Das Lebenswerk Alice Salomons und die Bedeutung für die soziale Arbeit
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Biografie 3
2.1. Kindheit und Jugend 3
2.2. Soziale Arbeit in den Gruppen
und in der Frauenbewegung 4
2.3. Studium und Promotion 6
2.4. Die soziale Frauenschule 6
2.5. Internationale Arbeit in der Frauenbewegung 8
2.6. Machtergreifung der Nationalsozialisten,
Ausweisung und Lebensende in Amerika 9
3. Alice Salomons Theorien der sozialen Arbeit 10
3.1. Soziale Arbeit als Beruf und Handlungswissenschaft 10
3.2. Soziale Arbeit und Frauen 11
3.3. Soziale Arbeit im internationalen Vergleich 12
4. Die Bedeutung für die soziale Arbeit heute 13
5. Schlussbetrachtung / Würdigung 14
Literaturverzeichnis S. 15
2
1. Einleitung
Alice Salomon gilt als Begründerin sozialer Berufsarbeit in Deutschland. In ihrem Leben bildete sie drei Interessenschwerpunkte heraus, die ihr von Bedeutung waren: „die praktische soziale Arbeit, die Frauenbewegung und der internationale Vergleich.“ 1 Die folgende Arbeit wird das Lebenswerk Alice Salomons anhand dieser drei Schwerpunkte darstellen.
Der biografische Teil beschreibt den Lebensweg einer jungen Frau aus dem Bürgertum, die sich nicht nur zu einer Pionierin der sozialen Arbeit in Deutschland, sondern auch zu einer wichtigen Protagonistin der nationalen und internationalen Frauenbewegung entwickelt. Daran anschließend werden die Theorien Alice Salomons unter dem Blickpunkt der genannten Aspekte beleuchtet, um im letzten Teil der Arbeit die Frage zu beantworten, welche Bedeutung Alice Salomons Lebenswerk für die heutige soziale Arbeit hat.
2. Biografie
2.1. Kindheit und Jugend
Am 19. April 1872 wird Alice Salomon in Berlin geboren. Die Familie gehört dem Judentum an, ist aber assimiliert und lebt in wirtschaftlich gesicherten und bürgerlichen Verhältnissen. Der Vater, der Lederhandel in London und Berlin betreibt, ist oft auf Reisen, somit obliegt die Erziehung der Kinder meistenteils der Mutter. 1878 wird Alice in eine christliche „Höhere Töchter Schule“ eingeschult, wo sie auch am evangelischen Religionsunterricht teilnimmt, der sie bzgl. ihres eigenen Glaubens nachhaltig prägt, sie wird sich 1914 in Irland taufen lassen.
Als der Vater 1886 verstirbt, bezieht die Familie aus finanziellen Gründen eine kleinere Mietwohnung, wo Alices jüngere Schwester zwei Jahre später an Diphterie verstirbt. Alices Mutter, die nach dem Tod ihres Mannes schwermütig wird, bedarf zunehmend der Betreuung durch die Töchter. 2
1 Kuhlmann 2000, 68
2 vergl. Salomon 1926p, S.3 und 5 nach Kuhlmann 2000, 48
3
Als Alice mit 15 Jahren die Schule beendet, gibt es für sie weder die Möglichkeit, eine weiterbildende Schule zu besuchen, noch eine andere ihr sinnvoll erscheinende Aufgabe; „Ihre Arbeit als „Haustochter“ wurde nicht gebraucht, außer Haus nicht geduldet.“ 3 Auch ihr Versuch, sich auf eine Lehrerinnenprüfung vorzubereiten, misslingt. Sie besteht dem Druck der Familie, die an Traditionen festhält, nicht. So verbringt sie eine unerfüllte Zeit, in der sie finanziell und emotional vollständig abhängig von ihrer Familie ist, ein Zustand, der typisch ist für viele junge Frauen aus dem Bürgertum. 