I
Inhaltsverzeichnis
Seite
Abbildungsverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis IV
1
1 Einleitung
1.1 Einführung und Zielsetzung der Arbeit 1
1.2 Aufbau der Arbeit 3
4
2 Nachhaltigkeit
2.1 Begriffsdefinition 4
2.2 Unternehmensziel Nachhaltigkeit 6
12
3 Nachhaltigkeitskonzepte in Unternehmen
3.1 Umweltmanagementsysteme 12
3.1.1 Normatives Umweltmanagement 14
3.1.2 Strategisches Umweltmanagement 15
3.1.3 Operatives Umweltmanagement 16
3.1.4 Umweltmangementsysteme 17
3.2 Ökocontrolling 18
3.2.1 Strategisches Ökocontrolling 20
3.2.2 Operatives Ökocontrolling 21
3.2.3 Instrumente des Ökocontrollings 22
3.3 Ökobilanz 23
3.3.1 Methodik 25
3.3.2 Anwendungsfelder von Ökobilanzen 26
3.4 Nachhaltige und umweltorientierte Innovationen 28
3.4.1 Nutzerintegration in den Innovationsprozess 31
3.4.2 Reboundeffekte 33
35 4 Nachhaltigkeit im Kontext beruflicher Bildung
44 5 Kritik 46 6 Schluss / Fazit
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Zieldimensionen und Herausforderungen unternehmerischer 8
Nachhaltigkeit
Abbidlung 2: Mögliche Erfolgswirkungen von Nachhaltigkeit 10
Abbildung 3: Komponenten des Umweltmanagements 13
Abbildung 4: Instrumente des Ökocontrollings 23
Abbidlung 5: Rahmen einer Ökobilanz 25
Abbildung 6: Schema der Ökobilanzierung des IÖW 27
Abkürzungsverzeichnis BBNE Berufliche Bildung für eine nachhaltige Entwicklung
BNE Bildung für eine nachhaltige Entwicklung
BIBB Bundesinstitut für berufliche Bildung
BLK Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung
KMK Kultusministerkonferenz
SRU Sachverständigenrat für Umweltfragen
WBGU Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung: Globale Umweltveränderungen
1 Einleitung
1.1 Einführung und Zielsetzung der Arbeit
Zu den größten Herausforderungen unserer Zeit gehört es, den Wohlstand zu sichern, ohne dabei die natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören. Um dies zu erreichen, setzen Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und auch Unternehmen weltweit auf das Prinzip der Nachhaltigkeit. Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung, international unter dem Stichwort sustainable development bekannt, hat sich zu einem zentralen Begriff entwickelt, anhand dessen über die zukünftige Entwicklung der Menschheit diskutiert wird. Es bezeichnet einen Prozess gesellschaftlicher Veränderung, bei dem der Begriff der Nachhaltigkeit, der als sustainability bezeichnet wird, das Ende eines solchen Prozesses, also einen Zustand beschreibt. 1 Nach der heute überwiegend akzeptierten Definition ist nachhaltige Entwicklung dann realisiert, wenn die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt werden, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. Das Konzept ist ein weltweit anerkanntes Leitbild in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Es zielt auf eine Umsteuerung auf globaler, nationaler und lokaler Ebene ab, um die Lebenssituation der heutigen Generation und die kommender Generationen zu verbessern. Gleichzeitig sollen die Lebens- und Entwicklungschancen erhöht werden. 2 Für Unternehmen bietet diese Entwicklung eine Vielzahl an Chancen und Herausforderungen. Ihr Blick richtet sich nicht mehr allein auf Produktionsprozesse, Produkte und technische Innovationen, sondern in zunehmenden Maße auf die Art und Weise, wie Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus genutzt werden und auf die Frage, inwieweit Produkte und Dienstleistungen global und dauerhaft übertragbare Konsum- und Lebensstile unterstützen. 3 Durch die Fokussierung auf Nachhaltigkeit im Herstellungsprozess oder durch die Produktion nachhaltiger Produktionsgüter können Unternehmen neue Märkte erschließen, Wettbewerbsvorteile aufbauen und Reputationsvorsprünge sichern. 4 Die Öffentlichkeit wie Medien, Presse, Shareholder und Stakeholder zeigen ein steigendes Interesse an der Unternehmensführung und deren
1 vgl. Grundwald, A. / Kopfmüller, J.: Nachhaltigkeit, 2006, S. 6.
