Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Down Syndrom
2.1. Begriffsdefinition
2.2. Symptome und Ursachen
2.3. gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Down - Syndrom
3. Pränatale Diagnostik
3.1. Medizinische Aspekte
3.2. Rechtlicher Kontext
3.2.1. Rechtlicher Kontext der Pränataldiagnostik
3.2.2. Rechtlicher Kontext bei Schwangerschaftsabbruch
4. Lebensrecht von Menschen mit Behinderung
4.1. Ethischer Ansatz nach Singer
4.1. Die präferenz - utilitaristische Position Singers
4.2. Personenstatus nach Singer
4.3. Nichtfreiwillige Euthanasie
4.2. Kritische Stellungnahme zum Ansatz Singers
5. Fazit
1. Einleitung
Eine Frau erfährt, dass sie schwanger ist - gewünscht oder befürchtet. Mit einem Mal geschieht vieles gleichzeitig. Ängste, Hoffnungen und Zweifel kommen auf. Wer möchte nicht gesund sein und ein gesundes Kind zur Welt bringen? Die schwangere Frau geht zu einem Gynäkologen, bei dem verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden. Die Frage, ob das Kind gesund ist, bleibt.
An diesem Punkt setzt die vorgeburtliche Untersuchung - Pränataldiagnostik genanntein. Durch verschiedene Untersuchungen wird die Lage, der Reifegrad und die Organausbildung des Fötus festgestellt. Sollten dort Auffälligkeiten auftreten, kann die Frau weitere pränatale Untersuchungen durchführen lassen, um zu erfahren, ob bei dem Fötus eine Beeinträchtigung vorliegt. Doch was geschieht, wenn in der Pränataldiagnostik eine Behinderung festgestellt wird? In was für einer Situation befinden sich die Betroffenen und welche Möglichkeiten haben sie? In der vorliegenden Hausarbeit werde ich mich mit diesen Fragen beschäftigen und untersuchen, ob die Diagnose „Behinderung“ Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben von behinderten Menschen hat.
Ich werde mich auf die Behinderung „Down Syndrom“ konzentrieren. Die Gründe hierfür liegen zum einen in der guten Diagnostizierbarkeit während der Schwangerschaftsvorsorge und zum anderen in dem vergleichsweise „normalen“ Familienleben, welches trotz Down Syndrom möglich ist. Trotzdem entscheiden sich knapp 90% der Frauen in den Industrienationen bei der Diagnose Down Syndrom für eine medizinisch indizierte Abtreibung. 1
Unter dem Punkt 2 werde ich den Behinderungsbegriff „Down Syndrom“ erläutern, sowie die Ursachen und Symptome darstellen. Anschließend werde ich die gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Down Syndrom vorstellen. Grund dafür ist die Einigkeit unter Sonderpädagogen, dass Behinderung nicht eine Kategorie darstellt, die dem einzelnen behinderten Menschen zukommt, sondern vielmehr ein Resultat der Gesellschaft ist. 2 Denn „krank ist, wer krank ist. Behindert ist, wer behindert wird und hinderlich ist.“ 3
Der medizinische Fortschritt der pränatalen Diagnostik geht stetig voran. Die momentan üblichen vorgeburtlichen Untersuchungen mit ihren medizinischen, rechtlichen und praktischen Aspekten werde ich im dritten Punkt vorstellen.
