Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Forschendes Lernen 2
2.1. Begriffsdefinition 3
2.2. Forschendes Lernen und Schulalltag 5
3. Schülerlabore 6
3.1. Das Politiklabor der Universität Hannover 6
3.2. Das EU-Projekt Sauce 8
4. Forschendes Lernen in Schülerlaboren 8
4.1. Lerntheoretischer Rahmen 9
4.2. Lernprozess 10
4.3. Fähigkeiten und Kompetenzen 12
4.4. Zusammenfassung 13
5. Resümee 14
6. Quellenverzeichnis 16
1. Einleitung
Der eigentliche Zweck des Lernens ist nicht das Wissen, sondern das Handeln. Mit dieser Feststellung beschrieb der englische Soziologe und Philosoph Herbert Spencer (1820-1903) bereits im 19. Jahrhundert einen immer noch sehr modernen Lernbegriff. Demnach ist Lernen nur dann sinnvoll, wenn es den Lerner zum Handeln aktiviert und kognitiv herausfordert. Dahingegen ist die bloße Aneignung von Wissen wenig nachhaltig und befähigt selten zum eigenständigen Handeln. Ziel eines jeden Lernprozesses sollte es aber sein, sowohl den individuellen Wissens- als auch Kompetenzbereich jedes Lerners zu erweitern. Dabei ist es vor allem im Politikunterricht wichtig, den/die SchülerIn zu einem handlungs- und problemlösungsfähigen Subjekt zu erziehen, das den politischen Alltag als mündiger Bürger aktiv mitgestaltet.
Um das Lernen in der Politischen Bildung als eine Verbindung aus Wissensaneignung und Handlungsbefähigung zu gestalten, wurden in den letzten Jahren immer häufiger Projekte entwickelt, die an außerschulischen Orten eine schüleraktivierende Lernumgebung umsetzen. Vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich existieren schon viele so genannte Schülerlabore, doch auch in den geisteswissenschaftlichen Fächern gewinnt das Lernen in Schülerlaboren immer mehr an Relevanz. Zentrale Begriffe sind dabei das Entdeckende Lernen und das Forschende Lernen. Beide verstehen den Lerner als Subjekt, das seinen Lernweg selbst gestaltet und sich Wissen mittels eigens gewählter Lernstrategien aneignet. Subjektiv Neues wird erlernt, sodass der Lernprozess und die Lernziele - anders als im gängigen Schulunterricht - sehr unterschiedlich ablaufen. Ungleich ist diesen beiden Lernformen die konkrete Umsetzung des Lernprozesses. Während das Entdeckende Lernen eine eher unsystematischen „Lernstreifzug“ beschreibt, liegt dem Forschenden Lernen ein wissenschaftlicher Forschungsanspruch zugrunde. In dieser Hausarbeit geht es darum, den im Schulalltag immer noch selten auftauchenden Begriff des Forschenden Lernens näher zu beschreiben. Um die rein deskriptive Ebene zu verlassen, dienen zwei sozialwissenschaftliche Schülerlabore als Bezugspunkt der Forschendes Lernen realiter umsetzt: das Politiklabor der Leibniz Universität Hannover und das EU-Projekt Sauce 1 . Es wird der Frage nachgegangen, ob und inwiefern diese beiden Lernprojekte das Forschende Lernen unterstützen. Zuvor muss eine theoretische Grundlage zum Forschenden Lernen geschaffen werden, indem im zweiten Kapitel der Begriff „Forschendes Lernen“ genauer definiert wird. Welcher Voraussetzungen bedarf Forschendes Lernen? Welche Instrumente bedient sich
1 Schools At University for Climate and Energy.
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der Lerner beim Forschenden Lernen? Welche Ziele verfolgt diese Art der Lerngestaltung? Zu dieser definitorischen Herangehensweise werden die Beiträge von Aepkers (2002), Detjen (2005), Hartmann (2007), Lange/Heldt (2009) und Ziegler/Jung (2007) unterstützend zurate gezogen. Alle Aufsätze befassen sich mit dem Thema des Forschenden Lernens, wobei sich Detjen genauer mit den Instrumenten des Forschenden Lernens beschäftigt und Lange/Heldt ihre Ausarbeitung zum Forschenden Lernen mit konkretem Bezug zum Politiklabor besprechen.
Im dritten Kapitel werden das Politiklabor und Sauce kurz skizziert, um im vierten Kapitel schließlich einen Vergleich der beiden Schülerlabore im Bezug auf das Forschende Lernen durchzuführen. Dabei werden einzelne Aspekte des Oberbegriffs des Forschenden Lernens herausgegriffen und die beiden Schülerlabore somit gegenüber gestellt. Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, das Forschende Lernen in Schülerlaboren zu beschreiben und an konkreten Beispielen greifbar zu machen. Auf welche Weise wird die freie Lernform des Forschenden Lernens umgesetzt, wo und aus welchem Grund treten gegebenenfalls Mängel auf und was unterscheidet die beiden hier beschrieben sozialwissenschaftlichen Schülerlabore voneinander? Welche Rolle spielt Forschendes Lernen schließlich in der Politischen Bildung? Es sollen die Vor- und Nachteile dieser Lernform besprochen und Chancen aufgezeigt werden, die das Forschende Lernen im Politikunterricht dem Lerner als eigenständiges Mitglied der Gesellschaft eröffnet.
