Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Das Fest im Kontext des nationalen Gedächtnisses einer Nation 3
2.1 Das nationale Gedächtnis 3
2.2 Das Fest 4
3. Geschichtlicher Hintergrunde: Der Erste Weltkrieg 6
3.1 Allgemeine Informationen 6
3.2 Der Krieg in Frankreich 7
4. Der Feiertag des 11. November 9
4.1 Zur Geschichte dieses Feiertags 9
4.2 Die Zeremonie dieses Feiertags 10
5. Die Zukunft des 11. November 11
5.1 Argumente für die unveränderte Beibehaltung dieses Feiertags 11
5.2 Was spricht für Veränderungen? 12
5.2.1 Neue Vermittlungswege 13
5.2.2 Ein neuer Feiertag 14
6. Fazit 15
7. Anhang 16
8. Literaturverzeichnis 17
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1. Einleitung
Betrachtet man deutsche und französische Feiertage, so gibt es ein Datum, dessen Konnotation in beiden Ländern unterschiedlicher kaum sein könnte. Denkt man bei seiner Nennung in Deutschland zuerst an den Karnevalsbeginn, der im Allgemeinen feuchtfröhlich begangen wird, so handelt es sich in Frankreich um einen Tag des Gedenkens, genauer gesagt den Jahrestag des Waffenstillstands, der den Ersten Weltkrieg vor fast 90 Jahren beendete. Die Rede ist vom 11. November. Die vorliegende Arbeit wird sich im Folgenden nicht weiter mit dem deutschen „Feiertag“ beschäftigen, zumal dieser nicht von offizieller Natur ist. Vielmehr ist sie der Bedeutung des 11. November im Frankreich von heute gewidmet. Dabei soll vor allem der Frage nachgegangen werden, inwieweit dieser Feiertag, der unter anderem die Bezeichnung Fête de l’Armistice trägt, 1 noch von kollektiver Bedeutung ist und ob er nicht gänzlich abgeschafft oder zumindest modernisiert, d.h. den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden sollte. Hintergrund dieses Gedankens ist vor allem die Tatsache, dass die Beteiligung der Bevölkerung an den offiziellen Feierlichkeiten am 11. November vergleichsweise gering ist. Kann man daraus schließen, dass die durch diesen Feiertag übermittelten Erinnerungen und Werte nur noch schwach in der französischen Gesellschaft verwurzelt sind?
Da es zur Beantwortung der gestellten Fragen einer terminologischen Grundlage bedarf, wird sich diese Arbeit zunächst mit dem Feiertag bzw. Fest als Teil des politischen Gedächtnisses einer Nation beschäftigen. Im darauf folgenden Abschnitt wird mit dem Ersten Weltkrieg der geschichtliche Hintergrund näher beleuchtet, um danach auf die Entstehung sowie auf die Bedeutung und Entwicklung dieses Feiertages in den folgenden Jahrzehnten einzugehen.
Der letzte Teil der Arbeit wendet sich der oben genannten Frage nach der heutigen Aktualität dieses Feiertags zu. Dabei soll einerseits diskutiert werden, was dafür spricht, den 11. November als Feiertag weiterhin beizubehalten, um demgegenüber aufzuzeigen, was - im extremsten Falle - für seine Abschaffung oder zumindest für seine Modernisierung spräche.
1 Weiterhin findet man die Benennungen Fête de la Victoire, Armistice 1918 oder Fête du Souvenir in
französischen Kalendern.
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2. Das Fest im Kontext des nationalen Gedächtnisses einer Nation
2.1 Das nationale Gedächtnis
Um die verschiedenen Phänomene des Gedächtnisses von Individuen und Gruppen besser beschreiben und analysieren zu können, hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten ein reicher Begriffsschatz herausgebildet. Federführend waren in Deutschland dabei besonders die Anglistin Aleida Assmann sowie ihr Ehemann, der Ägyptologe Jan Assmann. Die in ihren Büchern dargelegten Gedanken sollen die Basis der folgenden Ausführungen bilden.
