INHALT
1. Vorwort 2
2. Zur Geschichte der Lesung 3
2.1 Die Lesung in der griechischen Antike 3
2.2 Die Lesung in der römischen Antike 4
2.3 Die Lesung im Mittelalter 5
2.4 Die Autorenlesung ab dem 18. Jahrhundert 7
3. Die Ansprüche des Rezipienten an die Autorenlesung 9
4. Die Lesung als Inszenierung des Autors 10
5. Die Medientheorie Herbert Marshall McLuhans und ihre 11
Anwendbarkeit auf die Autorenlesung
5.1 Understanding Media - The Medium is the Message 11
5.2 Heiße und kalte Medien 12
5.3 Die Einflüsse der Medien auf den Menschen 13
5.4 Die Funktion der Sprache bei McLuhan 13
5.5 Die Autorenlesung - ein heißkaltes Medium? 14
6. Fazit 15
7. Literaturverzeichnis 17
8. Verzeichnis der verwendeten Internet-Quellen 18
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1. Vorwort
Diese Hausarbeit hat den Zweck, die praktische Tätigkeit als Autorin und Jurorin zur Auswahl der Sieger des „Buch-Habel-Kurzkrimipreises“ mit den theoretischen Inhalten des Moduls L2 zu verknüpfen. Da die Verfasserin im Rahmen des oben genannten Literaturwettbewerbs, aus dem sie 2007 als Siegerin hervorging, selbst eine Lesung halten musste, stellt sie sich in der vorliegenden Hausarbeit die Frage, inwiefern die Autorenlesung als Medium zur Präsentation von Literatur dient.
Literarische Lesungen haben eine jahrhundertealte Tradition, die von den Rezitationen in der griechischen Antike bis zur heutigen Zeit reichen, in der Autoren ihre Werke im Rahmen von Lesungen einem interessierten Rezipientenkreis näher zu bringen versuchen. In den nachfolgenden Ausführungen soll verdeutlicht werden, dass Lesungen nicht nur die Kunst des Autors vorstellen, sondern dass auch die Rezipienten Intentionen haben und Teilnehmer des literarischen Geschehens werden. Durch diese Kombination wird Literatur dem Rezipientenkreis näher gebracht als durch stilles, eigenes Lesen.
Ein weiterer Anspruch dieser Hausarbeit ist die Verknüpfung des Themas mit der Medientheorie Herbert Marshall McLuhans und der Frage, inwiefern der Autor als Medium fungiert bzw. ob man McLuhans Theorie auf Autorenlesungen anwenden kann. Der kanadische Medientheoretiker wurde bereits in den 1960er Jahren durch seine These „The Medium is the Message“ bekannt. McLuhan meint damit, dass das Wesentliche des Mediums in seiner Form und nicht in dem vom Medium übermittelten Inhalt zu finden sei. Demnach ist die aus dem Medium heraus entstehende Wirkung relevant und nicht die inhaltliche Botschaft. Abschließend sei angemerkt, dass aus Gründen der besseren Lesbarkeit im gesamten Dokument das grammatische Maskulinum verwendet wird. Gemeint sind jedoch stets beide Geschlechter.
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2. Zur Geschichte der Lesung
Um einen Überblick über die Veränderung der Performanz und Intentionen von Lesungen seit der Antike bis zur heutigen Zeit zu geben, folgt hier zunächst ein kurzer Abriss der Geschichte der Lesung.
2.1 Die Lesung in der griechischen Antike
In der griechischen Antike kann die Aufführung von Epen als Vorläufer der heutigen Lesungen betrachtet werden. Diese Epen enthielten Stoffe, die oftmals der Darstellung aristokratischer Werte dienten, aber auch einen erzieherischen oder politischen Anspruch hatten. Vorgetragen wurden die Heldenepen von Wandersängern, die sich der Herausforderung stellen mussten, einerseits lange, bekannte Geschichten vorzutragen, andererseits ihren Vortrag dem jeweiligem Publikum und Anlass anzupassen. Vom 7. Jh. v. Chr. wurden die Homerischen Epen von so genannten Rhapsoden dargebracht, die nicht mehr die Produzenten ihrer Lieder waren (Hose 1999, 41). Bis dahin war die Darstellung eigener Lieder weit verbreitet. Wann der Übergang von den Liedermachern, deren Werke der Vergessenheit zum Opfer fielen, zu den Rhapsoden erfolgte, lässt sich allerdings nicht genau bestimmen (ebd., 47).
Die Anpassung des Vortrags der Rhapsoden an die jeweiligen Feste führte nach und nach zu einer fortschreitenden Professionalisierung der Wandersänger hinsichtlich der Formen von Lesungen (ebd., 41), die sich in einer jeweils spezifischen Untermalung typischer Szenen und Details des Epenstoffs zeigte, so dass je nach Zuhörerschaft und Anlass die Lieder anders klangen. Der Wille des Zuhörerkreises hatte demnach einen starken Einfluss auf die vorgetragenen Texte und somit auch auf die Performanz. Somit waren die in diesen Texten enthaltenen Vorstellungen beeinflussbar konstruiert. Dies ist in die spätere Schriftform der Literatur als wesentliche Erkenntnis eingeflossen.