2 vgl. Grundwald, A. / Kopfmüller, J.: Nachhaltigkeit, 2006, S. 27-29.
3 vgl. Fichter, K.: Modelle der Nutzerintegration, 2005, S. 10
4 Vgl. Herzig, C./ Schaltegger, S.: Nachhaltiges Unternehmertun, in: Merz, J./ Wagner, J. (Hrgs.):
Perspektiven der Mittelstandsforschung. Ökonomische Analysen zu Selbständigkeit, Freien Berufen und
KMU, 2004, S. 361
Handlungsweisen. Unternehmen haben erkannt, dass soziale und ökologische Indikatoren den Markterfolg essentiell beeinflussen können. Unternehmerische Selbstverantwortung, auch bekannt unter dem englischen Begriff Corporate social responsibility, ist bereits heute für zahlreiche Unternehmen ein Instrument der Unternehmenssteuerung, das die Erreichung nachhaltigen Erfolgs erst möglich macht und zu einer „Win-Win-Situation“ für Unternehmen und Gesellschaft führt 5 . Nachhaltigkeit als gesamtgesellschaftliches Ziel ist aber nicht nur durch Beiträge der Ökonomie zu erreichen. Neben Vertretern aus der Wirtschaft müssen auch weitere gesellschaftliche Gruppen aus den Bereichen der Politik, der Wissenschaft und der Bildung in einen engen Dialog miteinander treten, um nachhaltige Entwicklung zu generieren. Die Bildung nimmt hierbei eine sehr bedeutungsvolle Rolle im Nachhaltigkeitsdiskurs ein. Nachhaltige Handlungsweisen bedingen Lern- und Veränderungsherausforderungen sowohl für die Gesellschaft und ihre Institutionen als auch für einzelne Personen. 6 Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben zu lernen, wie er die Zukunft im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung mitgestalten kann. Die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung steht vor der Herausforderung, im gesamten Bildungssystem, sei es in Kindergärten, Schulen, Erwachsenenbildungseinrichtungen oder Hochschulen, Menschen die Möglichkeit zu geben, einen Sinn und ein Gespür für eine nachhaltige Gestaltung der Zukunft nicht nur zu erlernen, sondern vor allem selbst zu entwickeln. In diesem Kontext kommt der beruflichen Bildung hierbei eine besondere Bedeutung zu, da sie im Vergleich zu anderen Bildungsbereichen unmittelbar mit dem Beschäftigungssystem verknüpft ist. Berufliche Bildung hat also die Aufgabe, Lernende so zu qualifizieren, dass sie den Anforderungen der Unternehmen im Hinblick auf eine nachhaltigkeitsorientierte Unternehmensführung gerecht werden können. 7 Bereits in der Agenda 21 wird der beruflichen Bildung eine herausragende Rolle beigemessen. Sie ist neben der allgemeinen schulischen Bildung und der universitären Forschung eines der bedeutendsten Umsetzungsfelder bei der Implementierung des Leitbildes der Nachhaltigkeit in die Gesellschaft. Die berufliche Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BBNE) gilt als eine der wichtigsten Voraussetzungen für die
5 Vgl. Grewe, W./ Löffler, J.: Aspekte, in: Gazdar, K. et al. (Hrsg.): Erfolgsfaktor Verantwortung. Corporate
Social Responsibility professionell managen, 2006, S. 43.
6 Vgl. Hoffmann, E. et al.: Gesellschaftliches Lernen, in: Hoffmann, E. et al. (Hrsg.): Gesellschaftliches
Lernen und Nachhaltigkeit, 2007, S. 18.
7 Vgl. Fischer, A.: Handlungsfeld Berufliche Bildung, in: Michelsen, G./ Godemann, J. (Hrsg.): Handbuch
Nachhaltigkeitskommunikation, 2005, S. 798.
