Inhaltsverzeichnis
1. Kapitel: Einleitung 3
2. Kapitel: Definitionsmöglichkeiten und Geschichte der Globalisierung
2.1 Globalisierung: Die Definition eines globalen Begriffes 4
2.1.1 Die Gesichte der Globalisierung 6
2.1.2 Aspekte und Dimensionen der Globalisierung 12
2.1.3 Begünstigende Faktoren und Sichtweisen
der Globalsierung 14
2.1.4 Globalisierung aus soziologischer Sicht 16
2.1.5 Glokalisierung 17
3. Kapitel: Kennzeichen der ökonomischen Globalisierung
3.1 Zahlen der ökonomischen Globalisierung 19
3.2 Denationalisierung 20
3.3 Ökologische Globalisierung und soziale Ungleichheit 22
4. Kapitel: Sichtweisen der Globalisierung im sozialen Diskurs
4.1 Gewinner und Verlierer der Globalisierung 24
4.2 Weltrisikogesellschaft? 24
4.3 Anthony Giddens 27
4.4. Transnationalisierung 29
5. Kapitel: Fazit 34
Literaturverzeichnis und Internetquellen 37
Kapitel 1: Einleitung 3
1. Einleitung
Globalisierung, mit diesem Begriff sieht sich heutzutage jeder von uns konfrontiert. Er wird mal positiv, mal negativ benutzt, es wird von Globalisierungsverlierern und von Globalisierungsgewinnern gesprochen. Die Globalisierung wird oft als Begründung für unpopuläre Entscheidungen in vielen Bereichen, wie zum Beispiel in der Politik und der Wirtschaft, verwendet. Sie dient der Politik oftmals als Schlagwort bei der Rechtfertigung von Kürzungen bei sozialstaatlichen Leistungen oder für Standortverlegungen von Firmen. Ein Beispiel, welches noch in vielen Köpfen des Ruhrgebiets präsent ist, stellt die Standortverlegung des Nokia Werkes Bochum nach Rumänien dar. Die Schließung des Werkes im Jahr 2008 wurde von der Firmenleitung, mit dem zu hohen Kostenniveau des deutschen Standortes begründet, der unter dem globalen Druck des Marktes langfristig die Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens gefährdete. 1 Dieser Argumentationsansatz zeigt, dass es einfach zu sein scheint, das „Phänomen“ Globalisierung als Begründung für unpopuläre Entscheidungen heranzuziehen und als Rechtfertigungsgrundlage zu benutzen. 2 Es kann festgehalten werden, dass Politik und Wirtschaft Globalisierung, als eine Art „politisches Schlagwort“ in der Öffentlichkeit verwenden und es nach Belieben einsetzen. 3
Diese Arbeit hat das Ziel die Globalisierung in die aktuelle soziale Diskussion mit einzubeziehen und die Vorteile und die Chancen, sowie die Nachteile und die Risiken, die sie mit sich bringt zu analysieren. Es gilt auch zu klären, wie die Globalisierung von den Menschen, die mit ihr Leben müssen gesehen wird und welche Trends sich erkennen lassen.
Zur Klärung dieser doch sehr weiträumigen Fragestellung muss zunächst erst einmal geklärt werden, wie sich Globalisierung definieren lässt und welche Betrachtungsmöglichkeiten dieses Prozesses sich ergeben.
1 „Der Beschluss zu Bochum steht“ In: Handelsblatt online, 23. Januar 2008.
2 Brock, Ditmar: Globalisierung. Wirtschaft - Politik - Kultur - Gesellschaft. Lehrbuch 1.
Wiesbaden 2008, S. 9.
3 Brock, Ditmar: Globalisierung. Wirtschaft - Politik - Kultur - Gesellschaft. Lehrbuch 1.
Wiesbaden 2008, S. 7.
