Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 0
1 Einleitung. 5
1.1 Wissenschaftliche Fragestellungen 5
1.2 Zum forschungsmethodischen Vorgehen 7
1.3 Gliederung der Arbeit 8
2 Zum Stand der Forschung 9
2.1 Einleitung 9
2.1.1 Die Entwicklung der Sportart Freerunning (historischer Abriss) 10
2.1.2 Philosophie und Sport - Philosophie und Freerunning 10
2.2 Jugendkulturen und jugendkulturelle Bewegungsformen. 12
2.2.1 Jugendkultur und jugendkulturelle Szenen. 12
2.2.2 Jugendszenen, Stile und Codes. 13
2.2.4 Jugendkulturen und Geschlecht. 14
2.2.5 Jugendszenen und soziale Herkunft 14
2.2.6 Merkmale, Strukturen und Symbole bewegungsorientierter Jugendszenen 16
2.3 Freerunning - eine jugendkulturelle Bewegungsform 17
2.3.1 Freerunning als neue Trendsportart? 17
2.3.2 Bewegung und Kunst Freerunning. 22
Kunst als Selbstausdruck des Inszenierers. 22
2.3.3 Bewegung in einer urbanen Umgebung 23
2.3.4 Präsentation von Freerunning 24
3 Empirischer Teil 27
3.1 Das Setting. 27
3.1.1 Die Sportler. 27
3.1.2 Die Interviews 28
3.1.3 Der Interviewleitfaden 30
1
3.2 Die Analyse 33
3.3 Vertikale Analyse. 33
3.3.1 Erstes Interview 34
Freerunning Biographie 35
3.3.2 Zweites Interview 36
3.3.3 Drittes Interview 38
3.3.4 Viertes Interview 40
3.3.5 Fünftes Interview. 41
3.4 Horizontale Analyse 44
3.4.1 Soziodemographische Herkunft 44
3.4.2 Sportbiographien. 46
3.4.3 Freerunning Biographien. 48
3.4.4 Freerunning Alltag. 51
3.4.5 Freerunning als Lifestyle 55
4 Zusammenfassung 60
4.1 Beantwortung der wissenschaftlichen Fragestellungen 60
4.1.1 Freerunning als jugendkulturelle Bewegungsform. 60
4.1.2 Ähnlichkeiten in den (sport-)biographischen Verläufen, die zur Ausübung von
Freerunning führen 61
4.1.3 Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten in der alltäglichen Ausübung von
Freerunning 62
4.1.4 Beweggründe für etwaige Wettkampfteilnahme, Präsentation von Freerunning
in der Öffentlichkeit 63
4.2 Schluss 64
5 Anhang 65
5.1 Beispiel Interview 65
Interview 65
Wie bist du aufgewachsen? 65
Wie war dein Verhältnis zu deinen Eltern? 65
2
Welche Schule hast du besucht? Wie war deine schulische Laufbahn? 65
Wann hast du die Schule abgeschlossen? 65
Welche berufliche Ausbildung haben deine Eltern? 66
Wo und wie lebst du jetzt? Hast du eine eigene Wohnung? 66
Erz ähle mir etwas über deinen sportlichen Werdegang 66
Welchen Sport übst du jetzt aktiv immer noch aus? 67
Haben dich deine Eltern damals schon im Sport unterstützt? 67
Wie kamst du zu Freerunning? 67
Was verbindet dich mit Freerunning? 67
Welche Parallelen gibt es zu deinen früheren Sportarten? 67
Wie grenzt du Freerunning mit deinem bisherigen Sportverständnis ab? 68
Wie sieht ein typischer Tag für dich aus? 68
Wie synchronisierst du dein Freerunning mit deinem Alltag? 68
Wie trainierst du? Bzw. kann man „Training“ überhaupt sagen? 68
Wie lernst du neue Tricks? Gibt es da auch Workshops? 69
Wie kann man von Youtube-Videos lernen? 69
Wie kann deine Wettkampfteilnahme deine Philosophie von Freerunning
widerspiegeln ? 69
Kommt es durch Wettkämpfe oder große Events zur Kommerzialisierung von
Freerunning ? 69
Was waren deine bisher größten Erfolge im Freerunning? 70
Kannst du vom Freerunning Sport leben? 70
Weshalb gibt es immer mehr Freerunner in neuen Filmen? 70
