Gliederung
1 Einleitung
1.1 Ein Beispiel vorangestellt 3
1.2 Begründung des Themas 3
1.3 Ziele der Arbeit 4
1.4 Methoden der Arbeit 5
2 Begriffsbestimmung
2.1 Definition Gewalt 6
2.2 Psychische Gewalt 7
2.3 Über die Wahrnehmung psychischer Gewalt 7
3 Diffuse psychische Gewalt und pädagogische Destruktivität
im Verhalten Erziehender 8
3.1 Gewalt in Folge unreflektierter Persönlichkeitsmerkmale und
Verhaltensweisen Erziehender 9
3.1.1 Drohung 9
3.1.2 Erpressung 10
3.1.3 Unterdrückung des Gefühlsausdrucks 11
3.1.4 Unterdrückung von Widerspruch (Widerspruch als Form der
Emanzipation ) 12
3.1.5 Ignoranz und Ausschluss 13
3.1.6 Bloßstellung 14
3.1.7 Etikettierung und Vorverurteilung 15
3.1.8 Inkompetentes Verhalten 16
3.2 Gewalt auf sprachlicher Ebene 18
3.2.1 Wortsinnverdrehungen und zynische Sprachfärbung 18
3.2.2 Indirekte Anrede und Bekenntniszwang 20
3.2.3 Gesprächszwang in unangemessener Situation 21
4
3.3 Gesellschaftlich erzeugte Formen diffuser Gewalt 22 3.3.1 Verfrühte Konfrontation mit Rollen und unerreichbaren Vorbildern 22 3.3.2 Rollenerwartungen und Rollendruck 24 3.3.3 Sinnesüberlastungen 24
4 Psychische Gewalt unter Gesichtspunkten der Kommunikationspsychologie 4.1 Exkurs zu tiefenpsychologischen Aspekten 26 4.2 Kommunikationspsychologische Aspekte 27 4.2.1 Missverständnisse im „Botschaftsgeflecht“ 27 4.2.2 Das „aktive Zuhören“ 28 4.2.3 Relativieren und „Hinterfragen“ 29 4.2.4 Inkongruente Nachrichten 30 4.3 Beziehungsaspekte 31 4.3.1 Herabsetzung und Bevormundung 32 4.3.2 Du- und Ich-Botschaften 33 4.3.3 Gesichtspunkte der Selbstoffenbarung 34 4.4 Die „Ebene des Herzens“ 35
5 Schluss: Wie sich Beziehungen intensivieren und Kommunikationsfähigkeiten verbessern lassen (Beispiele) 5.1 Auf autodidaktischer und kollektiver Ebene 37 5.2 Im pädagogischen Feld/bei der täglichen Arbeit 37 5.3 Auf Ebene fachlicher Qualifizierung 37
6 Anhang 6.1 „Chef“ der eigenen Teilpersönlichkeitenspielerisch-therapeutische Aspekte zur „Psychohygiene“ 38 6.2 Literaturverzeichnis 40
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1 Einleitung
1.1 Ein Beispiel vorangestellt
„Wenn es nicht gleich klappt mit euch, kommt der Weihnachtsmann mit seiner Rute hier rein…“ Dieses sinngemäße Zitat einer Kindergärtnerin bekam im Dezember 2004 einer meiner Mitschüler zu hören, als er - mit dem roten Mantel verkleidet - auf dem Weg in die benachbarte Kindereinrichtung war. Sie hatte es, am offenen Fenster stehend, zu ihrer Kindergruppe in den Raum hinein gesprochen, ohne dass ein Zeichen von Humor oder Schabernack aus ihrem Tonfall klang. Welche Botschaft vermittelte die Erzieherin den Kindern? Was wäre die Erwartung der Kindergärtnerin an meinen Mitschüler gewesen, wenn er die von ihr angedachte Rolle des Disziplinierenden hätte übernehmen müssen? Und wie steht es um ihre eigene Kompetenz, wenn sie sich des bärtigen, roten Mannes als strafendes Medium bedienen muss? Handelt es sich noch um eine verbale Alltagslappalie - eine den Kindern gewöhnliche Metapher - oder um eine folgenschwere Drohung? Eine Drohung, deren Botschaft bei Kindern Angst auslöst? Angst vor dem Weihnachtsmann oder vor Männern generell, vor Menschen mit Mänteln, vor Ruten, vor dem Ungewissen da draußen, vor der Macht der Kindergärtnerin…? Die Zeiten, als in der öffentlichen Erziehung Ruten und Rohrstöcke tatsächlich zum Einsatz kamen, sind vorbei, seit die „schwarze Pädagogik“ u.a. durch das aufklärende Wirken von Reformpädagogen gesellschaftlich nicht mehr toleriert wird. Es gibt aber neben der physischen eine seelisch noch tiefer wirkende Form von Gewalt, die psychische.
