Inhaltsverzeichnis
Vorwort 2
1. Einleitung 3
2. Eine Annäherung an den Begriff. 3
3. Determinanten von Armut trotz Erwerbstätigkeit. 5
3.1 Der Einfluss der Sozio-Demografie 6
3.1.1 Faktor Alter 6
3.1.2 Faktor Geschlecht. 6
3.1.3 Faktor Bildung 7
3.2 Der Einfluss des Haushalts. 7
3.3 Der Einfluss der Erwerbstätigkeit 8
3.3.1 Faktor Teilzeitjob 8
3.3.2 Faktor Niedriglohn 8
3.3.3 Faktor Selbstständigkeit 9
4. Auswirkungen der Erwerbsarmut gezeigt an einem Praxisbeispiel. 9
5. Lösungsansätze 10
5.1 Erhöhung der individuellen Löhne. 10
5.1.1 Mindestlöhne. 10
5.1.2 Existenzsichernde Lohnsubventionen. 11
5.2 Erhöhung des Haushaltseinkommens. 12
5.2.1 Bedingungsloses Grundeinkommen 12
5.2.3 Erwerbsförderung von Frauen. 13
5.2.4 Bildungs- und Qualifizierungsoffensive 13
6. Fazit. 13
Anhang 15
Leitfragengest ütztes Experteninterview mit Constanze Müller, Koordinatorin von
Br ückenjobs in einer Beschäftigungsinitiative. 17
Interview mit einer Betroffenen 19
Glossar 22
Literaturverzeichnis. 25
1
Vorwort
Das Thema, mit dem ich mich in dieser Facharbeit auseinander setze
Teilaspekte. Vor diesem Hintergrund habe ich mich bei der Planung und ersten Vorstrukturierung der Arbeit entschlossen, das Hauptaugenmerk auf Einflussgrößen,
Erarbeitung der Thematik selbst habe ich eine Literaturrecherche und eine Analyse von Fach- und Zeitungsartikeln durchgeführt. Ergänzend habe ich ein leitfragengestütztes Experteninterview mit einer Koordinatorin von Brückenjobs geführt. Des Weiteren
einen Einblick in ihre persönliche Erwerbsbiografie gegeben hat.
Entstanden ist eine Arbeit, die einen zusammenfassendeing poor
können, für die in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft kontrovers diskutierte Thematik ein Patentrezept zur Problemlösung zu präsentieren.
2
1. Einleitung
Arm trotz Arbeit?! In diesem Satz scheint zunächst ein Widerspruch zu stecken. Armut: Damit assoziieren die meisten Menschen Obdachlose, Arbeitslose, Rentner und Alleinerziehende, also im Wesentlichen Personengruppen, die nicht erwerbstätig sind und deshalb nicht genug Geld zum Leben haben. Dass es aber auch Menschen gibt, die mit und trotz Arbeit arm sind, registrieren nicht nur in Deutschland recht Wenige als real existierendes Problem. Viele gehen wie selbstverständlich davon aus, dass Jemand, der arbeiten geht, auch genug finanzielle Mittel zum Leben zur Verfügung hat.
Armut trotz Erwerbstätigkeit, dieses im Amerikanischen als bezeichnete Phänomen, ist vor allem durch den US-amerikanischen Journalisten und Pulitzer-Preisträger David K. Shipler mit dessen (Shipler, 2005) geprägt und weltweit bekannt geworden. Shipler schildert den Alltag von erwerbstätigen Armen am Beispiel von einfachen Industriearbeitern, Servicekräften oder Erntehelfern in den USA. Inzwischen ist deutlich geworden: Das Phänomen -amerikanisches Problem, sondern eines, das
auch in den europäischen Wohlfahrtsstaaten vorzufinden ist. Dabei ist die Betrachtung der von Shipler beschriebenen hart arbeitenden, aber schlecht bezahlten Arbeitskräfte allerdings nur eine von vielen Seiten (Lohmann, 2007, S. 11).