Kennst du Filme in denen Freerunning als Stuntszenen eingesetzt werden? 70
Denkst du das die Einbindung von Freerunning in den neuen Filmen immer mehr wird
und weshalb? 70
Wie sieht der Freerunning Lifestyle aus? 71
Gibt es bestimmte Musikstile im Freerunning? 71
Training zur Musik? Und wieso? 71
3
Gibt es einen Kleidungsstil? Marken? Schuhe? 71
Wieso gerade die grauen Jogginghosen? 71
Gibt es bestimmte Schuhe für Freerunning? 72
Wie sieht so der typische Freerunner aus? 72
Also gibt es den Freerunner was das Aussehen betrifft? (Haarschnitt, freier
Oberk örper, tätowiert) 72
Wie präsentiert sich die Freerunningszene? 72
Wie sieht die Freerunning Szene übers Internet aus? Bzw. ist das Internet das
alternative Medium für Freerunner? 73
Wie sieht die Abgrenzung zur herkömmlichen Medienkultur aus (Fernsehen, Presse,
Rundfunk )? 73
Wer macht die Videos auf Youtube und wieso? Also wozu? 73
Wie bezeichnen Freerunner Freerunning? Kann man das als Sport sehen? 74
Was hältst du von dem Ausdruck „Bewegungskunst“? 74
Wie grenzt sich Freerunning von Parkour ab? 74
Denkst du dass Freerunning eine Muttersportart hat? 75
Wieso denkst du, gibt es hauptsächlich Burschen, die Freerunning ausüben? 75
K önnte es sein, dass Freerunning eher praktiziert wird von Leuten, die in einer
Gro ßstadt leben? 76
Woher kommen die Leute in England, die Freerunning machen (Sozialisation)? 76
Abbildungsverzeichnis 77
Tabellenverzeichnis 77
Literaturverzeichnis. 78
Online Quellen 80
4
1 Einleitung
Freerunning ist eine immer mehr bekannt werdende Bewegungsform, die sich augenblicklich erscheinend in subkulturellen urbanen Lebenssituationen entwickelt hat und hier auch seinen Lauf findet.
Freerunning ist eine völlig neu entstandene urbane Freestyle-Sportart, ohne „Mutterdisziplin“, welche andere Sportarten wie New School (Ski Alpin), Dirt/Slopestyle (Mountainbiken) oder auch Freestyle Fußball (Fußball) jedoch sehr wohl haben (vgl. Botros 2007). Für mich ist es interessant herauszufinden, wo diese reine Freestyle Sportart ihre Wurzeln hat und in welchen sozialen Schichten diese urbane Freestyle-Sportart entstanden ist. Hier gilt es erstmals zu thematisieren, was Freerunning ist. Aber ist es überhaupt sinnvoll, Definitionen zu erstellen? Oder stehen Definitionen doch eher im Widerspruch zum „Freestyle-Gedanken“ bzw. zur Einstellung jugendkultureller Szenen? Kann man Freerunning als Trendsport sehen und wie weit grenzt sich Freerunning vom Wettkampfsport ab? Steht Individualität und Kreativität vor Normierungen und Reglementierungen, welche von jugendkulturellen Szenen oftmals verachtet werden oder weshalb sich neue jugendkulturelle Szenen überhaupt entwickeln? Da Freerunning eine sehr junge Bewegungsform jugendkultureller Szenen ist und noch wenig wissenschaftliche Untersuchungen vorliegen, möchte ich meine Arbeit der Thematisierung dieser Bewegungsform widmen. Es sollen nicht Hypothesen erstellt und hinterfragt bzw. belegt oder widerlegt werden, sondern, in Hinblick auf die jugendliche Suche nach personaler und sozialer Identität, die gegenwärtig zu einer verstärkten Thematisierung von Körper und Bewegung führt, ein neuer Forschungshorizont eröffnet werden, der neue Forschungsfragen und Hypothesen zulässt.
