Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung (3)
2. Zugrundeliegende theoretische Annahmen und Hypothesen (4)
2.1 Vorbemerkung: Verschiedene Dimensionen in der Einschätzung der
wirtschaftlichen Lage (4)
2.2 Das sozialpsychologische Michigan-Modell als theoretischer Rahmen (6)
2.3 Parteineigung und Sachfragenorientierung (7)
2.4 Hypothesen (10)
3. Datenquelle, Operationalisierung und Auswertungsmethode (13)
3.1 Datenquelle (13)
3.2 Operationalisierung der abhängigen und unabhängigen Variablen (13)
3.3 Auswertungsmethode (14)
4. Ergebnisse (15)
4.1 Einfluss der Parteiidentifikation auf die Bewertung der wirtschaftlichen Lage
bei allen Befragten (15)
4.2 Einfluss der Parteiidentifikation auf die Bewertung der wirtschaftlichen Lage
bei Personen mit starker Parteiidentifikation (22)
4.3 Ost-West-Unterschiede im Einfluss der Parteiidentifikation auf die
Bewertung der wirtschaftlichen Lage (23)
4.4 Die Bewertung der wirtschaftlichen Lage bei Personen ohne Parteibindung
(24)
4.5 Die Hypothesen im Überblick (25)
5. Schlussbemerkung (25)
Literatur (27)
Anhang (28)
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1. Einleitung
In der Politik gehört die wirtschaftliche Lage eines Landes und deren Entwicklung im Zeitverlauf zu den am häufigsten und sehr intensiv diskutierten Themen. Dies ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass nicht nur der Wohlstand der einzelnen Bürger, sondern auch die Stabilität einer demokratischen politischen Ordnung entscheidend von der Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft abhängt. Dabei existieren durchaus verschiedene Ansatzpunkte, um den Bereich der Wirtschaft mit dem Bereich der Politik in Verbindung zu bringen. Generell ist festzustellen, dass es der Politik in gewissen Ausmaßen möglich ist, die Rahmenbedingungen festzulegen, innerhalb derer sich wirtschaftliche Betätigungen abspielen. Dies geschieht beispielsweise durch die Erhebung von Steuern und Abgaben, die Gewährung von Subventionen oder durch aktive Arbeitsmarktpolitik. Auf diesem Weg hat eine Vielzahl nationaler und auch internationaler (siehe EU) politischer Entscheidungen Auswirkungen auf die Art und Weise der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes, wenn auch diese politischen Einflüsse im Zeitalter einer stark integrierten Weltwirtschaft nicht als die einzigen relevanten Faktoren gesehen werden dürfen.
Auch im Vorfeld der Bundestagswahl vom 22. September 2002 spielten Wirtschaftsthemen eine zentrale Rolle in der tagespolitischen Diskussion, wobei allen voran die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen und die damit zusammenhängende Wachstumsschwäche Deutschlands zu nennen sind. Zwar rückten in der Schlussphase des Wahlkampfes mit der unvorhergesehenen Flutkatastrophe und der Frage nach der deutschen Haltung zu einer geplanten Militärintervention der USA im Irak zwei Themen in die vordersten Ränge der politischen Tagesordnung, die nicht auf die wirtschaftliche Lage der Bundesrepublik bezogen waren, allerdings kann man nicht davon ausgehen, dass diese beiden Materien die wirtschaftlichen Schwierigkeiten völlig in den Hintergrund drängten und bedeutungslos werden ließen. Die ökonomischen Probleme Deutschlands haben in den 1990er Jahren ein so großes Ausmaß angenommen, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zum zentralen Aspekt politischer Debatten wurde: Die besonderen Probleme in Ostdeutschland, eine auch im internationalen Vergleich hohe Arbeitslosenrate, viele Unternehmensinsolvenzen, hohe Sozialversicherungsbeiträge und Einbrüche im
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Aktienmarkt bestimmten (neben der Terrorismusbekämpfung) die politischen Schlagzeilen.