2. Forschendes Lernen
Der Begriff des Forschenden Lernens wurde erstmals 1970 auf der Bundesassistentenkonferenz (BAK) eingeführt. Inhalte des Forschenden Lernens waren nach der BAK die selbstständige Wahl des Themas, eine eigenständige Methodenwahl zum Forschen, mithilfe der Lehrperson den Ansprüchen wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen wie den Forschungsprozess logisch konsequent durchzuführen oder Erkenntnisse und Instrumente auf ihre Hinreichung sowie Ergebnisse zu prüfen (vgl. Aepkers 2002, S. 71f.). Darüber hinaus sollte beim Forschenden Lernen die Resultate vorgestellt werden, indem ihre Bedeutung für das Forschungsvorgehen klar gemacht und der Forschungsweg nachprüfbar und reflektiert dargestellt wurde (vgl. Aepkers 2002, S. 72). Trotz dieser klaren Vorgaben besteht bis heute keine allgemeingültige Definition sowie anerkannte Lern-Lehr-Theorie zum Forschenden Lernen. Gleichwohl versuche ich im Weiteren eine Annährung an das Konzept.
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2.1. Begriffsdefinition Forschendes Lernen ist
ein aktiver, produktiver und vor allem selbstständiger Lernprozess, bei dem der Lernende die Frage stellt bzw. das Problem selbstständig erörtert und sich dann auf den Weg macht - von Einfallsreichtum und Experimentierfreude gestützt - eine Antwort bzw. Lösung herbeizuführen. (Aepkers 2002, S. 73)
Nach Aepkers wird der Lerner beim Forschenden Lernen demzufolge auf ein Problem hingewiesen und dazu aufgefordert, Lösungsmöglichkeiten durch forschendes Agieren selbst zu erarbeiten. Dabei kommt es nicht so sehr auf die wissenschaftliche Richtigkeit der Ergebnisse als vielmehr auf den Erkenntnisweg an: Der forschende Weg ist das Ziel. Wichtig ist vor allem das eigene Forschungsinteresse des Lerners, sodass der intrinsischen Motivation eine enorme Gewichtung beim Forschenden Lernen zukommt. Die intrinsische Motivation wird gefördert, indem „bisher subjektiv Unbekanntes in den eigenen Wissenshorizont“ (Detjen 2005, S. 566) erhoben wird. Es ist unerheblich, ob die Erkenntnisse des Lerners für die Wissenschaft wirklich neu sind. Bedeutender ist, dass das neue Wissen an bereits vorhandene kognitive Strukturen anknüpft und diese erweitert. Im Zentrum Forschenden Lernens stehen also neben dem Forschungsprozess an sich auch der Gewinn subjektiv neuer Erkenntnisse sowie die Fähigkeit zur Problembewältigung. Jeder forschende Lernprozess läuft somit individuell unterschiedlich ab, weil Probleme aufgrund subjektiver Interessen gewählt werden und an die jeweiligen kognitiven Strukturen anknüpfen. Besonders begabte SchülerInnen können sich austesten und neue Grenzen erfahren, während andere SchülerInnen mit einem eigens gewählten Tempo den Forschungsprozess Schritt für Schritt vollziehen können. Lange/Heldt fassen zusammen, dass Forschendes Lernen insgesamt
auf einen Dreiklang aus Erkenntnis, Reflexion und Verständnis [abzielt]: Neben dem Gewinn selbst erschlossenen Wissens ist die Fähigkeit zentral, eigene und von anderen gewonnene Erkenntnisse kritisch einzuordnen und exemplarisch die Entstehung von Wissen zu erfahren. (Lange/Heldt 2009, S. 122)
Ein erfolgreicher Forschungsprozess zeigt sich demzufolge in der gewonnnen Fähigkeit des Schülers/der Schülerin, kritisch und reflektiert mit neu erworbenem Wissen umzugehen statt es ohne Hinterfragen aufzunehmen.
In der Schule steht dieses Lernverständnis im klaren Gegensatz zum lehrerzentrierten, rein rezeptivem Lernen. Der „Unterricht [kann] nur dann zureichend verstanden werden […], wenn dieser als ‚Arbeit’ verstanden wird, und zwar als Arbeit des Schülers“ (Hartmann 2007, S. 324). Beim Forschenden Lernen steht der Lerner und sein individuelles Erkenntnisinteresse im Mittelpunkt des Lerngeschehens und nicht das vom Lehrer
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Arbeit zitieren:
B.A. Julia Krüger, 2010, Forschendes Lernen in Schülerlaboren, München, GRIN Verlag GmbH
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