Entwicklung der menschlichen Ressourcen im Bereich der Nachhaltigkeit und für die Erleichterung des Überganges in eine nachhaltige Welt. 8
Das Ziel dieser Masterarbeit besteht darin, einen Überblick über das komplexe Thema der Nachhaltigkeit in den Bereichen der Unternehmensführung und der beruflichen Bildung zu geben, um somit Handlungsweisen aufzuzeigen, wie das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung in den Bereichen von betrieblicher Ökonomie und Berufsbildung erreicht werden kann.
1.2 Aufbau der Arbeit
Um das Ziel dieser Masterarbeit zu erreichen, soll zunächst eine ausführliche Klärung des Begriffes der Nachhaltigkeit erfolgen, woraufhin aufgezeigt werden soll, welchen Einfluss das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung im Rahmen unternehmerischer Entscheidungen hat bzw. haben kann. Hierbei sollen Auswirkungen und Zielgrößen von Nachhaltigkeit im Kontext des Unternehmens erläutert werden. Daraufhin sollen vier verschiedene Unternehmensinstrumente vorgestellt und skizziert werden, die zur Generierung von Nachhaltigkeit und als Hilfsmittel zur Durchsetzung von nachhaltigen Absichten im Unternehmen herangezogen werden. Der Aufbau, die Zielsetzung, sowie die Anwendung dieser vier Instrumente im Umfeld des unternehmerischen Handelns werden dabei näher beschrieben. Im Anschluss daran soll erläutert werden, wie das Prinzip der Nachhaltigkeit und der Umweltbildung im Bereich der beruflichen Bildung angewendet und umgesetzt wird. Es soll erklärt werden, inwiefern eine Verknüpfung des Begriffes der Nachhaltigkeit mit dem Bildungssektor erfolgt. Nach einer kurzen kritischen Betrachtung des Nachhaltigkeitsbegriffes wird abschließend im sechsten und letzten Kapitel ein Fazit gezogen. Um dieser Arbeit einen möglichst adäquaten, differenzierten und expliziten Charakter zu geben, wird auf eine hohe Vielzahl an wissenschaftlichen Quellen zurückgegriffen, um die beschriebenen Teildisziplinen möglichst präzise beschreiben zu können.
8 Vgl. Mertineit, K./ Exner, V.: Berufsbildung, 2003, S. 217.
2 Nachhaltigkeit
2.1 Begriffsdefinition
Der Begriff der Nachhaltigkeit fand das erste Mal im 18. Jahrhundert in der deutschen Sprache Einzug. Im Bereich der Ökonomie hat erstmals Hans Carl von Carlowitz den Terminus in Bezug auf die Forstwirtschaft benutzt. In diesem Zusammenhang wird als „nachhaltig“ die Bewirtschaftungsweise eines Waldes bezeichnet, wenn in diesem nur so viel Holz geschlagen wird, wie nachwachsen kann, sodass sich der Baum- bzw. Holzbestand selbständig regeneriert. 9 Die Einführung des Begriffs der nachhaltigen Entwicklung und die damit verbundene Konzeptentwicklung sind auf verschiedene Studien und Konferenzen zurückzuführen. Angestoßen wurde die Diskussion 1972 durch den Club of Rome 10 mit der Veröffentlichung des Berichts „Die Grenzen des Wachstums zur Lage der Menschheit“. Darin wurde ein Szenario entwickelt, das für das Jahr 2030 bei anhaltendem industriellen Wachstum nach westlichem Vorbild den Kollaps der Welt prophezeite und die Begrenzung der natürlichen Ressourcen deutlich werden ließ. 11 Im Laufe der 1970er Jahre etablierte sich der Begriff Nachhaltigkeit in der Öffentlichkeit und wurde vor allem im Rahmen der aufkommenden Öko- und Anti-Atomkraftbewegung in erster Linie im ökologischen Handlungsfeld gebraucht. 12 Im Jahre 1987 definierte die UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung unter dem Vorsitz des damaligen norwegischen Ministerpräsidenten Gro Harlem Brundtland 13 den Begriff der Nachhaltigkeit als eine Entwicklung, „die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ 14 Zusammenfassend sah die Kommission vier zentrale Problembereiche: 1. Die Ausbeutung natürlicher Ressourcen,
2. wachsende Ungleichheit in den Einkommens- und Vermögensstrukturen, 3. die zunehmende Anzahl der in Armut lebenden Menschen,