Nehmen wirtschaftliche Probleme und Themen einen breiten Raum während der Legislaturperiode und insbesondere im Wahlkampf ein, dann ergibt es sich fast zwangsläufig, nach dem Einfluss der herrschenden wirtschaftlichen Lage (und der subjektiven Einschätzung derselben) auf das Wahlverhalten der Bürger zu forschen. Als analytischer Hintergrund kann dabei das Ann-Arbor-Modell der Wahlentscheidung herangezogen werden, wonach neben der langfristig stabilen Parteiidentifikation und der Haltung gegenüber den zur Wahl stehenden Kandidaten auch die Meinung zu politischen Sachfragen als bestimmend für das individuelle Wahlverhalten gesehen werden. Auch Urteile zur wirtschaftlichen Lage sind in diesem Modell als Sachfrage mit Auswirkungen auf die Wahlentscheidung zu sehen.
Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist jedoch nicht die Frage nach der Relevanz wirtschaftlicher Verhältnisse und deren Wahrnehmung für das Wahlverhalten, sondern die Frage, inwieweit die subjektiven Einschätzungen der allgemeinen und individuellen wirtschaftlichen Lage in Abhängigkeit von den jeweiligen Parteineigungen der Individuen stehen. Zugrundegelegt werden dabei Individualdaten, die mittels Befragung gewonnen wurden. Dazu sollen zunächst die zugrundeliegenden theoretischen Annahmen und die darauf basierenden und zu überprüfenden Hypothesen dargelegt werden (Abschnitt 2). Daran schließt sich eine kurze Darstellung der Operationalisierung und der verwendeten Analysemethoden an (Abschnitt 3). Schließlich werden in Abschnitt 4 die Ergebnisse der Datenauswertung erläutert.
2. Zugrundeliegende theoretische Annahmen und Hypothesen
2.1 Vorbemerkung: Verschiedene Dimensionen in der Einschätzung
der wirtschaftlichen Lage
Beurteilungen der wirtschaftlichen Lage stellen in der folgenden Datenanalyse die abhängigen Variablen dar. Zur Eingrenzung dieser Variable sind einige kurze Anmerkungen erforderlich.
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Objektive vs. subjektive Maße
Die wirtschaftliche Lage, in der sich ein Land befindet, kann sowohl objektiv als auch subjektiv beschrieben und beurteilt werden. Objektive Daten wie die monatlich veröffentlichten Arbeitsmarktdaten, das quartalsweise berechnete
Wirtschaftswachstum oder die ebenfalls statistisch erhobenen Auftragseingänge der Industrie prägen und leiten zu einem Großteil die in den politischen Gremien und in den Massenmedien stattfindende Diskussion zu wirtschaftlichen Themen. Subjektive Urteile zur wirtschaftlichen Lage beruhen auf den persönlichen Ansichten von Befragten, wobei diese Ansichten wiederum von den objektiven Daten mitbeeinflusst werden, aber auch durch individuelle Erfahrungen (etwa Arbeitslosigkeit oder drohender Arbeitsplatzverlust) geprägt sind (vgl. Rattinger 1985). Zur Klärung der weiter unten formulierten Hypothesen werden lediglich subjektive Einschätzungen von Befragten zur wirtschaftlichen Lage verwendet.
