Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. Vorwort Seite 3
II. Hauptteil
1. Zur Medialisierung des Holocaust Seite 4
2. Vor- und Nachteile des Mediums Seite 6
3. Umgang mit Holocaust-Filmen im Geschichtsunterricht
3.1. Das Medium Film im Unterricht Seite 8
3.2. Holocaust im Film
3.2.1. Allgemeines Seite 8
3.2.2. Verschiedene Filmgattungen von Holocaust-Verfilmungen Seite 9
3.3. Mit Filmen im Unterricht arbeiten Seite 10
4. Ist mediale Geschichte eine Wirklichkeit eigener Art? Seite 12
III. Schluss
1. Fazit Seite 14
2. Literaturverzeichnis Seite 16
2
I.1. Vorwort
Bedeutsame Ereignisse, handelnde Menschen und allgemeine Zustände können seit 100 Jahren in bewegten Bildern festgehalten werden. Zur Zeit spielen Filme im Geschichtsunterricht (noch) keine große Rolle. Ganz anders ist es aber bei den Schülerinnen und Schülern im privaten Leben. Sie und auch Millionen anderer Menschen bekommen den größten Teil ihres Wissens über Geschichte durch Filme bzw. Fernsehen vermittelt. In den vergangenen Jahren hat wohl kein anderes Medium so viel Geschichte für ein solch großes Publikum aufbereitet wie Film und Fernsehen. Wirft man einen Blick auf die letzten Jahrzehnte der Filmgeschichte fällt einem auf, dass es zahlreiche historisch orientierte Spielfilme gibt, die an den Nationalsozialismus und den Holocaust erinnern. Die Bilder über diese Zeit sind bis heute so weit verbreitet, dass es kaum jemanden gibt, der diese noch nicht kennt.
Kino und Fernsehen können und müssen sich mit dem Holocaust auseinander setzen dürfen, zu fragen ist allerdings, welchen möglichen Einfluss Historische Spielfilme, Dokumentarfilme, Unterrichtsfilme uvm. auf kollektive Gedächtnisinhalte nehmen können. Ist es möglich, dass die tatsächliche Geschichte hinter Gefühlsdramaturgie und Betroffenheitsdiskurs der fiktionalen Medienbilder verschwindet oder ist diese Gefahr im Vergleich zu dem Nutzen und den Vorteilen für die Erinnerungskultur eher gering? Diese Frage und noch viele weitere sollen auf den nächsten Seiten geklärt werden. Vorrangiges Ziel dieser Hausarbeit ist es, zu klären, was für den Einsatz von Verfilmungen, insbesondere mit dem Thema Holocaust, im Geschichtsunterricht spricht. Lohnen sich tatsächlich die ganze Arbeit und der Zeitaufwand für die Lehrkraft, damit der erhöhte Aufwand auch besondere Früchte trägt? Außerdem möchte ich generell zur medialen Inszenierung der Shoah informieren, den geeigneten Umgang mit (Holocaust-)Filmen im Geschichtsunterricht näher erläutern sowie verschiedne Filmgattungen oder -arten beleuchten. Geklärt werden soll zusätzlich, ob die mediale Geschichte eine Wirklichkeit eigener Art ist und wie man damit umgehen kann oder sollte. Des Weiteren möchte ich Vorschläge und Empfehlungen geben, wie man als Geschichtslehrerin oder Geschichtslehrer agieren sollte, damit die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass Filme nicht immer die tatsächliche Wirklichkeit wiederspiegeln und so eine erhöhte Manipulationsgefahr besteht. In meinem Fazit werde ich auf den Punkt bringen, ob Verfilmungen mit diesem Thema für den Unterricht sowie für das Geschichtsbewusstsein eher positiv sind oder ob die Gefahren und Risiken nicht doch überwiegen.
