1. Einleitung
Studiengebühren - ein Thema, welches zurzeit in Deutschlands Medien allgegenwärtig ist. Nach langen Diskussionen und vielen Demonstrationen haben nun in Deutschland einige Bundesländeränder (Baden - Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein - Westfalen und Saarland) die Studiengebühren auch für Studienanfänger eingeführt. Sie erhoffen sich dadurch eine höhere Qualität von Forschung und Lehre und somit eine bessere Ausbildung der Studenten.
In Schwarz - Weiß gemalt könnte dies für die Zukunft folgendes bedeuten: Wer es sich leisten kann, studiert in einem der oben genannten Bundesländer und erfährt eine qualifizierte Ausbildung an gut ausgestatteten Hochschulen und nimmt die Gebühren in Kauf. Wer diese jedoch nicht bezahlen kann oder will, muss sich mit weniger zufrieden geben und schlechtere Lernbedingungen in Kauf nehmen.
Ist das sozial gerecht? Genau an diesem Punkt ergreifen die Gegner von Studiengebühren das Wort. Diese zusätzliche finanzielle Belastung kann dazu führen, dass Menschen aus unteren oder mittleren Einkommensschichten entweder mit schlechten
Hochschulbedingungen vorlieb nehmen müssen oder sogar vollkommen auf ein Studium verzichten müssen. Laut dieser Meinung würden in Zukunft die deutschen Hochschulabsolventen sich nicht nur durch einen hohen Bildungsstand auszeichnen, sondern auch allesamt durch ein vermögendes Elternhaus.
In dieser schriftlichen Ausarbeitung möchte ich auf diese Punkte detaillierter eingehen und die verschiedenen Position, bei der Diskussion um die soziale Ungleichheit durch Studiengebühren, vorstellen.
Vorerst möchte ich beginnen die wichtigsten Begriffe - Soziale Ungleichheit, Bildung und Studiengebühren - zu definieren. Im folgendem werde ich Argumente für bzw. gegen die Einführung von Studiengebühren vorstellen, wobei ich mich auf die Hauptpunkte Verteilungsgerechtigkeit, Externe Effekte der Hochschulausbildung und den
Abschreckungseffekt, konzentrieren werde.
Anschließend werde ich kurz die Erfahrungen der Länder Australien und Österreich darlegen, welche schon vor einigen Jahren Studiengebühren eingeführt haben. Danach werde ich auf die Umsetzung in Deutschland eingehen, wobei ich mich auf das Land Hessen konzentrieren werde. Abschließen werde ich diese schriftliche Ausarbeitung mit einem Fazit, in welchem ich die These diskutiere, dass Studiengebühren zu sozialer Ungleichheit führen.
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2. Definition wichtiger Begriffe
Um erläutern zu können, ob Studiengebühren zu sozialer Ungleichheit führen, müssen vorerst wichtige Begriffe definiert werden.
Im folgenden Abschnitt werden die Begriffe soziale Ungleichheit, Bildung und Studiengebühren detailliert erläutert, so dass im Folgenden eine spezifische Auseinandersetzung aus dem Zusammenspiel dieser prägnanten Begriffe möglich ist.
2.1. Soziale Ungleichheit
„Als ‘soziale Ungleichheit’ bezeichnet man (1) wertvolle, (2) nicht absolut gleich und (3) systematisch verteilte, vorteilhafte und nachteilige Lebensbedingungen von Menschen, die ihnen aufgrund ihrer Position im gesellschaftlichen Beziehungsgefüge zukommen.“ 1 Ursachen sozialer Ungleichheit sind Mechanismen und Bestimmungsgründe, durch welche diese Strukturen entstehen. Dies können beispielsweise soziale Vorurteile oder gesellschaftliche Funktionserfordernisse sein. Die soziale Ungleichheit ist auf verschiedenen Dimensionen einer Gesellschaft zu finden, die verschieden ausgeprägt sind. Als klassische Dimensionen sind Einkommen, Prestige und Macht zu sehen, doch in den letzten Jahren haben sich auch neuere Dimensionen herausgeprägt, welche in der Bildung, sowie den Wohn-, Umwelt-, Sicherheits-, Arbeits- und Gesundheitsbedingungen angesiedelt sind. 2 Die Auswirkungen sozialer Ungleichheit werden nicht nur in den äußerlichen Lebensbedingungen deutlich - beispielsweise Reichtum/ Armut und Luxus/ Entbehrungsondern auch in den alltäglichen Verhaltensweisen, Werthaltungen und Einstellungen. Hier ist ein Unterschied in verschieden Bereichen zu spüren, wo hier nur auszugsweise Optimismus/ Pessimismus, kulturelle Kompetenzen, Kontaktfreudigkeit/ Isolation und ein spezifischer Habitus genannt werden. 3
Alle diese Auswirkungen sind logische Konsequenzen sozialer Ungleichheit, welche jedem Menschen im Alltag begegnen.
