Zusammenfassung
Aufgrund der zunehmenden Überalterung unserer Gesellschaft und der damit ver-bundenen Steigerung der Kosten im Gesundheitswesen ist es notwendig, in neue Technologien zu investieren.
Ein Bereich dieser neuen Technologien sind elektronische Gesundheitssysteme, kurz eHealth genannt. Das Thema wird aktuell vornehmlich von Universitäten und Forschungszentren bearbeitet. Diese Technologien hin zu Kunden, also zu Industrieunternehmen zu bringen, ist die Aufgabe von Technologietransfer-Abteilungen.
Da die Forschungsdisziplin eHealth den Technologietransfer-Experten derzeit durchwegs noch unbekannt ist, gilt es die aktuell eingesetzten Transfer-Strategien zu beleuchten und gegebenenfalls zu adaptieren.
Basierend auf dieser Ausganglage wurde anhand eines begleitenden Beispiels der Strategieentwicklungsprozess für ein Technologietransfer Zentrum unter der Berücksichtigung der Thematik eHealth ausgearbeitet.
Eine Definition des Untersuchungsgegenstandes wie auch eine Beschreibung der eingesetzten Methoden sind im theoretischen Teil dieser Arbeit angeführt.
Durch die Verwendung von einschlägigen Methoden der Strategieentwicklung und der konsequenten Durchführung eines strikten Modells ist es möglich, bislang unbekannte Anforderungen zu identifizieren und diese in die Strategieentwicklung einfließen zu lassen.
II
Abstract
Due to ageing of the population healthcare costs are rising. Therefore it is most important to invest in progressive, efficient technologies like electronic healthcare systems also known as e-health.
At present, the field of e-health is primarily worked on by universities and research centre. The conveyance of actual research results to the private industry is the main task of technology transfer departments.
Because most technology transfer experts are still unacquainted with the field of ehealth, existing transfer strategies have to be analyzed in order to deduce adequate strategies for e-health technology transfer.
Based on this initial position a collateral example for a technology transfer centre strategy development process has been elaborated. Special attention has been turned to the characteristics of e-health.
A definition of the subject of study as well as a description of the used methods is given within the theoretical part of the thesis in hand.
The usage of well-known strategy development methods and the consequent implementation of a stringent model allow an identification of new and relevant requirements for e-health technology transfer strategies.
III
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung 1
1.3 Aufbau der Arbeit 2
1.4 Bezugsrahmen 3
2 Strategieentwicklung und Planung 4
2.1 Strategie 4
2.2 Planung 6
2.3 Methodik der Strategieentwicklung 7
2.4 Ebenen der Strategieentwicklung 9
2.5 Phasenmodell der Strategieentwicklung 10
2.6 Strategische Analyse und Standortbestimmung, Methoden der
Strategieentwicklung 13
2.6.1 Umweltanalyse 13
2.6.2 Geschäftsbereichsanalyse mittels 7-S Modell 17
2.6.3 SWOT Analyse 22
2.6.4 GAP Analyse 28
2.6.5 Portfolioanalysen 30
2.6.6 Delphi-Analyse 32
2.6.7 Qualitative Befragung 33
3 Technologietransfer 34
3.1 Technologie und Technik 34
3.2 Definition Transfer 34
3.3 Definition Technologiemarketing 35
IV
3.4 Definition Technologietransfer 36
3.5 Klassifikation und Charakteristika des Technologietransfers 39
3.6 Formen und Partner des Technologietransfers 42
3.6.1 Formen des Technologietransfers 43
3.6.1.1 Auftragsforschung 45
3.6.1.2 Kooperationen 48
3.6.1.3 Personaltransfer 49
3.6.1.4 Wissenschaftliche Kommunikation 51
3.6.1.5 Serviceleistungen 52
3.6.1.6 Technologieorientierte Unternehmensgründung 53
3.6.1.7 Schutzrechte 56
3.6.1.8 Akquisition 59
3.6.2 Partner im Technologietransfer 60
3.6.2.1 Hochschulen 60
3.6.2.2 Forschungseinrichtungen 62
3.6.2.3 Technologietransferstellen 64
3.6.2.4 Kammern und Fachverbände 65
4 Biomedizin und eHealth in Österreich 67
4.1 Entstehung des Themas eHealth 68
4.2 Stufen von eHealth 70
4.3 Normen und Standards in Österreich 71
4.4 Aktuelle und zukünftige Vermarktungsfelder 74
4.4.1 Aktuelle Märkte 74
4.4.2 Zukünftige Vermarktungsfelder 78
5 Umsetzung im Forschungszentrum 79
5.1 Phase 1: Analyse der Ausgangsposition 81
5.1.1 Formulierung der strategischen Ziele 81
5.1.2 Umweltanalyse 84
V
5.1.3 Geschäftsfeldanalyse 87
5.1.3.1 7-S Analyse 87
5.1.3.2 Stärken-Schwächen, Chancen-Risiken Analyse 90
5.1.4 Erfolgsfaktoren im Technologietransfer 93
5.1.4.1 Ermittlung der Erfolgsfaktoren 94
5.1.4.2 Clusterung der Erfolgsfaktoren 98
5.2 Phase 2: Strategie Entwicklung 100
5.3 Phase 3: Überprüfung der strategischen Planung 107
5.4 Phase 4: Strategische Gestaltung der Organisation 108
5.5 Phase 5: Überwachung und Revision 109
6 Conclusio 111
7 Literaturverzeichnis 114
8 Anhang Inhaltsverzeichnis 121
VI
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1-1: Bezugsrahmen.