9 Vgl. Tremmel, J.: Nachhaltigkeit, 2003, S. 17 f.
10 Der Club of Rome wurde 1968 in Rom gegründet und beschreibt sich selbst als nicht-profitorientierte,
nicht-staatliche Organisation mit dem Ziel, Wissenschaftler, Ökonomen, Geschäftsleute,
Regierungsmitglieder, etc. zusammenzubringen, um die Welt in Hinblick auf Politik, Soziales, Technik,
Ökonomie, Ökologie und Kultur zu verbessern.
Vgl. http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/mission_des_club_of_rome_540.htm
11 Vgl. Molitor, H.: Nachhaltige Orientierungen, 2003, S. 19.
12 Vgl. Pfriem, R./ Paech, N.: Konzepte der Nachhaltigkeit, 2004, S.94-96.
13 In Anlehnung an den Vorsitzenden auch als „Brundtland-Kommission“ bekannt.
14 Hauff, V.: Zukunft, 1987, S. 46.
4. Bedrohung von Frieden und Sicherheit.
Die Brundtland-Kommission sah also neben dem Ziel der Bewahrung und des Schutzes der Umwelt die Herstellung sozialer Gerechtigkeit sowie die Gewährleistung politischer Partizipation als Ziel der nachhaltigen Entwicklung. 15 Entgegen zahlreicher Annahmen bedeutet der Begriff Nachhaltigkeit also weitaus mehr als nur Umweltschutz. Nachhaltigkeit umfasst neben ökologischen auch ökonomische und soziale Ziele. Diese können aber nur erreicht werden, wenn Wissenschaft, Wirtschaft und weitere gesellschaftliche Gruppen eng und systematisch zusammenarbeiten, um eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten. Nachhaltige Entwicklung hat das Ziel, die beiden Bereiche Umwelt und Entwicklung zusammenzuführen und zu etwas Neuem zu vereinen. 16 Die Anwendung naturwissenschaftlicher und technischer Erkenntnisse kann heutige wie künftige Generationen belasten und die mit dem rasanten wirtschaftlichen Aufstieg verbrauchten Ressourcen stehen künftigen Generationen nicht mehr zur Verfügung, was mitunter auch zur Folge hat, dass manche Lebensbedingungen und Arbeitsverhältnisse sich nicht mehr als human bezeichnen lassen. 17 Ungerechtigkeiten in der Verteilung von Lebenschancen bestehen national wie global. Die bestehenden Konsummuster und Verbräuche in den hoch entwickelten Ländern sind weitaus größer als sie sein dürften, würde man diese Verbräuche allen Menschen zugestehen wollen. Diese Probleme, Risiken und Gefahren müssen erkannt, analysiert, bewertet und reduziert werden. 18 Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung gewann seit dem Bericht der Brundtland-Kommission im Laufe der Jahre weltweite Aufmerksamkeit und wird seitdem vor allem in Politik und Wissenschaft als Leitprinzip zukünftiger Entwicklungen diskutiert. Auf dem Umweltgipfel der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro im Jahr 1992 wurde dieser Ansatz bestätigt und es wurde dabei festgehalten, dass ein ökologisches Gleichgewicht nur dann erreicht werden könne, wenn parallel dazu soziale Gerechtigkeit und ökonomische Sicherheit angestrebt würden. 19 Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland erläuterte das Leitbild der Nachhaltigkeit im Jahr 2002. Demnach ist nachhaltige Entwicklung durch folgende Grundprinzipien gekennzeichnet:
15 Vgl. Grundwald, A./ Kopfmüller, J.: Nachhaltigkeit, 2006, S. 21.
16 Vgl. Stahlmann, V.: Lernziel, 2008, S. 157.
17 Vgl. de Haan, G.: Lehren und Lernen nachhaltig, in: Hellwig, M./ Hemker, R. (Hrsg): Jahrbuch für
Nachhaltigkeit 2007, 2008, S. 15.