Da die Bundesrepublik Deutschland ein Sozialstaat ist, ist dieser verpflichtet staatliche Maßnahmen zu ergreifen, um soziale Ungleichheiten bis zu einer gesetzlichen Legitimation auszugleichen. Dieses geschieht durch den Artikel 13 des Grundgesetzes, welcher sich auf die Sozialpflichtigkeit des Eigentums bezieht, sowie den Artikel 20 des Grundgesetzes, in welchem die Staatsstrukturprinzipien festgelegt sind. 4
Dass die staatlichen Maßnahmen nicht ausreichen, um sozialer Ungleichheit vorzubeugen, ist im Alltag ersichtlich und wird auch weiterhin im Laufe dieser Ausarbeitung deutlich.
1 Stefan Hradil (1993): „Schicht, Schichtung und Mobilität“, S. 148
2 Vgl. Stefan Hradil (1993): „Schicht, Schichtung und Mobilität“, S. 148
3 Vgl. Stefan Hradil (1993): „Schicht, Schichtung und Mobilität“, S. 148
4 Vgl. http://www.datenschutz-berlin.de/recht/de/gg/gg1_de.htm letzter Zugriff am 16.09.07
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2.2. Bildung
Bildung ist ein sehr umfassender Begriff, dessen Definition schwer fällt. Im Lexikon definiert sich Bildung folgendermaßen: „Bildung, die Formung des Menschen im Hinblick auf seine geistigen, seelischen, kulturellen und sozialen Fähigkeiten.“ 5
Der Bildungsbegriff hat religiös - mystische und philosophische Wurzeln und trat seit der Renaissance neben den herkömmlichen Terminus Erziehung. Im Gegensatz zu dem Begriff Erziehung, welcher hauptsächlich Hilfen für Heranwachsende auf ihrem Weg zur Lebenstüchtigkeit durch andere beschreibt, steht der Bildungsbegriff für eine lebenslange Leistung der Eigentätigkeit und Autonomie. Diese ist nie abschließbar für einen gezielt bemühenden Menschen. 6
2.3. Studiengebühren
Der Begriff Studiengebühr wird synonym zu Studienbeitrag benutzt. Diese sind als Beträge zu definieren, welche ein Mensch zahlen muss, um ein Studium absolvieren zu können. In Deutschland wurden die Studiengebühren überwiegend 2007 eingeführt, wobei dieses nur auf sieben Bundesländer 7 zutrifft. In den restlichen Bundesländern besteht zurzeit noch keine Gebührenpflicht. Dieses kann sich jedoch nach den kommenden Landtagswahlen ändern, da die einzelnen Landesregierungen für die Bildungspolitik zuständig sind. Die Studiengebühr beträgt in Deutschlang 500 Euro pro Semester und soll
3. Erfahrungen von anderen Ländern durch die Einführung von Studiengebühren
Ein Argument für die Einführung von Studiengebühren war, dass auch andere Industriestaaten, mit welchen Deutschland häufig verglichen wird, seit Jahren Studiengebühren verlangen und sich dort die erhofften Wirkungen eingestellt haben. Ob dieses Argument zutrifft, wird sich im Folgenden zeigen, wo die Staaten Österreich und Amerika vorgestellt werden.