Abb. 2-1: Der Weg zur Strategie
Abb. 2-2: Harvard Konzept der Strategieentwicklung
Abb. 2-3: PESTLE to SWOT
Abb. 2-4: Vorgehensweise bei einer Umweltanalyse
Abb. 2-5: 7-S Modell
Abb. 2-6: SWOT Darstellung
Abb. 2-7: Stärken-Schwächen Diagramm
Abb. 2-8: GAP Analyse
Abb. 2-9: Verallgemeinertes Vorgehen bei Portfolioanalysen
Abb. 2-10: Verallgemeinertes Vorgehen bei der Delphi-Analyse
Abb. 3-1: Uni- und bidirektionaler Transfer
Abb. 3-2: Lebenszyklus von Technologien
Abb. 3-3: Top 14: erteilte Patente und registrierte Gebrauchsmuster 2009 in
Österreich
Abb. 4-1: Modell des Gesundheitswesens 2006
Abb. 5-1: GAP Analyse des Transfervolumens
Abb. 5-2: Stärken-Schwächen Diagramm
Abb. 5-3: Chancen-Risiken Diagramm
Abb. 5-4: Analysen-Strategien Mapping
VII
Abkürzungsverzeichnis
ANSI American National Standards Institute BCG Boston Consulting Group BMVIT Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie BU Business Unit CDISC Clinical Data Interchange Standards Consortium CEN Comité Européen de Normalisation CRM Customer Relationship Management DIN Deutsches Normungsinstitut EEN European Enterprise Network EHTEL European Health Telematics Association EHTO European Health Telematics Observatory ELGA elektronischer Gesundheitsakt ERP Enterprise Resource Planning ETSI European Telecommunications Standards Institute FH Fachhochschule FuE Forschung und Entwicklung GTelV Gesundheitstelematikverordnung HL7 Health Level 7 HR Human Ressource IEEE Institute of Electrical and Electronical Engineers IHE Integrated Health Environment IKT Informations- und Kommunikationstechnologie ISO International Organisation for Standardization ITU International Telecommunication Union KBV Kassenärztliche Bundesvereinigung KMU Kleine und mittlere Unternehmen KU Kleinst Unternehmen Med. Medizinische NFC Near Field Communication
VIII
p.a. per anno PEST/PESTLE Steht für: political, economical, social, technological, legal, ecological PCCL Polymer Competence Center Leoben R&D Research & Development RFID Radio Frequency Identification SW Software SWOT Steht für: Strenghts, Weaknesses, Opportunities und Threats TT Technologietransfer TTZ Technologietransfer Zentrum USP Unique Selling Proposition UV Ultraviolett VRVis Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung WHO World Health Organisation
Tabellenverzeichnis
Tab. 2-1: Abgrenzung Strategie und operative Planung 7 Tab. 2-2: Phasen Modell 10
Tab. 2-3: SWOT Normstrategien 26
Tab. 3-1: Inhalte des Technologiemarketings 35
Tab. 3-2: Klassifikation des Technologietransfers 39
Tab. 3-3: Formen des Technologietransfers 44
Tab. 3-4: Vorteile der Spin-offs 55
Tab. 3-5: Staatliche Regulierungen für Unternehmensgründungen aus öffentlichen Forschungseinrichtungen und Universitäten 56
Tab. 5-1: Phasen Modell für das TTZ Austria 81 Tab. 5-2: Strategieauswahl 103
Tab. 5-3: Strategie-Ziele Mapping 104
IX
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Die zunehmende Überalterung in den Industriestaaten und damit auch in Österreich führt zu einer veränderten Lebens- und Interaktionsweise der handelnden Personen mit ihrer Umwelt. Zudem führt dieser Trend dazu, dass sich die Kosten der laufenden Gesundheitsversorgung in den kommenden Jahren erhöhen werden und heute bereits einen hohen Anteil am Bundesbudget einnehmen. Um diesen Trend der steigenden Budgetbelastung entgegen zu steuern, kristallisierten sich im Laufe der letzten Jahre mehre zukunftsträchtige Maßnahmen heraus. Eine davon ist der verstärkte Einsatz von elektronischen Gesundheitssystemen - eHealth.Diese noch sehr junge Forschungsdisziplin ist derzeit hauptsächlich von Forschungsinstitutionen und Universitäten besetzt.