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II. 1. Zur Medialisierung des Holocaust
Die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands sowie die systematische Vernichtung der europäischen Juden sind seit Anfang 1990 mehrfach in Kino- und Fernsehproduktionen filmisch in Szene gesetzt worden. Es hat demnach den Anschein, dass es um die Erinnerungsarbeit im Kino gut steht, denn der Film ist ein ausgezeichnetes Mittel, um Geschichte zu erzählen. Es besteht daher nicht die Gefahr, dass die Ermordung von über sechs Millionen Juden und der Nationalsozialismus vergessen werden. Auch wenn die Filme in unterschiedlichen Beziehungen zur historischen Tatsachenwirklichkeit des Holocaust stehen 1 , kennt mittlerweile jeder die Bilder von und über diese Zeit. Mögen es authentische oder auch nachgestellte Szenen sein. Doch durch diese Erzählungen und Bilder fungiert das Medium Film als dauerhafter Speicher von Geschichte und diese wird dann im kulturellen Gedächtnis gesichert. Wie bereits Anton Kaes anmerkte, lassen Bilder die Vergangenheit nicht vergehen. 2 Doch es ist bei der Betrachtung von Holocaust-Verfilmungen unbedingt Vorsicht geboten, denn Medien im Allgemeinen, also Sprache, Schrift, Bilder und auch Filme sind keineswegs neutrale Vermittler zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Außerdem ist unser Gedächtnis nicht in der Lage, die Vergangenheit als solche zu bewahren. Es arbeitet rekonstruktiv und Teilmengen der Vergangenheit werden betont, andere wiederum außer Acht gelassen. 3 Somit kommt dem Medium Film eine enorme Bedeutung zu - eine gewisse Macht. Es ist schon überholt, anzunehmen, dass eine visuell-filmische Darstellung die Phantasie des Rezipienten beschränke. Ganz im Gegenteil. Filme sind „aufgrund ihrer mehrfach kodierten Materialität aus Bildern, Texten und Tönen“ 4 komplexe Gebilde, die bei unterschiedlichen Zuschauern jeweils unterschiedliche Assoziationen und Phantasien hervorrufen. 5 Ein noch intensiveres Gefühlserlebnis ermöglicht das Erzählen einer Geschichte aus der Geschichte des Holocaust, da es etwas wie Unterhaltungswert besitzt. Dabei bedarf es einer Klärung, ob mit fiktionalen Erzählungen zum Thema Holocaust gleichzeitig auch die „Wahrheit“ des tatsächlichen Holocaust fiktionalisiert und damit in Frage gestellt wird. 6 Ergibt sich daraus jedoch ein Verbot dafür, würde das in der Konsequenz ebenfalls verbieten, Geschichten über den Wilden Westen zu erzählen.
1 Wende, Waltraud: Geschichte im Film, 2002, S. 8f.
2 Kaes, Anton: Deutschlandbilder, 1987, S. 5
3 Wende, Waltraud: Geschichte im Film, 2002, S. 10
4 Kaes, Anton: Deutschlandbilder, 1987, s. 6
5 Wende, Waltraud: Geschichte im Film, 2002, S. 14
6 Wende, Waltraud: Geschichte im Film, 2002, S. 14
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Im Zentrum des melodramatisch inszenierten Filmgeschehens von Serien und Filmen steht bis circa 1995 eher die systematische Vernichtung der europäischen Juden, wobei in der zweiten Hälfte der 90er eine Akzentverlagerung zu erkennen ist. Seitdem geht es vorrangig um das Erzählen von spannenden, mitreißenden und individuell-privaten Geschichten, für die der Holocaust bloß den historischen Rahmen bildet. 7 Eine Analyse der Geschichte der Filmbilder zum Themenkomplex Holocaust zeigt, dass es in den ersten Nachkriegsjahren im Westen keine filmische Auseinandersetzung gibt. Erst die in Amerika produzierte Serie „Holocaust“ im Jahre 1979 erhält große Resonanz und gibt einen Anstoß dafür, dass der Genozid an den Juden zu einem Thema wird, das im öffentlichen Diskurs steht. Im Osten Deutschlands hat es jedoch nicht so lange mit der Produktion von Filmen, die sich mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt haben, gedauert. Bereits 1946 wurde „Die Mörder sind unter uns“ veröffentlicht. 8
Danach wurde großer Wert auf Dokumentationen gelegt. Diese boten nicht ausschließlich Faktenvermittlung und historische Aufklärung an, da sie tatsächlich alles andere „als ein Spiegel der historischen Wirklichkeit“ waren. Die Zuschauer sollten nicht nur informiert, sondern auch emotional erreicht werden. Außerdem ging es dabei gleichermaßen um den Kampf von Einschaltquoten und führte zu einer zunehmenden „Hochwürzung“ der Bilder des Holocaust. 9 Auch der Darstellungsstil hat sich grundlegend verändert. Anfangs nutzten die Filmemacher visuelle Chiffren wie Schienen und Güterzüge verbunden mit Musik, um das ihnen „unbeschreiblich Erscheinende in Szene zu setzen.“ Mittlerweile ist eine dezente Darstellung Vergangenheit. Es geht vielmehr um den „Superlativ des Grauens“. Durch „ikonische Superzeichen“ wie beispielsweise rauchende Schornsteine, schweigende Menschenketten und Berge von Kleidung und Goldzähnen, sollen die Zuschauer am Bildschirm gehalten werden. 10
Die Aufmerksamkeit und Toleranz der Öffentlichkeit gegenüber Spielfilmbildern sind eindeutig kontext- und zeitgebunden. Wo noch die amerikanische Serie „Holocaust“ für heftige Kontroversen sorgte und man laut diskutierte, wie weit man gehen dürfe, lässt sich heute schließlich sagen, dass eine Verbindung von Holocaust und fiktiver Narration legitim ist.
7 Wende, Waltraud: Geschichte im Film, 2002, S. 15.
8 Wende, Waltraud: Geschichte im Film, 2002, S. 1.6
9 Köppen, Manuel: Von Effekten des Authentischen, in: Scherpe, Klaus: Bilder des Holocaust, 1997, S. 155.
10 Wende, Waltraud: Geschichte im Film, 2002, S. 18.
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Arbeit zitieren:
Regina Anselm, 2008, Film und Fernsehen: Mediale Geschichte als Wirklichkeit eigener Art, München, GRIN Verlag GmbH
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