3.1. USA
Häufig wird bei den Vergleichen mit anderen großen Industriestaaten auf die USA verwiesen, wo schon seit jeher hohe Studiengebühren existieren. Die Amerikaner liegen mit
5 http://lexikon.meyers.de/meyers/Bildung zugegriffen am 26.09.07
6 Vgl. http://lexikon.meyers.de/meyers/Bildung zugegriffen am 26.09.07
7 Diese Bundesländer sind Baden - Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen,
Nordrhein Westfalen und das Saarland.
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Gebühren zwischen 3.900 und 23.000 Euro pro Jahr weltweit an der Spitze. Selbst Studenten aus den unteren Einkommensklassen bezahlen an den preisgünstigsten Universitäten noch ungefähr 3000 US - Dollar. 8
Allerdings existieren in den USA eine Vielzahl von Stipendien, so dass die Begabtesten unabhängig vom Einkommen auf jeden Fall die Möglichkeit eines Hochschulstudiums besitzen. Diese Stipendien werden von Unternehmen, Privatleuten, Stiftungen und anderen gemeinnützigen Organisationen gestiftet.
Die wichtigste staatliche Unterstützung in den USA sind die Pell Grants, welche ausschließlich nach sozialen Kriterien vergeben werden. Mehr als 20% der Studenten beziehen diese. 9
Die Frage bleibt, ob Studiengebühren in den USA zur sozialen Ungleichheit betragen. Hier zu lässt sich sagen, dass die Spitzenbegabten während der Hochschulausbildung tatsächlich unabhängig von ihrem finanziellen Hintergrund gefördert werden. Das Problem ist jedoch, je weniger Begabung vorliegt, umso mehr hängt es vom Geld ab, ob ein Studium möglich ist, oder nicht. Dieses kann wiederum nicht als sozial gerecht bezeichnet werden. 10 Weiterhin steigen die Gebühren in den USA stetig, so dass sich die Studenten hoch verschulden müssen, um ein Studium zu absolvieren. Selbst bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2004 war diese Verschuldung Thema bei den Kandidaten Kerry/ Edwards. Sie führten an, dass in den drei vorangegangen Jahren ungefähr 220.000 Jugendliche das Studium nicht begonnen haben, weil sie es sich finanziell nicht leisten konnten - uns dieses, obwohl sich aus akademischer Sicht für eine Hochschulausbildung qualifiziert gewesen wären. 11
Die hohe Verschuldung der Studenten der USA wirkt sich auch auf ihre Berufswahl aus. Um die Schulden schnellstmöglich zurückbezahlen zu können, entscheiden sich angehende Ätze immer häufiger für Facharztrichtungen mit höheren Verdienstmöglichkeiten, als beispielsweise als Hausarzt tätig zu werden. 12
Anhand dieser Ausführungen wird deutlich, dass auch das Studiengebührenmodell der USA nicht sozial gerecht ist. Es haben nur bestimmten Bevölkerungsgruppen (die Jugendlichen aus finanziell gut gestellten Elternhäusern und die Spitzenbegabten) die Möglichkeit ein Studium ohne größere schädliche Folgen zu absolvieren. Die Jugendlichen auch der unteren und mittleren Einkommensklasse, die zwar für ein Studium qualifiziert sind, aber nicht zu den Begabtesten des Landes gehören müssen entweder auf eine andere Ausbildung ausweichen oder sich hoch verschulden, um einen akademischen Abschluss zu erreichen.
8 Vgl. http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/astuecke/75222/index.html zugegriffen
am 15.09.2007
9 Vgl. http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/astuecke/75222/index.html zugegriffen
am 15.09.2007
10 Vgl. taz Nr.7432 vom 11.08.2004, Seite 18
11 Vgl. http:www.studis-online.de/StudInfo/Gebuehren/warum_keine_studiengebuehren.php
zugegriffen am 16.09.07
12 Vgl. taz Nr. 7432 vom 11.08.2004, Seite 18
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Arbeit zitieren:
Katja Trümper, 2008, Soziale Ungleichheit durch Studiengebühren, München, GRIN Verlag GmbH
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