Psychische Gewalt kennt viele Formen, darunter sehr diffuse, die im täglichen Umgang unbewusst oder bewusst angewandt und gesellschaftlich noch immer toleriert oder sogar akzeptiert werden.
Ist die Drohung mit dem Weihnachtsmann vor Kindergartenkindern eine solche Form? Ich werde im Verlauf der Arbeit darauf eingehen.
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1.2 Begründung des Themas
Auch in der beruflichen Erziehung beobachte ich, dass Kinder in ihrer Meinungsäußerung behindert, mit für sie nicht nachvollziehbaren Verboten konfrontiert, mit ironischen oder gar zynischen Sprachformen verwirrt, in ihrer Persönlichkeit nicht ernst genommen, emotional unterdrückt, vorschnell verurteilt (Haloeffekt), etikettiert oder ignoriert werden. Noch immer werden Kinder unbegründet in ihrem Bewegungsdrang eingeschränkt, bekommen auf ehrliche Fragen oberflächliche oder abweisende Antworten, werden, wie im eingangs geschilderten Fall, mit Drohungen diszipliniert oder mit Metaphern wie „gut“ und „böse“ im Geiste überalterter Klischees erzogen, die den Blick auf die Persönlichkeit des Kindes verstellen.
Doch die aktuellen Erkenntnisse über Leistungsdefizite und Lernbedingungen (vgl. Pisa-Studien), über die Selbstbildungskräfte der Kinder, über ihren Bewegungsdrang und Wissensdurst, ihre Experimentierfreude, ihre Entwicklungsphasen, ihre Probleme aus familiären und gesellschaftlichen Belastungen und ihre Suche nach Vertrauen in gesellschaftliche und persönliche Vorbilder erfordern einen authentischen und vor allem integrativen Erziehungsstil. „Wer mit … (Kindern) ins Gespräch kommen will, darf sich nicht auf … Tricks verlassen, sondern muss sich selbst zur Verfügung stellen…“ (Johanna Romberg, „Jungs“, Geo, Heft 3/2003). Meiner Beobachtung nach werden die Folgen von Interventionen, die verdeckte Gewaltaspekte beinhalten, oft verkannt oder unterschätzt. Die Bedeutung eines einfühlsamen und behutsamen Umganges mit Kindern ist auch beruflich Erziehenden nicht jederzeit bewusst. Kinder, gleich welcher Entwicklungsstufe, sind psychisch sehr leicht verwundbar. Vor allem, wenn seelische Verletzungen schon während pränataler und frühkindlicher Phasen auftraten, können diese im Bereich der beruflichen Erziehung verstärkt werden (weitere Erörterung unter Gliederungspunkt 4). Oft werden Wut, Hass und - nicht zu unterschätzen - Formen von Selbsthass genährt, die u.a. Autoaggression bewirken, werden Ohnmacht und Minderwertigkeitsgefühle erzeugt. Daraus resultieren Verhaltensauffälligkeiten, mitunter sogar pathologisch nachweisbare neurotische und psychotische Störungen sowie körperliche Krankheitssymptome psychosomatischer Natur, die sich oft bis ins Erwachsenenalter fortsetzen.
