Abstrakt der Bachelorarbeit
Thema: Bernhard Schlink - Der Vorleser: Genauere Betrachtung des Romans Verfasserin: Fu Mian
Im Roman Der Vorleser von Bernhard Schlink geht es nicht nur um eine Beziehung zwischen dem 15-jährigen Michael und der 21 Jahre älteren Hanna, deren Beziehung nicht von den anderen akzeptiert werden kann. Es geht auch um Moral, Schuldfragen und Auseinandersetzungen zwischen der Kriegsgeneration und den Folgegenerationen. Das altbekannte Thema wird aus Sicht der Nachkriegsgeneration beleuchtet, die, nicht wie erwartet durch Elternliebe, sondern durch eine partnerschaftliche Liebesbeziehung, emotional eng mit der Tätergeneration verknüpft ist. Anhand der Entscheidungsfreiheitstheorie und durch gründliches Recherchieren wird in der Bachelorarbeit der gesellschaftspolitischer Hintergrund kurz dargestellt, damit Schuldfragen, Schicksal der Hauptfiguren und die Struktur des Romans analysiert werden können.
Stichwörter: Der Vorleser; Der 2. Weltkrieg; Schuldfragen; Analphabetismus; Prozess
I
Inhaltverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Gesellschaftspolitischer Hintergrund 2
2.1 Der 2. Weltkrieg und das KZ 2
2.2 Die NS-Prozesse 3
3. Analyse der Schuldfragen 4
3.1 Die Schuld Hannas 5
3.1.1 Hannas Analphabetismus in Bezug auf ihre Schuld. 5
3.1.2 Freie Wahl oder keine Wahl? Die Entscheidungsfreiheit 7
3.2 Die Schuld Michaels 8
3.3 Die Schuldfähigkeit der Kriegsgeneration und der Folgegenerationen 10
4. Analyse des Schicksals der zwei Hauptfiguren 11
4.1 Die Beziehung zwischen Hanna und Michael Liebe oder Hörigkeit? 11
4.2 Hanna Schmitz´ Freitod als logische Konsequenz aus dem Grundmuster ihrer
Lebensstrategie 14
4.3 Auswirkungen von Hanna auf Michaels Leben 16
5. Analyse der Struktur des Romans Der Vorleser 17
5.1 Erzählperspektive, Sprache und Erzählstil 19
6.
Schlussbemerkung 22
Literaturverzeichnis 24
II
Bernhard Schlink - Der Vorleser: Genauere Betrachtung des Romans
1. Einleitung
Als eines der Leitthemen in der deutschen Nachkriegsliteratur sticht die faschistische Vergangenheit Deutschlands hervor. In zahllosen Büchern wird versucht, Erinnerungs- und Trauerarbeit zu leisten, wird die Frage nach der Schuld an den Verbrechen des Nazi-Regimes und nach der Möglichkeit zur Aufarbeitung dieser historischen Last gestellt. Anfang der 80er Jahre begannen sich die nachgeborenen Generationen mit der Schuld der Älteren auseinanderzusetzen. In Väter-Biografien wurde oft schonungslos mit dem Verhalten der Elterngeneration - sei es als Täter oder als Mitläufer - während des Krieges abgerechnet. Bernhard Schlinks Der Vorleser, der sich mit dem Umgang der zweiten Generation mit der Schuld der älteren Generation beschäftigt, lenkt den Blick auf eine neue Perspektive. Im Roman geht es um einen in der Ich-Perspektive verfassten Roman. Die 15-jährige Hauptfigur Michael Berg erzählt von seiner zufälligen Bekanntschaft mit der wesentlich reiferen Hanna Schmitz und ihrer gemeinsamen heimlichen Beziehung.
Die altbekannten Themen werden aus Sicht der Nachkriegsgeneration beleuchtet, die, nicht wie erwartet durch Elternliebe, sondern durch eine partnerschaftliche Liebesbeziehung, emotional eng mit der Tätergeneration verknüpft ist.
