Innerweltliche Askese als Ursprung des modernen Kapitalismus? Die Entwicklung von außerweltlichen und innerweltlichen Askese hin zum Kapitalismus
1 Inwieweit war die innerweltliche Askese ausschlaggebend für die Genese
des Kapitalismus?
2 Rationalisierung als Wegbereiter des ethischen Monotheismus?
2.1 Allgemeine Definition von „okzidentaler Rationalismus“ 2.2 Entstehung der innerweltlichen Askese durch Rationalisierung 2.3 Entwicklung der Gotteskonzeption durch Rationalisierung der Weltbilder
3 Katholizismus – erste Zeichen von rationalem Handeln
4 Luthers Reformation als Übergang von außerweltlichen zur innerweltlichen
Askese
5 Calvinismus als höchste Form der rationalen methodischen Lebensführung
6 Die Genese des Kapitalismus als direkte und indirekte Folge des
Calvinismus
7 Kritische Betrachtungen zu Webers Auffassung, dass der Calvinismus der
Wegbereiter des Kapitalismus darstellt
8 Literaturverzeichnis
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1 Inwieweit war die innerweltliche Askese ausschlaggebend für die Genese
des Kapitalismus
Max Weber befasst sich in den >Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie< mit der Thematik der Genese des >kapitalistischen Geistes<.
Anstoß zu diesen Überlegungen gibt ihm eine Studie einer seiner Schüler, die herausfand, dass der Kapitalbesitz hauptsächlich bei den Protestanten vorhanden ist.
Anhand dieses Phänomens versucht Weber die Genese des Kapitalismus zu erklären, der als Teilerscheinung der Rationalisierung verstanden werden kann. Als Vergleichsmöglichkeiten beschäftigt er sich mit allen Weltreligionen, um aufzeigen zu können, das die Genese des Kapitalismus und dessen Rationalisierung nur im Okzident möglich war. Nur hier kam es zur Ausbildung einer rationalen Wissenschaft.
Die Rationalisierung der bestehenden Ordnungen der Welt ist ausschlaggebend für die Entwicklung der protestantischen Ethik.
Diese Rationalisierung beeinflusst die gesamte Lebensführung der Menschen. Es entsteht die außerweltliche< und >innerweltliche< Askese, die man mit Katholizismus und Protestantismus in Verbindung setzen kann. Die Weiterentwicklung von Katholizismus über Luthertum zum Calvinismus setzt einen Prozess in Gang, der eine rational methodische Lebensführung hervorbringt.
Da stellen sich die Fragen, inwieweit diese rational methodische Lebensführung mit der gesteigerten Berufspflicht in Verbindung zu bringen ist? Und warum wird gerade im Calvinismus die Berufsarbeit so hoch angesehen? Meine Arbeit wird die Genese des Kapitalismus anhand Webers Gedanken aufzeigen. Wichtige Faktoren sind die Rationalisierung, der Übergang vom Katholizismus zum Calvinismus und die daraus entstehende Entwicklung der Berufsarbeit.
Meine Arbeit wird darstellen, inwieweit die >innerweltliche< Askese für die Genese des Kapitalismus ausschlaggebend ist.
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2 Rationalisierung als Wegbereiter des ethischen Monotheismus?
2.1 Allgemeine Definition von „okzidentaler Rationalismus“
Okzidentaler Rationalismus ist „ein den modernen abendländischen Kapitalismus hervorbringendes, auf Beherrschung abstellendes Weltverhältnis, das zunächst im ökonomischen Bereich erscheint sowohl in Form einer marktmäßigen, auf rationaler Betriebsorganisation und formell freier Arbeit gründender Kapitalverwertung als auch im Geiste innerweltlicher aktiver Askese auf der Basis der Idee der Berufspflicht, um sodann die übrigen Lebensordnungen wie Politik, Wissenschaft, Kunst, etc. zu durchdringen und nach universeller Bedeutung und Gültigkeit zu streben.“ (Lexikon zur Soziologie 1995: 593)
2.2 Entstehung der innerweltlichen Askese durch Rationalisierung
Als „Rationalismus“ bezeichnet Weber die Entwicklung von bereits im vorkapitalistischen Zeitalter bestehenden kapitalistischen Wirtschaftsformen hin zum modernen Kapitalismus. Der moderne Kapitalismus ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger auf stetigen Gewinn gerichtet, nicht auf Spekulation hoher Gewinne. (vgl. Bosse 1970: 24) Nach Weber sind vielschichtige Vorgänge dafür verantwortlich, dass sich der Rationalismus als Universalstruktur in der okzidentalen Kultur in allen gesellschaftlichen Bereichen durchsetzt. Es gibt verschiedenen Arten der Rationalisierung, z.B. „>Rationalisierungen< der mystischen Kontemplation (...) ebenso gut wie Rationalisierungen der Wissenschaft, der Technik, des wissenschaftlichen Arbeitens, der Erziehung, des Krieges, der Rechtspflege und der Verwaltung. (...) Rationalisierungen hat es (...) auf den verschiedenen Lebensgebieten in höchst verschiedener Art in allen Kulturkreisen gegeben. Charakteristisch (...) ist erst: welche Sphären und in welcher Richtung sie rationalisiert wurden.“ (Weber 10: 7811f)
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Geschichtlich bedeutende Faktoren sind die „Entwicklung des römischen Rechts, die mittelalterliche Stadt mit ihren ständischen Ordnungen sowie die hellenistische Geisteskultur“. (Hagenloch 1995: 150) Im Okzident entstand eine rationale Wissenschaft und Technik, eine rationale Struktur des Rechts und der Verwaltung sowie eine rationale bürokratische Organisation des Staates. Signifikante Kennzeichen des modernen Rationalismus sind rationale Kapitalrechnung, exakte Kalkulation und rationale Kapitalverwertung. Im Vordergrund steht der Gewinn, mit dem vorrangigen Prinzip der Rentabilität. Hieraus entwickelte sich der Kapitalismus.