Allgemeine vs. individuelle wirtschaftliche Lage
Die subjektiven Urteile von Individuen hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage lassen sich unterteilen in die Bewertung der allgemeinen und die Bewertung der individuellen wirtschaftlichen Lage. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich die Befragten für die Einschätzung der individuellen wirtschaftlichen Lage auf ihre persönliche Erwerbs- und Einkommenslage beziehen, während für Urteile über die allgemeine wirtschaftliche Lage der empfundene Zustand der gesamten Volkswirtschaft herangezogen wird. Letzterer wird zwar nicht vollständig, aber dennoch zu einem erheblichen Teil über die Berichterstattung der Massenmedien und den zugrundeliegenden politischen Debatten vermittelt. Ohne der Hypotheseformulierung zu weit vorgreifen zu wollen, scheint die Überlegung plausibel zu sein, dass die Einschätzung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage in einem stärkeren Maße mit politischen Einstellungen wie etwa der Wahlabsicht oder der Zufriedenheit mit der Regierung in Verbindung gebracht werden kann. Zwar kann auch die individuelle wirtschaftliche Situation, in der sich eine Person befindet, von politischen Entscheidungen und politischen Handlungen beeinflusst werden, aber es spielen bei der Bewertung der persönlichen wirtschaftlichen Lage auch noch andere Faktoren eine Rolle, so z. B. der eigene Bildungsabschluss, die Familiengröße oder eventuelle Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit. Grundsätzlich muss jedoch angenommen werden, dass sowohl die allgemeine als auch die persönliche Wirtschaftslage mit politischen Einstellungen in
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Beziehung gesetzt werden können, vor allem wenn es um die Frage nach der individuellen Wahlentscheidung geht (vgl. Rattinger 1986: 395). Im Folgenden werden beide Bewertungsbereiche, also sowohl die Einschätzung der allgemeinen, wie auch die der individuellen wirtschaftlichen Lage zur näheren Untersuchung verwendet.
Verschiedene zeitliche Perspektiven
Eine dritte Dimension, nach der die Variable „Einschätzung der wirtschaftlichen Lage“ unterschieden werden kann, bezieht sich auf verschiedene Zeithorizonte. Demnach kann ein Befragter darum gebeten werden, die aktuelle wirtschaftliche Lage, die Entwicklung der wirtschaftlichen Lage in der näheren Vergangenheit (retrospektive Sichtweise) oder die vermutete zukünftige wirtschaftliche Lage (prospektive Sichtweise) zu bewerten. Für die folgende Analyse werden alle drei zeitlichen Einschätzungsarten verwendet.
2.2 Das sozialpsychologische Michigan-Modell als theoretischer
Rahmen
Als theoretischer Rahmen für die hier untersuchte Frage nach der Abhängigkeit wirtschaftlicher Urteile von Parteineigungen eignet sich das sozialpsychologische Modell des Wahlverhaltens, das 1960 von den Forschern der Universität Michigan entwickelt wurde (vgl. Campbell et al. 1960). In diesem Modell wirken drei verschiedene Komponenten auf die individuelle Wahlentscheidung: Die langfristig stabile Parteiidentifikation, die Kandidatenorientierung und die
Sachfragenorientierung. Die beiden letzten Einstellungsbereiche werden jeweils von der Parteiidentifikation mitbeeinflusst und sind als kurzfristige Faktoren der Wahlentscheidung zu sehen. Eine zentrale Stellung in diesem Erklärungsansatz nimmt die Parteiidentifikation ein, da sie sowohl direkt als auch indirekt - über die Einstellungen zu Kandidaten und Sachfragen - auf die Wahlentscheidung einwirkt.