Kapitel 2: Definitionsmöglichkeiten und Geschichte der Globalisierung 4
2. Definitionsmöglichkeiten und Geschichte der Globalisierung
2.1. Globalisierung: Die Definition eines globalen Begriffes
Was ist Globalisierung? Es gibt unzählige Bücher, Aufsätze und Artikel, die sich allein mit dieser Fragestellung beschäftigen. Zur Klärung der Frage, was sich für die Menschen in der globalisierten Welt verändert und ob diese Veränderung positiv oder negativ ist, gilt es den Begriff Globalisierung zu definieren. Und schon die unterschiedlichen Definitionen, welche die Literatur bietet, lassen Spielräume für Interpretationen offen. 4 Letztendlich kommen alle Definitionen zu dem Schluss, dass es sich bei der wirtschaftlichen Globalisierung, um eine Integration von Märkten, bzw. als grenzüberschreitende Verflechtung ökonomischer Räume handelt. So definieren Schirm, Becker und John, die Globalisierung, als den „zunehmenden Anteil grenzüberschreitender privatwirtschaftlicher Aktivitäten an der gesamten Wirtschaftsleistung von Ländern.“ 5 Bhagwati definiert als „Integration einzelner Globalisierung noch weitergehender,
Volkswirtschaften in die internationale Wirtschaft durch Handel, Auslandsdirektinvestionen (von Unternehmen und multinationalen Konzernen), kurzfristige Kapitalströme, grenzüberschreitende Wanderungsbewegungen (nicht nur) von Arbeitskräften sowie durch Verbreitung von Technologie.“ 6
Diese ökonomische Perspektive ist zu einseitig, wenn man sich die heutige Dimension der Globalisierung vor Augen führt, denn es besteht nicht nur eine Verflechtung in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern in fast allen Bereichen unseres Lebens. Globalisierung ist ebenfalls in der Politik, der Kultur, der Kommunikation und in der Umwelt zu erkennen. Es bestehen wenige Möglichkeiten Dinge nur noch national zu betrachten, da die Abhängigkeiten und Zugehörigkeiten global vernetzt sind. 7 Hier ist eines der Grundprobleme von Definitionen des Begriffes Globalisierung zu erkennen, nämlich die
4 Osterhammel / Petersson: Geschichte der Globalisierung. Dimensionen, Prozesse, Epochen.
München 2007, S.7.
5 Schirm / Becker / John: Globalisierung und Global Governance. Paderborn 2007, S.13.
6 Bhagwati, Jagdish: Verteidigung der Globalisierung. Bonn 2007, S.25.
7 Bhagwati, Jagdish: Verteidigung der Globalisierung. Bonn 2007, S.26.
Kapitel 2: Definitionsmöglichkeiten und Geschichte der Globalisierung 5
Prägung der Definition durch die normative Grundeinstellung des Betrachters, die eine objektive Betrachtung der Globalisierung erschwert. 8 Diese, mit der wirtschaftlichen Globalisierung einhergehende Entwicklung, lässt sich anhand der Geschichte der Globalisierung sehr gut nachvollziehen. Herauszustellen ist, die mittlerweile tiefe Verwurzlung des Begriff in allen Sprachen und Gesellschaften. Es gilt festzuhalten, dass die „Geschichte von Gesellschaften“ eine neue Qualität erreicht hat. Seit den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts hat sich in den Köpfen der Menschen die Tatsache festgesetzt, dass wir alle in einer globalisierten Welt leben. 9 Dieser Abschnitt zeigt, dass die Definitionen von Globalisierung sehr unterschiedlicher Natur, deshalb ist Globalisierung kein eindeutiger Begriff. 10 Es besteht eine gewisse Konkurrenz dieses Begriffs mit anderen wie zum Beispiel der Internationalisierung und der Transnationalisierung. 11 Allgemein wird unter Globalisierung eine in erster Linie weltweite wirtschaftliche Verflechtung gesehen. Also werden zunehmend einzelne Volkswirtschaften durch grenzübergreifenden Warenaustausch mit Gütern, Dienstleistungen, Kapital und technischem Wissen verwoben. Eine messbare Größe der Entwicklung ist die Expansion des Welthandels und der Auslandsinvestitionen, die beide seit den 90er Jahren stärker zu genommen haben, als die Weltproduktion. 12 Beweis hierfür ist, dass allein von 1990 bis 1996 der Umfang des Handels mit Industriegütern um durchschnittlich 6% wuchs und die Weltproduktion nur um 1,5% zugenommen hat. 13 Eine weitere Problematik des Begriffes der Globalisierung liegt darin begründet, dass er eine hohe inhaltliche Breite und Unschärfe besitzt. Die OECD definiert Globalisierung schlicht als einen Prozess, durch den Märkte und Produktionen in verschiedenen Ländern immer voneinander abhängig werden, als Folge der Dynamik des Handels mit Gütern und Dienstleistungen und durch die Bewegung von Technologien. 14 Hauptakteure der Globalisierung sind multinationale Unternehmen, welche die Globalisierung heute maßgeblich
8 Altvater, Elmar: ABC der Globalisierung. Hamburg 2005, S.74.
9 Rehbein, Boike / Schwengel Herrmann: Theorien der Globalisierung. Konstanz 2008, S.9.
10 Praxis Geographie H142, 8/1998, S.4.
11 Praxis Geographie H142, 8/1998, S.4.
12 Praxis Geographie H142, 8/1998, S.6.
13 Praxis Geographie H142, 8/1998, S.5.
14 Praxis Geographie H142, 8/1998, S.4.
Kapitel 2: Definitionsmöglichkeiten und Geschichte der Globalisierung 6
durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien und neue Organisationsformen der betrieblichen Produktion vorantreiben. Der Begriff Globalisierung hat aber auch verschiedene Aufgaben, so dient er als Entschuldigung für die nationale Untätigkeit, Misserfolge oder als Ausrede für Resignation, zudem wird er auch benutzt, um Druck auf nationale Regierungen oder Verbände auszuüben.
