Inhaltsverzeichnis 3
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 3
Einleitung 1. 5
Theorien des Friedens 2. 6
2.1 Kriegsende und Dimensionen der Friedenskonsolidierung 7
2.2 Staatszentrierte Friedenskonsolidierung 10
2.3 Institutionalistisch-Prozessuale Friedenskonsolidierung 11
Der Afghanistan-Konflikt 3. 12
3.1 Historische Entwicklungen 12
3.2 Stammeskultur und Sozialstruktur 13
3.3 Friedenskonsolidierung seit 2001 14
3.3.1 Sicherheitspolitische Dimension 15
3.3.2 Allgemeinpolitische Dimension 15
3.3.3 Sozio-Ökonomische Dimension 16
3.4 Kritik an der Konsolidierungsstrategie 17
3.5 Verhandlungen mit den Taliban 18
Fazit : Endlich verhandeln 4. 19
Literatur - und Quellenverzeichnis 21
1. Einleitung
Als im Herbst 2001 die ersten NATO-Truppen unter amerikanischer Führung die Grenzen Afghanistans überschritten, war die nordatlantische Gemeinschaft fest entschlossen, die als Brutstätte des Terrorismus wahrgenommene Region am Hindukusch von allen islamistischen Einflüssen zu befreien. Mit einem massiven Militäraufgebot wollte man die staatstragenden Taliban und die von ihnen unterstützte Ter-rororganisation Al-Quaida, für die Terroranschläge vom 11. September 2001 zur Rechenschaft ziehen. Aufgrund ihrer modernen Waffen und ihrer militärischen Präzision ging die NATO davon aus, Afghanistan mit hoher Geschwindigkeit erobern und anschließend nach westlichem Vorbild demokratisieren zu können. Neun Jahre später schwelt der Konflikt noch immer. Obwohl der eigentliche Krieg bereits im Dezember 2001 beinahe beendet schien, setzen sich die Taliban bis heute stets erfolgreich zur Wehr und halten nicht nur den Konflikt in Gang, sondern Afghanistan auch im Fokus der Weltöffentlichkeit. Alle westlichen Versuche endlich den Frieden in das zentralasiatische Land zu bringen, scheitern auch nach mehr als 30 Kriegsjahren noch immer. Dabei hatte sich die NATO von Beginn an vorgenommen, durch friedensbildende Maßnahmen neue Gewalt gleich im Keim zu ersticken, die Kriegsfolgen rasch zu bewältigen und den Frieden langfristig zu konsolidieren. Diese Bemühungen sind Thema der vorliegenden Hausarbeit. In der wissenschaftlichen Diskussion stehen sich dabei mit dem staatszentrierten- und dem institutionalistisch-prozessualen Ansatz zwei theoretische Konzepte gegenüber, die die Stabilisierung einer vom Krieg zerrütteten Gesellschaft auf unterschiedlichen Wegen erreichen möchten. Zu Beginn werden daher beide Ansätze ausführlich dargestellt, bevor sich der Fokus auf die eigentliche Konfliktgeschichte richtet. Anschließend werden die sozialen und sicherheitspolitischen Bedingungen in Afghanistan sowie die bisherige Strategie der NATO analysiert. Dabei wird das in letzter Zeit immer öfter vorgeschlagene Konzept der verstärkten Einbindung von Taliban-Eliten in den Wiederaufbauprozess Afghanistans überprüft und kritisch gewürdigt. Eine erschöpfende Untersuchung des Konfliktes ist im Rahmen einer Hausarbeit natürlich nicht möglich. Dennoch sollte aber der Blick auf die Bedingungen eines stabilen Friedens in Afghanistan auch in diesem Kontext präzisiert werden können.
