1. Definition von HipHop:
Oberbegriff für eine Straßenkultur, zu der Musik, Kunst und Tanz gehört: In allen diesen Bereichen ist die Kreativität des einzelnen Künstlers sehr wichtig. Die Säulen dieser Kultur sind das MCing und DJing, das Writing und das B-Boying.
DJing und MCing: Statt Livemusik war dank der Schallplatte Tanzmusik zu jeder Zeit und an jedem Ort verfügbar. In den 70er Jahren begannen DJs den Plattenteller nicht nur als bloßes Wiedergabegerät, sondern kreativ als Instrument zu benutzen, u.a. um beliebte Tracks in die Länge ziehen zu können. DJs der ersten Stunde waren Kool Herc, Grandmaster Flash und Afrika Bambaataa (Krekow, 1999). Der MC, der „Master of Ceremonies“, begleitete als eine Art rappender Moderator und Animateur die HipHop-Performances.
Writing: Graffitis sind mit Spraydosen angebrachte Bilder oder Schriftzüge auf Oberflächen des öffentlichen Raums, beliebt sind v.a. Züge, die die Kunstwerke dann „von ganz alleine“ verbreiten. Auch hier steht die Kreativität des Künstlers im Vordergrund (Krekow, 1999).
B-Boying: Bei B-Boying oder Breaking, Locking, Popping bzw. Electric Boogaloo handelt es sich um Bewegungstechniken und Tanzstile, die in den Großstadtghettos der amerikanischen Ost- bzw. Westküste entstanden sind. Sie sind als ein „Bewegungskult zu betrachten, mit dem sich der Einzelne oder eine Gruppe Anerkennung innerhalb einer Gemeinschaft verschafft, und zwar über nonverbale Kommunikation“ (Kimminich, 2003, S. 2). Bei der Herausbildung verschiedenster Tanz- und Bewegungsstile wird auf Tanztraditionen und Körpertechniken verschiedener Kulturen zurückgegriffen.
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2. Die Anfänge: Eastcoast vs. Westcoast -2.1 Eastcoast: B-Boying
Das B-Boying entwickelte sich Anfang der 70er Jahre an der Eastcoast Amerikas. Das „B“ in B-Boying steht für „break“, denn getanzt wurde während den Breaks, in denen der DJ rhythmische Instrumentalparts verlängerte (vgl. Kimminich, 2003, S. 3). Der Begriff „Breakdance“ ist eine spätere, durch die Medien geprägte Bezeichnung, die die unterschiedlichen Tanzstile des HipHop subsumiert (vgl. Salaverria, 2005, S. 1).
1969 wurde als Startschuss des Tanzes im HipHop der James Brown Hit „Get on the good foot“ genannt, der zunächst „Good Foot Style“ hieß und bereits Drops und Spins mit einbezog, d.h. die Tänzer ließen sich fallen, drehten sich in verschiedenen Körperpositionen am Boden und schnellten im Takt zur Musik wieder hoch. Die immer wieder hochfedernden Bewegungen brachten diesen Tänzern den Spitznamen „Boie-oie-oings“ ein (vgl. Rode, 2002, S. 119/120). Durch die verstärkte Miteinbeziehung der Arme und Hände entwickelte sich das sogenannte Floor- oder Footwork, das aus schnellen, oft eine Kreisform beschreibenden Schrittfolgen besteht. Zu dieser Zeit, der sogenannten Old-School, machte die Floor- oder Footwork den eigentlichen Bestandteil des Tanzes aus, später diente Footwork vorwiegend als Auftakt zu den am Boden ausgeführten, akrobatischen Power moves (vgl. ebenda).
So genannte Freezes, eine erstarrte, wie eingefroren wirkende Pose, setzten an bestimmten Musikstellen visuelle Akzente oder stellten die Abschlusspose einer Darbietung dar. Wichtig dabei ist, dass der Tänzer hierbei, wie in seiner Footwork, seine individuelle Note in den Tanz mit einbringt. Darin liegt auch bis heute das Hauptanliegen eines jeden HipHop-Tänzers: seinen eigenen, für Außenstehende identifizierbaren persönlichen Stil zu entwickeln. Das simple Kopieren eines Stils oder Moves, genannt Bitting, ist allgemein in der HipHop-Community sehr verpönt (Krekow, 1999).
Ende der 70er Jahre ging die erste Tanzperiode zu Ende und es kamen Bewegungsabläufe aus verschiedenen Kampftechniken hinzu, aus denen vielzählige Power moves entstanden sind (vgl. Kimminich, 2003, S. 4). Zu dieser Zeit waren
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nämlich Kung-Fu-Filme sehr populär. Da fast alle Erfinder des Breakdance nie ein formales Tanztraining erhalten haben, eigneten sich Kung-Fu-Videos zum Abschauen einzelner Moves am besten: es wurden meist Ganzkörperbewegungen gezeigt - im Gegensatz zu Tanzfilmen, in denen oft nur die Füße sichtbar sind (vgl. Rode, 2002, S. 124). Auch Video-Spiele wie Street Fighter dienten als Inspirationsquelle. Die B-Boys leiteten verschiedene Figuren aus der Kampfkunst ab und kreierten ein Repertoire sich ständig weiterentwickelnder Power moves. Allen voran prägte die Rock Steady Crew in New York den sogenannten akrobatischen New Style (Kimminich, 2003, S. 4).
Zu Beginn der 80er Jahre wurden die Medien auf diese Art des Tanzens aufmerksam. Es wurden zahlreiche Filme, wie der Kultfilm „Wild Style“ (1982), gedreht, sogenannte Battles zwischen B-Boy-Crews dokumentiert, Werbespots gedreht und Auftritte in Discos arrangiert (vgl. ebenda).
In dieser Zeit (Anfang/Mitte der 80er) wird Breaking auf der Straße getanzt, auf einer dünnen Unterlage aus Pappe oder Linoleum, begleitet zu der Musik aus dem Ghettoblaster (vgl. Salaverria, 2005, S. 3).
Eine Breakdance-Performance läuft heute wie damals nach folgendem Schema ab: Der Tänzer beginnt stehend im Toprock mit seiner Footwork, und geht dann zum Uprock über, der auch Battlerock genannt wird, eine Art pantomimisches Kung-Fu, mit dem die B-Boys ihre Gegner symbolisch attackieren (Uprock wegen 1 und 2 stehend, bei 3 und 4 in der Hocke). In der nächsten Steigerungsstufe geht der Tänzer auf den Boden, in den Downrock, wo er sein Footwork weiterführt, indem er ständig zwischen Bauch- und Rückenlage wechselt und für den Betrachter verwirrende Spiele mit seinen Beinen ausführt. Die Moves gipfeln oft in einer immer schneller werdenden Drehung, meist auf dem Rücken als Backspin, oder dem Kopf als Headspin. Im Anschluss stellt der Freeze einen besonders dramatischen Gegensatz zu den schnellen Kreiseln dar. Der Tänzer demonstriert hier seine perfekte Körperbeherrschung und seine absolute Kontrolle über die Bewegungssituation (vgl. Kimminich, 2003, S. 7ff. / Rode, 2002, S. 120ff.). Top-, Downrock und Footwork werden zusammen mit dem Freeze Style moves genannt. Die Variation und Zusammenstellung einzelner Power moves wird
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Arbeit zitieren:
Jan Schultheiß, 2008, Tanzstile im HipHop, München, GRIN Verlag GmbH
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