Ziel dieser Facharbeit ist es, zunächst einen Überblick darüber zu geben, was nach Deutschland
Danach werden verschiedene Determinanten von Armut trotz Erwerbstätigkeit erörtert. Anhand eines Praxisbeispieles werden Auswirkungen von Armut trotz Erwerbstätigkeit dargelegt.
Nach der dann folgenden Darstellung und Diskussion unterschiedlicher Lösungsansätze Fazit mit
einem Ausblick auf zukünftig anzugehende Problem- und Fragestellungen.
king poor" Eine Annäherung an den Begriff 2.
Armut trotz Erwerbstätigkeit, so kann wörtlich übersetzt
verstehen ist. Um es gleich vorweg zu nehmen: Eine einheitliche und allgemein gültige
3
Begriffsdefinition lässt sich an dieser Stelle nicht präsentieren, denn das würde , eindeutig und einheitlich
beschrieben und bestimmt wären. Das ist in der Realität nicht der Fall, weshalb an
Verständnis vorgenommen wird.
Während in der älteren amerikanischen und deutschen Literatur noch davon
Beschäftigung gleichzusetzen ist (Klein & Rones, 1989), (Gardner & Herz, 1992), weisen neuere wissenschaftliche Untersuchungen darauf hin, dass es nicht allein die gering bezahlten Jobs sind, die als Ursache von Armut von Erwerbstätigen identifiziert werden können (Strengmann-Kuhn, 2003, S. 8-9). So spielt beispielsweise der Haushaltskontext, also die Lebenssituation der Betroffenen, eine entscheidende Rolle dafür, ob ein Einkommen für die Deckung des Lebensunterhaltes ausreicht oder nicht. Auch normal verdienende Erwerbstätige, die als Alleinversorger den Unterhalt ihrer Familie abzudecken haben, zählen öfter als manch andere Personen zur Gruppe der so genannten erwerbstätigen Armen. Die Berücksichtigung dieses Aspektes setzt allerdings
definiert wird. Diese geht ihrerseits von allen in einem Haushalt verfügbaren Ressourcen aus und nicht allein von der Verteilung der Erwerbseinkommen (Lohmann, 2007, S. 91). Ein solch umfassenderes
sich in der wissenschaftlichen und politischen Diskussion mittlerweile etabliert. So wird in der europäischen Sozialberichterstattung ein entsprechender Indikator verwendet (Bardone & Guio, 2005).
In der Europäischen Sozialcharta (Europarat, 1996) wurde zuvor bereits bestimmt, dass ein für eine Erwerbstätigkeit gezahlter Lohn grundsätzlich existenzsichernd sein soll. Mit ihr wurde von den und für die europäischen Mitgliedsstaaten festgelegt, wie hoch das Arbeitseinkommensniveau sein soll, das nirgendwo unterschritten werden darf. Ausgangspunkt für die Berechnung dieses Niveaus ist der Durchschnittslohn im jeweiligen Land.
des durchschnittlichen
Vollzeiterwerbseinkommens eines Landes. Nur wenn ein Land nachweisen kann, dass auch unter der ermittelten Einkommensgrenze ein angemessener Lebensstandard garantiert ist, ist eine solche Grenze noch vereinbar mit der Europäischen Sozialcharta.
4
Heruntergebrochen auf das Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt die Armutsrisikoschwelle so genannten NRW-Konzept bei 50 Prozent des Nettoäquivalenzeinkommens 1 (Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, o.A.). Zur Klärung der Frage, ab wann eine Person vollerwerbstätig ist, lässt sich Folgendes anführen: Nach einer Abgrenzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, des Forschungsinstitutes der Bundesagentur für
(Rhein, 2009, S. 4). Dies entspricht einer ganzjährigen Beschäftigung mit einer Wochenarbeitszeit von 35 Stunden. Ausgehend orking -Job weniger als 60 Prozent des
durchschnittlichen Nettolohns eines Landes verdienen. In einem Einpersonenhaushalt liegt diese Schwelle in Nordrhein-Westfalen bei einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 637 Euro, bei einem Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern im Alter von unter 14 Jahren bei 1720 Euro (Ministerium für Arbeit, Gesundheit, Soziales des Landes NRW, o.A.).
