frauen gegen Männer untersucht. Die Auswertung erfolgt zweigliedrig, erst rein nach Lexemen, deren Vorkommen, Häufigkeit, Eigengehalt und in einem zweiten Schritt nach Semen, mittels denen ich die Lexeme zu Wortfeldern zusammengefasst habe. Die größte Aufmerksamkeit gebührt dabei jenen Schimpfwörtern, die sowohl einen hohen Anteil an allen Schimpfwörtern als auch einen hohen Anteil im Wortfeld haben, ihnen kann die stärkste Aussagekraft zugeschrieben werden.
2. Begriffsklärungen
Der Titel dieser Arbeit, Repräsentationen männlicher Abwertung, hat mehr Definitionsbedarf, als es vielleicht auf den ersten Blick ersichtlich sein mag. Dass sich Repräsentationen von Abwertungen in einer sprachwissenschaftlichen Arbeit auf sprachliche Abwertung beziehen, muss sicher nicht erläutert werden, aber doch was mit sprachlicher Abwertung alles gemeint sein kann und speziell hier gemeint ist. Weiters werde ich darauf eingehen, wieso überhaupt r- trennungin der Wirklichkeit wie auch in der Sprache hergeleitet werden kann.
2.1. Repräsentationen von Abwertung
2.1.1. Was
In Herbert Pfeiffers Schimpfwörterbuch wird im Nachwort von Wilfried Seibicke folgende Definition gegeben: Mißfallen, Unmut, Verärgerung, Verstimmung, Gereiztheit, Haß mit deutlich abwertenden Wor- 2
Nicht nur der sprachliche Ausdruck, das Wort oder die Aussage an sich, sondern auch Mimik, Gestik und Prosodie spielen eine große Rolle bei der Deutung von Schimpfreden, welche oft nicht nur dazu dienen andere zu tadeln bzw. zu kritisieren, sondern beleidigen, provozieren oder herabsetzen sollen. 3
2 Wilfried Seibicke: Nachwort. In: Herbert Pfeiffer: Das große Schimpfwörterbuch. Über 10000 Schimpf-, Spott- und Neckwörter zur Bezeichnung von Personen. München: Wilhelm Heyne 1999. S. 494.
3 Vgl. Ebd. S. 494.
4
Es lässt sich außerdem eine Unterscheidung tref- fen:
Während sich das Schimpfen auch ohne Adressat abspielen kann, braucht das Beschimpfen einen unmittelbaren, in der Regel persönlich anwesenden Adressaten für die Mitteilung. Marten-Cleef schreibt dem Schimpfen die Funktion der emotionalen Entladung zu, während das Be- 4 schimpfen als Versuch der Kränkung eines Gegenübers anzusehen ist.
Laut dieser Definition wird das Beschimpfen von Tieren, Objekten oder Ereignissen als Beschimpfens allein auf Menschen
bezogen. Im Rahmen dieser Arbeit werde ich ausschließlich letzteres thematisieren, mit der zusätzlichen Einschränkung, dass nur das Beschimpfen von Männern behandelt wird, d.h. deren Abwertung mittels sprachlichen Ausdrücken, im engeren Sinn durch Schimpfwörter.
2.1.2. Was sind Schimpfwörter?
denen Personen anstatt mit ihrem Namen oder Titel in 5 Oft werden sie um Zusätze, z.B. alt,
blöd, Scheiß- etc., ergänzt oder das Anredepronomen, vor allem - oder nachge- h!
