Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Prometheus geistige Erben 5
3. Der künstliche Mensch im Film 8
8
3.1. Frankenstein
8
3.1.1. Inhaltsangabe
9
3.2. Blade Runner
10
3.2.1. Inhaltsangabe
4. Analyse 11
11
4.1. Die Differenzierung zwischen Künstlichem und Menschlichem
14
4.2. Erfindungsgeist
5. Abschlussbetrachtung 16
6. Literatur 18
7. Filme 19
2
1. Einleitung
Für das Horrorgenre steht das zu übermittelnde Gefühl des Grauens, der Angst oder des Ekels im zentralen Vordergrund und thematisiert dabei meist den Tod. 1 Menschen bezahlen beispielsweise bei Geisterbahnbesuchen oder bei Kinovorstellungen für die Konfrontation mit dieser Empfindung und den daraus resultierenden Lustgewinn. 2 In zahlenreichen Horrorfilmen sieht man in diesem Zusammenhang oft aus dem Tod hervorgehende Wesen, die den Menschen Unheil und Zerstörung verkünden oder auch die Flucht einzelner Überlebender vor den Untoten.
Während sich hier eine Vielzahl von Darstellungen mit der Zielsetzung beschäftigt, dem Menschen als Lebewesen den Tod zu bringen, war es auf der anderen Seite schon immer ein kulturübergreifender Menschheitstraum dem göttlichen Schöpfungsgedanken nachzueifern und ein lebendiges Ebenbild aus totem Material zu erschaffen, nicht auf dem natürlichen Weg, durch einen zuvor stattgefunden Zeugungsakt und Geburt, sondern unter künstlichen Bedingungen. Bereits in der griechischen Mythologie beschäftigten sich zahlreiche Geschichten mit der Erschaffung künstlichen Lebens, deren Inhalt noch heute von aktueller Brisanz ist und nahrhaften Gesprächsstoff bei Diskussionen in Bereichen der modernen Genforschung oder bei der Entwicklung humanoider Roboter bietet. Aber auch für das Kino ist diese Thematik speziell im Bereich der Science-Fiction und des Horrors nicht mehr weg zu denken und wird mit ansehnlicher Beliebtheit in vielfacher Modifikation immer wieder aufgegriffen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen der Erschaffung künstlicher Menschen unter der schwerpunktmäßigen Betrachtung des Motivs der Künstlichkeit und ihrer Differenzierung zum Menschlichen. Ich werde diese Materie nicht in ihrer Vollständigkeit behandeln, da das den Rahmen einer Hausarbeit überschreiten würde. Ich versuche stattdessen anhand zweier ausgewählter Filme die Fragestellung, was den Menschen von seinem künstlichen Ebenbild unterscheidet und das interpersonelle Verhältnis zwischen dem Schöpfer und seiner Schöpfung zu erläutern. Ich werde dazu keine umfassende Filmanalyse beider
1 vgl. Baumann, Hans D. (1989). Horror Die Lust am Grauen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S.83
2 vgl. ebd., S.36
3
Werke präsentieren, sondern diese nur anhand der Untersuchungskriterien abtasten. Für die Bearbeitung meines Sachverhaltes habe ich mich für James Whales Frankenstein 3 4 entschieden. Ich behandele
die genannten Verfilmungen und nicht ihre literarischen Vorlagen, da heutzutage die meisten klassischen Mythen und Legenden über die Kinoleinwand vermittelt werden und so am besten und schnellsten an Popularität gewinnen. Desweiteren verinnerlichen beide Filme denselben prometheischen Mythos, den der Erschaffung lebendiger Menschen, und veranschaulichen ein ähnliches feindseliges Verhältnis zwischen Schöpfer und Schöpfung. Ich betrachte zwei Genres, die des klassischen Horrorfilms und der Science-Fiction, welche sich beide im Bereich des Phantastischen ansiedeln, einem Zweig, in dem die Aufhebung von Naturgesetzen in einem visionären Raum legitimiert ist, nicht zwangsläufig begründet werden muss und Sachverhalte aufgezeigt werden können, die in der heutigen Zeit meist (noch) nicht möglich sind. 5
Zu Beginn gebe ich eine kurze Übersicht über unterschiedliche Vorstellungen zur Erschaffung künstlicher Menschen vergangener Epochen aus verschiedenen Bereichen der Literatur, Wissenschaft und Kunst, die meiner Meinung nach die literarischen Vorlagen meiner ausgewählten Filme entscheidend prägten. Folgend stelle ich jeweils beide Filme in einer kurzen Zusammenfassung vor. In der nachstehenden Analyse werden diese auf die Untersuchungskriterien meiner Fragestellungen geprüft. In der Abschlussbetrachtung meiner Hausarbeit setze ich die herausgearbeiteten Erkenntnisse in Bezug zur aktuellen Forschung. Ich hoffe mit dieser Darstellung eine interesseweckende Einsicht in die Thematik der künstlichen Menschen geben zu können.
3 Frankenstein, James Whale (Regie), Universal Pictures, 1931 4 Blade Runner , Ridley Scott (Regie), Warner Bros., 1982
5 vgl. Baumann, Hans D. (1989). Horror Die Lust am Grauen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag,
S.98 ff.