1.1 Wissenschaftliche Fragestellungen
Nach kurzer Recherche der Fachliteratur über jugendkulturelle Szenen und Bewegungsformen, sowie Medien der Freerunning-Szene war klar, dass diese Arbeit nicht hermeneutisch behandelt werden kann, da diese Forschungsmethode keinen tieferen Einblick in das Leben und die Beweggründe eines Freerunner zulässt. Somit wurde der Entschluss gefasst, eine empirisch qualitative Forschungsmethode zu verwenden, mit Hilfe von Interviews Österreichs bester Freerunner. Die Gliederung dieser Arbeit spiegelt sich auch in den formulierten Hauptfragen des Interviews wieder. Somit ergeben sich folgende Themengebiete und Fragestellungen, die es zu beantworten gilt:
5
1. Freerunning ist eine noch relativ junge jugendkulturelle Bewegungsform, deren Entstehung quasi gleichzeitig mit Le Parkour in den Vororten von Paris passierte. Um zu verstehen, was Freerunning ist und weshalb es eine urbane Freestyle-Sportart ist, möchte ich das erste Themengebiet der Beleuchtung von Freerunning als jugendkulturelle Bewegungsform widmen und beschreiben, weshalb ich Freerunning als jugendkulturelle Bewegungsform bezeichne. 2. Im ersten Teil der empirischen Untersuchung lege ich den ersten Teil meiner Interviews dar, in welchem die Freerunner Aussagen über ihre soziale Herkunft, ihre Biographie und ihre Lebensumstände machen. Dieser Teil soll Aufschluss über die Beweggründe für die Wahl der Sportart Freerunning geben. Somit stellt sich die Frage:
Gibt es Ähnlichkeiten in den (sport-)biographischen Verläufen, die zur Ausübung von Freerunning führen?
3. Im zweiten Teil der Interviews werden Fragen zur Freerunning-Biographie und den Alltag eines Freerunners gestellt, z.B. wie die Freerunner zu ihrem Sport gekommen sind und wie ihr tägliches Leben als Freerunner aussieht. Weiters soll Auskunft darüber gegeben werden, wie ihr „Training“ aussieht, sofern man es als „Training“ bezeichnen kann:
Gibt es Ähnlichkeiten/Gemeinsamkeiten in der alltäglichen Ausübung
4. Ein interessantes Thema lässt die Frage, weshalb es Wettkämpfe gibt und Freerunner an solchen Wettkämpfen teilnehmen, zu. Was bezwecken Freerunner mit ihrer Teilnahme an Wettkämpfen, Events, und mit der Gründung von Vereinen Wie wollen sie Ihre Sportart in der Gesellschaft etablieren? Was sind die Beweggründe für etwaige Wettkampfteilnahme der einzelnen Freerunner? Wie sieht das individuelle Verständnis von Freerunning aus?
6
1.2 Zum forschungsmethodischen Vorgehen
Um tieferen Einblick in die Herkunft und das Leben eines Freerunner zu bekommen, habe ich mich entschieden, die qualitative Sozialforschung für die Beantwortung meiner Fragestellungen anzuwenden. Anhand von Interviews wird Freerunning als jugendkulturelle Bewegungsform thematisiert.
Als Forscherin muss erhebliche Investition an Zeit, Engagement und vor allem Beziehungsarbeit getätigt werden, denn wenn man qualitative Daten im Personenkontakt erheben will, muss man viel Zeit dafür aufbringen, Kontakt herzustellen, einen freundlichen und geeigneten Ort zu finden und gemeinsam mit dem Interviewpartner in die Interviewsituation hineinzufinden. Diese Vorbereitungen haben erhebliche Auswirkungen auf die konstruktive Interview-Beziehung. (vgl. Miethling, 2008). Für die Einzelfallanalyse wurde eine offene, halbstrukturierte Interviewform gewählt, die sich an einem vorbereiteten Leitfaden orientiert. Wesentliche Kennzeichen von Leitfaden-Interviews können folgend beschrieben werden:
• „Durch den Einsatz eines Leitfadens ergibt sich eine gute Möglichkeit des Vergleichs von Daten, wobei der Leitfaden jedoch nur zur Orientierung - als Gerüst offener Fragen, die das Thema umschreiben - dienen darf“ (Mayer, 2002, S.36 zit.n. Miethling 2008, S. 47)
• „Es gilt dabei eine gelungene Verbindung herzustellen zwischen einer Leitfadenstruktur zur thematischen Orientierung und frei erzählenden Sequenzen der Befragten.“ (Lamnek, 2002, S.177 zit.n. Miethling 2008, S. 47) • „Dass es hierbei auch zu (strategischen) Fehlern kommen wird, ist relativ wahrscheinlich. Zu den typischen strategischen Fehlern gehört die ‚Leitfadenbürokratie’, die dem Leitfaden geplanten Gesprächsverlauf absolute Priorität einräumt und den Gesprächsverlauf ignoriert. (Hopf, 1978, S.101 ff. zit.n. Miethling 2008, S. 47)
Die Auswertung der mit digitalem Diktiergerät aufgezeichneten Interviews erfolgt mittels wörtlicher (selektiver) Transkription und anschließender, vertikaler und horizontaler (vergleichender) Interpretation.