Für die Beantwortung der Fragen, denen diese Arbeit nachgeht, ist dabei für uns vor allem das politische Gedächtnis von Interesse, das ebenso wie das kulturelle Gedächtnis symbolisch vermittelt wird und daher eng mit diesem verknüpft ist. Da das Verständnis des Konzeptes des politischen Gedächtnisses das des kulturellen Gedächtnisses voraussetzt, sollen dessen Eigenschaften zunächst kurz skizziert werden. Für Jan Assmann wird das kulturelle Gedächtnis vor allem durch „die Überlieferung des Sinns“ 2 charakterisiert. Es ist eben dieser Sinn, durch den eine Handlung zum Ritus wird, indem ihr neben der Zweck- ebenso eine Sinnbedeutung zugewiesen wird. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit ist dies beispielsweise das Salutieren eines Soldaten: der motorischen Tätigkeit des Bewegens der Hand zur Mütze wird der Sinn der Ehrenbezeugung beigemessen. Neben Handlungen kann jedoch auch Dingen eine sinnstiftende Bedeutung gegeben werden, so dass hier zwei symbolische Vermittlungs-formen des kulturellen Gedächtnisses unterschieden werden können. Einerseits die „symbolischen Praktiken“ wie Riten und Feste - zu denen auch der uns interessierende französische Feiertag zählt - und andererseits „materiale Repräsentationen“ in Form von Artefakten wie Texten, Denkmälern und Bildern. Durch die Tatsache, dass das im kulturellen Gedächtnis gespeicherte Wissen „von seinen lebendigen Trägern abgelöst und auf materielle Datenträger übergegangen ist,“ 3 weisen seine Medien außerdem eine große Festigkeit und Dauer auf, die zudem institutionell gesichert ist. Trotz alledem sind sie nicht unumstößlich, wie die Beispiele zahlreicher „Denkmalstürze“ zeigen. 4
2 Vgl. J. Assmann (2005), S. 21.
3 Vgl. A. Assmann (2006), S. 34.
4 Siehe dazu das von Winfried Speitkamp herausgegebene Buch Denkmalsturz (Vandenhoeck & Ruprecht
1997), dessen Beispiele von der Französischen Revolution bis zur deutschen Wiedervereinigung reichen.
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Die immer wieder auftauchende Frage nach der Existenz eines kollektiven Gedächtnisses ist es auch, die uns zur Schnittstelle zwischen kulturellem und politischem Gedächtnis bringt. Auch wenn kollektive Anteile im kulturellen Gedächtnis enthalten sind, 5 so kann laut Aleida Assmann nur das politische Gedächtnis im engeren Sinne als kollektiv bezeichnet werden. 6 Denn während beide über die oben beschriebenen symbolischen Praktiken vermittelt werden, wird ersteres individuell, letzteres jedoch kollektiv verarbeitet. Dadurch bildet es vor allem eine starke „Wir-Identität“ einer bestimmten Gruppe von Menschen, beispielsweise einer Nation, aus. Aus diesem Grunde wird das politische Gedächtnis auch als nationales Gedächtnis bezeichnet.
Wie im Falle des kulturellen Gedächtnisses sind bei dieser Gedächtnisformation die Konstruiertheit, der selektive Charakter sowie die hohe Stabilität auffällig. Für Aleida Assmann beginnt das nationale Gedächtnis dort, „[w]o Geschichte im Dienst der Identitätsbildung steht, wo sie von den Bürgern angeeignet und von den Politikern beschworen wird“. 7 Somit sind neben dem nationalen Gedächtnis zwei weitere Konzepte von Bedeutung: Geschichte, bzw. Geschichtsschreibung und Identität. Denn es ist vor allem die Perspektive der Identität, aufgrund derer sich der Blickwinkel des nationalen Gedächtnisses von dem der Historiographie unterscheidet; stehen sich doch in vielen Fällen faktische und erinnerte Geschichte gegenüber. 8 Die Folge ist ein Zustand, den der französische Begriff bataille de mémoire wohl am treffendsten beschreibt: der Vorwurf historischer Verfälschung trifft auf den der „Nestbeschmutzung“. Wir werden später darauf zurückkommen, ob die Diskussion über die Zukunft der Fête de l’Armistice einmal zu solch einem Kampf um die Erinnerung werden könnte.
2.2 Das Fest
Wie bereits erwähnt wurde, handelt es sich bei Festen um „symbolische Praktiken“, die Träger des kulturellen und nationalen Gedächtnisses darstellen. Der von uns betrachtete Feiertag kann als eine seiner möglichen Ausprägungsformen angesehen werden. Dabei ist auffällig, dass das Fest besonders in der Form des Feiertages einen konkreten historischen Bezug aufweist.
5 Sowie auch in anderen „Gedächtnisformationen“ wie dem sozialen Gedächtnis. Siehe dazu A. Assmann
(2006), S. 26 ff.
6 Ebd., S. 36.
7 Ebd., S. 37.
8 Vgl. J. Assmann (2005), S. 52.
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Arbeit zitieren:
Fauser Henning, 2008, Der 11. November: Ein Feiertag, den (fast) niemand feiert, München, GRIN Verlag GmbH
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