Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 01
1.1 Übersicht zu der Novelle „Der Verlorene“ Seite 02
1.2 Der Autor und sein biographischer Kontext Seite 03
1.3 Zeitgeschichtlicher Hintergrund Seite 04
1.4 Das Motiv „Scham und Schuld“ Seite 05
2. Umgang mit „Scham und Schuld“ des Erzählers in Seite 06
„Der Verlorene“
2.1 Auftreten und Auswirkungen von Scham und Schuld Seite 09
2.2 Das Verhältnis zu anderen Figuren Seite 11
2.3 Die Entwicklung des Erzählers Seite 14
3. Zusammenfassung Seite 15
4. Literaturverzeichnis Seite 16
1. Einleitung
„Vom Tag meiner Geburt an herrschte ein Gefühl von Schuld und Scham in der Familie, ohne dass ich wusste, warum. Ich wusste nur, dass ich bei allem, was ich tat, eine gewisse Schuld und eine gewisse Scham verspürte.“ 1
Dieses Zitat macht die zentrale Rolle des Motivs „Schuld und Scham“ deutlich. Die Konfrontation mit diesem Motiv findet direkt zu Anfang der Novelle statt und zieht sich wie ein roter Faden bis zum Ende durch. Ziel dieser Arbeit ist es, dieses Motiv näher zu analysieren, Ursachen zu finden und seine Auswirkungen auf das Leben der Hauptfiguren, im speziellen des Erzählers, aufzuzeigen.
Im ersten Kapitel wird ein kurzer Überblick über den Inhalt der behandelten Novelle gegeben. Im Weiteren wird in Kapitel 1.2 der Autor Hans-Ulrich Treichel und sein biographischer Hintergrund vorgestellt. Dieses Kapitel soll Hintergrundwissen für die Analyse der Novelle schaffen, da sie autobiographische Aspekte beinhaltet. Um die Problematik der Novelle besser bearbeiten zu können, liefert Kapitel 1.3 Informationen zu dem zeitgeschichtlichen Hintergrund.
In Kapitel 1.4 wird dann das Leitmotiv „Scham und Schuld“ vorgestellt und begrifflich eingegrenzt.
Im Hauptteil der Arbeit, dem zweiten Kapitel geht es um den Umgang des Erzählers mit dem Motiv „Scham und Schuld“. Der Erzähler wird ganz bewusst in den Mittelpunkt der Analyse gestellt, da er am stärksten von dieser Thematik belastet ist und dies, obwohl er von allen Beteiligten am wenigsten Teil hat an der kollektiven Schuld. Zuerst wird seine Funktion als Erzähler an sich, in Kapitel 2.1 seine Kontaktpunkte mit dem Leitmotiv genannt und die damit zusammenhängenden Auswirkungen auf sein Leben näher betrachtet. Im Folgenden wird dann in Kapitel 2.2 sein Verhältnis zu den anderen Hauptfiguren im Roman analysiert und auf evtl. Auswirkungen des Leitmotivs untersucht. In Kapitel 2.3 wird die Frage verfolgt, inwieweit sich der Erzähler im Rahmen der Novelle entwickelt hat und ob das unter den gegebenen Umständen überhaupt möglich war.
Im dritten Kapitel werden die Ergebnisse der Arbeit abschließend zusammengefasst.
1 Treichel, Hans-Ulrich (1998): Der Verlorene. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. Seite 17.
1.1 Übersicht zu der Novelle „Der Verlorene“
Der Autor Hans-Ulrich Treichel beschreibt in der oben genannten und abgebildeten Novelle das Leben einer deutschen Familie in den Nachkriegsjahren des Zweiten Weltkrieges aus der Sicht ihres jüngsten Kindes. Das Leben dieser Familie ist zum Einen von der Suche nach dem auf der Flucht vor der Roten Armee verloren gegangenen Sohn Arnold geprägt, dessen Verlust die Eltern schwer belastet; zum Anderen spielt auch die Suche nach einer neuen Identifikation in einer Gesellschaft, die schwer an dem Erbe des Nationalsozialismus zu tragen hat, eine große Rolle. Die Erzählung umfasst die Wirtschaftswunderphase der jungen Bundesrepublik, in der es der Familie wirtschaftlich immer besser geht, während die Mutter sich in der Suche nach Arnold und in dem Erbringen von Beweisen, dass es sich bei dem Findelkind 2307 um ihren Arnold handelt, verzehrt. Der vorhandene Bruder wird jedoch über der Sorge um den verloren gegangenen Sohn vergessen. Zum Schluss scheitert die Suche nach dem verlorenen Sohn nach Ausschöpfung aller Möglichkeiten.
1.2 Der Autor und sein biographischer Kontext
Hans-Ulrich Treichel ist ein Autor der Gegenwart. Neben der behandelten Erzählung, die 1999 erschienen ist, ist er vor allem durch Gedichts- und Prosabände zu Ruhm gekommen, zu nennen sind hier „Liebe Not“ (1986), „Der einzige Gast“ (1994) und „Liebesgedichte“ (2009). Sein Repertoire umfasst aber auch Romane wie „Der irdische Amor“ (2002), „Menschenflug“ (2007) und „Anatolin“ (2009). Für sein Werk wurde Treichel 1985 mit dem Leonce-und-Lena Preis und dem Förderpreis des Bremer Literaturpreises (1993) ausgezeichnet. Zuletzt erhielt Treichel 2007 den Preis der Frankfurter Anthologie. Treichel ist jedoch nicht nur Autor, sondern er besitzt seit 1995 eine Professur am Deutschen Literaturinstitut der Universität Leipzig und forscht und lehrt zur modernen Literatur. Er habilitierte über Wolfgang Koeppen. Erwähnenswert ist die Biographie Treichels für die vorliegende Arbeit jedoch hauptsächlich deshalb, weil die hier bearbeitete Erzählung autobiographische Züge beinhaltet. 2 Treichel betont auch, dass sein „Schreiben autobiografisch inspiriertes Schreiben, mein Material die eigene Erfahrung und das eigene Ich waren“. 3 Wie der Erzähler in „Der Verlorene“ ist auch Treichel als Sohn einer Vertriebenenfamilie in Westfalen geboren. 4 1959 beginnen Treichels Eltern erneut die Suche nach dem erstgeborenen Sohn Günther, der am 24.09.1943 geboren wurde und am 20.01.1945 auf der Flucht vor der Roten Armee verloren wurde. 5 Dieser Ablauf lässt sich ebenso in der Novelle wieder finden. Man bemerkt auch, dass immer wieder kleine Gemeinsamkeiten zu der Biografie Treichels gefunden werden können, wie z.B. dass der Bruder des Erzählers „Arnold“ heißt, genau wie Treichels Vater.
2 „[…] von dem ich erst vierzig Jahre später erfahren und in meinem Buch Der Verlorene erzählt habe“. In:
Treichel, Hans-Ulrich (2000): Der Entwurf des Autors - Frankfurter Poetikvorlesungen. Frankfurt am Main:
Suhrkamp Verlag. Seite 21.
3 Siehe Treichel: Der Entwurf des Autors - Frankfurter Poetikvorlesungen. S. 105.
4 * 12.08.1952, in Versmold. In: Bernhardt, Rüdiger (2006): Königs Erläuterungen und Materialien: Treichel -
Der Verlorene. Hollfeld: Bange Verlag. Seite 7.
5 Siehe Königs Erläuterungen und Materialien. S. 7.
Arbeit zitieren:
Jennifer Keller, 2009, Das Motiv „Schuld und Scham“ in Hans-Ulrich Treichels „Der Verlorene“, München, GRIN Verlag GmbH
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