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1.3 Ziele der Arbeit
In dem Bewusstsein, dass auch beruflich Erziehende nicht unfehlbar sein können, und dass deren Art der Kommunikation mit Kindern je nach persönlichen Eigenschaften verschieden sein muss, ist es mein Anliegen, beispielhaft aufzuzeigen, wo pädagogische Interventionen destruktiv wirken, weil sie keinen Weg der Verhaltensänderung aufzeigen und/oder der kindlichen Psyche schaden, weil sie destruktive Gefühls-, Denk- und Verhaltensmuster fördern. Dabei ist oft nicht klar zu definieren, ob und wo die Grenze zu psychischer Gewalt überschritten wird. Deshalb möchte ich es ohne Verwendung dieses Begriffes so formulieren: Ziel ist, Übergriffe auf die Autonomie des Kindes bzw. Grenzübertretungen des „Seelenschutzes“ darzustellen. Manches Beispiel wird im Status der These bleiben müssen.
Damit möchte ich dazu beitragen, ein Bewusstsein für diese destruktiven Prozesse zu entwickeln, das als Basis für Reflexion und Selbstreflexion für beruflich (und auch privat) Erziehende dienen kann.
Um dieses Ziel zu erreichen und das Thema fachlich zu vertiefen, werde ich im zweiten Teil der Arbeit näher auf Gesichtspunkte der Kommunikationspsychologie eingehen, speziell auf Aspekte von Kommunikation und Beziehung. Vor allem hier finden sich Ausdrucksformen psychischer Gewalt. Dabei stelle ich ausgewählte Handlungsansätze dar, mit denen Beziehungs- und Kommunikationsstörungen als Quellen diffuser psychischer Gewalt abgebaut werden können.
Die vorliegende Facharbeit ist auch eine Arbeit für mich ganz persönlich, die aktuell und bei späterem Lesen zur prozesshaften Auseinandersetzung mit dem Thema „verdeckte Gewalt gegen Kinder“ führt.
1.4 Methoden der Arbeit
Ich möchte an Hand von mir beobachteter Beispiele Erzieherverhalten konkret benennen und analysieren, das den Normen und Werten einer aufgeschlossenen, kindzentrierten Bildungsgesellschaft aus meiner Sicht widerspricht. Dabei werde ich sowohl das beispielhaft aufgezeigte Verhalten als auch mögliche Wirkungen beim Kind interpretieren. Hier wende ich mein Wissen an, das u.a. aus zahlreichen Gesprächen mit Erziehenden, Kindern, Betroffenen und Fachleuten resultiert. Vor allem für den kommunikationspsychologischen Themenbereich studierte ich
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Fachlektüre. Ich reflektiere eigene Erfahrungen, die ich während der Begleitung und Beobachtung psychotherapeutischer Prozesse (methodisch u.a. freie Assoziationsprozesse und Konfrontation, katathymes Bilderleben, fingierte Dialoge mit Erziehungsinstanzen) machte.
2 Begriffsbestimmung
2.1 Definition Gewalt
Gewalt wird in der Literatur unterschiedlich definiert und klassifiziert. Den meisten Definitionen ist im wesentlichen die Annahme gemeinsam, dass es sich dabei um Einflußnahme einer oder mehrerer Personen gegen andere Personen handelt, wobei letztere dadurch geschädigt werden, weshalb auch von destruktivem Handeln gesprochen wird (Kühnel, 1994, S. 404). Diese Konstellation beinhaltet das Vorhandensein von Machtverhältnissen (vgl. ebd.) zwischen dem, der Gewalt zufügt und dies entweder aus einer Machtposition heraus tut bzw. durch diese Handlung Zugang zu einer Machtposition erhält oder sie festigt und dem, dem Gewalt zugefügt wird.