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2.2 Die Lesung in der römischen Antike
Im antiken Rom waren Lesungen ein fester Bestandteil des Kulturlebens. Hierbei spielte der römische Autor sowohl die Rolle des Verfassers als auch die des Aufführenden (Fantham 1998, 2). Sein Werk wurde somit von ihm geplant und dessen Aufführung von ihm kontrolliert (ebd.).
Literatur war eher für den Vortrag oder die Aufführung konzipiert, weniger für die Lektüre (ebd., 7). Aufführungen für ein Massenpublikum der nach griechischen Vorlagen verfassten Tragödien und Komödien des Livius Andronicus bilden den Beginn der lateinischen Literatur (ebd., 9). Anlass ihrer Aufführung war der Sieg über Karthago im Jahre 240 v. Chr. (ebd.). Auch bis über die Zeit der römischen Republik hinaus enthielten die meisten öffentlichen Deklamationen die Darstellung historischer Ereignisse, durch die man unter anderem auch gemeinschaftsfördernde Ziele verfolgte.
In den darauf folgenden Jahrzehnten entwickelte sich ein reges literarisches Leben. Von Q. Ennius (239 - 169 v. Chr.) wird berichtet, dass er in seinem Haus gelehrte, von Interpretationen begleitete Lesungen dichterischer Werke veranstaltete (ebd., 11). Ähnlich der griechischen Tradition wurden Lesungen auch bei Festmählern gehalten. Der Unterschied lag jedoch darin, dass nicht nur Vorleser und komische Schauspieler neue wie alte, lateinische wie griechische Texte vortrugen, sondern dass die Gastgeber das literarische Programm mit selbstverfassten, selbst vorgetragenen Texten gestalteten (ebd., 13). Die literarische Gattung der auf sich selbst bezogenen römischen Oberschicht war die politische Autobiographie, die wie Zeitgeschichtsschreibung und politische Reden in diesen Kreisen mündlich und schriftlich zirkulierte (ebd., 12). Da das Beherrschen der Sprachkunst das soziale Prestige erhöhte (und ggf. für entsprechenden Nachruhm sorgte), war das Schreiben und Vortragen politischer Texte durch diese Vorstellung motiviert. Ästhetisch anspruchsvolle Literatur wurde dagegen an Feiertagen und in den außerhalb von Rom gelegenen Villen rezipiert, in denen es einen gesonderten Raum für Lesungen gab (ebd., 200).
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Wie Ciceros Briefe für die letzte Generation der römischen Republik, bieten die Briefe von Plinius dem Jüngeren einen detaillierten Einblick in das literarische Leben Roms der Kaiserzeit (ebd., 189). Aus diesen Briefen kann eine Art Verhaltenscodex für das Benehmen der Zuhörerschaft während Lesungen herausgelesen werden. So wurde von den Zuhörern erwartet, dass sie den Vortrag zwecks Stellungnahmen unterbrechen sollten und kritische Hinweise geben konnten, die vom Autor zu beherzigen waren. Auch wurde von Cicero bemängelt, dass das Publikum während einer Veranstaltung nur widerwillig und partiell teilgenommen habe (ebd., 202). Auch höfliche Begeisterung anstelle offensichtlichem Gelangweiltsein wurde von Plinius erwartet, da jene ihm als Zeichen der Großzügigkeit galt (ebd., 203).
Plinius’ verschiedene Anmerkungen zum Thema Lesungen können jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass die Beschäftigung mit Literatur einen anderen Zweck hatte: Fantham weist darauf hin, dass es sich bei den meisten Autoren um aus dem politischen Leben verdrängte Männer handelte und diese durch das Schreiben, das sie in der Schule gelernt hatten, die Zeit bis zum Wiedereintritt in die Politik oder ihre räumliche und gesellschaftliche Abgeschiedenheit kompensieren wollten (ebd., 208).
Der Dichter Apollinaris Sidonius (ca. 430 - 479) schildert in einem Brief nach 450 n. Chr. eine öffentliche römische Lesung und beklagt darin die dürftigen Lateinkenntnisse des Vortragenden. Hieran wird der Verfall der antiken Lese- und Schreibkultur, der durch das Christentum vorangetrieben wurde, deutlich (ebd., 251). Erst im 12. Jahrhundert n. Chr. sollten Menschen außerhalb des Klerus wieder diese Kompetenzen besitzen.
2.3 Die Lesung im Mittelalter
Nachdem das Römische Reich zusammengebrochen war, wurde die literarische Tradition in christlichen Klöstern fortgesetzt. Für das Thema Lesungen soll folgendes Beispiel dienen: In den Klosterregeln des Heiligen Benedikt von Nursia (ca. 480 - 547), die er im von ihm 529 n. Chr. gegründeten Kloster am Monte
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Arbeit zitieren:
Sandra Peruzzi, 2009, Autorenlesungen als Medium zur Präsentation von Literatur, München, GRIN Verlag GmbH
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