1 Einleitung
Der englische Goethe-Biograf Nicholas Boyle sagte einmal über das Faust-Drama:
Es ist das Größte und sein erster Teil zugleich das Anziehendste -, was Goethe geschaffen hat. Da steckt wirklich alles drin (zitiert nach Kröger 2006, S. 5)
Goethes Faust gilt als das bedeutendste Werk der deutschen Literatur. Es dauerte über ein halbes Jahrhundert bis Goethe das heute vorliegende Gesamtwerk fertig gestellt hatte, das in der Endfassung nun bereits seit über 175 Jahren vor allem die deutsche Kultur durchzieht und die Menschen weltweit begeistert.
Da es mir auf dem Gymnasium verwehrt blieb, mich mit dem Faust-Drama Goethes zu beschäftigen, bin ich erst durch das Seminar, zu dem diese Hausarbeit als Leistungsnachweis dient, zur intensiveren Beschäftigung mit dem Thema gekommen. Im Nachhinein bin ich sehr froh darübepersönliche Einführung in Goethes Faust verwandelt hat. Auch wenn ich mir bewusst bin, dass die hiermit verbundene Wissenserweiterung nicht zugunsten meines späteren Berufes erfolgte, so ist sie doch eine Bereicherung für mein kulturelles Verständnis. Besonders fasziniert mich das äußere Gebilde um die Kernhandlung des Fausts. Der Himmel und die Hölle treffen in personifizierter Form in einer Kontroverse aufeinander und streiten um das Wesen des Menschen, ferner um den Sinn menschlichen Lebens, woraufhin der Vertreter der Hölle freie Hand für sein diabolisches Treiben auf der Erde bekommt. Um den vom Herrn auserwählten Menschen Faust zu verführen, wird der Weg nicht nur mit Leichen gepflastert, er führt an die ungewöhnlichste Orte und Zeiten und offenbart verrücktestes Treiben von Menschen und geisterhaften Wesen. Vom Kampf zwischen Gut und Böse schon immer fasziniert, ist die Handlung, dass eine göttliche und eine teuflische Instanz auf diese Weise das Leben der Menschen beeinflussen, quasi damit spielen, für mich der Anlass dazu, mich in der folgenden Ausarbeitung diesem Kapitel eine Wette zwischen dem Herrn und Mephistopheles abgeschlossen wird bzw. ferner, ob eine derartige Wette überhaupt abgeschlossen werden kann. Zu diesem Zweck werde ich die betreffenden Textstellen aus Faust. Eine Tragödie als Grundlage verwenden, diese auf ihre Aussagen hin untersuchen, um schließlich, unter Zuhilfenahme von Deutungsansätzen aus der Sekundärliteratur, aufgrund meiner eigenen Interpretation eine fundierte Antwort auf die bereits erwähnt Frage geben zu können.
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In der vorliegenden Hausarbeit sind die Quellenangaben den Zitaten direkt nachgestellt, bei der Bezugnahme auf Inhalte des Faust-Dramas beschränke ich mich der Einfachheit halber lediglich auf die Angabe der entsprechenden Verse. 2 Die Handlung im im Himmel
Goethes Drama Faust I wird von drei Prologen eingeleitet, die dem Leser den Zugang zu der Tragödie erster Teil ermöglichen sollen. Die Zueignung, das Vorspiel auf dem Theater und der Prolog im Himmel stellen zusammen das dreifache Präludium dar (vgl. Kröger 2006, S. 7).
In der Zueignung wendet sich der Dichter seinem lange vernachlässigten Drama wieder zu, wobei er sich weniger als kreierender Schöpfer sondern als Künstler empfindet, auf den die Figuren einwirken, ihn förmlich bedrängen, sodass er sie bzw. die Verse niederschreibt. Das Vorspiel auf dem Theater besteht aus einem (Streit-)Gespräch zwischen dem Theater-direktor, dem Dichter und einem Schauspieler, die alle unterschiedliche Erwartungen an die Inszenierung haben und darüber aneinander geraten. Letztendlich fordert der Direktor den Dichter und den Schauspieler dazu Vom Him-
mel durch die Welt zur Hölle(V. 242) haben zu lassen, was genau genommen zum dritten Vorspiel überleitet.
Denn im Prolog im Himmel treffen, neben der Erwähnung des Erdenbewohners Faust, die zwei nicht-weltlichen Instanzen in Form des Herrn (Himmel) und Mephistopheles (Hölle) erstmals aufeinander.
Nachdem die Erzengel Raphael, Michael und Gabriel von der Welt als Werk Gottes gesungen und dabei auf deren Die unbegreiflich hohen Werke / Sind herrlich wie am ersten Tag. (V. 249f), trotz einiger bedrohlicher schau- ervollerNacht. (V. 254) eingegangen sind, meldet sich Mephisto zu Wort. Ganz im Gegensatz zu den Lobesgesängen der Erzengel auf die Schöpfung richtet er den Fokus speziell auf die Menschen und kritisiert offen deren Dasein. Mephisto macht deutlich, dass er nichts Positives an der menschlichen Existenz finden kann, diese als Plage für die Menschen selbst ansieht und teilt auf Nachfrage des Herrn bereitwillig mit, wie sehr er die Menschen deswegen be Die Menschen dauern mich in ihren Jammertagen, / Ich mag sogar die armen selbst nicht plagen. (V. 297f). Der Herr führt den Gelehrten Doktor
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Faust als positives menschliches Beispiel an, worauf der Dialog mit dem Angebot einer Wette durch Mephisto endet.