Er behandelt die Frage, „wie “ die Generation des Autors, geboren in den Kriegsjahren, und die Generation danach mit dem Holocaust und der Partizipation ihrer Rollenvorbilder darin umgehen können, welchen Einfluss die Schuld der Eltern und Grosseltern auf das eigene Leben der Nachkriegsgeneration hat.
In der vorliegenden Arbeit wird versucht, Schuldfragen, Schicksal der zwei Hauptfiguren und Struktur des Romans zu analysieren.
Im ersten Kapitel der Arbeit gibt es gesellschaftspolitischen Hintergrund. Im zweiten Kapitel wird versucht, die Schuldfragen zu analysieren. Welche Schuld hat Hanna bzw. die
1
Kriegsgeneration gemacht? Könnte „Analphabetismus “ ein Grund dafür sein? Mit der Analyse des Schicksals von den zwei Hauptfiguren beschäftigt sich das dritte Kapitel. Dabei wird versucht, die Beziehung zwischen Hanna und Michael festzustellen, Hannas Freitod zu begründen, und Auswirkungen von Hanna auf Michaels Leben zu beschreiben. Im vierten Kapitel geht es um die Struktur des Romans, genauer gesagt, Erzählperspektive, Sprache und Erzählstil.
2. Gesellschaftspolitischer Hintergrund
Dieser Roman handelt von der Zeit nach dem 2. Weltkrieg und während der NS-Prozesse in der Nachkriegszeit. 2.1. Der 2. Weltkrieg und das KZ
Mit dem Überfall auf Polen am 1.September 1939 löste Hitler den Zweiten Weltkrieg aus. Kein Name ist mit dem Nationalsozialismus so eng verbunden wie derjenige Adolf Hitlers. Er hat den Nationalsozialismus als politische Idee wie als politische Bewegung in so hohem Maße selbst geschaffen, dass man auch schon von ,,Hitlerismus" sprechen kann. Die imperialistischen Raubzüge des Hitlerregimes hatten zwar der Welt bereits genügend vor Augen geführt, zu welcher Barbarei der deutsche Faschismus fähig war. Das ungeheuerliche Ausmaß des Naziterrors mit all seinen sadistischen Details aber wurde erst endgültig bekannt, als die wenig übrig gebliebenen Häftlinge der Konzentrationslager befreit wurden. 1 Die nationalsozialistischen Konzentrationslager gelten als Symbol der Unmenschlichkeit des NS- Regimes. Auschwitz war das größte nationalsozialistische KZ. Es wurde im Frühjahr 1940 auf Befehl von Heinrich Himmler errichtet und diente sowohl als Arbeitslager, als auch ab 1941 als Vernichtungslager. Bis zum Ende 1944 waren in Auschwitz bereits Millionen Menschen, vor allem Juden, die Schätzungen reichen von 1,2 bis zu 4 Millionen - ermordet worden. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Lager. Das KZ Auschwitz ist heute
1 Vgl. http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/holocaust/auschwitz/index.html
2
Gedenkstätte; „der Name Auschwitz wurde zum Symbol für den Völkermord an den Juden in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern.“ 2
Über KZ-Aufseherinnen wurde in der Forschung oft diskutiert. Dabei stellte sich die Frage nach der Verantwortung von Frauen in der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. In den Anfängen dieser Forschungsrichtung wurden eher Diskriminierung, Verfolgung und Widerstand von Frauen im Nationalsozialismus angesprochen und deutsche nichtverfolgte Frauen einseitig als Opfer dargestellt. Aufseherinnen wurde Beteiligung, Verantwortung und freie Verfügung über ihr Handeln abgesprochen. Kann man dies so verallgemeinern? Nein. Zu fragen ist, welche Motive Frauen hatten, um sich freiwillig zu dieser Arbeit zu melden oder sich bereit zu erklären, als Aufseher in einem KZ zu bewerben und/oder zu arbeiten. Bekannt sind zwei Rekrutierungsformen. Zum einen wurden Aufseherinnen im Rahmen einer Dienstverpflichtung in der Rüstungsindustrie für die Tätigkeit in Konzentrationslagern geworben, zum anderen gab es eine Reihe von Frauen, die sich aus eigenem Antrieb meldeten. 3
Aufseherinnen bewachten weibliche Gefangene in verschiedenen Frauenlagern. Obwohl nichts Genaueres über die Zahl der Frauen als Aufseher bekannt ist, lässt sich schätzen, dass ungefähr zehn Prozent des Personals Frauen waren. Bevorzugt wurden Frauen im Alter von 21 bis 45 Jahren eingestellt.