Somit lässt sich feststellen die Globalisierung ist ein Prozess mit einer ökonomischen, politischen und kulturellen Dimension. Die ökonomischen und technologischen Entwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte haben zu einer wachsenden Interdependenz der Staaten und Gesellschaften der Erde sowie zu einer Internationalisierung einer Vielzahl von Politikfeldern und Lebensbereichen geführt. 15
2.1.1. Die Geschichte der Globalisierung
Der Beginn der Globalisierung ist nicht ganz eindeutig in der Wissenschaft geklärt und definiert. Einige Forscher sehen den Anfang der Globalisierung nach dem Zweiten Weltkrieg. In der damals vornämlich sozialwissenschaftlichen Betrachtungsweise wurde der Begriff in der Literatur jedoch erstmalig 1944 verwendet. In der englischsprachigen Literatur tauchte der Begriff „Globalization“ 1961 in Form eines Lexikoneintrages auf. Den Terminus der wirtschaftlichen Globalisierung prägte der Professor Theodore Levitt mit seinem Artikel „The Globalization of Markets“ in der Havard Business Review 1983. 16 In den 1990er Jahren hielt der Begriff Globalisierung endgültig Einzug in den deutschsprachigen Raum und ist heute nicht mehr aus der Öffentlichkeit und der Gesellschaft wegzudenken.
Der Prozess des Welthandels hat aber in einzelnen Bereichen schon viel früher eingesetzt und lässt sich bei genauer Betrachtung in einigen Epochen erkennen, allerdings beschränkt auf damalige technische und physische Gegebenheiten. So gab es schon in Zeiten des römischen Reiches Händler, die mit Sklaven und Tieren „(Welt-)handel“ betrieben. Ansätze von globalem Handeln lassen sich
15 Brodmerkel, Sven: Globalisierung - Freund oder Feind des Föderalismus? Münster 2003.
16 Levitt, Theodore: „The globalization of markets“, in: Harvard Business Review, 61. Jg.,
1983, Nr. 3, S. 92.
Kapitel 2: Definitionsmöglichkeiten und Geschichte der Globalisierung 7
in der Industrialisierung, aber auch in den Zeiten des Ersten und Zweiten Weltkrieges erkennen.
Nachdem Wallerstein 1974 seine historisch-theoretische Skizze der Entstehung eines modernen Weltsystems im langen 16. Jahrhundert vorgelegt hatte, war der Einwand, dass es schon viel früher Weltsysteme gab, nicht mehr von der Hand zu weisen. 17 In dem Zeitraum von 1450 bis 1640 entwickelte sich ein System der wirtschaftlichen Arbeitsteilung, welches sich schnell nach Nordwesteuropa ausbreitete. 18 Diese Entwicklung wird ebenfalls als „Aufstieg des Westens“ bezeichnet. 19 Hier lässt sich erstmalig nach Wallerstein ein global vernetztes und global arbeitendes Wirtschaftssystem erkennen. Allerdings ist dieses System arbeitsteilig aufgebaut und in seiner Grundstruktur autark, jedoch profitieren nicht alle Akteure des Systems gleichermaßen von dieser Arbeitsteilung. Es ist laut Wallerstein zu erkennen, dass die arbeitsteilig hergestellten Waren und deren „terms of trade“, also deren Austausch- relationen,zu finanzielle und soziale Ungleichheiten führen. 20 Güter, die ohne qualifizierte Arbeiter und mit einfachen Produktionsverfahren herstellbar waren, scheinen international weniger „wert“ und könnten nur gegen, dem Tauschverhältnis entsprechend, weniger qualitativ hochwertige Produkte getauscht werden. Somit verhindere die Produktion „einfacher“ Waren eine profitablere Wertschöpfung und führe zu schlechten Produktionsbedingungen in diesen Regionen. Wallerstein bezeichnet diese Regionen als „Peripherie“, dem entgegen stehen die Regionen des „Zentrums“, die „wertvolle“ und hochwertige Waren, unter modernen Produktionsverhältnissen herstellen. Er erkennt in dieser Entwicklung die Entstehung eines Systems der internationalen Arbeitsteilung mit regionalen Ungleichheiten. Von außen betrachtet kann man daher Immanuel Wallerstein, als Vertreter einer Modernisierungstheorie, die Ansätze der Dependenztheorie bzw. Ent-wicklungstheorie beinhalten, einordnen. Interessant hierbei ist, dass Wallerstein sich selbst als Afrikanist sieht und bei dieser eurozentrischen
17 Wallerstein, Immanuel: Das moderne Weltsystem. Die Anfänge kapitalistischer
Landwirtschaft und die europäische Weltökonomie im 16. Jahrhundert. Frankfurt am Main.
