Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 3
2. Historische Kontextualisierung 4
3. Ist Deutschland kein Staat mehr? 8
3.1. Zum Begriff des Staates 8
3.2. Hegels Staatsbegriff 8
3.3. Transformation und Vergleich des hegelschen Staatsbegriffs
auf das Deutsche Reich als Staat 10
4. Fazit 14
5. Literatur- und Quellenverzeichnis 16
1. Einleitung
„Deutschland ist kein Staat mehr…“stellte Hegel in seiner wahrscheinlich 1802 abgeschlossenen „Kritik der Verfassung Deutschlands“ fest. Doch warum ist Deutschland bereits um 1800 für ihn kein Staat mehr? Markiert nicht viel eher die Gründung der Rheinbundstaaten im Jahre 1806 erst die Auflösung des Deutschen Reiches? Vor welchem historischen Kontext und vor welchen zeitgenössischen Ereignissen gelangte Hegel also zu dieser scheinbar noch verfrühten Erkenntnis? Welche idealtypischen Bedingungen müssen für Hegel vorliegen, um von einem wirklichen Staat sprechen zu können? Die vorliegende Seminararbeit will diese Fragen aufgreifen und unter der zentralen Fragestellung „Ist Deutschland um 1800 wirklich kein Staat mehr?“ Hegels Kritik an der Verfassung des Deutschen Reiches in dieser Zeit auffassen, sie aber auch zugleich dem historischen Kontext kritisch gegenüberstellen und überprüfen, inwiefern Deutschland wirklich nicht mehr als Staat bezeichnet werden kann.
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2. Historische Kontextualisierung
Das Kapitel „Deutschland ist kein Staat mehr…“ aus dem politischen Traktat „Kritik der Verfassung Deutschlands“ wurde von Hegel um die Jahreswende 1798/99 begonnen und wahrscheinlich Ende 1802 abgeschlossen. Vor dem Hintergrund der französischen Revolution und dem daraus auch auf das Deutsche Reich abstrahlenden Wunsch nach politischen und gesellschaftlichen Veränderungen, stellte Hegel eigene politische Konzeptionen auf und beschäftigte sich mit der Verfassung und den Gegebenheiten des deutschen Staates. Entscheidend für Hegels essentielle Wahrnehmung des deutschen Reiches als ein politisch lebloses Konstrukt, als ein reiner „Gedankenstaat“ von bloß formalrechtlicher Existenz, sind die bereits 1795 offenkundig zu Tage tretenden Auflösungserscheinungen des Deutschen Reiches: Schwerwiegende Interessengegensätze zwischen den Hegemonialmächten Preußen und Österreich polarisierten das Deutsche Reich und lähmten seine Einheit und politische Handlungsfähigkeit. Aufgrund ihrer exponierten Vormachtstellung in dem Verbundsystem des Deutschen Reiches verfolgten in zunehmenden Maße beide Großmächte primär persönliche Interessen und vernachlässigten eine gesamtdeutsche Politik. Die politischen Zielsetzungen Österreichs und Preußens liefen oftmals den Interessen des Deutschen Reiches diametral entgegen und divergierten auch untereinander, was mit dem Schlagwort des preußischösterreichischen Dualismus umfasst wird. Der anfangs gemeinsam gegen das revolutionäre Frankreich geführte Erste Koalitionskrieg (1792 bis 1797) kann über diese Rivalität der Mächte innerhalb des Deutschen Reiches nicht hinwegtäuschen. „Reichspatriotismus war indes nicht die Triebfeder, und Kriegsziel keinesfalls der Schutz von Reichsrechten.“ 1 Das Einigkeit stiftende Kriegsziel bestand in der sich als fatal erweisenden Hoffnung, territoriale oder finanzielle Gewinne allzu leichtfertig im Krieg gegen Frankreich einfahren zu können. Als sich das revolutionäre Frankreich als militärisch mindestens
1 Gotthard, S. 152.
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ebenbürtiger Gegner erwies, begannen die deutschen Großmächte Alternativen für einen Machtzuwachs auf Kosten Dritter zu sondieren. So kam es, dass Preußen schließlich im Zuge des Sonderfriedens von Basel (5.4.1795) aus der gesamtdeutschen Kriegskoalition gegen Frankreich ausschied. Die infolge des Krieges besetzten linksrheinischen, ehemals preußischen Gebiete wurden in dem Separatfrieden vorläufig Frankreich zugesprochen, wofür Preußen in einem geheimen Zusatzartikel eine spätere Entschädigung durch rechtsrheinische Gebiete in Aussicht gestellt wurde. Der Friedensschluss von Basel ist als rechtswidriger Separatfrieden zu bewerten, in dessen Folge Preußen unrechtmäßige Entschädigungen zu Lasten der Reichseinheit aushandelte. Damit waren erste offensichtliche territoriale, aber auch politische Veränderungen in Aussicht gestellt worden, die die Struktur des Deutschen Reiches in seinen Grundzügen erschütterten. Das Ausscheren Preußens aus der gesamtdeutschen Kriegskoalition signalisierte die Bereitschaft, das überkommene Reichssystem zur Disposition zu stellen und besaß eine Vorbildfunktion für andere große deutsche Reichsstände. 2 Die Integrität des Deutschen Reiches wurde endgültig mit dem Sonderfrieden von Campo Formio (17.10.1797) zwischen Frankreich und Österreich zu Grabe getragen: Österreich wurde die Republik Venedig zugesprochen, wofür es im Gegenzug auf die von Frankreich besetzten linksrheinischen Gebiete, insbesondere die ehemals österreichischen Niederlande, definitiv verzichtete. Es wurde hier auch bereits der Entschluss zur Säkularisation gefasst: „Die geschädigten weltlichen Fürsten sollten auf Kosten der rechtsrheinischen geistlichen Reichsstände entschädigt werden. 3
Die separaten Friedenschließungen von Basel und Campo Formio verdeutlichen bereits die Instabilität des Deutschen Reiches und die Bereitschaft der großen Reichsstände, eigene Machtpolitik, auch auf Kosten des Reichssystems, zu forcieren. Infolge des Zweiten Koalitionskrieges (1799 bis 1801) und der
2 Vgl. Gotthard, S. 153.
3 Wehler, S. 354.
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Arbeit zitieren:
Philipp Wansel, 2007, Staatstheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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