Abb. 1: Das sozialpsychologische Modell des Wahlverhaltens
Parteiidentifikation
Selbstverständlich können hier nicht alle Kausalbeziehungen zwischen den einzelnen Variablen behandelt werden. Das Interesse liegt vielmehr auf dem in Abb. 1 dick eingezeichneten Kausalpfeil von der Parteiidentifikation hin zu der Orientierung in bestimmten Sachfragen. Als Sachfragen werden dabei die individuellen Urteile bezüglich der allgemeinen und persönlichen wirtschaftlichen Lage betrachtet, die gleichzeitig die abhängige Variable darstellen. Eine andere Fragestellung, auf die jedoch hier nicht näher eingegangen wird, würde sich mit den Effekten von Urteilen zur wirtschaftlichen Lage auf das Wahlverhalten befassen. Um im Rahmen des sozialpsychologischen Ansatzes bestimmte Themen als bedeutsame Sachfragen integrieren zu können, müssen diese Themen vom Wähler wahrgenommen werden, als bedeutsam eingeschätzt werden und mit den Positionen einer Partei in Verbindung gebracht werden können (vgl. Campbell et al. 1960: 169 ff.). Ohne Zweifel kann man davon ausgehen, dass die wirtschaftliche Lage von den Bürgern als ein wichtiger Gegenstand gesehen und (vermittelt über die Massenmedien oder über eigene persönliche Erfahrungen) auch deutlich wahrgenommen wird. Darüber hinaus ist es auch plausibel, eine vorliegende ökonomische Situation mit den politischen Parteien, d. h. allen voran mit den Regierungsparteien, in Beziehung zu setzen. Zwar hängt die wirtschaftliche Lage keineswegs nur von deren Tun ab, jedoch ist die Politik (vor allem in hochregulierten Wohlfahrtsstaaten) immer auch für die wirtschaftliche Lage mitverantwortlich. Zum anderen beanspruchen Parteien und Regierungen auf diesem Politikfeld selbst umfangreiche Lösungskompetenzen für sich, was von den Bürgern wahrgenommen wird und fast automatisch zu einer Verantwortungszuschreibung an die Politik im Bereich der Gestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse führt.
2.3 Parteineigung und Sachfragenorientierung
Es muss nun näher auf den Zusammmenhang zwischen der Parteineigung eines Individuums und dessen Einstellungen zu bestimmten Sachfragen oder Issues eingegangen werden.
Eine starke und stabile Parteiidentifikation kann für den Einzelnen zunächst eine Orientierungsfunktion besitzen. Unter der Vielzahl der politischen Sachfragen und der noch größeren Anzahl an unterschiedlichen Positionen in und zu diesen Sachfragen kann das Individuum diejenigen Standpunkte übernehmen, die von jener Partei eingenommen werden, zu der er eine engere affektive, psychologische Verbindung
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in Form der Parteiidentifikation unterhält (vgl. Campbell et al. 1960: 72 ff.). Auf diese Weise wird der politische Themenraum strukturiert und übersichtlich gemacht. Der Parteiidentifizierer muss sich nicht mehr zu jedem Thema eine eigene Position oder Einstellung selbst erarbeiten (etwa durch den Konsum entsprechender Information oder intensives Nachdenken über ein politisches Problem), sondern verlässt sich auf die jeweiligen Standpunkte „seiner“ Partei. Dies spart sowohl Zeit als auch Geld und bewirkt gleichzeitig eine Vermeidung kognitiver Dissonanzen: „Identification with a party raises a perceptual screen through which the individual tends to see what is favorable to his partisan orientation. The stronger the party bond, the more exaggerated the process of selection an perceptual distortion will be.” (Campbell et al. 1960 : 76).
Im sozialpsychologischen Modell des Wahlverhaltens wird daher die Übereinstimmung oder Konsistenz zwischen Parteiidentifikation und den entsprechenden Einstellungen zu politischen Sachfragen als der Normalfall betrachtet, was aber nicht heißt, dass zwischen den eigenen Einstellungen zu bestimmten Issues und der eigenen Parteineigung nicht auch Unstimmigkeiten bestehen können. In einer solchen Situation hat das Individuum die Wahl, sich aufgrund dieser kognitiven Dissonanzen entweder entsprechend der Parteineigung zu verhalten (und die eigene Position in einer Sachfrage an diejenige der Partei anzupassen) oder aber abweichend von der Parteineigung seiner eigenen Einstellung zu folgen. Eine Abweichung von der bestehenden Parteiidentifikation ist im Michigan-Modell durchaus als mögliche Verhaltensweise vorgesehen. Je geringer der Informationsstand einer Person zu einem bestimmten Thema ist und je widersprüchlicher die eintreffenden Informationen dazu sind, desto wahrscheinlicher ist es jedoch, dass sich die Person bei ihrer Beurteilung des betreffenden Problems auf die angebotenen Interpretationen der ihr nahestehenden Mediatoren verlässt:
„Wenn ein Befragter sich zu einem Objektbereich äußern soll, zudem für ihn überprüfbare Informationen fehlen, so wird er ... bei widersprechenden Informationen den Kommunikationsträger wählen, zu dem er eine grundsätzlich positive Beziehung hat (Vertrauen), d. h. er wird bei für ihn nicht überprüfbaren, sich widersprechenden Informationen die Komplexität der Entscheidungssituation reduzieren, indem er durch seinen parteilichen Filter bestimmte Informationen ausscheidet.“ (Roth 1973: 264).