4
2. Prometheus geistige Erben
Kaum ein anderer Mythos wie der des Prometheus 6 konnte von der Antike bis heute über alle Zeitalter und Fachrichtungen hinaus vergleichbar an seiner Faszination festhalten. Prometheus gehörte zu dem vorolympischen Göttergeschlecht der Titanen. Er ersehnte die von den Tieren belebte irdische Welt nicht den Olympiern allein zu überlassen, weshalb er auf die Erde ging und den Menschen aus Ton und Wasser formte, der als göttliches Ebenbild dort fortan existieren sollte. Mit der zusätzlichen Gabe des Feuers hat er den Menschen die Möglichkeit zur kulturellen und handwerklichen Entfaltung verliehen. In einer weiteren griechischen Legende wird von Hephaistos, 7 dem olympischen Schmiedegott berichtet, der in seiner Schmiede nicht nur Schmuck, Waffen und Werkzeuge für die Bewohner des Olymps herstellte, sondern sich zur Unterstützung goldene, mechanische Dienerinnen schuf. Die Einflüsse dieser antiken Legenden lassen sich auch im Mittelalter wiederfinden. Paracelsus verfasste um 1530 in seiner Schrift "De natura rerum" eine Anleitung zum Wachstum eines künstlichen, durch chemische Verfahren
vollständige Ausreifung nach 40 Wochen in einem Glasgefäß vollbracht sein sollte. Pferdemist, Sperma und Blut bildeten demnach die Ausgangsmaterialien für diesen speziellen Fäulnisprozess. 8
Die Erfindung des rein mechanischen, durch Getriebe betriebenen Räderuhrwerks zeigte im 18. Jahrhundert neuartige Möglichkeiten in der Erforschung der Physik und Technik in Kombination mit dem kreativen Erfindungsgeist der Menschen auf, so dass der Glauben heranzog, auf diese Weise ein menschliches Wesen, rein mechanisch und künstlich erschaffen zu können, das Menschlichkeit
10
6 vgl. Drux, Rudolf (2001). Künstliche Menschen; in: Spektrum der Wissenschaft 6/2001, S.68
7 vgl. ebd.
8 vgl. ebd., S.72
9 vgl. Drux, Rudolf (1994). Die Geschöpfe des Prometheus Der künstliche Mensch von der Antike bis zur Gegenwart. Bielefeld: Kerber Verlag, S.16
10 vgl. ebd.
5
Im Zuge dieser Entwicklung wurden Automaten konstruiert, die menschliche Verhaltenseigenschafften imitierten. 11 Descartes betonte als einer der ersten das Zusammenspiel von Körper und Geist beim Menschen und setzte die Funktion der Automaten mit dem Verhalten von Tieren gleich. Automaten und Tiere seien komplett durch situative Gegebenheiten determiniert, deren Verhaltensweisen aus Reflexen bestehen und auf die äußere Umwelt reagieren. Dem gegenüber steht der Mensch, der denkend und vernunftgeleitet Leib und Seele miteinander vereint. 12 Ende des 18. Jahrhundert bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts behandelten auch zahlreiche literarische Werke das Motiv des künstlichen Menschen, so zum Beispiel in Form eines Homunculus, in Der Tragödie zweiter , 13 oder verkörpert durch einen Androiden, wie der weibliche Tanzautomat 14
Die Automaten des 18. Jahrhunderts dienten in erster Linie zur Dekoration oder wurden zu Unterhaltungszwecken ausgestellt. 15 Sie waren nur für einen ganz speziellen Bewegungsablauf konstruiert und als mechanisches Produkt klar vom menschlichen Original zu erkennen. Erst mit Karel Capek´ (Rossums-Universal-Robots) 16 aus dem Jahre 1920, kam es durch das Wort Roboter (abgeleitet aus dem Slawischen geistigen
Modifikation des einfachen Automaten und war besonders für die Filmindustrie, gerade im Bereich der Science-Fiction wegweisend, da nun den Kunstprodukten langsam neue Rollen- und Funktionen zugeschrieben wurden. Ihre mechanischen Aufgaben hielten jetzt Einzug im Dienstleistungsbereich. Die Roboter und Androiden in den Science-Fiction Filmen verrichten dabei, in einer schon übermenschlichen Qualität, fest vorprogrammierte oder komplexe Aufgaben und werden im Gegensatz zu den Automaten der Vorzeit als differenzierte Maschinen dargestellt. So sollen sie den Menschen in den meisten Filmen körperlich schwere Arbeiten abnehmen oder
11 vgl. Wenzel (2004). Simulierte Körper. Vom künstlichen zum virtuellen Menschen. Köln: Böhlau Verlag, S.101
12 vgl. ebd., S.91
13 Goethe, J. W. (1832) Faust 14 Hoffmann, E.T.A. (1887) Der Sandmann
15 vgl. Drux, Rudolf (2001). Künstliche Menschen; in: Spektrum der Wissenschaft 6/2001, S.71
16 vgl. Jestram, Heike (2000). Mythen, Monster und Maschinen. Köln: Teiresias-Verlag., S.94 17 vgl. Bammé, u.a. (1983) Maschinen-Menschen Mensch-Maschinen. Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, S.27
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Arbeit zitieren:
Oliver Labza, 2010, Künstliche Menschen, München, GRIN Verlag GmbH
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