Einleitung
Sie begleiten uns von morgens bis abends, sind in unserer unmittelbaren Nähe. Ihre Inhalte beeinflussen unsere Gedankenwelt und vieler unserer Ansichten wurden aufgrund ihrer Informationen begründet. Sie stellen Chancen (Informationsquelle/Wissenszuwachs) und Risiko (Manipulation) zugleich dar und sind in unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken: Medien
Wenn sie nun aber nicht nur Chancen, sondern auch Risiken mit sich bringen, ist es notwendig, die Chancen zu nutzen und die Risiken möglichst gering zu halten. Dies bedeutet, dass man mit den Medien und ihren Angeboten bewusst und kritisch umgehen kann. Hier beginnt der Arbeitsauftrag der Schule, Kinder zu einem bewussten, selektiven und kritischen Umgang mit Medien zu erziehen. In der Praxis findet man allerdings kein Schulfach „Medienerziehung“ oder Medienarbeit“. Auch in der Literatur findet man überwiegend kritische Stimmen, die aufzeigen, dass Medienerziehung in den Schulen nicht ernst genug genommen wird (siehe: Dieter Höhlerschinken, Barbara Eschenhauerz und weitere) und keinen verbindlichen Platz im Stundenplan einnimmt 1 . Der Vorwurf der mangelnden Medienerziehung in den Schulen ist meines Erachtens mehr als gerechtfertigt. Doch frage ich mich, warum man nur die Hälfte des möglichen Potentials betrachtet? Medienerziehung kann mehr als nur den richtigen Umgang mit Medien lehren. Durch die Projekt- und Medienarbeit werden Selbst-, Sozial-, Methodensowie künstlerische Kompetenzen gefördert und gestärkt, die nicht nur die Möglichkeiten der Persönlichkeitsentwicklung mit sich bringen, sondern zum Bildungsziel gehören. Medienarbeit stellt also Bildungsarbeit dar und bedeutet nicht nur die Eröffnung neuer Lernmethoden und somit neue Möglichkeiten und Chancen für die Schüler, es bedeutet auch, dass Schule wieder ein Stück lebensnahen Schulalltag bekommt und ihre kognitiven, kulturellen und persönlichkeitsbildenden Sozialisationsaufgaben erfüllt. Ich fragte mich also nicht nur, warum Medienarbeit in der Schule nicht eingesetzt wird, sondern frage mich vor allem, warum man sie nicht für sich arbeiten lässt, um Bildungsziele zu erreichen, die laut wissenschaftlichen Studien mit den derzeitigen Lernmethoden kaum oder gar nicht erreicht werden. Das unser Schulsystem eine Veränderung braucht ist seit der PISA-Studie jedem bekannt. In meinen Augen bietet die Medienarbeit genau diese Veränderung. In meiner Ausarbeitung werde ich die notwendigen theoretischen Inhalte darstellen, auf denen meine These beruht, werde meine Themenwahl, Themenfeld und Zielgruppe begründen und mit einem Fazit abschließen.
1 Medienerziehung in der Schule, Malin Johansson, Juni 2000, Seite 1
1.0. Bildung
Da Bildung ein komplexen Begriff darstellt, gibt es in der Literatur keine einheitliche Definition zu finden. So werde ich den Begriff zunächst in meinen eigenen Worten beschreiben und anschließend die Definition der Bildung von Max Fuchs darstellen. Während der Definitionsrecherche stieß ich immer wieder auf den Begriff „Formung des Menschsein“. Bildung heißt also in erster Linie: Formung und Menschsein. Doch was definiert das Menschsein und macht somit Bildung aus? Es ist neben der natürlichen Entfaltung die Möglichkeit, eine selbständige, selbsttätige, problemlösungsfähige Persönlichkeit zu werden. Das wiederum bestätigt, dass Bildung mehr ist als die reine Wissensvermittlung. Ich würde sie in meinen Worten als „Lebensvermittlung“ beschreiben. An dieser Stelle möchte ich Kant 1966 zitieren:
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen“ 2
Die Zitat ähnelt der Definition von Max Fuchs, die wie folgt lautet: „Bildung ist das bewusste, aktive und gestaltende Verhältnis zu sich, zu seiner natürlichen und gesellschaftlichen Umgebung, zu seiner Vergangenheit und Zukunft“ 3 . Zusammengefasst kann man Bildung als Zusammenhang dreier Grundfähigkeiten bezeichnen:
- Als Fähigkeit zur Selbstbestimmung jedes Einzelnen über seine individuellen Lebensbeziehungen und Sinndeutungen
- Als Mitbestimmungsfähigkeit, insofern jeder Anspruch, als Möglichkeit und Verantwortung für die Gestaltung unserer Verhältnisse hat
- Als Solidaritätsfähigkeit - besonders im Einsatz und im Zusammenschluss mit denjenigen, denen Selbstbestimmung und Mitbestimmung vorenthalten oder begrenzt werden 4 .
1.1. Medien
Wenn man über Medien spricht, speziell über Medien in Bezug auf Bildung, muss man den Begriff der Medien zunächst definieren, da Medium nicht gleich Medium ist. Zunächst unterscheidet man zwischen alten Medien wie Print- und Druckmedien (Zeitung, Bücher), audio-visuellen Medien (Film, Fernsehen...), audio-technische Medien (Kassetten, Hörfunk) und den neuen Medien wie beispielsweise Internet, Telefax, Satelliten- und Kabelfernsehen etc. 5 .
