UNIVERSITÄT LEIPZIG
WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT
Institut für Wirtschaftspolitik
Hauptseminar Aktuelle und "Vergessene" Aspekte der Weltpolitik
Sommersemester 2003
DER WELTMARKT FÜR ERDÖL UND DIE OPEC
Robert Seehawer
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Kapitel 1: Das Kartell der OPEC 4
1.1. Definition Kartell 4
1.2. Heterogenität der OPEC-Mitglieder 5
Kapitel 2: Gefahren für die Kartellstabilität 6
2.1. Gefahren von Außen 6
2.2. Gefahren von Innen 7
Kapitel 3: Theoretische Modellierungen zur Kartellstabilität 9
3.1. Der Ansatz von Prager 9
3.1.1. Statische Betrachtung 9
3.1.2. Die Swing-Produzenten-Strategie von Saudi Arabien 10
3.2. Der Ansatz von Griffin und Xiong 11
3.2.1. Die Verteilung der Produktionsquoten 11
3.2.2. Dynamische Betrachtung 13
3.2.3. Die Tit-For-Tat-Strategie von Saudi Arabien 15
3.2.4. Fazit des Ansatzes von Griffin und Xiong 17
Fazit 19
Literaturverzeichnis 20
Abbildungsverzeichnis 22
Abkürzungsverzeichnis 23
Tabellenverzeichnis 24
Einleitung
Der Wettbewerbsentzug durch die Bildung von Kartellvereinigungen ist nicht erst seit dem letzten Jahrhundert aktuell. „Menschen desselben Gewerbes“, schrieb der schottische Ökonom Adam Smith 1776, „kommen selten zusammen, ohne dass die Konversation in einer Verschwörung gegen die Öffentlichkeit oder mit einem faulen Trick, die Preise zu erhöhen, endet.“ Dass hingegen die Umsetzung nicht so einfach zu bewerkstelligen ist, darf nicht verkannt werden.
In der Ökonomie herrscht die langläufige Meinung, Kartellvereinigungen sind dazu bestimmt, sich selbst aufzulösen. Dem ungeachtet ist die Kartellvereinigung der OPEC seit mehr als 45 Jahren bestehend. Die enorme Wichtigkeit des Erdöls für die weltwirtschaftliche Versorgung mit Energie macht die Organisation der petroleumexportierenden Staaten zu einer der bedeutendsten Vereinigungen weltweit.
Preisschwankungen auf dem Weltmarkt für Erdöl erfährt der Großteil der Konsumenten binnen wenigen Tagen. Wieso allerdings eine so starke Volatilität des Erdölpreises existiert, obwohl die OPEC sich offiziell um die Glättung der Preisentwicklung bemüht, erfährt er nicht.
Diese Arbeit soll Aufschluss über die Gefahren und Probleme der internen Kartellstabilität der OPEC geben. Dazu wird untersucht, warum das Kartell, entgegen der Vielzahl von ökonomischen Theorien und praktischen Beispielen, immer noch existiert und an seiner Bedeutung nicht verloren hat. Im ersten Kapitel der Arbeit wird der Begriff des Kartells abgegrenzt und auf den bedeutenden Sachverhalt der Heterogenität der OPEC-Mitglieder verwiesen. Die große Variationsbreite der Eigenschaften der Kartellstaaten soll im zweiten Kapitel zusammen mit den Gefahren für die Kartellstabilität dargestellt werden. Hierbei wird unterteilt in innere und äußere Umstände, welche die Disziplin der einzelnen Mitglieder beeinflusst. Danach soll im dritten Kapitel der Begriff und die Umsetzungsproblematik der Kartellstabilität mit der Hilfe von zwei theoretischen Ansätzen erklärt werden. Der erste Ansatz von Prager aus dem Jahr 1993 versucht den Anreiz zum Hintergehen der Kartellvereinbarungen aus einer mikroökonomischen Sichtweise zu erklären. Im zweiten Ansatz von 1997 modellieren Griffin und Xiong mit Hilfe der Spieltheorie eine empirische Analyse speziell über die OPEC. Diese Erkenntnisse sind so umfassend, so dass sie hier nur kurz umrissen werden können. Nichtsdestotrotz stellen die gewonnenen Resultate am tiefgreifendesten dar, warum die OPEC immer noch existent ist.
Kapitel 1: Das Kartell der OPEC
1.1. Definition Kartell
Im Wirtschaftsleben existiert eine Vielzahl von Kartellarten mit unterschiedlichsten Funktionen und Ausprägungsformen. Als Kartell im engeren Sinne wird ein horizontaler Zusammenschluss von Unternehmen einer Branche definiert.1 Die staatseigenen Ölförderungsunternehmen der OPEC-Länder werden bei Beschlüssen durch die jeweiligen zuständigen Regierungsmitglieder vertreten.2 Die Kartellmitglieder erhoffen sich eine Verbesserung der Gewinnsituation, indem sie ihren Markt durch abgesprochene Wettbewerbsbeschränkungen beeinflussen. Dabei bleiben sie rechtlich selbstständig. Allerdings müssen sie auf Teile ihres wirtschaftlichen Handlungsspielraumes verzichten. Innerhalb des Kartells verpflichten sich die Mitglieder, je nach Funktion, zur Einhaltung bestimmter Vereinbarungen. Bei Bruch dieser Vereinbarung werden die Mitglieder mit der Zahlung einer Konventionalstrafe belangt.3 Das Kartell der OPEC-Staaten ist bestrebt, die starke Marktstellung eines Angebotsmonopolisten zu erreichen. Dieser kann durch Preis- und Mengensetzung den Markt soweit beeinflussen, dass Nachfrager auf diese Veränderungen reagieren müssen. Setzt er den Preis, dann antwortet der Markt mit der entsprechende Nachfrage; setzt er die Menge, so bildet der Markt den entsprechenden Preis.4 Die Marktmacht des OPECKartells dient gemäß den Statuten der Stabilisierung des Weltmarktpreises für Erdöl und zur Eliminierung unnötiger Preisschwankungen.5 Die gemeinsame Preispolitik muss mit den individuellen Interessen der OPEC-Staaten koordiniert werden. Hierbei bedarf es einer Kooperation zwischen den Mitgliedern. Weiterhin müssen die Preise durch formelle Vereinbarungen festgelegt werden.6 Die Kartellmitglieder müssen dabei ihre individuellen Preisvorstellungen den Interessen der Gruppe unterordnen.7
[....]
1 May (2000), S. 39.
2 OPEC-Press release (2003),
3 May (2000), S. 39.
4 Vgl. ebd., S. 139.
5 OPEC-FAQs (2003),
6 Denzau (1992), S. 801.
7 Prager (1993), S. 394.
Quote paper:
Robert Seehawer, 2003, Der Weltmarkt für Erdöl und die OPEC, Munich, GRIN Publishing GmbH
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