3. Determinanten von Armut trotz Erwerbstätigkeit
In diesem Kapitel wird dargestellt, welche Determinanten Einfluss auf Armut trotz Erwerbstätigkeit haben. Dabei wird der Bereich Sozio-Demografie in Alter, Geschlecht, Bildung, der Bereich Haushalt in Familien mit Kindern, Alleinverdienern und Doppelverdienern und der Bereich Erwerbstätigkeit in die drei Aspekte Teilzeitbeschäftigung, Niedriglohnbeschäftigung und Selbstständigkeit unterteilt (siehe unten). Alle diese Bereiche sind Bestimmungsgründe des Armutsrisikos auf der Mikroebene (Lohmann, 2007, S. 31). Inwiefern das Armutsrisiko von den oben genannten Faktoren abhängt, ist in einer Vielzahl von Studien untersucht worden.
1 Siehe Abbildung 2
5
ABBILDUNG 1: DIE DETERMINANTEN VON ARMUT TROTZ ERWERBSTÄTIGKEIT 2
3.1 Der Einfluss der Sozio-Demografie
3.1.1 Faktor Alter
Der Einfluss des Faktors Alter auf Armut trotz Erwerbstätigkeit stellt sich uneinheitlich dar. Alter kann grundsätzlich als Indikator für Berufserfahrung interpretiert werden, wobei durchschnittlich eher jüngere Erwerbstätige von Armut betroffen sind (Lohmann, 2007, S. 32). Strengmann-Kuhn stellt in seinen Untersuchungen fest, dass die höchsten Armutsquoten Personen unter 25 Jahren haben. In der Gesamtbevölkerung beträgt die Armutsquote der unter 25-Jährigen 17,5 Prozent. Bei den erwerbstätigen Armen sind 9,4 Prozent unter 25 Jahre alt. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass junge Erwachsene auch dann, wenn sie erwerbstätig sind, oft ein Einkommen unter der Einkommensgrenze haben (zum Beispiel eine Friseurin in den ersten Gesellenjahren). Betrachtet man die Gesamtbevölkerung, nimmt die Armutsquote mit zunehmendem Alter ab. Lediglich für die Gruppe der 56- bis 65-Jährigen nimmt sie wieder leicht zu (Strengmann-Kuhn, 2003, S. 81).
3.1.2 Faktor Geschlecht
Untersucht man das Verhältnis der erwerbstätigen Männer und Frauen in Deutschland, so ist festzustellen, dass sowohl relativ als auch absolut mehr Männer als Frauen einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Wird nun ausschnitthaft die Gruppe der erwerbstätigen Armen untersucht, so zeigt sich ein durchaus überraschendes Ergebnis. Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass Frauen die Mehrheit dieser Gruppe stellen, haben diese nur einen Anteil von 42,4 Prozent (Strengmann-Kuhn, 2003, S. 80). Zwar gibt es ein Einkommensdifferenzial zwischen Männern und Frauen. Jedoch sind die Gründe für die erhöhte Armutsgefährdung von Männern leicht zu erschließen: Männer stellen die absolute Mehrheit der deutschen Bevölkerung. 27,5 Millionen Männer und 26,9 Millionen Frauen leben in Deutschland. Die Erwerbsquoten liegen bei 69,2 Prozent bei den Frauen und bei 81,6 Prozent bei den Männern (Bundesagentur für Arbeit, 2009). Errechnet man nun die relative Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen und Männern, so sind 54,6 Prozent der Erwerbstätigen Männer, 45,4 Prozent sind Frauen. Aus der höheren Beteiligung der Männer 3 am Arbeitsmarkt insgesamt resultiert deren
2 Eigene Grafik basierend auf den Ausführungen von (Lohmann, 2007, S. 31)
3 Zur Frage, weshalb Männer sich verstärkt am Arbeitsmarkt beteiligen, vgl. (Müller, 2009)
6
Arbeit zitieren:
Marius Beckermann, 2009, Arm trotz Arbeit - das Phänomen der "working poor", München, GRIN Verlag GmbH
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