Wichtig für diese allgemeine Definition ist weiter, daß die Gewalthandlung ohne Rücksicht auf das Opfer der Gewalt erfolgt und daß diesem damit ein Zwang auferlegt wird. Wichtig scheint mir auch die Erweiterung auf den Bereich der Beeinträchtigung der freien Willensentscheidung und damit auf den psychischen Bereich.
Eine weitere grundlegende Bestimmung des Gewaltbegriffes kann über die angestrebten Ziele einer Gewalthandlung erfolgen. Einige prägnante Ziele sind solche politischer Natur sowie materielle oder lustbezogene Ziele oder der Abbau eigener Frustration. Die Ursachen für Gewalt verbinden sich meist nicht mit dem Bewusstsein, dass es sich um Gewalt handelt, sehr wohl aber mit einer zielgesteuerten Methodik, z.B. zur Disziplinierung. Gewalt resultiert in diesem Fall aus unreflektiertem Handeln des Machtausübenden.
Hinweisen möchte ich aber auf den Begriff Aggression, der sehr eng mit Gewalt verknüpft ist und mit dem menschlichen Aggressionstrieb verbundenes Angriffsverhalten beschreibt. Mitunter ist auch auf Seite des Erziehenden ein latent oder offen aggressives Verhalten interpretierbar, z.B. aus Angst, die Machtposition
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zu verlieren oder aus unterschwelliger Frustration über permanente Disziplinverstöße des zu Erziehenden.
Allgemein gebräuchlich ist die Unterteilung in physische, psychische und strukturelle Gewalt. Strukturelle Gewalt bezieht sich auf gesellschaftliche Instanzen und kann in physischen als auch psychischen Formen ihren Ausdruck finden.
2.2 Psychische Gewalt
Gemäß meines Arbeitsthemas konzentriere ich mich auf die Darstellung der psychischen Gewalt. Hierzu zählen Interventionsformen, bei denen auf direkte körperliche Gewalt verzichtet und statt dessen ein rein mentaler Druck ausgeübt wird, um die im Interesse des Machtausübenden liegenden Ziele zu erreichen und der negative Auswirkungen auf die Psyche des Opfers hat.
2.3 Über die Wahrnehmung psychischer Gewalt
Es kann mitunter nicht genau analysiert werden, ob oder wie stark der mentale Druck vom Kind wahrgenommen wird und ob es deshalb in einer solchen Situation gerechtfertigt ist, von Gewalt zu sprechen. Die Grenze verläuft individuell. In einzelnen Fällen kann ein Kind z.B. den informellen Inhalt einer grenzverletzenden Intervention durchaus als Richtlinie zur Steuerung seines Verhaltens, also als eine Orientierung verstehen, den Gewaltaspekt der Handlung jedoch gar nicht empfangen. Das kann z.B. der Fall sein, wenn das Kind aus früheren Erfahrungen mit einer adäquaten Form der Gewalt konfrontiert war und - aus einem organisch (naturgegeben) gesteuerten Schutzmechanismus heraus - die neurologischen Sensoren „abgeschaltet“ wurden. Damit ist der Zugang zu Teilen seiner Seele oft auch ihm selbst bereits verschlossen. Das Kind ist emotional in diesem Spektrum nicht mehr reaktiv.
Im anderen Fall handelt es sich um ein Kind, das den Ge waltaspekt deshalb nicht wahrnimmt oder ignorieren kann, weil es eine sichere Bindung zu seinen Eltern (…und/oder Großeltern) genießt. In diesem Fall ist das Kind emotional stabil und verfügt über eine gut entwickelte Ich-Stärke.
Ich gehe davon aus, dass die Gewaltaspekte im Verhalten der Erziehenden prozentual die Mehrheit der Kinder erreichen, sie seelisch belasten und konditionieren. In einigen Fällen beziehe ich mich jedoch auch darauf, dass einzelne, emotional sensible oder vorbelastete Kinder in hohem Maße eine Verstärkung ihrer
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Arbeit zitieren:
Axel Stein, 2005, Diffuse psychische Gewalt gegenüber Kindern, München, GRIN Verlag GmbH
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