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Die Positionen, die die einzelnen Parteien in bestimmten Sachfragen einnehmen sind zwar nicht immer eindeutig und leicht zu erkennen (besonders in komplizierten und technischen Fragen wie z. B. der Steuer- oder Rentenpolitik), jedoch versuchen die Parteien von sich aus, ihre eigenen Ansichten und Standpunkte intensiv auf der Medienagenda zu platzieren und an die Bürger und Wähler zu verkaufen. Hierbei werden die tatsächlich bestehenden Differenzen zwischen den Parteien in aller Regel deutlich herausgekehrt, was sich in Wahlkampfzeiten noch verstärkt. Auch hinsichtlich der in dieser Datenanalyse relevanten Sachfrage, nämlich der individuellen Urteile zur allgemeinen und persönlichen wirtschaftlichen Lage, kann anschließend an diese Theorie von einer „Färbung“ dieser Urteile entsprechend der Parteineigungen ausgegangen werden. Dieser Schluss wäre nur dann nicht zulässig, wenn die Parteien dieses Thema überhaupt nicht ansprechen würden und der Bürger auf diese Weise keine Möglichkeit hätte, Parteipositionen zu übernehmen. Jedoch gehört gerade die Wirtschaftspolitik wohl zu den am intensivsten und beständigsten in der Politik und den Massenmedien diskutierten Themen. Während zwar die persönliche ökonomische Situation weitgehend selbst erfahren und beurteilt werden kann, wird die Lage der gesamten Volkswirtschaft in erster Linie über die Medien an den Einzelnen vermittelt. Innerhalb der Medienberichterstattung nehmen (besonders im Vorfeld von Wahlen) wiederum die Aussagen der Parteien bzw. ihrer Spitzenvertreter einen breiten Raum ein. Wichtig dabei ist die Tatsache, dass die Parteien entsprechend ihrer Regierungs- bzw. Oppositionsrolle dem Bürger und Wähler bestimmte Interpretationen oder Sichtweisen der wirtschaftlichen Lage anbieten. Anders als bei der Einschätzung der individuellen Wirtschaftslage ist der Einzelne bei der Bewertung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage auf die Informationen angewiesen, die er über die Berichterstattung in den Medien und aus den tagesaktuellen Stellungnahmen der politischen Akteure erhält. Daher „... erscheint es plausibel anzunehmen, daß einige ökonomische Einstellungen nicht nur politische Folgen haben, sondern selbst durch Parteibindungen beeinflußt werden, besonders wenn sie sich auf Gebiete beziehen, bei denen man von einem niedrigen Informations- und Erfahrungshorizont ausgehen muss.“ (Rattinger 1985: 189). Auch vor den Bundestagswahlen 2002 spielten Aussagen der Politiker zur Lage der Wirtschaft im Wahlkampf eine zentrale Rolle. 1 Ausgehend von einer objektiv
1 Roths Anmerkungen zum Bundestagswahlkampf 1972 erscheinen hierbei von großer Aktualität: „Ohne
Zweifel wurden vor und während des Wahlkampfes unterschiedliche und zum Teil sich widersprechende
Informationen zur gegenwärtigen und zukünftigen Wirtschaftslage von den Parteien (...) ausgesandt. Auch die
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Markus Heindl, 2003, Auswirkungen individueller Parteipräferenzen auf die Bewertung der wirtschaftlichen Lage 1994-2002, München, GRIN Verlag GmbH
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