Inhaltsverzeichnis
1. Einführung - 3 -
2. Emotionen - 4 -
2.1. Theoretische Grundlagen - 4 -
2.2. Aggregatebenen von Emotionen - 5 -
2.2.1. Emotionsdimensionen - 5 -
2.2.2. Diskrete Emotionen - 5 -
3. Emotionsbewusstein und Emotionsdifferenzierung - 6 -
3.1. Theoretische Grundlagen - 6 -
3.2. Zusammenhang von Emotionsdifferenzierung und Emotionsregulation - 8 -
4. Emotionsregulation - 9 -
4.1. Theoretische Grundlagen - 9 -
4.2. Strategien der Emotionsregulation - 10 -
4.3. Gründe, Einflussfaktoren und Ziele der Regulation von Emotionen - 12 -
4.4. Diskrete Emotionsregulation - 13 -
5. Emotionen und Emotionsregulation am Arbeitsplatz - 16 -
6. Fazit - 18 -
7. Literaturverzeichnis - 20 -
- 2 -
1. Einführung
Stimmt es, dass Menschen grundsätzlich dahin tendieren negative Emotionen abzuschwächen und positive Emotionen zu verstärken? Und was genau beinhalten eigentlich die Oberbegriffe Schmerz oder Freude und welche Bedeutung haben sie für ein Individuum? Jede Emotion, jeder Schmerz und jede Freude, werden von Person zu Person sehr unterschiedlich empfunden und ihre Facetten können noch wesentlich differenzierter wahrgenommen werden (Dougherty & Abe & Izard, 1996; Ulich & Mayring, 2003). So sind sich viele Menschen, wenn sie die generelle Emotion Schmerz empfinden, oftmals auch bewusst um welche Art von Schmerz es sich handelt und was dieses Gefühl ausgelöst hat. Diese differenzierte Kenntnis von Emotionen hat einen hohen Informationsgehalt für eine Person und kann als Entscheidungshilfe bezüglich bewusster Handlungen dienen. (Felman Barrett & Gross & Christensen & Benvenuto, 2001; Wranik & Feldman Barrett & Salovey, 2007) Auch die Annahme, dass Personen leidvolle Situationen grundsätzlich vermeiden oder mäßigen wollen, ist nicht allgemeingültig (Tamir & Mitchell & Gross, 2008). Stattdessen existieren für jede Emotion unterschiedlich effektive Strategien für ihre Modifikation, die entweder mit den besonderen Eigenheiten eben dieser Emotion oder den konkreten Zielen einer Person zusammenhängen (Gross & Richards & John, 2006; Rivers & Brackett & Katulak & Salovey, 2007).
Ebenso relevant ist der Kontext einer emotionalen Erfahrung. Es macht einen Unterschied, ob ein und dieselbe Emotion im alltäglichen Leben oder am Arbeitsplatz erlebt wird (Grandey, 2000). Dieser Unterschied wird durch die kontextangepasste Anwendung spezifischer Emotionsregulationsstrategien operationalisiert (Diefendorff & Richard & Yang, 2008). Im Folgenden soll gezeigt werden, welche Vorteile in der Betrachtung einzelner spezifischer Emotionen liegen, wie es Individuen möglich ist, ihre Gefühle differenziert wahrzunehmen und welchen Einfluss diese beiden Aspekte auf die Art und Weise der Regulation von Emotionen haben - sowohl im Alltag, als auch im Berufsleben.
2. Emotionen
2.1. Theoretische Grundlagen
Für einen subjektiven Begriff wie Emotion ist es unmöglich eine einheitliche Definition zu finden. Es ist jedoch möglich Emotionen anhand einiger Kerneigenschaften zu beschreiben und vergleichbar zu machen. Gross (2008) beispielsweise geht von drei zentralen Merkmalen von Emotionen aus. Zum einen sieht er die emotionsauslösende Situation als wichtiges Charakteristikum, sofern sie für eine Person Relevanz bezüglich ihrer Ziele hat. Eben diese Bedeutung lässt Emotionen erst aufkommen. Zum anderen erkennt er auch die Komplexität von Emotionen, ihre Verknüpfung zu weiteren Phänomenen sowie die mit ihren verbundenen Veränderungen in den Bereichen subjektiver Erfahrung, peripherer Physiologie und bewusstem Verhalten an. Emotionen geben Personen also Impulse, in eine gewisse Handlungsrichtung zu tendieren.
Diese drei Merkmale eines Emotionsprozesses wurden von Gross zu einem Kreislauf, dem so genannten „modal model“ von Emotionen, welches Abbildung 1 zeigt, zusammengefasst. Abbildung 1: Kreislauf des "modal model"
Quelle: Gross (2007)
An erster Stelle steht eine Situation, die eine gewisse Emotion entstehen lässt. Diese erfährt in einem zweiten Schritt Aufmerksamkeit durch ein Individuum, welches die Situation und Emotion nahezu zeitgleich auch im Hinblick auf die Relevanz für seine Ziele bewertet. Das führt daraufhin zu einer bestimmten Verhaltenstendenz oder zu einer konkreten Reaktion, die eine Veränderung der Ursprungssituation hin zu einer neuen bewirkt. Wie bereits bei der Darstellung der Kerneigenschaften von Emotionen beschrieben, entstehen diese, wenn Individuen sich in einer Situation befinden, die relevant für die Erreichung ihrer Ziele ist. Eine ähnliche Ansicht ist auch bei Ekman (1999) zu finden. Er versteht die Entstehung von Emotionen im Zusammenhang mit fundamentalen Herausforderungen im Lebenslauf einer Person, welche durch die bewertende und richtungsweisende Funktion von Emotionen bewältigt werden können. Seinem evolutionären Verständnis nach verleiten Emo-
tionen Individuen zu Handlungstendenzen, die sich im Lauf der Zeit in wiederkehrenden Situationen als effektiver als andere erwiesen haben.