7
1.3 Gliederung der Arbeit
Im ersten Teil dieser Arbeit (Kap. 2.1) wird Allgemeines und Grundlegendes zum Thema Freerunning besprochen. Es wird über die Entstehung dieser Sportart geschrieben und erste Überlegungen über Freerunning als jugendkulturelle Bewegungsform vorgestellt. Der zweite Teil dieser Arbeit (2.2) ist der Hauptteil meiner wissenschaftlichen Recherche über Freerunning. Hier soll klar gemacht werden, was Freerunning zu einer jugendkulturellen Bewegungsform macht und weshalb es eine rein urbane Sportart ist. Das Phänomen jugendkultureller Bewegungsformen und Szenen soll beschrieben werden, sowie die Merkmale sozialer Herkunft, Lifestyle, Kleidungs- und Musikstile. Nach der Analyse des Gegenstands Freerunning werden Bereiche behandelt, die für die Vorbereitung und Durchführung der qualitativen Interviews (Kap. 3) in Zusammenhang stehen.
In Kap. 3.1 werden die Interviewpartner vorgestellt und begründet, welche Argumente zur Wahl dieser Interviewpartner führten. Im Weiteren erfolgt die Präsentation des Interviewleitfadens.
Die Fragen des Leitfadens gliedern sich in 5 Bereiche, wobei der erste Teil dem biographischen Verlauf der Interviewpartner gewidmet wird. Weiters werden Fragen zur Sportbiographie, den Freerunning Alltag und Beweggründe für die Wahl der Sportart Freerunning gestellt. Die letzten Teile beschäftigen sich mit Freerunning in der Öffentlichkeit, den Wettkämpfen und dem Freerunning Lifestyle. Die erhobenen Daten werden in einer horizontalen und einer vertikalen (vergleichenden) Weise interpretiert und dient zur Beantwortung meiner Fragestellungen, sowie zur Untermalung meiner Annahmen von Freerunning als jugendkulturelle Bewegungsform. In der Schlussfolgerung (Kap. 4) werden die Ergebnisse zusammengefasst und festgestellt, ob eine Verallgemeinerung der Daten zulässig ist.
8
2 Zum Stand der Forschung
Um eine qualitative Forschung durchführen zu können, muss zuerst eine „genaue und umfassende Beschreibung des Gegenstandsbereiches stehen“ (Mayring, 2002, S.21) Somit wird der aktuelle Wissensstand über Jugendkulturen bzw. über die Freerunning als jugendkulturelle Bewegungsform untersucht.
Das Kapitel 2 gliedert sich in 2 Unterkapiteln. Zum einen in einen Einleitungsteil (Kap. 2.1), zum anderen in einen großen Teil, der eigentlichen Recherche über Freerunning (Kap.2.2).
Im ersten Teil (Kap. 2.1), die Einleitung, werden Allgemeines und Grundlegendes zum Thema Freerunning besprochen, wie die Entstehung und den Grundgedanken dieser Sportart
In der eigentlichen Recherche über Freerunning als jugendkulturelle Bewegungsform, erfolgt eine genauere Untersuchung der zur Verfügung stehenden Literatur und damit die Auseinandersetzung mit dem ersten Themengebiet. Freerunning als urbane, jugendkulturelle Bewegungsform, sowie deren Merkmalen sollen hier Beachtung geschenkt werden.
2.1 Einleitung
„Freerunning bedeutet, sich zwanglos zu bewegen, in jeder beliebigen Umgebung. Die Bewegung soll nicht Mittel zum Zweck sein, sondern Selbstzweck, was heißt, das Sich-Bewegen steht im Mittelpunkt.“ Wikipedia (2009).