Die Kulturbereiche – Ökonomie, Technik, „Lebensführung“, Wissenschaft, Kunst – lösen sich im „modernen okzidentalen Rationalismus“ von ihren früheren religiösen Bindungen ideellen oder institutionellen Charakters. Diesen Vorgang bezeichnet Weber als Säkularisierung, der in der okzidentalen Geschichte die „Schlussphase des langen Rationalisierungsprozesses“ bedeutet. (Bosse 1970: 24) Dieser abendländischen Rationalisierungs- und Säkularisierungsprozess wird von Weber auch als „Entzauberung der Welt“ bezeichnet, als „die Befreiung der Menschen von magischen Schranken der Naturbeherrschung und menschliche Sinnerfüllung.“ (Bosse 1970: 26) Die Rationalisierung des Okzident ermöglichte den Übergang zur Modernen, und setzt den „Geist“ des Kapitalismus frei, „indem (sie) in fundamentaler Weise die Verhaltensstrukturen der Menschen beeinflusste“. (Hagenloch 1970: 149) Diese Beeinflussung findet sich in der Eigenart des asketischen Protestantismus wieder, der eine methodisch rationale Lebensführung vorsieht, und „dessen Grundvorstellung das spezifische Berufsethos mitsamt inneren Einstellung zum Gelderwerb als höchste ethische Pflicht hervorbrachte“. (Hagenloch 970: 155) Durch das Wandlungspotential des asketischen Protestantismus konnten die mittelalterlichen Ordnungen überwunden und die Formen des Handelns vorangetrieben werden. Hierin sieht Weber eine der wesentlichen Antriebe für die Genese des modernen okzidentalen Kapitalismus. Der Geist der christlichen Askese ist nicht nur eine
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Rationalisierungsprozesses, er ist vielmehr der Wegbereiter in die „Modernen“ “. (Hagenloch 1970: 155)
2.3 Entwicklung der Gottesvorstellung durch Rationalisierung der
Weltbilder
Mit einem Vergleich zwischen der katholischen und protestantischen Tradition lassen sich die Unterschiede zwischen dem okzidentalen und modernem okzidentalen Rationalismus sichtbar machen.
Webers Religionssoziologie enthält eine „rudimentäre Theorie von Stufen der Rationalisierung, die nach dem Grad der systematischen Einheitlichkeit des „Weltbildes“ und nach dem Grad seines magischen Gehalts geordnet sind“. (Schluchter 1980: 115) Durch die Entzauberungsthese werden die Stufen der Rationalisierung miteinander verbunden. Die Schritte sind folgende: die religiöse Formen der Weltablehnung, der Weltbeherrschung und die dialektische Entwicklung des Rationalismus der Weltbeherrschung. (vgl.
Schluchter 1980: 15) Das magische Weltbild enthält die Beziehung der Menschen zu ihren Göttern als Gotteszwang. In dieser Ansicht fehlt die zentrale Vorstellung, die für jede „Erlösungsreligion“ gilt: „dass denjenigen, welcher die gottgewollten Normen verletzt, das ethische Missfallen des Gottes trifft, welcher jene Ordnungen unter spezifischen Schutz stellt.“ ( Schluchter 1980: 16) Nach Weber liegt ein entscheidender weltbildimmanenter Entwicklungsfaktor in der Ausarbeitung des Gedanken, dass die Götter die Ordnungen gesetzt haben und deren Einhaltung überwachen. Hier liegt der Unterschied zur Magie, denn das Schicksal wurde nicht durch die Lebensführung entschieden, sondern durch Zauber. (vgl. Schluchter 1980: 16) Durch die Ausarbeitung dieses dualistischen Weltbildes wird der Weg geebnet der die Weltablehnung zur Folge hatte, mit der Tendenz zur Überordnung der „Hinterwelt“ über die „Welt“. Die Systematisierung der Gottesvorstellung ist eine
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Stefanie Meyer, 2000, Außerweltliche Askese versus Innerweltliche Askese - Zur Typologie des Rationalismus der 'Weltablehnung' unter Berücksichtigung der Genese des sogenannten 'okzidentalen Rationalismus', Munich, GRIN Publishing GmbH
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