GLIEDERUNG
1. Einleitung. 3
2.Biographie 3
2.1 Platon 3
2.2 Hans-Georg Gadamer 4
3. Sprache und Wirklichkeit 4
3.1 Sprache bei Platon 4
3.2 Sprache bei Gadamer. 8
4. Vergleich Platon und Gadamer. 10
4.1 Erkenntnis 10
4.2 Wahrheit 11
5. Abschließende Bemerkungen 11
6. Literaturangaben: 14
2
1. Einleitung
Die Philosophie Platons kann in vielen Bereichen als der Grundstein unserer heutigen Welterklärung gesehen werden. Das erklärt auch die Plausibilität, die seine Argumente weit über zweitausend Jahre nach seinem Schaffen für uns heute noch haben. Genauso verhält es sich mit dem Bereich der Sprache. Nach Platon verwendet der Mensch die Sprache als „Werkzeug“ zum Benennen und um sich verständigen zu können. Dies scheint auf dem ersten Blick eine unumstößliche Tatsache zu sein, nach der sich auch in den Wissenschaften viele Modelle der Kommunikation und der Sprache richten 1 . Dabei läuft man jedoch Gefahr die Sprache wie einen Gegenstand von den Menschen abzukoppeln, gerade so, als ob man sie, eben wie ein „Werkzeug“, aus der Hand legen könne. Dagegen spricht sich Hans-Georg Gadamer aus, indem er betont, daß man „immer schon von der Sprache umgriffen [ist]“ (Gadamer,1986, S.149). Man ist also immer schon „in Sprache“, was erhebliche Konsequenzen für unsere Vorstellung von „Realität“ hat. Aus der Sicht Gadamers ist Sprache kein Werkzeug, mit dem wir die gegebene Welt ordnen und mit ihr umgehen, sondern Sprache ist vielmehr überhaupt dafür verantwortlich, daß wir uns eine Welt vorstellen können.
In diesem Text sollen nach einigen biographischen Angaben genau diese beiden Vorstellungen der Sprache gegenübergestellt werden. Dabei versuche ich zunächst, den Argumentationsweg Platons anhand einer Textstelle aus dem „Kratylos“ nachzuzeichnen. Anschließend soll das Verständnis Gadamers in Bezug auf Sprache erläutert werden. Nach einem Vergleich der beiden Positionen versuche ich abschließend noch einen Bezug zu den weiterführenden Ergebnissen, auf die wir im Laufe des Seminars 2 gekommen sind, herzustellen. Dabei soll auch meine eigene Position erkennbar werden.
2.Biographie
2.1 Platon
Platon gilt als einer der bedeutendsten Denker der Geschichte, da quasi mit ihm das philosophische Denken, wie wir es heute begreifen, entsteht. Er lebte von 427-347 v. Chr. und
1 Vgl.: z.B.: Karl Bühler: Das Organon-Modell der Sprache. In:Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der
Sprache. Stuttgart 1978. S.24-33
3
stammte aus vornehmer Familie. In seiner Jugend war er stark an Politik interessiert, erkannte jedoch später, daß für ihn ein Mitwirken an der Tyrannenherrschaft der Jahre 404-403 v. Chr. nicht in Frage kam.
Als Philosoph war er als Schüler von Sokrates stark von dessen Lehren geprägt. Die meisten Gedanken besonders seiner Frühschriften sind Gedanken von Sokrates. Sokrates selbst hat nichts Schriftliches hinterlassen. Man weiß von Sokrates nur über Platon. Die wissenschaftliche Methode von Sokrates war, im Dialog einem Gegenüber zur Erkenntnis zu verhelfen. Der Dialogpartner sollte dabei -ausgehend von seinen eigenen Prämissen - mit Hilfe von Sokrates selbst darauf kommen, weshalb diese falsch sind. Außer von Sokrates war Platon beeinflußt von Parmenides, Heraklit, Pythagoras, Demokrit und Protagoras.