1 Vgl. http://9monate.qualimedic.de/articles/read.php?article_id=1722 zugegriffen am 14.03.08
2 Vgl. Furrer, Hans (1993): Schaden - Schädigung - Behinderung. Seite 20
3 Kind, Christian et al. (1993): Behindertes Leben oder verhindertes Leben. Seite 11
1
Unter Punkt 4 möchte ich einen Schritt weiter gehen und das Lebensrecht von Menschen mit Behinderung diskutieren. Hierzu werde ich die sehr umstrittenen Ansichten des australischen Philosophen Peter Singer vorstellen, welcher die Auffassung vertritt, dass Menschen, die sich selbst nicht bewusst sind (wie beispielsweise Föten, Neugeborene oder Menschen mit geistiger Behinderung) kein Recht auf Leben besitzen und vor oder nach der Geburt getötet werden dürfen. Seine Ansichten lösten eine Welle der Empörung aus. Die Menschen demonstrierten und drohten Veranstaltern, die Singer einluden, so dass seine öffentlichen Auftritte in Deutschland größtenteils abgesagt wurden. 4 Singers Kernaussage lautet: „So scheint es, dass etwa die Tötung eines Schimpansen schlimmer ist, als die Tötung eines schwer geistesgestörten Menschen, der keine Person ist.“ 5 Dieses Zitat macht deutlich, dass Singers Meinung kritisiert werden kann und muss. Diese Kritik werde ich im Anschluss daran vornehmen und die Auseinandersetzung im Fazit, auf die Pränataldiagnostik bezogen, untermauern.
2. Down Syndrom
2.1. Begriffsdefinition
Unter dem Begriff „Down Syndrom“ versteht man eine angeborene Chromosomenstörung. Hier ist das Chromosom 21 oder ein Teil davon dreifach in jeder Zelle vorhanden, statt wie üblicherweise zweifach. Aus diesem Grund wird es auch als Trisomie 21 bezeichnet. 6
Das Down Syndrom stellt die häufigste angeborene Chromosomenstörung, mit einer auf 700 Geburten, dar. In Deutschland leben ungefähr 30.000 bis 50.000 Menschen mit Down Syndrom. 7
Die älteste Zeichnung eines Menschen mit Down Syndrom stammt aus dem Jahr 1505, doch die Beschreibung als eigenständiges Syndrom fand erst 1884 durch den englischen Arzt John Langdon Down statt. Dieser schrieb: „Das Haar ist nicht so schwarz, wie bei echten Mongolen, sondern eher bräunlich, glatt und schütter. Das
4 Hegselmann, R. & Merkel, R. (Hrsg) (1991): Zur Debatte über Euthanasie. Seite 7/8
5 Singer, Peter (1984) S.135 zitiert nach: Mattner, Dieter (2000): Behinderte Menschen in der
Gesellschaft. Seite 143
6 Vgl. http://www.onmeda.de/krankheiten/down_syndrom.html?tid=2& zugegriffen am 14.03.08
7 Vgl. http://9monate.qualimedic.de/articles/read.php?article_id=1722 zugegriffen am 14.03.08
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Gesicht ist flach und breit, die Augen stehen schräg, die Nase ist klein.“ 8 Aufgrund des Äußeren prägte er den Begriff „Mongolismus“, doch wegen Falschheit und fehlender Verbindung zum mongolischen Völkerstamm sollte dieser Ausdruck vermieden werden und wird heutzutage als diskriminierend angesehen.
1959 erkannte der Franzose Jérome Lejeune, dass bei Menschen mit Down Syndrom in jeder Zelle 47, statt 46 Chromosomen vorhanden sind und lieferte somit die Grundlage für pränatale Untersuchungen. 9
Es gibt drei Arten der Trisomie 21, wobei die freie Trisomie 21 mit über 90% am häufigsten auftritt. Hier ist eine Korrelation mit dem steigenden Alter der Mutter festzustellen, wobei sie ansonsten zufällig auftritt. 10 Die anderen beiden Arten sind die Translokations - Trisomie (Sie tritt in etwa 5% der Fälle auf und kann wiederholt auftreten, da gesunde Menschen möglicherweise Träger der Erbanlage sind) und die Mosaik - Trisomie (In etwa 2% der Fälle setzt sich der Körper aus zwei Zelltypen zusammen. Ein Teil verfügt über die normale Chromosomenanzahl 46 und der andere Teil hat 47 Chromosomen). 11
2.2. Symptome und Ursachen