Abbildung 1: Herleitung des Wortes Freerunning (Eigenüberlegung)
9
2.1.1 Die Entwicklung der Sportart Freerunning (historischer Abriss)
In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts erfand ein französischer Marine-Offizier eine Trainingsform, die er als „Natural method“ oder „Parkour“ benannt hat. Diese Trainingsform beinhaltete Bewegungen wie klettern, balancieren und springen. Diese Art einer Trainingsform schien jedoch eine Zeit lang in Vergessenheit geraten zu sein. Sébastien Foucan (2008) hat diese „Sportart“ auf seine eigene Art und Weise neu entdeckt und weitergeführt. Foucan wuchs in Lisses in Frankreich auf, wo er als Kind mit seinen Freunden der natürlichen Umgebung folgte um zu laufen, zu springen und zu spielen. Foucan und seine Freunde machten sich als Aufgabe, verschiedene Wege zu finden um in der Heimatstadt herumzukommen und nicht wie jeder andere auf dem Bürgersteig. Sie sprangen über Mauern, durch Geländer und über Verkehrstafeln. Viele der Jugendlichen hörten mit diesem „Spiel“ im Erwachsenwerden auf, aber Sébastien Foucan führte es weiter und nannte es „parkour“ oder „obstacle course“. Sébastien Foucan und sein langjähriger Freund und Wegbegleiter David Belle kreierten gemeinsam die Kunst „Parkour“. Gemeinsam haben sie mit vielen anderen Jugendlichen eisern ihre Körper trainiert und wollten so sein wie Peter Parker oder Spiderman. David Belle und Sébastien Foucan gehen mittlerweile eigene Wege, da ihre Ansichten und Motive nicht mehr dieselben sind. Foucan’s heute genanntes „Freerunning“ ist geprägt von akrobatischen Elementen und der Freiheit, sich kreativ mit seiner Umgebung ausdrücken zu können, wobei David Belle’s „Parkour“ laut Parkour Germany (2009) folgendermaßen definiert ist: „Le Parkour ist eine Sportart zur schnellen und effizienten Fortbewegung ohne Hilfsmittel. Le Parkour ist die Freiheit und Motivation Bewegung in der Perfektion auszuleben. Dabei bewegt man sich mit Eleganz, effizient durch den urbanen und natürlichen Raum.”
2.1.2 Philosophie und Sport - Philosophie und Freerunning
Philosophieren über Sport gab es schon lange vor unserer Zeit in Griechenland, dem Gründerland der olympischen Spiele.
„Die Griechen unterlegten dem Wort Philosophie den Begriffsinhalt: in einer Fertigkeit Bescheid wissen, sei es in einem bestimmten Handwerk, im Ackerbau, in der Politik oder etwa in der Kunst. Auf unser Thema angewandt, müsste Philosophieren über Sport zunächst ebenfalls heißen: sich in Sachen Sport auskennen, nicht zuletzt in sportlichen Fertigkeiten und allgemein in sportlicher Tätigkeit, in sportlichen Handeln“ (Niedermann, 1992, S.6“.
10
Niedermann räumt dem Philosophieren über Sport sehr viel Platz ein und schafft damit den nötigen Freiraum. Jedoch setzt das Philosophieren nach dieser Aussage voraus, dass man zuerst Sport am eigenen Leibe erfahren muss, um darüber sprechen zu können. Wir müssen uns zuerst die Fertigkeiten einer Sportart aneignen und Bewegung am eigenen Körper erfahren um über diesen Sport philosophieren zu können. Heute ist das Philosophieren über Sport hauptsächlich den Kampfkünsten vorbehalten. Um die Philosophie der einzelnen Kampfkünste zu verstehen, ist es nötig, zuerst ihre Entstehungsgeschichte zu kennen. Wobei viele dieser Kampfkünste nicht nur auf eine bestimmte Denkweise abzielen, sondern ein Lebensstil sind.
Auch über Freerunning und Parkour sind immer wieder philosophische Ansätze zu finden. Selbst Sébastien Foucan, der Begründer von Freerunning, philosophiert auf eigene Weise über seine Bewegungskunst.
„Ich denke, es gibt verschiedene Wege für jeden einzelnen. Was ist dein Weg? Dein Weg ist wer du bist, was du träumst zu sein und was du tun möchtest, wenn du wüsstest, dass du morgen sterben musst.
Freerunning ist eine Art Selbstausdruck in deiner Umgebung ohne Einschränkungen: Es ist die Kunst der Bewegung und der Action. Für mich ist Action das wichtigste im Leben. Es gibt Menschen, die ihr Leben in vollen Zügen leben; die anderen reden nur darüber. Mein Weg ist keine Darstellung - es ist einfach der körperliche Ausdruck von Eins-Sein mit deinem Körper und deinem Geist.
In Freerunning, so wie im Leben, sind es immer die Hindernisse, die dich zu dem bestimmen, was du bist. Freerunning ist eine Kunst, die Menschen erlaubt, körperlich und geistig zu wachsen entsprechend ihrem Lebensweg, nicht der Gesellschaft“. (Foucan, 2008, S. 8ff)
Jeder Mensch hat die Möglichkeit, seinen Lebensweg nach seinen eigenen Wünschen zu gestalten. Jedes Hindernis, das einem in den Weg gestellt wird, kann jeder Mensch individuell überwinden, oder sich davon aufhalten lassen. Genauso ist es im Freerunning. Nach Foucan ist das Eins-Sein mit Körper und Geist das Wichtigste, um seinen eigenen Weg gehen zu können und sich in seinem Umfeld, seiner Umgebung kreativ ausdrücken zu können.
