Inhaltsverzeichnis
Einleitung S. 3
Die politische Ökonomie 4
Die Gouvernementalität 6
Die Biomacht 9
Die Normalisierungsgesellschaft 12
Fazit S. 14
Literaturverzeichnis S. 16
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Einleitung
In dieser Arbeit versuche ich zu erklären, welchen Zusammenhang Michel Foucault zwischen Liberalismus und Biomacht herstellt und mit welchen Argumenten er seine Sichtweise begründet.
Das erste Kapitel wird sich mit dem Begriff der politischen Ökonomie und der Notwendigkeit einer Regierungskunst als Bedingung der freien Marktwirtschaft beschäftigen. Ich erkläre darin, dass die zwingende Konsequenz des Liberalismus nicht im Laisser-faire besteht, sondern im Gegenteil eine äußerst aktive Politik erfordert, da der Wettbewerb kein natürliches Phänomen ist und nur durch die Einhaltung seiner Regeln gewährleistet werden kann. Die Voraussetzungen der Marktwirtschaft müssen also durch die Gouvernementalität hergestellt werden. Im zweiten Kapitel erläutere ich Foucaults Verständnis der Gouvernementalität und analysiere die Wandlung, die diese durch das Aufkommen des Liberalismus durchlaufen hat. Nämlich von der privilegierten Stellung eines selbstverständlichen Staates, zu der prinzipiellen Infragestellung des Regierens überhaupt. Die Staatsräson der Vergangenheit wurde aufgegeben und stattdessen wurden Strategien entwickelt, die Menschen auf rationale Weise zu steuern. Dadurch entstand eine Macht, die sich nicht mehr um ihrer selbst Willen erhält, sondern die nun versucht die Bevölkerung zu regulieren. Ihr Zweck ist es das Glück der Menschen zu sichern und die sozialen Beziehungen zu ordnen. Also die Steigerung und Stärkung des Lebendigen. Über die Betrachtung dieser Neuorientierung komme ich im dritten Kapitel dann zur Biomacht. Dort beschreibe ich ihre Mechanismen und Anwendungen, also die so genannten Sicherheitsdispositive. Ich stelle somit die Maßnahmen dar, die schließlich dazu führen sollen, dass das Verhalten der Menschen sich im Rahmen eines Mittelwerts bewegt, der sozial und ökonomisch akzeptabel ist. In der Folge dieser Überlegungen beschäftigt sich das vierte Kapitel mit der „Normalisierungsgesellschaft“ und erläutert was Foucault damit genau meint und aus welchem Grund dies der Kernbegriff der Biomacht ist.
Zuletzt ziehe ich ein Fazit und fasse in einer eigenen Interpretation zusammen, wie sich Liberalismus und Biomacht gegenseitig bedingen.
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Die politische Ökonomie
Unter politischer Ökonomie versteht Foucault jede Regierungsmethode, die den Wohlstand einer Nation sichern kann und eine allgemeine Reflexion über die Organisation, die Verteilung und die Begrenzung der Macht ist. Ihr Verhältnis zur Staatsräson ist kein feindliches, denn das Ziel, welches sie anstrebt, ist eines, das sich auch der Polizeistaat und der Merkantilismus gesetzt haben: die Bereicherung des Staates. Foucault sagt, dass die erste politische Ökonomie, die der Physiokraten gewesen sei. Sie forderten einen Despotismus, der durch nichts begrenzt ist, außer durch eine Ökonomie, die er selbst bestimmt hat und kontrolliert (vgl. Foucault 2006: 31-32).
Die politische Ökonomie offenbart Gesetzmäßigkeiten, die der Regierungspraxis eigentümlich sind und bei bestimmten Handlungsweisen unvermeidbare Konsequenzen nach sich ziehen. Werden diese Gesetzmäßigkeiten durch die Regierenden nicht beachtet, so entwickeln sich daraus Misserfolge. Es ist also ein utilitaristisches Prinzip, welches hier zur Anwendung kommt. Die Macht des Souveräns wird nicht aus einer intrinsischen Mäßigung heraus begrenzt, sondern weil die negativen Folgen einer exzessiven Herrschaft vermieden werden sollen. An die Stelle der Weisheit des Fürsten, tritt das Prinzip der Wahrheit. Man fragt sich nicht mehr, ob man in Übereinstimmung mit den moralischen oder göttlichen Gesetzen regiert, sondern ob man das richtige Maß an Intervention einhält, welches durch die Erkenntnisse der politischen Ökonomie diktiert wird. Diese Form der Selbstbegrenzung der Regierung in wirtschaftlichen Fragen bezeichnet Foucault als Liberalismus (vgl. ebd.: 32-40). Er schreibt:
„Die Frage der Genügsamkeit der Regierung ist gerade die Frage des Liberalismus“ (Foucault 2006: 51).