Über diese grundlegende Gemeinsamkeit bezüglich der Entstehung von Emotionen hinaus, sind dieser Entwicklungsprozess und seine Auslöser jedoch von Emotion zu Emotion stark verschieden und es stellt sich die Frage, ob ähnliche Emotionen zusammengefasst oder getrennt voneinander betrachtet werden können.
2.2. Aggregatebenen von Emotionen
Die Frage danach, ob Emotionen auf verallgemeinernden, globalen Dimensionen oder in ihrer spezifischen Einmaligkeit untersucht werden sollten, ist und war schon immer ein fundamentaler Diskussionspunkt in der Emotionsforschung. Aktuell gewinnt die diskrete Emoti-onstheorie wieder mehr an Bedeutung und Einfluss in Theorie sowie Forschung (Izard & Ackerman, 2000). Dennoch können beide Ansätze auch als sich ergänzend angesehen werden. So umfasst beispielsweise die deskriptive Emotionsanalyse nach Ulich & Mayring (2003) sowohl die Identifikation und Beschreibung einzelner Emotionen als auch die Zusammenfassung von vergleichbaren Emotionen zu Kleingruppen.
2.2.1. Emotionsdimensionen
In der allgemeinen Emotionsforschung stehen bei der Betrachtung von subjektivem Emotionserleben, physiologischen Reaktionen, kognitiven Prozessen oder dem Ausdrucksverhalten oftmals globale Ansätze im Vordergrund, die mehrere verwandte Emotionen verallgemeinernd als ein Konstrukt begreifen. Diesem Verständnis nach können Emotionen, wie es auch Ulich & Mayring (2003) beschreiben, auf Dimensionen mit den beispielhaften Polen „unangenehm - angenehm“, „Lust - Unlust“ oder „Erregung - Unruhe“ beschrieben und anschaulich in einem Koordinatensystem mit den entsprechenden Achsen abgetragen werden. In diesem Zusammenhang werden Emotionen als grundsätzlich gleich angesehen und unterscheiden sich nur in ihrer Intensität oder dem Grad ihrer Erwünschtheit (Ekman, 1999). Dieser Ansatz schöpft somit nicht das informative Potential einzelner Emotionen aus, sondern nutzt die praktikablere Betrachtungs- und Darstellungsweise von Emotionsdimensionen zur Verringerung von Komplexität bei ihrer Untersuchung.
2.2.2. Diskrete Emotionen
Im Vergleich zu diesem generalisierenden Verständnis, wird vermehrt jedoch auch die einmalige und wertvolle Aussagekraft von Emotionen bezüglich einer Person und ihrer Be-
ziehung zur Umwelt in der Theorie gewürdigt (Ulich & Mayring, 2003) und in der Praxis er-forscht.
In der diskreten Emotionsforschung ist allgemein anerkannt, dass jede einzelne Emotion besondere Informationen über eine Situation und ihre Bedeutung für eine Person beinhaltet sowie über einen spezifischen motivationalen oder lenkenden Charakter verfügt. Darüber hinaus ist es möglich jede einzelne Emotion anhand unterschiedlicher Kategorien in ihrer Einmaligkeit zu beschreiben (Dougherty & Abe & Izard, 1996). Ulich und Mayring (2003) haben beispielsweise fünf Ebenen, ähnlich den in Abschnitt 2.1. beschriebenen allgemeinen Kerneigenschaften von Emotionen nach Gross, definiert, auf denen Emotionen beschrieben werden können. Gemäß ihrer Definition geht mit jeder diskreten Emotion grundsätzlich ein subjektives Empfinden bei einer Person einher. Auch ist die Emotion ihrer Meinung nach mit bestimmten kognitiven Inhalten bzw. Bewertungen verbunden, löst eine konkrete physiologische Reaktion aus und mündet in einem charakteristischen Ausdrucksverhalten. Außerdem gehen Ulich und Mayring davon aus, dass typische Situationen existieren in denen eine bestimmte Emotion häufig auftritt. Es jedoch zu beachten, dass diese Aspekte, wie bereits Dougherty & Abe & Izard (1996) in ihren Ausführungen diesbezüglich herausstellten, unter-einander verwoben sind und interagieren.
Außerdem geht die diskrete Emotionstheorie davon aus, dass es einige wenige basale Emotionen gibt, die sich bereits früh im Kindesalter entwickeln und über die Lebensspanne erhalten bleiben. Zu diesen grundlegenden Emotionen zählen unter anderem die in der Studie unter Abschnitt 4.4. untersuchten Emotionen Wut und Trauer, aber auch Interesse, Freude oder Angst. Weitere, weniger konkret fassbare Emotionen wie Langeweile oder Entspannung lassen sich ebenfalls anhand der oben genannten Kriterien beschreiben, gelten jedoch als Mischungen aus den Grundemotionen (Plutchik & Kellermann 1980; Dougherty & Abe & Izard, 1996).
3. Emotionsbewusstsein und Emotionsdifferenzierung
3.1. Theoretische Grundlagen
Wie bereits im vorangegangenen Kapitel festgestellt, haben Emotionen einen hohen In-formationswert. Informationen können jedoch nur dann aus Emotionen gezogen werden, wenn sich eine Person ihrer bewusst ist.
Stegge, Hedy und Meerum (2007) stellten fest, dass es unterschiedliche Bewusstseinsgrade von Emotionen gibt. Zum einem die phänomenale Erfahrung in der Emotionen tatsächlich nur
Arbeit zitieren:
Yvonne Köpcke, 2009, Diskrete Emotionsregulation, München, GRIN Verlag GmbH
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