2.2 Hans-Georg Gadamer
Hans-Georg Gadamer, geboren 1900, studierte von 1918 bis 1929 in Marburg, Freiburg und München Philosophie, Germanistik, klassische Philologie und Kunstgeschichte. Er habilitierte 1929 bei Martin Heidegger mit einer Arbeit über Platos dialektische Ethik Gadamer gibt der Hermeneutik eine umfassende Bedeutung. Hermeneutik im klassischen Sinne verstanden, bedeutete das Auslegen und Interpretieren von Bibeltexten und antiken Texten die nach der Auffassung der Bearbeiter einen besonderen Wahrheitsgehalt hatten. Bei Gadamer fließen nun verstehende Interpretationstechniken und die hermeneutische Methode M. Heideggers zusammen.
3. Sprache und Wirklichkeit
3.1 Sprache bei Platon
Die entscheidenden Stellen über Platons Verständnis von Sprache finden sich im Kratylos von 387a-388d (Platon, 1991, Band 3, S.119-123).
Sprechen ist für Platon zunächst eine Handlung wie jede andere auch. Doch um sie als diejenige Handlung erkennen zu können, die sie ist, muß sie ihrer Natur nach erfolgen. Platon verdeutlicht dies folgendermaßen:
2 Siehe Deckblatt
4
SOKRATES: Also auch die Handlungen gehen nach ihrer eigenen Natur vor sich, und nicht nach unserer Vorstellung. Wie wenn wir unternehmen etwas zu schneiden, teilen, sollen wir dann jedes schneiden wie wir wollen und womit wir wollen? Oder werden wir nur dann, wenn wir jedes nach der Natur des Schneidens und Geschnittenwerdens, und mit dem ihm angemessenen schneiden wollen, nur dann es wirklich schneiden und auch einen Vorteil davon haben, und die Handlung recht verrichten, wenn aber gegen die Natur, dann es verfehlen und nichts ausrichten? (387a)
Doch was bedeutet naturgemäß? Um diese Frage beantworten zu können, muß man sich Platons erkenntnistheoretische Grundannahmen vor Augen führen:
Platon setzt voraus, daß die Wahrheit über die Beschaffenheit der Dinge schon immer in uns steckt. Der Mensch hat vor seiner Geburt die ganze Wahrheit erfahren und im Leben diese jedoch wieder vergessen. Nur durch richtiges Nachdenken können wir die Wahrheit gewissermaßen wiederfinden. Die Seele ruft sich zurück, was sie vormals bereits wußte (Hügli,1991,S.454). Überdeckt wird die Möglichkeit der Wieder-Erkenntnis von unserem alltäglichen Verständnis der Dinge. Selbstverständlichkeiten stehen uns bei der Wahrheitsfindung im Weg. Erkenntnisleitend wird dabei für Platon die Theorie der Ideenlehre. Die Seele des Menschen und die physischen Naturdinge stehen den Ideen gegenüber. Die Ideen sind „die ewigen Urbilder der Wesenheiten der Dinge“ (Anzenbacher, 1999, S.45). Sie sind die wahre Wirklichkeit, an denen der Geist und die Erscheinungswelt nur teilhaben können, sie aber niemals selbst darstellen. „Die Ideen sind die Ursache der Dinge“ (Hügli,1991,S.455). Das ist teleologisch zu verstehen: Die Ideen sind das Ziel oder der Zweck der hinter den Dingen steht. Die Gegenstände ahmen die Ideen nach. Die Wirklichkeit ist somit dem Denken in Form von Abbildern zugänglich. Die Erscheinungswelt ist für uns ein Abbild des Wirklichen, der Ideen und somit für uns erfahrbar als Abbild.
Unter diesem Aspekt betrachtet, erscheint das Naturgemäße an den Handlungen einleuchtend. Wir können Handlungen nicht unseren Vorstellungen entsprechend begehen, sondern müssen sie ihrer Natur gemäß ausführen. Ihrer Natur gemäß, bzw. der Idee der Handlung entsprechend und erkennbar, indem wir uns das Abbild der Idee der Handlung vergegenwärtigen.
Für Platon ist nun das Sprechen auch eine Handlung, die sich ebenfalls in einer bestimmten naturgemäßen Weise vollzieht, nämlich als ein Handeln mit den Dingen. Ebenso verhält es sich mit dem Benennen, das ein Teil des Sprechens ist. Auch Hermogenes sieht dies ein:
5
Arbeit zitieren:
Martin Rafailidis, 2001, Sprache als Werkzeug der Verständigung oder als Mittel der Konstruktion von Wirklichkeit? Eine Gegenüberstellung von Platon und Gadamer, München, GRIN Verlag GmbH
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