11
2.2 Jugendkulturen und jugendkulturelle Bewegungsformen
Im ersten Teil dieses Kapitels werden Begriffe wie Jugendkulturen und jugendkulturelle Szenen definiert, welche in den darauf folgenden Teilen (Kap.2.2.2 ff) in den Sport übertragen werden. Jede Jugendszene hat ihre eigens definierten Stile, beispielsweise den Kleidungsstil. Weiters ist auch interessant zu beobachten, aus welcher sozialer Herkunft und welcher schulischer Erziehung diese Jugendlichen stammen. Ist überhaupt festzulegen, dass jedes einzelne Mitglied einer Jugendszene dieselbe Herkunft hat oder haben muss, um dieser Gruppe anzugehören?
2.2.1 Jugendkultur und jugendkulturelle Szenen
Jugendkultur:
„Unter Jugendkultur verstehen wir die Alltagskultur der Jugendlichen, die heute sehr stark von der Popkultur inspiriert ist. Die Jugendkultur ist die Leitkultur der heutigen Jugend. Sie umreißt populäre Freizeitwelten. Und sie fordert Jugendliche dazu auf, nicht passiv zu bleiben, sondern selbst etwas zu tun“. (Großegger, 2002, S.6) Jugendkulturelle Szenen, kurz Jugendszenen:
„Jugendszenen sind soziale Netzwerke, in denen sich Jugendliche mit gleichen kulturellen Interessen und ähnlichen Weltanschauungen zusammenfinden. Derzeit populäre Szenen sind die HipHop-Szene, die Techno-Szene, die Snowboarder- und die Skateboarder- Szene oder die Szene der Computerspieler“. (Großegger, 2002, S.6) Nach Schwier (1998a) sind die Erfahrungswelten Jugendlicher im digitalen Zeitalter, einem dynamischen Veränderungsprozess unterworfen, der ihnen einerseits neuartige biographische Handlungsoptionen bietet und sie andererseits mit nur schwer überschaubarer soziokultureller Pluralität konfrontiert.
Somit ist klar und wenig überraschend, dass es kein einheitliches Bild einer Generation und deren Umgang mit Körper und Bewegung gibt, sondern dass man mit einer fortschreitenden Heterogenisierung der Jugendkulturen rechnen kann. „Neben der aktuellen Vielfalt von subkulturellen Szenen fällt vor allem die Schnelllebigkeit jugendlicher Handlungsstile auf: Was gestern avantgardistisch war, kann schon heute dem Tempo des Zeitgeistes zum Opfer fallen“ (Schwier, 1998a, S. 9) Allerdings sollte die zu beobachtende Pluralisierung der Lebensphase Jugend und die schon erwähnte Aufgliederung in verschiedene jugendkulturelle Stämme allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich „hinter der kunterbunten Fassade der demonstrativ zu Schau gestellten Differenz“ (Schwier, 1998a, S. 9) sehr wohl einige gemeinsame
12
Merkmale der gegenwärtigen Jugend entdecken lassen. Größtenteils identifizieren sich Angehörige einer bestimmten Jugendkultur über Gruppensymbole. Jugendliche einer Jugendszene artikulieren sich in Jugendsprache, bestimmen teils hochdifferenzierte Moderichtungen hinsichtlich Musikstil, Bekleidung und Aussehen.
2.2.2 Jugendszenen, Stile und Codes
Jugendkulturen konstituieren ein eigenes soziales Feld, das sich jedoch in weiten Teilen sozialer Kontrolle entzieht. Subkulturelle Jugendszenen bilden dabei ein Feld voll symbolischen Reichtums. Sie erobern symbolisch Sozialräume und vereinen Mode, Bewegung, Haltungen, Musik, Körperbilder und Sprachcodes zu einem eigenständigen Stil (vgl. Schwier, 1997). Subkulturelle Milieus sind gewissermaßen ein „spontanes Versuchslabor“ (Hebdige, 1997, S.15 zit.n. Schwier, 1998a, S.12)), in dem die Heranwachsenden versuchen symbolische Selbständigkeit und damit Definitionsmacht zu gewinnen, sowie von der Norm abweichende Identitätsentwürfe spielerisch zu erproben. Lebensstile bringen ein von bestimmten sozialen Gruppen geteiltes Bedürfnis nach „feinen Unterschieden“ zum Ausdruck und sind damit Bestandteil des Kampfes um die Authentizität der eigenen Lebensführung und des Strebens nach Selbstverwirklichung. (vgl. Bordieu 1982, S.277ff).