2. Theorien des Friedens
Mit seiner 1992 veröffentlichten Agenda für den Frieden leitete der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Boutros Boutros-Ghali, eine akademische Diskussion um die Voraussetzungen, Bedingungen und Wege zum Frieden ein, die sich noch bis heute fortsetzt. Unter dem Einfluss des damals gerade beendeten Ost-West-Konfliktes plädierte er für ein gemeinschaftliches Konzept der Weltgemeinschaft, um mehr Frieden in der Welt zu schaffen und zu erhalten. Dabei unterschied Boutros-Ghali im Hinblick auf die Prävention gewalttätiger Konflikte zwischen vorbeugender Diplomatie, Friedensschaffung und Friedenssicherung. Zudem prägte er den Begriff der Friedenskonsolidierung, mit dem er die Festigung des - oftmals noch zerbrechlichen - Friedens in der Folgezeit gesellschaftlicher Konflikte beschrieb. 1 Daran anschließend wurde diese Unterscheidung von der Wissenschaft weiter verfeinert und präzisiert. So stellt Volker Matthies beispielsweise mit seinem Präventions-Zyklus ein idealtypisches Modell des Konfliktverlaufs vor, in dem er zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiär-Prävention unterscheidet und damit sowohl die Entstehungs-, Eskalations-, Austragungs-, Deeskalations- sowie Konsolidierungsphase bewaffneter Konflikte abdeckt. Im Hinblick auf die konkreten Ursachen unterscheidet er weiterhin zwischen Strukturfaktoren, Prozessfaktoren und Auslösefaktoren, die allesamt bei der gewalttätigen Eskalation eines Konfliktes ihre eigenen Rollen spielen und deshalb bei Gewaltprävention weitestgehend abgedeckt werden sollten. 2 Dass von Gewalt- und nicht etwa von Konflikt- oder Krisenprävention gesprochen wird, ist im Übrigen nicht selbstverständlich. Gerade die deutschsprachige Wissenschaft nutzt hier mannigfaltige Begriffskonstruktionen. Gewaltprävention ist jedoch treffend, da es eben nicht um das Vorbeugen jedweder - auch wünschenswerter - gesellschaftlicher Konflikte geht, sondern nur um deren gewalttätige Austragung. Auch Krisenprävention erscheint aufgrund der analytischen Unschärfe des Krisenbegriffs und seiner zunehmenden Inflation als wissenschaftlich inadäquate Bezeichnung. 3
1 Vgl. Boutros-Ghali, Boutros: Agenda für den Frieden. Analysen und Empfehungen des VN-Generalsekretärs, Stiftung Entwicklung und Frieden [Hrsg.], Bonn 1992
2 Vgl. Matthies, Volker: Krisenprävention und Konfliktkonsolidierung, in: Ferdowski, Mir A. [Hrsg.]: Sicherheit und Frieden zu Beginn des 21. Jahrhunderts, München 2004, S. 154 ff
3 Vgl. Matthies, Volker: Krisenprävention. Vorbeugen ist besser als heilen, Opladen 2000, S. 29 ff
2.1 Kriegsende und Dimensionen der Friedenskonsolidierung
Kriege nehmen heute zu großen Teilen eine andere Gestalt an, als noch vor wenigen Jahrzehnten. Zwischenstaatliche Konflikte mit formaler Kriegserklärung und großen Entscheidungsschlachten gehören dabei weitestgehend der Vergangenheit an. In Konflikten, die Mary Kaldor Neue Kriege nennt, stehen sich nicht mehr geschlossene Militärverbände mit klarer Befehlsstruktur und staatlicher Koordination gegenüber. Sie sind vielmehr von „einer Vielzahl unterschiedlicher Kampfeinheiten geprägt, die öffentlich wie privat, staatlich wie nichtstaatlich oder auch beliebige Mischformen sein können.“ 4 Sie bekämpfen sich fast immer innerhalb eines begrenzten Territoriums bzw. auf einem Staatsgebiet. Idealtypisch lassen sich diese Bürgerkriege in zwei verschiedenen Kontexten beobachten: Zum einen Aufstandskriege, bei denen die Machtverteilung innerhalb des Staates im Mittelpunkt steht und die Regierung selbst eine Konfliktpartei darstellt, die oftmals aus dem Ausland unterstützt wird. Zum anderen kriegerische Auseinandersetzungen innerhalb gescheiterter Staaten, in denen es keinen festen Staatsapparat mehr gibt oder noch nie gab. Insbesondere hier spielen Ressourcen und Bodenschätze eine wichtige Rolle für die Konfliktparteien, die meist aus Warlords, Gewaltunternehmern, ethnischen oder religiösen Gruppen bestehen. 5 In solch unklaren Kriegssituationen mit einer Vielzahl von Beteiligten enden Kriege fast nie koordiniert und überall zeitgleich. Zwar ist es möglich, mit Auszehrungs-, Verhandlungs-, Sieg- und Erzwingungsfrieden vier Reinformen der Kriegsbeendigung zu unterscheiden, doch in der Realität sind die meist nicht klar abzugrenzen. Außerdem lösen sie nicht das Problem, dass Kriegsbeendigung „ein raumzeitlich zu differenzierendes, dynamisches Phänomen“ 6 darstellt. Frieden muss sich also meist in einem langwierigen Prozess über das ganze Land ausbreiten, bis wirklich überall die Waffen schweigen. Dabei können einige Regionen noch heftig umkämpft, andere hingegen schon im Wiederaufbau befindlich sein.
4 Kaldor, Mary: Neue und alte Kriege. Organisierte Gewalt im Zeitalter der Globalisierung, Frankfurt am Main 2000, S. 157
5 Vgl. Hippler, Jochen: Wie „Neue Kriege“ beenden?, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 46/2009, Bonn 2009, S. 3 ff
6 Matthies, Volker: Nicht mehr Krieg und noch nicht Frieden. Probleme friedenspolitischer Transformationsprozesse in gegenwärtigen Gewaltkonflikten, in: Bernd Wegner [Hrsg.]: Wie Kriege Enden, Paderborn 2002, S. 333
Arbeit zitieren:
Florian Philipp Ott, 2010, Zum Gewaltmonopol verhandeln, München, GRIN Verlag GmbH
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