Nicht alle abwertenden Ausdrücke müssen unbedingt als Schimpfwörter empfunden werden, r- schied,den Grad der Beleidigung betreffend. Die Definition von Schimpfwörtern ist bei Pfeiffer aber eine relativ weite, die ich in meiner Arbeit im Großen und Ganzen übernehme 6 , da ich mich bei der Wortanalyse hauptsächlich auf sein Werk beziehen werde. Abwertende Bezeichnungen können im tatsächlichen Sprachgebrauch sehr ambivalent sein,
frau/man es aber in liebevoll scheltender Weise, evtl. sogar in der Verkleinerungsform wie chen, so ist aus dem Schimpf- ganz schnell ein Kosewort geworden. Seibicke 7
Schimpfwörter können nicht auf eine bestimmte oder auch nur ungefähre Anzahl festgelegt werden, es gibt keinen statischen Schimpfwortschatz. Ständig kommen neue Bezeichnungen auf und grundsätzlich kann man/frau beinahe mit jedem Substantiv (be-)schimpfen. Dennoch sind nicht alle Wörter, die zur Beschimpfung benutzt werden, Schimpfwörter im sprachwis- 4 GabrieleScheffler: Schimpfwörter im Themenvorrat einer Gesellschaft. Marburg: Tectum 2000. S. 103/104. Zitiert nach: Susanne Marten-Cleef: Gefühle ausdrücken. Die expressiven Sprechakte. Göppingen: Kümmerle 1991. S. 310.
5 Wilfried Seibicke: Nachwort. S. 495.
6 Die einzige Abweichung stellt ein in der Umfrage zweimal genann dar, welches ich nicht ausschließen werde.
7 Wilfried Seibicke: Nachwort. S. 499.
5
senschaftlichen Sinne, zu jenen nur solche zählen, die auch für sich genommen, unabhängig von der jeweiligen Gesprächssituation, eine negative Wertung ausdrücken. 8 Es kann auch geschehen, dass Schimpfwörter eine Umwertung erfahren, wenn sie angenommen werden und die beschimpfte/n Person/en sich zu dem bekennen, was das Wort eigentlich kritisiert und anprangert, z.B. wenn r-
den,sich diesen Namen ganz bewusst aneignen und dazu stehen, mehrere bzw. wechselnde Sexualpartner zu haben bei alleinstehenden Männer wird dies schließlich auch nicht angeprangert, es gibt nicht einmal eine annähernd symmetrische Bezeichnung für männliche Promiskuität. So kann dem Schimpfwort die Spitze genommen werden und frau/man biegt es gleichzeitig zum Aufhänger für eigene Ideale um. Es kommt allerdings selten vor, dass ein Schimpfwort seine ursprüngliche Bedeutung ganz verliert und zur stilistisch neutralen Bezeichnung avanciert. 9
2.1.3. Wer oder was wird beschimpft?
Seibicke bezeichnet den Vorrat an um- 10
Als Beispiel hebt er explizit die vielen abwertenden Bezeichnungen für Frauen hervor und stellt die Frage, ob von den Männern das Gleiche sagen könne. Er gibt selbst die bescheiden allgemein formulierte Antwort, dass es so aussähe, als ob die Männer auf diesem Gebiet (noch) sprachbeherrschend seien. 11 Unabhängig davon, ob diese Feststellung zutrifft oder nicht, sie schreibt die Tradition der männlichen Sprachbeherrschung jedenfalls fort. Durch das gesamte Nachwort von Seibicke zieht sich die Verwendung des Indefinitpronomens wie auch generischer Maskulina durch.
Die Behauptung, dass es auch im Wortfeld der Schimpfwörter tiefgreifende Differenzen zwischen Bezeichnungen für weibliche und männliche Personen gibt, haben schon namhafte Vertreterinnen der feministischen Linguistik wie Trömel-Plötz und Hausherr-Mälzer aufgestellt. 12 Ingeborg Breiner betont in ihrer Untersuchung des deutschen Lexikons:
[...] es steht fest, daß für Frauen nicht mehr negative Ausdrücke zur Verfügung stehen als für Männer, d.h., die Quantitäten sind etwa gleich. Qualitativ lassen sich jedoch tatsächlich Unter- 13 schiede feststellen [...].
8 Vgl. Ebd. S. 496.
9 Vgl. Ebd. S. 499. 10 Ebd. S. 497.
11 Vgl. Ebd. S. 497.
12 Vgl. Ingeborg Breiner: Die Frau im deutschen Lexikon. S. 106. 13 Ebd. S. 107.
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Arbeit zitieren:
Sandra Folie, 2010, Repräsentationen männlicher Abwertung, München, GRIN Verlag GmbH
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