1986.
18 Osterhammel / Petersson: Geschichte der Globalisierung. Dimensionen, Prozesse, Epochen.
München 2007, S.26.
19 Osterhammel / Petersson: Geschichte der Globalisierung. Dimensionen, Prozesse, Epochen.
München 2007, S.26.
20 „terms of trade“ bezeichnet eine volkswirtschaftliche Meßzahl für das reale
Austauschverhältnis zwischen den exportierten und den importierten Gütern eines Landes
Kapitel 2: Definitionsmöglichkeiten und Geschichte der Globalisierung 8
Theoriebildung, betrachtet er Afrika als einen Teil des europäischen Wirtschaftssystems. 21 Afrika wurde laut Wallerstein, durch die enge Bindung an das europäische Wirtschaftssystem als „Peripherie“, daran gehindert ein eigenständiges kapitalistisches System zu etablieren. 22 Diese Entwicklungs- blockadenin den Regionen der „Peripherie“ sind auf die Wohlfahrtssteigerung durch wachsende Märkte und steigende „terms of trade“ in den Zentrums- staatenzurückzuführen. 23
Der weitere Verlauf der Geschichte begünstigte die Entwicklung der Globalisierung durch die Industrialisierung. Die Industrialisierung entstand im 19. Jahrhundert in den Staaten des „Zentrums“ und läutete die zweite Phase dieses modernen Weltsystems ein. Die neu geschaffenen Produktionsmethoden, wie die Entwicklung der Dampfmaschine, führte dazu, dass keine absoluten Abhängigkeiten mehr von der körperlichen Arbeitskraft bestand. Die maschinelle Unterstützung sorgte für höhere Stückzahlen und eine kostengünstigere Produktion von Waren, die unabhängig von der menschlichen Leistungsfähigkeit gesteigert werden konnte. 24 Die Gefahr dieser Entwicklung stand in der Überproduktion, welche nur durch die Erschließung neuer Märkte, durch eine Weiterentwicklung bestehender und durch neue Produkte bewältigt werden konnte. Wallersteins Systemtheorie von „Peripherie“ und „Zentrum“ bleibt in dieser Phase erhalten. Die Aufgabenverteilung der beiden blieb klar, so musste die „Peripherie“ die Produktion von günstigen Lebensmitteln und die Versorgung mit Rohstoffen für das „Zentrum“ gewährleisten. 25 In den Fokus rückte die Entwicklung von so genannten Schlüsseltechnologien rückte in dieser Phase der Globalisierung in den Fokus. So war im frühen 19. Jahrhundert zunächst der Eisenbahnbau als solches Schlüsselprojekt, um die Entwicklung in der Stahl- und Kohleindustrie sowie im Maschinen- und Anlagenbau entscheidend voranzubringen. Bornschier sieht eine Verknüpfung von gesellschaftlichen und politischen Projekten in den Zentrumsstaaten mit
21 Boike / Schwengel 2008, S. 60.
22 Osterhammel / Petersson: Geschichte der Globalisierung. Dimensionen, Prozesse, Epochen.
München 2007, S.42.
23 Wallerstein, Immanuel: Das moderne Weltsystem. Die Anfänge kapitalistischer
Landwirtschaft und die europäische Weltökonomie im 16. Jahrhundert. Frankfurt am Main.
1986.
24 Osterhammel / Petersson: Geschichte der Globalisierung. Dimensionen, Prozesse, Epochen.
München 2007, S.53.
25 Bornschier, Volker: Lange Wellen im Weltsystem. In: Rittberger, Volker: Theorien der
Internationalen Beziehungen, Politische Vierteljahresschrift, Special Volume 21. Opladen:
Westdeutscher Verlag. Seite 175-197.
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Patrick Lethaus, 2009, Die wirtschaftliche Globalisierung in der sozialen Diskussion, München, GRIN Verlag GmbH
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