der heutigen Schulsituation diesen Aufgaben oft nicht gewachsen sind, ergibt sich aus den Berichten von Schülern und Lehrern gleichermaßen. Auch im Freizeitbereich ist ein deutlicher Wandel zu verzeichnen. In der heutigen Zeit gibt es mehr und mehr außerfamiliale und außerschulische Sozialisationsbereiche für Kinder und Jugendliche. Ihre Freizeitaktivitäten spielen sich zunehmend in größerer Distanz zum Elternhaus ab. Kommunale und kommerzielle Angebote werden von vielen Kindern genutzt, da ihre Eltern berufsbedingt keine Zeit haben, sie nachmittags zu betreuen. Kinder verabreden sich heute meist nur noch in Kleingruppen zum Spielen und man kann nicht automatisch davon ausgehen, dass Kinder heutzutage ihre Freunde zufällig treffen, da sie oftmals nicht - wie in früheren Generationen der Regelfall - in der Nachbarschaft wohnen.
Ein weiterer Aspekt, der diesen Wandel unterstreicht und zu mehr Isolation von Kindern führt, ist der heutige Mangel an kindgerechten Spielflächen, insbesondere in städtischen Gebieten. Darüber hinaus haben die meisten Kinder heute ein eigenes Zimmer, das häufig mit Fernseher und Computer ausgestattet ist. Dies verführt natürlich viele, zuhause zu bleiben und alleine zu spielen, da sich auch keine Notwendigkeit eines Spielpartners ergibt. Dies kommt zum einen durch mangelnde Betreuung zustande, besonders wenn beide Eltern berufstätig sind und das Kind unbeaufsichtigt ist oder weil die Eltern aus pädagogischen Gründen ihrem Kind selbst die Entscheidung überlassen wollen, wie es seine Freizeit gestaltet. Zusammenfassend kann man bei der Entwicklung der heutigen Lebenswelt von Kindern einen Trend zur „Konzentration, Zentralisierung, Enttraditionalisierung, Spezialisierung und Verinselung der räumlichen Gegebenheiten für Kinder“ (Büchner 1994, 20) beobachten.
Was das Verhalten von Kindern und Jugendlichen in der Schule betrifft, so berichten Lehrer immer wieder über unruhige, nervöse und im Allgemeinen verhaltensauffällige Kinder. Ihr Verhalten in der Schule wird oft als störend und destruktiv beschrieben. Sie sind oft unkonzentriert, gewaltbereiter und häufig sinnesgeschwächter als früher. Kinder tragen heute ihre Probleme aus dem außerschulischen Bereich in die Schule hinein. Vieles ist auf Defizite in der elterlichen Erziehung zurückzuführen. Angesichts der großen Klassenstärken und der wenigen Stunden, die ein (Klassen-)Lehrer mit seinen Schülern verbringt, ist die mehr oder weniger alleinige Verantwortung der Erziehung des Kindes nicht allein durch die Schule zu kompensieren.
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Darüber hinaus gibt es neben den klassischen Störenfrieden in der Schule auch solche, die immer wieder die ungeteilte Aufmerksamkeit des Lehrers einfordern. Dies ist wiederum auf ihren Anspruch auf individuelle Zuwendung bzw. Behandlung zurückzuführen. Solche Kinder fügen sich schlecht in die Klassengemeinschaft ein, verweigern Gruppenarbeit oder brauchen stets eine persönliche Aufforderung von Seiten des Lehrers. Die schwierige Situation in der Schule ist teilweise auch darauf zurückzuführen, dass sich Kinder und Jugendliche häufig von ihren Eltern und/oder Lehrern unverstanden fühlen. Sie werden häufig nicht ernst genommen, bzw. als unreif betrachtet und leben ihren Frust öffentlich aus. Viele verbinden mit dem täglichen Schulbesuch oft auch nur das Treffen von Freunden. Der Kern des Problems liegt meist darin, dass sich viele Kinder nur deshalb in der Schule auffällig verhalten, weil von ihnen hier oft ein komplett anderes Verhalten gefordert wird als im Alltag außerhalb der Schule. Doch das traditionelle Bild und die Rolle des passiven Schülers, der sich den Aufforderungen des Lehrers unterordnet, sind noch in vielen Lehrerköpfen vorherrschend und gelten gemeinhin als das Schüler-Ideal. Davon abweichendes Verhalten wird daher eher als auffällig bzw. störend betrachtet. Heute weigern sich aber viele Kinder, sich auf die Schülerrolle reduzieren zu lassen und reagieren entsprechend ‚unterrichtsbehindernd’, indem sie reden, ohne sich zu melden, persönliche Dinge erzählen, statt zum Unterrichtsthema beizutragen oder anderen ins Wort fallen.
Leider hat es die Schule bisher versäumt, sich auf die Veränderungen der kindlichen Lebenswelten einzustellen. Es besteht also ein Widerspruch zwischen der im Alltag geforderten Souveränität und Selbstständigkeit der Kinder und den vergleichsweise geringen eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Handlungsspielräumen in der Schule. Daher muss sich die Schule fragen, wie sie dem Wandel der kindlichen Lebenswelten begegnen kann. Dies bedeutet, dass sich die Schule öffnen und einer Neugestaltung unter Einbezug dieser Veränderungen stellen muss. Doch wie kann eine solche Öffnung aussehen? Sie muss zunächst den Anspruch der Kinder auf einen individuellen Umgang akzeptieren und entsprechend darauf eingehen. Die traditionelle Organisation der stundenweisen Halbtagsschule dürfte diesen Anforderungen jedoch nicht gewachsen sein. Will die Schule aber ihrer erweiterten Erziehungsaufgabe gerecht werden, so müssen die schulischen Angebote ausgeweitet und qualitativ verändert werden (vgl. Holtappels 1990, 168). Diese Schulöffnung sollte allerdings nicht nur aus einer Ausdehnung der Unterrichtsstunden auf den Nachmittag bestehen, vielmehr soll es darum gehen,
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Arbeit zitieren:
Thiemo Urban, 2007, Kindheit und Jugend im Wandel, München, GRIN Verlag GmbH
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