„Ein Stil ist Teil eines umfassenden Systems von Zeichen, Symbolen und Verweisungen für soziale Orientierung. … Stil zu haben beinhaltet die Fähigkeit, bewusst für andere ebenso wie für das eigene Selbstbild eine einheitliche Interpretation seiner Person anzubieten und zu inszenieren“ (Vollbrecht, 1997, S. 25)
Nach Vollbrecht (1997) sind Stile wählbare Muster, die eher nach ästhetischen als nach sozialen Kriterien eingebürgert werden. Damit wird allerdings übersehen, dass gerade bewegungsorientierte Stile im Prozess ihrer Verschmelzung mit anderen Gruppen mit eigenen semiotischen Bedeutungen angereichert und damit verändert werden können. Problematisch ist ferner der von Vollbrecht (1997) beeinflusste Vorrang der ästhetischen vor den sozialen Aspekten. Soziale Ungleichheiten sind immer noch ein relevanter Indikator für die Teilhabe an den bewegungsorientierten Jugendstämmen, wie der Skate-oder der Snowboard-Szene.
Die Szenewelt ist eine demonstrative Welt, in der es um Sehen und Gesehenwerden geht. Angehörige einer Szene sind durch gewissen Merkmale klar zu erkennen und wollen damit auch sagen: „Seht her, ich bin ein Skater!“.
Die Szenewelt passiert nicht in ihren Kreisen selbst, sondern steht in der Öffentlichkeit. Demgemäß regiert in den Szenewelten der „Code“.
13
„Unter „Code“ versteht man die Summe aller sprachlichen, musikalischen, bildlichen und mimetischen Zeichen, die im weitesten Sinn das „Design“ einer Szene bestimmen“ (Großegger, 2002, S. 13).
Doch die Welt des Szene-Codes ist nicht nur eine oberflächliche Welt. Auch spezielle Werthaltungen, Gefühle und Einstellungen, kurz gesagt ein bestimmtes und unverwechselbares Lebensgefühl, ist jeder der Szenen zu eigen und auch Teil des Codes. Die Beherrschung des Szene-Codes entscheidet darüber, ob man in einer Szene anerkannt ist oder nicht. Nur, wer darüber Bescheid weiß, welche Marken z.B. ein Old-School-Skater trägt, welche Musik sie hören und nur wer das Old-School-Konzept samt dem dazugehörigen Lebensgefühl auch authentisch umsetzen kann, wird akzeptiert. Wer nur so tut als ob, als würde er sich auskennen, dies aber offensichtlich nicht Sache ist, wird gnadenlos als „Poser“ entlarvt.
2.2.3 Jugendkulturen und Geschlecht
Früher galten Jugendkulturen als Ort der rebellischen Männerjugend. Nach Großegger (2002) hat sich Jugendkultur thematisch ausdifferenziert und qualitativ verändert. Rebellische Jugendkulturen und das gängige Klischee, dass Jugendkulturen „Männersache“ seien, geht heute an der Realität vorbei.
Denn in viele Jugendkulturen, wie zum Beispiel die der Snowboarder, treten immer mehr Mädchen bei und diese Szene punktet damit, dass sie den Mädchen eine tragende Rolle einräumt. Das heißt, für Snowboarder ist es ganz normal, dass auch Frauen einmal das Sagen haben und dass sie mit ihren „Skills“ und „Styles“ der Szene Form und Richtung geben.
Die Szenen stehen jedem offen und es kann jeder hinein, der rein möchte. Die einzige Voraussetzung und der einzige Zugangscode ist, dass man ein ehrliches und engagiertes Interesse mitbringt.