18 Vgl. de Haan, G.: Lehren und Lernen nachhaltig, in: Hellwig, M./ Hemker, R. (Hrsg): Jahrbuch für
Nachhaltigkeit 2007, 2008, S. 16-18.
19 Vgl. Seeber, G./ Krämer, J.: Ökonomie und Ökologie, 2007, S. 53.
- Das Prinzip der Generationsverantwortung, welches die Beachtung der Belange nachfolgender Generationen beinhaltet,
- das Integrationsprinzip, das Verknüpfung von sozialen, ökonomischen und ökologischen Zielen beinhaltet und
- das Partizipationsprinzip, das auf eine Stärkung der Eigenverantwortung der verschiedenen Akteure (Wirtschaft, Wissenschaft, gesellschaftliche Gruppen, einzelne Bürgerinnen und Bürger) bei der Entwicklung und Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien gerichtet ist. 20
Zusammenfassend ist also zu sagen, dass Nachhaltigkeit eine Form des menschlichen Zusammenlebens unter Beachtung ökonomischer, ökologischer und sozialer Stabilitäts-und Entfaltungskriterien beinhaltet. 21 Im Laufe der historischen Entwicklung haben sich die Verantwortung für zukünftige Generationen und die Verantwortung für die heute lebenden Menschen in globaler Perspektive als ethische Grundlagen nachhaltiger Entwicklung herausgebildet. Daraus resultieren weit reichende Gestaltungserfordernisse und unter Umständen auch Konflikte zwischen verschiedenen Aspekten nachhaltiger Entwicklung. 22 Inwiefern Nachhaltigkeit im Bezugsrahmen von Unternehmen behandelt wird, ist in folgendem Abschnitt aufgezeigt.
2.2 Unternehmensziel Nachhaltigkeit
Abgesehen von wenigen Ausnahmen, wie z. B. David Ricardo oder Thomas Malthus, maß die klassische Ökonomieliteratur dem Erhalt der natürlichen Ressourcen keine wesentliche Bedeutung zu. Erst im Zuge der UN-Umweltkonferenz 1972 in Stockholm, der Erd-Öl-Preiskrise 1973/74 und der ersten Studien über die „Grenzen des Wachstums“ rückte ins Bewusstsein, dass die natürlichen Ressourcen nicht unendlich sind und von der Menschheit überbenutzt werden. 23 Ausgehend von ihren auf ökonomischen Mitteln wie auch auf ihrem Wissen beruhenden Einflussmöglichkeiten sind Unternehmen nicht mehr nur passive Anpasser, sondern beeinflussen die Entstehung von gesetzlichen Regelungen, artikulieren sich in öffentlichen Diskursen und versuchen auch das Verhalten der Akteure am Markt zu beeinflussen. Aufgrund
20 Vgl. Siebenhüner, Nachhaltigkeit, in: Dudeck, A./ Jansen-Schulz, B. (Hrsg.): Zukunft Bologna? 2007, S.
285-287; Bundesregierung: Bericht, 2002, S. 7.