Dieser ist sich sicher, Faust verführen und vom rechten Pfade abbringen zu können. Der Herr hingegen hat besonderes Vertrauen in den Menschen Faust, der rastlos und stets unzufrieden nach einer Antwort auf die Frage sucht, was die Welt im Innersten zusammenhält (vgl. V. 382f). Dieses Streben beabsichtigt Mephisto Faust auszutreiben. Doch der Herr verlässt sich darauf, dass Faust, den er bald mit der von ihm so intensiv begehrten Klarheit erleuchten will, sich trotz der Versuchungen Mephistos des rechten Weges bewusst sein wird (vgl. V. 388f).
Laut den Bedingungen, die der Herr für den Verführungsversuch gestellt hat, darf Mephisto für die Dauer von Fausts Leben auf der Erde seine Machenschaften an ihm ausprobieren. Jedoch muss er auf der Erde als das auftreten, was er ist Du darfst auch da nur frei erscheinen) (V. 336).
Schließlich endet der Prolog im Himmel mit der Nennung eben dieser Wesensbezeichnung indem Mephisto sich selbst wörtlich a (vgl. V. 353).
Auf das Präludium folgt die Kernhandlung des Dramas, wobei der Fokus nun direkt auf Faust und somit auf das Geschehen auf der Erde gerichtet wird. Erst an diese Stelle ist einleitend die Überschrift Der Tragödie erster Teil zu finden.
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3 Der Prolog im Himmel als Rahmenhandlung des Dramas
Zwar ist der Prolog wie die Zueignung und das Vorspiel dem ersten Teil der Tragödie vorangestellt, doch unterscheidet er sich von den beiden insofern, als dass er sich inhaltlich bereits auf die Handlung der beiden Dramenteile bezieht. So wird zum Beispiel der spätere Protagonist und Namensgeber des Dramas Faust erstmalig erwähnt. Die Zugehörigkeit des dreiteiligen Präludiums zum Drama wird rein formell auch dadurch gekennzeichnet, dass vor dem Präludium und den beiden Teilen Fausts die Überschrift Faust. Eine Tragödie zu finden ist, die durch ihre vorstehende Position alles folgende unter bzw. in sich zusammenfasst. Heute kann man auf Faust als komplettes und abgeschlossenes Werk zurückgreifen, was zu Zeiten der Entstehung des Dramas nicht möglich war. Früher hatten Interessierte allenfalls Zugriff auf Teile bzw. Bruchstücke der Dichtung, die in ihrer Jahrzehnte langen Erschaffung immer wieder erweitert und überarbeitet wurde. Somit muss der Leser heute keine Elemente des Dramas mehr isoliert betrachten, sondern kann das Werk als Ganzes ergründen, wodurch sich ihm z. B. Bezüge von den Prologen zu Faust II (Sphärengesänge, Liebesoffenbarung etc.) offenbaren (vgl. Kröger 2006, S. 33 und Neumann 1985, S. 168).
Rein inhaltlich bildet die himmlische Rahmenhandlung, die Faust I und Faust II umschließt. (Kamp 1996, S. 9). Diese wird durch die Szene Bergschluchten (V. 11844ff) in Faust II ergänzt bzw. durch diese erst vervollständigt. Ausdrücklich wird der Kreis der himmlischen Rahmenhandlung am Schluss von Faust II geschlossen, wo bezüglich der Aufnahme der irdischen Sünder die göttliche Instanz in Form der Mater gloriosa erscheint (vgl. Trunz 1996, S. 507f).
Mittels des vorherigen Prologs, dem Vorspiel auf dem Theater, wird dem Leser bereits dort aufgezeigt, dass das Faust-Dramas neben der irdischen auch die Ebenen des Himmels und der Hölle (V. 242) beinhalten wird, wodurch die Reichweite der Handlung abgesteckt wird (vgl. Kobligk 1985, S. 34f). Auch Neumann (1985, S. 167) erkennt in der Art, wie Goethe den Dichter im Vorspiel handeln lässt, also im Aufruf das Gerede zu beenden und zur Tat, nämlich zur Inszenierung des betreffenden Stückes, zu schreiten (V. 214ff), das Ziel, nach den ersten beiden Prologen im dritten zur eigentlichen Handlung des Faust und genauer zur mmen. Rickert (1932, S. 55) fasst dazu zusammen:
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Arbeit zitieren:
M.Ed. Georg Rabe, 2006, Der Prolog im Himmel in Goethes Faust, München, GRIN Verlag GmbH
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