2.2.4Jugendszenen und soziale Herkunft
Früher haben sich Jugendkulturen rund um Musik gebildet. Zum Beispiel der Kultur des Jazz gehörten afroamerikanische Jugendliche an, die im Ghetto aufgewachsen sind, oder die Universitäten waren Ausgangspunkt für die Hippies. So haben sich die Kontinuitätslinien von sozialen Klassen und Schichten mit ihren kulturell prägenden Milieus in diesem Vorgang der Geschichte der Jugendkulturen des 20. Jahrhunderts weitgehend aufgelöst. Sehr deutlich wird das an dem deutschen Beispiel der Rocker-Kultur der sechziger Jahre und des Techno. Waren die jugendlichen Rocker der sechziger Jahre schlicht unangepasste Arbeiterjugendliche mit einem Hang zum Motorrad, so stieg
14
die Club-Kultur der siebziger und achtziger Jahre bis in das Milieu der oberen Mittelschicht der Ärzte und Juristen auf. (vgl. Breyvogel, 2005). Heute gibt es Szenen, die sich an Musik und an Sport (Funsport) orientieren, als auch an Jugendkulturen des digitalen Zeitalters (Computer-Szenen). Jugendszenen existieren, wie in Kapitel 2.2.3 besprochen, nach Codes. Sie machen sich ihre eigenen Regeln und Gesetze. Soziale Barrieren haben sich scheinbar nahezu aufgelöst. Das Herkunftsmilieu hat als verbindendes ebenso wie als trennendes Moment kaum mehr Bedeutung. Jugendszenen sind zu einem wichtigen Erfahrungsraum für Jugendliche aus allen Sozial-und Bildungsschichten geworden. Eine Studie der JUWE (Jugendwertestudie 2000 zit.n. Großegger, 2002, S.18) zeigt, dass bewegungsorientierte Jugendszenen, wie die der Snowboarder und Skater, Mitglieder aller sozialen Schichten mit nahezu gleich hohem Anteil haben.
Es ist zwar nicht zu leugnen, dass Geld im Leben eines Jugendlichen wichtig ist, damit dieser sich leisten kann, was er sich wünscht, jedoch in der Szene nicht unbedingt von Bedeutung ist. Denn nicht derjenige, der am meisten Geld hat, ist der coolste Typ der Szene, sondern derjenige, der aus dem, was er hat, das Beste rausholen kann. „Das gängige Argument, Jugendkultur sei doch nur etwas für Kinder aus gut situierten Familien, die neben ihrer Schulausbildung noch genügend Zeit haben, sich „so einen Spleen zu leisten“, geht am realen Szeneleben vollkommen vorbei. Aktuelle Jugendstudien belegen das schwarz auf weiß: B- und C-Schicht-Jugendliche definieren sich sogar deutlich stärker über jugendkulturelle Szenen als Jugendliche aus der A-Schicht. Zum Teil hat das damit zu tun, dass A-Schicht-Jugendliche in einem durch individualistische Werte geprägten Umfeld aufgewachsen sind und daher geringe Bereitschaft zeigen, zuzugeben, dass sie selbst zu einer „Gruppierung“ gehören. Es hat zu einem wesentlichen Teil aber auch damit zu tun, dass jugendkulturelle Szenen entgegen der gängigen Meinung heute für Jugendliche aus allen Sozial- und Bildungsschichten zu einem wichtigen Erfahrungs- und Erlebnisraum geworden sind.“ (Großegger, 2002, S.17ff.)
Man kann also nicht verallgemeinern, dass Anhänger einer gewissen Jugendszene aus einer klar definierten sozialen Herkunft stammen, noch, dass Codes und Stile bewegungsorientierter Jugendszenen sich in sozialen Schichten gebildet haben, da Jugendszenen sich ihre Gesetze und Regeln selbst machen.
15
Arbeit zitieren:
Bachelor Alexandra Auer, 2010, Freerunning - Eine jugendkulturelle Bewegungsform, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Sport - Bewegungs- und Trainingslehre: Freerunning - Eine jugendkulturelle Bewegungsform ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sport - Bewegungs- und Trainingslehre: neuer Titel erschienen: Freerunning - Eine jugendkulturelle Bewegungsform
Alexandra Auer hat einen neuen Text hochgeladen
MOVE - Architektur in Bewegung
Architektur in Bewegung - Dyna...
Michael Schumacher, Oliver Schaeffer, Michael-Marcus Vogt
Das Basisbuch für Schule und V...
Jürgen Schmidt-Sinns, Alex Pach, Saskia Scholl
Jahrbuch Bewegungs- und Sportpädagogik in Theorie und Forschung / Aner...
Ulf Gebken, Nils Neuber
Kinderzeichnung und jugendkultureller Ausdruck
Forschungsstand Forschungspe...
Constanze Kirchner, Johannes Kirschenmann, Monika Miller
0 Kommentare