Durch die Entwicklung der letzten Jahre sind Medien Teil unseres Lebens geworden. Unsere Kommunikation, unsere Identitätsbildung, unsere Beziehungen; alles prägen und beeinflussen sie mit 6 . Da Medien für Menschen u.a. eine soziale Funktion erfüllen, steigen
2 www.uni-potsdam.de/u/philosophie/texte/kant/aufklaer.htm
3 Max Fuchs 1999, Mensch und Kultur, in Bkj (Hg.) 2001, Kultur, Jugend, Bildung S. 413
4 www.uni-landau.de/schulprakt-studien/geisteswiss_paed_thesen.pdf
5 Universität Hamburg, (Projekte und Konzepte) www. Sign-lang.uni-hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/konzepte/52/l5289.htm
6 Aufsatz_Kayser_framediale10Apr09-1.doc S.3
die Bestrebungen, Medien erzieherisch zu nutzen (Medienpädagogik), was mehr als nur das Wissen über die Wirkung von Medien voraussetzt 7 . Medien werden eingesetzt, um Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zum selbstbestimmten, kreativen und alltagsnahem Lernen zu bieten 8 .
Aufgrund dessen werde ich im nächsten Punkt kurz auf die Medienpädagogik, den Kompetenzbegriff und anschließend auf die aktive Medienarbeit als Methode der Medienpädagogik eingehen.
1.2. Medienpädagogik
Als eine wissenschaftliche Disziplin tritt die Medienpädagogik mit der Praxis in einen Dialog in Form der Medienerziehung. Sie setzt medienpädagogische Konzepte um und versucht, die im Vorfeld erarbeitenden Ziele mit den unterschiedlichsten Methoden zu erreichen.
Man unterscheidet zwischen 4 Teilbereiche der Medienpädagogik:
1. Medienerziehung
befasst sich mir der Möglichkeiten des sinnvollen Umgangs mit Medien
2. Mediendidaktik
befasst sich mit Funktionen Wirkungen und Inszenierungen von Medien in Lehr-und Lernsituationen
3. Medienkunde
Vermittlung von Kenntnissen über Medien und technischen Basiskompetenzen Medienforschung
4. Medienforschung
umfasst alle erziehungswissenschaftlichen Bemühungen der Analyse medialer Erziehung, Bildung und Entwicklung sowie des medialen Lernens und Aufwachsen aller Altersgruppen 9 . Ziel der Medienpädagogik:
Menschen das kompetente, selbstbestimmte, sozial verantwortliche, kritische und solidarische Handeln in einer durch Medien geprägten Welt zu ermöglichen. (Medienkompetenz) 10 .
Baacke (1999) unterscheidet folgende vier Dimensionen der Medienkompetenz:
1. Medienkritik
Fähigkeit zur Analyse problematischer gesellschaftlicher Prozesse; Anwendung dieses analytische Wissens auf das eigene Handeln und die sozialverantwortliche Abstimmung dieser Dimension
2. Medienkunde
7 Universität Hamburg, (Projekte und Konzepte) www. Sign-lang.uni-hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/konzepte/52/l5289.htm
8 Aufsatz_Kayser_framediale10Apr09-1.doc S.3
9 http://mediaculture-online.de
10 http://lexikon.stangl.eu/832/medienpaedagogik
Wissen über Medien und Kenntnis von Mediensystemen sowie die Fähigkeit zur Handhabung von Geräten und Software-Produkten
3. Mediennutzung
sowohl rezeptiv-anwendenden Nutzungskompetenz (Programmangebote) als auch interaktiv-anbietenden Nutzungskompetenz (Filmerstellung)
4. Mediengestaltung
kreative, ästhetische etc. Gestaltungsformen 11
Medienkompetenz bedeutet nicht nur eine, sondern mehrere Fähigkeiten zu erwerben. Sie beinhaltet unterschiedliche Komponenten, die man als folgende Schlüsselkompetenzen betrachtet:
- Selbstkompetenz (Selbstbewusstsein, Selbststeuerungsfähigkeit etc.)
- Methodenkompetenz (Lernfähigkeit, Planungsfähigkeit etc.)
- künstlerische Kompetenz (Kreativität, Körpersprache)
- soziale Kompetenz (Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit etc.) Wenn Bildung und Kompetenzerwerb also zusammengehören, empfiehlt es sich, den Kompetenzbegriff darzustellen:
Definition nach Franz E. Weinert:
„[...] die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können [...]“ 12 .
Doch wie erreicht und fördert man Kompetenzen und trägt somit zur Bildung bei? Die Medienpädagogik bietet diesbezüglich unterschiedliche Methoden an. Eine sich in der Praxis bewährte Methoden stellt die aktive Medienarbeit dar, die im folgenden Abschnitt genauer erläutert wird.
1.2.1. Aktive Medienarbeit
Aktive Medienarbeit stellt wie bereits oben erwähnt einen methodischen Ansatz der Medienpädagogik dar. Die Medien werden dabei von den Nutzern „in Dienst genommen“. Sie gehen selbständig mit den Medien um und gebrauchen sie als ein Mittel der Kommunikation 13 .
Aktive Medienarbeit orientiert sich generell an den Interessen und der Lebenswirklichkeit der Kinder und Jugendlichen und betont handlungsorientierte Erfahrungsprozesse 14 . Kriterien der aktiven Medienarbeit:
11 http://mediaculture-online.de
12 Susann Reinheckel, Kompetenzentwicklung in der Schule- zur Notwendigkeit eines umfassenden Konzeptverständnisses, 2010,
S.115
13 Fachhochschule Frankfurt am Main, A.Seelinger, Theorie und Praxis aktiver Medienarbeit nach Fred Schell, S. 8
14 Aufsatz_Kayser_framediale10Apr09-1.doc, Seite 3
Arbeit zitieren:
Tonia Wagner, 2010, Medien und Bildung, München, GRIN Verlag GmbH
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