2.2 Die NS-Prozesse
In NS-Prozessen wurde viel Material zutage gefördert, bei dem sich die deutsche Gesellschaft wie in einem schmerzhaften Brennspiegel wiederfand und dabei die später vielberufene „Banalität" der Täter entdeckte. Die juristische Aufarbeitung vermochte aber kaum einmal das Gefühl nachträglicher Gerechtigkeit zu erzeugen. Wenn überhaupt nach langwierigen Verfahren Urteile gefällt wurden, kam es zu Strafbemessungen, die oft genug als eine „Verhöhnung der Opfer" empfunden wurden.
2 Vgl. http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/holocaust/auschwitz/index.html
3 Vgl. Ute Herwig: KZ-Aufseherinnen: Zur Sozialpsychologie weiblicher Täterschaft im Nationalsozialismus
3
In den Auschwitz-Prozessen wurde das Gesamtgeschehen der „Endlösung" anhand historischer Gutachten dargelegt. Zugleich schilderten die Zeugen erstmals vor einer breiten Öffentlichkeit die an den Häftlingen begangenen Grausamkeiten und den genauen Vollzug der Vernichtung.
Hermine Ryan war 1942-1944 in führender Funktion im polnischen Konzentrationslager Majdanek als stellvertretende Schutzhaftlagerführerin. Sie war dort für den Tod von 250000 Menschen mitverantwortlich, die auf brutalste Weise ums Leben kamen. Sie wurden vergast, erschossen, verbrannt, ertränkt, totgeschlagen und totgetreten. Eine Nachbarin sagte: „Ich wusste ja wer sie war. Die sah ja gar nicht aus wie ein Monster, was man immer über sie gelesen hat. Die war ganz normal.” 4 Hermine Ryan wurde von Nov. 1975 bis Juli 1981 noch nachträglich der Prozess am Landgericht Düsseldorf gemacht.
Die Hauptfigur im Roman Der Vorleser Hanna Schmitz arbeitet als KZ-Aufseherin bei der SS. Sie und vier andere Frauen wurden auch ein Prozess gemacht. 3. Analyse der Schulfragen
Der Begriff Schuld bezeichnet einen abstrakten Zustand, in dem sich ein Individuum, eine Gruppe von Individuen (Kollektivschuld) oder eine Institution befinden kann. In den meisten Kulturen der Welt findet sich ein Konzept der Schuld. (...)Der Zustand der Schuld entsteht, wenn jemand für einen Verstoß gegenüber einer sittlichen, ethisch-moralischen oder gesetzlichen Wertvorstellung verantwortlich ist. 5
Im Roman Der Vorleser ist die Schuldfrage ein wichtiges Thema. Sie wird immer wieder von Michael erwähnt und ist eng mit der NS-Vergangenheit von Hanna verknüpft. Die Schuld lässt sich aufteilen in die individuelle Schuld der Hauptpersonen, sowie in die Kollektivschuld der Tätergeneration und die Schuld der Folgegenerationen nach der NS-Zeit: Wie schuldig sind die Folgegenerationen? Wie (kollektiv) schuldig ist die Tätergeneration?
4 http://www.scheffel-gymnasium.de/faecher/deutsch/vorleser/hist_hintergrund.htm#Der%20Majdanek-Prozess
5 http://de.wikipedia.org/wiki/Schuld
4
Arbeit zitieren:
Mina Fu, 2009, Genauere Betrachtung des Romans "Der Vorleser" von Bernhard Schlink, München, GRIN Verlag GmbH
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