21 Vgl. Siebenhüner, Nachhaltigkeit, in: Dudeck, A./ Jansen-Schulz, B. (Hrsg.): Zukunft Bologna? 2007,
S. 287.
22 Vgl. Grundwald, A./ Kopfmüller, J., Nachhaltigkeit, 2006, S. 36.
23 Vgl. Rogall, H.: Ökonomie der Nachhaltigkeit, 2004, S. 39.
dieser gewachsenen Handlungsfähigkeit sieht ein breiter öffentlicher Diskurs eine zunehmende Verantwortung der Unternehmen für die zukunftsfähige Gestaltung der Geschäftstätigkeit, wie auch der nationalen und internationalen Rahmenbedingungen. 24 Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften ist die idealisierte Leitidee einer nachhaltigen Wirtschaftsweise die anhaltende, weltweite Gewährleistung individueller Chancen zur Sicherung von Grundbedürfnissen. Nachhaltigkeit beinhaltet die Verwirklichung hoher Lebensqualität bei Erhalt der Natur und menschengerechter Gesellschaftsverhältnisse. Innerhalb des Nachhaltigkeitsmanagements eines Unternehmens sollen neben ökonomischen auch ökologische und soziale Aspekte integrativ berücksichtigt und zu einer neuen Sichtweise zusammengeführt werden. 25 Schaltegger formuliert fünf Eigenschaften, über die ein durchgängig durch Nachhaltigkeit geprägtes Unternehmen verfügt: 26
1. Das Unternehmen schafft gesellschaftliche und unternehmerische Werte. 2. Das Unternehmen verursacht null Emissionen und verfügt über keine negativen Wirkungen.
3. Vom Unternehmen gehen keine indirekten negativen Wirkungen auf die Lieferkette und das Konsum- oder Entsorgungsverhalten von Abnehmern aus. 4. Das Unternehmen verhindert unnachhaltige Gesellschafts-und Wirtschaftsstrukturen.
5. Das Geschäftsmodell dient als Vorbild für andere Unternehmen. Da es ausgeschlossen werden kann, dass in der Realität ein Unternehmen alle fünf Kriterien vollständig erfüllt, gelten sie vielmehr als Orientierungspunkte für die Ausgestaltung des Unternehmens, denn als verpflichtende Richtsätze. In der Literatur wird zur Ableitung von operationalisierbaren Ziele unternehmerischer Nachhaltigkeit überwiegend auf das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit zurückgegriffen. 27 Es umfasst, wie in der folgenden Abbildung 1 abgebildet, die drei Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales, die im Unternehmen zu integrieren sind.
24 Vgl. Siebenhüner,B.: Dance of Change, in: Hoffmann, E. et al. (Hrsg.): Gesellschaftliches Lernen und
Nachhaltigkeit, 2007, S. 100-101.
25 Vgl. Schaltegger, S.: Nachhaltige Unternehmen, im Internet:
http://www.leuphana.de/umanagement/csm/content/nama/downloads/download_publikationen/was
_kennzeichnet_nachhaltige_Unternehmen.pdf, Abfrage vom 30.03.2010, 2009, S. 1 f.
26 Schaltegger, S.: Kennzeichnung, in: Studiosus Nr. 11, November 2008, S. 16.
27 Vgl. Schwarze, C.: Gestaltung, 2009, S. 35.
Abbildung 1: Zieldimensionen und Herausforderungen unternehmerischer
Nachhaltigkeit 28
Als regulative Idee ist das Prinzip der Nachhaltigkeit kein statisches Beurteilungsraster, sondern eher Leitbild für ein prozessorientiertes Denken: Über strategische Suchprozesse von Unternehmen werden intern und extern Räume sozialer Kommunikation und Kooperation geschaffen, die zu neuen ökonomischen Entwicklungen führen, die unter anderem ökologisch vorteilhaftere Lösungen hervorbringen. 29 Zur Realisierung des Leitbildes einer Nachhaltigen Entwicklung im Unternehmen ergeben sich folgende Handlungsprinzipien:
- Die Abbaurate erneuerbarer Ressourcen darf ihre Regenerationsrate nicht überschreiten.
- Nicht-erneuerbare Ressourcen wie fossil-gestützte Energie, Material und Fläche sind sparsam und schonend zu nutzen.
- Es dürfen nur so viele nicht-erneuerbare Ressourcen verbraucht werden, wie regenerierbare Substitute für den Zeitpunkt der späteren Erschöpfung geschaffen werden. 30
28 Schaltegger, S. et al.: Nachhaltigkeitsmanagement, 2007, S. 14.
29 Vgl. Pfriem, R.: Heranführung, 2005, S. 211.
30 Vgl. Burschel, C./ Losen, D./ Wiendl, A.: Nachhaltige Unternehmung, 2004, S. 31-32.
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Markus Westerhoff, 2010, Nachhaltigkeit in Unternehmen und im Kontext beruflicher Bildung, München, GRIN Verlag GmbH
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