Der Liberalismus ist laut Foucault eine Praxis, ein „Tun“. Er ist die Methode der Rationalisierung der Regierungstätigkeit, die den internen Regeln maximaler Ökonomie gehorcht. Hinter dem ständigen latenten Verdacht zuviel zu regieren, verbirgt sich die eigentliche Frage: „Warum muss man überhaupt regieren?“ (vgl. ebd.: 435-437).
Im Mittelalter und im 16. und 17. Jahrhundert war der Markt ein bevorzugter Gegenstand der Reglementierung. Er war ein Ort der Gerechtigkeit, die durch die
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Regierung gewährleistet werden musste. Es wurde festgelegt, was dort verkauft werden darf, wie die Produkte hergestellt worden sein müssen, woher sie kommen durften, wie hoch die Abgaben sein sollten, wie der Vorgang des Verkaufes auszusehen hatte und selbstverständlich zu welchem Preis die jeweiligen Dinge den Besitzer wechseln sollten.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts wandelte sich diese Sichtweise. Man kam nun zu der Überzeugung, dass, wenn man dem Markt freien Lauf ließe, sich ein, metaphorisch gesprochen, „wahrer Preis“ einstellen würde. „Wahr“ in dem Sinne, dass die natürlichen Mechanismen des Marktes zu einem Wahrheitsstandard führen, an dem sich die Qualität der Regierungspraktiken messen lässt. Foucault nennt das, das Prinzip der Veridiktion (vgl. ebd.: 52-57). Daraus ergab sich das Problem, dass die Macht der Regierung aus Achtung vor der Wahrheit begrenzt werden musste, sie aber gleichzeitig die Forderung zur Achtung der Wahrheit in Gesetzesform erlassen muss. So tritt man zu Beginn des 19. Jahrhunderts in einen Zeitabschnitt, der dadurch gekennzeichnet ist, dass das Problem der Nützlichkeit alle herkömmlichen Probleme des Rechts abdeckt. Die Kategorie, welche sowohl den Tausch am Markt, als auch die Nützlichkeit umfasst, die die öffentliche Gewalt dort begrenzt, wo der Bereich ihrer Zweckmäßigkeit endet, ist das Interesse. Es ist jedoch nicht mehr das Interesse des Staates, sondern es ist ein komplexes Wechselspiel zwischen individuellen und kollektiven Interessen. Die Objekte mit denen die Regierung sich jetzt beschäftigt sind keine Individuen, Dinge, Reichtümer, Ländereien, etc. mehr, es sind nur noch die verschiedenen Interessen (vgl. ebd.: 64-75). Foucault formuliert die Grundfrage des Liberalismus deshalb so:
„Was ist der Nutzwert der Regierung und aller Regierungshandlungen in einer Gesellschaft, in der der Tausch den wahren Wert der Dinge bestimmt?“ (Foucault 2006: 76).
Das Wesen des Marktes ist der Wettbewerb, sagt Foucault. Im 19. und 20. Jahrhundert ist die marginalistische und neo-marginalistische Vorstellung, dass der Staat sich, bis auf beispielsweise Eingriffe zur Verhinderung von Monopolen, vom Markt distanzieren soll, vorherrschend. Doch die Ordoliberalen bringen an diesem Punkt ein neues Argument in die Diskussion ein. Sie sagen nämlich, dass man aus dem Prinzip des Wettbewerbs nicht auf die Notwendigkeit des Laissez-faire schließen darf, denn dann sei man in einer „naturalistischen Naivität“ gefangen. Der Wettbewerb sei eben keine natürliche Gegebenheit, sondern verdanke seine günstigen Wirkungen einem
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Arbeit zitieren:
Patrick Zimmerschied, 2010, Liberalismus und Biomacht, München, GRIN Verlag GmbH
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