Das klinische Erscheinungsbild von Menschen mit Down Syndrom kann sehr unterschiedlich sein, doch die folgenden körperlichen Merkmale treten häufig auf: Menschen mit Down Syndrom haben meist ein flaches Gesicht mit schrägen Lidachsen. Die Nasenwurzel ist vorwiegend breit und die Ohren erscheinen im Vergleich zum Kopf eher klein. Außerdem fallen die breiten Hände mit kurzen Fingern und eine durchgehende Handfurche auf. 12
Weiterhin ist eine Muskelschwäche typisch, die vor allem im Kleinkindalter hervortritt. Menschen mit Down Syndrom wachsen langsamer und sind kleiner, als der Durchschnitt der Bevölkerung. Des Weiteren neigen sie im Erwachsenenalter zu Übergewicht. In 40% bis 60 % der Fälle treten verschiedenartige Herzfehler auf und Anomalien im Verdauungstrakt sind zu beobachten. Da in der Kindheit oft
8 http://www.onmeda.de/krankheiten/down_syndrom.html?tid=2& zugegriffen am 14.03.08
9 Vgl. http://www.onmeda.de/krankheiten/down_syndrom.html?tid=2& zugegriffen am 14.03.08
10 Vgl. http://www.onmeda.de/krankheiten/down_syndrom.html?tid=2& zugegriffen am 14.03.08
11 Vgl. http://www.onmeda.de/krankheiten/down_syndrom.html?tid=2& zugegriffen am 14.03.08
12 Vgl. Stengel-Rutkowski(1990): Das Symptomenspektrum des Down - Syndroms. Seite 34 - 37
3
Mittelohrentzündungen auftreten, resultiert daraus im Erwachsenenalter häufig eine Schwerhörigkeit. 13
Es findet bei Menschen mit Down Syndrom eine allgemein verzögerte Entwicklung statt, welche in den sprachlichen, motorischen und intellektuellen Fähigkeiten deutlich wird. Es muss jedoch beachtet werden, dass der Grad sehr variabel ist und das Down Syndrom keinem starren Schema folgt. 14
Es gibt nicht „den“ Menschen mit Down Syndrom, sondern trotz ihrer körperlichen und geistigen Auffälligkeiten sind die Menschen sehr individuell.
2.3. Gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Down Syndrom
Es ist allgemein bekannt, dass Menschen mit Behinderung in der deutschen Geschichte ausgesondert und besonders in der Zeit des Nationalsozialismus getötet wurden. Da jedoch eine geschichtliche Auseinandersetzung im Rahmen dieser Hausarbeit zu weit führen würde, werde ich mich auf die heutige gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Behinderung beschränken.
Es existiert eine gespaltene Einstellung der Gesellschaft zu Menschen mit Down Syndrom. Auf der einen Seite steigt die Akzeptanz dieser Menschen. Die Gesellschaft ist hellhöriger und aufmerksamer geworden für die Probleme so genannter Randgruppen, wozu vor allem Menschen mit seelischen oder geistigen Beeinträchtigungen zählen. Durch verschiedene Förderprogramme steigt die gesellschaftliche Integration. Aufgrund ihres sozialen Verhaltens und einer großen Anpassungsfähigkeit werden sie - vor allem im Kindesalter - als süß, nett und sympathisch bezeichnet. Down Syndrom scheint die „beliebteste Behinderungsart“ zu sein. Ein Indiz hierfür sind verschiedene Werbungen von Behinderteneinrichtungen, die meist einen Menschen mit Down Syndrom als Aushängeschild benutzen. 15 Die Einstellung Nichtbehinderter gegenüber Menschen mit Down Syndrom hat sich geändert. „Sie beziehen Behinderte, soweit die Voraussetzungen dafür vorhanden sind, selbstverständlicher in ihr normales Leben ein, praktizieren die propagierte Integration und Normalisation.“ 16
13 Vgl. http://www.onmeda.de/krankheiten/down_syndrom.html?tid=2& zugegriffen am 14.03.08
14 Vgl. http://www.onmeda.de/krankheiten/down_syndrom.html?tid=2& zugegriffen am 14.03.08
15 Bespiele sind u.a. zu finden unter http://www.lebenshilfe.de/ zugegriffen am 14.03.08
16 Görres, Silvia (1990): Der Mensch mit Down - Syndrom in Familie und Gesellschaft. Seite 279
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Arbeit zitieren:
Katja Trümper, 2008, Down Syndrom: eine aussterbende Behinderung, München, GRIN Verlag GmbH
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