2.2. Soziale Arbeit in den „Gruppen“ und in der Frauenbewegung Im Dezember 1893 erhält sie die Einladung zur Gründungsversammlung der „Mädchen-und Frauengruppe für soziale Hilfsarbeit“. Ein Anliegen und Ziel der Gruppe ist, bürgerliche Mädchen und Frauen zu ehrenamtlicher sozialer Hilfsarbeit zu aktivieren. Diese soll unter Fachaufsicht stattfinden und durch theoretische Ausbildung und Fachvorträge über Wohlfahrtspflege und Staatsbürgerkunde ergänzt werden. Der Beitritt zu den „Gruppen“ wird für Alice der Wendepunkt für ihr zukünftiges Leben und Werk. „Das neue Aufgabenfeld „Wohlfahrtspflege“ fasziniert Salomon ganz und gar. Dieser Aufgabe widmet sie ihr Leben und verzichtet auf Ehe und Familie.“ 4 Zunächst arbeitet sie in einem Mädchenhort, wo sie u.a. Hausaufgabenbetreuung leistet. Daneben beginnt sie, für die „Auskunftsstelle für Wohlfahrtsanstalten“ zu arbeiten und macht Hausbesuche bei Menschen, die einen Antrag auf Unterstützung gestellt haben und überprüft deren Art der Bedürftigkeit. Der Kontakt mit Armut macht Alice Salomon betroffen „ Der Gegensatz zwischen meinen eigenen Lebensumständen (...) und derjenigen Menschen, unter denen ich arbeite, überwältigte mich. Ich rebellierte gegen Ungerechtigkeit und Ungleichheit der Chancen.“ 5 .
Neben der praktischen Arbeit besucht sie verschiedene Kurse der Soziologie und Staatsbürgerkunde, die regelmäßig von der Gruppe angeboten werden.
3 Kuhlmann, 2000, 51
4 Engelke, Borrmann, Spatscheck, 2008, 236
5 Salomon 1983, S.37 nach Kuhlmann 2000, 59
4
Besonders beeindrucken sie die Vorträge von Max Weber und Jeanette Schwerin: „Es sei gewesen als hätte man einen Vorhang fortgezogen“; der Blick habe sich der Welt geöffnet, dem „wirklichen“ Leben, den Beziehungen der Menschen untereinander und zum ganzen Volk, zur Bürgerschaft:“ 6
Jeanette Schwerin, die u.a. Gründungsmitglied des BDF (Bund deutscher Frauenvereine) und Schatzmeisterin des ICW (International Council of Women) ist, wird zum Vorbild und zur Mentorin. Sie ist es, die Alice Salomon u.a. zur Bildung antreibt, ihr sozialkritische Literatur nahe bringt, sie in Kontakt und Austausch mit der nationalen und internationalen Frauenbewegung bringt. Alice Salomon entwickelt sich zu Jeanette Schwerins rechten Hand, 1896 wird sie Schriftführerin in den Gruppen.
1898 vertritt Alice Salomon die erkrankte Jeanette Schwerin beim Jahrestreffen des BDF in Hamburg. Sie hält ihre erste Rede und wird von nun an als wertvolles Mitglied der deutschen Frauenbewegung geschätzt 7 und zu Vorträgen im ganzen Land eingeladen. Parallel zu der Arbeit in Deutschland, befasst sie sich bereits mit Konzepten in anderen Ländern. Nachdem sie z.B. 1896 während eines Aufenthalts in England u.a. die dortigen „Settlements“ besucht hat und „sie die praktischen Erfolge und besonderen Methoden der englischen sozialen Arbeit vor Ort studieren“ 8 konnte, finden sich nach ihrer Rückkehr nach Berlin junge Frauen zusammen, die nach englischem Vorbild initiativ werden wollen. 1898 eröffnen sie das erste „Abendheim für Arbeiterinnen“. Nachdem Jeanette Schwerin 1899 verstirbt, wird Alice Salomon ihre Nachfolgerin und Vorsitzende der Berliner Gruppen, 1900 wird sie mit 28 Jahren als jüngstes Mitglied in den Vorstand des BDF gewählt.
Ebenfalls im Jahr 1899 beginnen die ersten Jahreskurse für Frauen in der sozialen Arbeit. Mit diesen Kursen legt Alice Salomon bereits den Grundstein für die systematische
6 Kuhlmann,2000, 60
7 vergl. Peyser, 1958, 29 in Muthesius, 1958
8 Kuhlmann, 2000, 64
5
Arbeit zitieren:
Anya Peters, 2009, Das Lebenswerk Alice Salomons und die Bedeutung für die soziale Arbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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