Eines der Ziele dieser Forschungseinrichtungen ist es, das Wissen in Form von Produkten und Dienstleistungen, entweder in Eigenentwicklungen oder mit Partnern in die Industrie zu bringen, um damit eine Wertschöpfung zu generieren. Diesen Bereich bezeichnet man unter anderem als Technologietransfer. Dieser Bereich der Forschung ist im Gegensatz zu eHealth ein sehr alter und in vielen Fällen gut ausgeprägt. Es gilt nun mit den bekannten Mitteln, das Know-how des Technologietransfers, die neue Technologie mit seinen neuen Märkten zu erschließen.
1.2 Zielsetzung
Die Zielsetzung dieser Arbeit ist die Erstellung von Technologietransferstrategien für ein/e Technologietransfer Stelle bzw. Zentrum (TTZ) im Bereich eHealth, in denen die neuen Aspekte dieser neuen und sehr jungen Forschungsdisziplin beachtet werden.
1
Die technologischen wie auch die rechtlichen Rahmenbedingungen in diesem Bereich, der unter anderem den medizinischen Bereich mit einschließt, unterschieden sich oftmals von bekannten Bereichen, die historisch bedingt von TTZs bearbeitet wurden.
Die derzeitig verwendeten Methoden und Formen im Technologietransfer müssen daher hierzu beleuchtet und auf ihre Übertragbarkeit auf das Aufgabengebiet eHealth beleuchtet und analysiert werden.
Mit den neu definierten Strategien für diesen Bereich soll die Position von TTZs, als überregionale Anlaufstelle für Problemstellungen aus der Wirtschaft und aus der Forschung gestärkt werden. Zudem sollen neue Kommunikationswege und Netzwerkmöglichkeiten für den Transfer des bisherigen Technologieportfolios erschlossen werden.
1.3 Aufbau der Arbeit
Die Einleitung umfasst neben der Zielsetzung und der Problemstellung auch den Aufbau und den grafischen Bezugsrahmen der Arbeit.
Der zweite Teil befasst sich mit den theoretischen Grundlagen die für die Erarbeitung von Strategien wichtig sind. Zudem wird auch die Thematik Technologietransfer und eHealth beschrieben. Der letztere Bereich umfasst zudem eine Darstellung des österreichischen Marktes und die Normen- und Standardsituation in diesem Bereich.
Im dritten Bereich werden ausgewählte Technologietransfermethoden für den Bereich eHealth, die in der Praxis bereits so zum Einsatz kommen analysiert und auf ihre Übertragbarkeit auf ein TTZ betrachtet.
2
Im letzten Teil werden mit Hilfe der Ergebnisse aus den vorhergegangenen Erkenntnissen und Ausarbeitungen Technologietransferstrategien für ein TTZ erarbeitet.
1.4 Bezugsrahmen
1 Abb. 1-1: Bezugsrahmen
1 Quelle: eigene Darstellung.
3
2 Strategieentwicklung und Planung
Im folgenden Kapitel wird der Unterschied zwischen Strategie und Planung erarbeitet. Dies dient zur Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes und zur allgemeinen Erläuterung der Zielrichtung.
2.1 Strategie
Zu Beginn einer jeden Strategieentwicklung steht der Ausgangspunkt „Vision“. In Abhängigkeit einer Vision wird in weiterer Folge eine Mission erarbeitet von der Ziele abgeleitet werden. Dies dient als Grundlage zur Definition einer Strategie. 2
Unter Strategie werden in der Wirtschaft meist die langfristig geplanten Verhaltensweisen eines Unternehmens zur Erreichung derer Ziele verstanden. Hierzu gibt es die Unterteilung in große Blöcke. Die langfristige Strategie (ca. 4-8 Jahre),
2 Vgl. Michael, Amberg/Martin, Wiener (2006): IT-Offshoring. Management internationaler IT-Outsourcing-Projekte. Nürnberg. Physica-Verlang HD. S. 91 und Vgl. Weule, Hartmut (2002): Integriertes Forschungs- und Entwicklungsmanagement. Grundlagen-Strategien-Umsetzung. München/Wien: Carl Hanser Verlag. S. 61f und Vgl. Gausemeier, Jürgen/Ebbesmeyer Peter/Kallmeyer, Ferdinand (2001): Produktinnovation. Strategische Planung und Entwicklung von Produkten. München/Wien. Carl Hanser Verlag. S. 149f.
3 Quelle: eigene Darstellung.
4
die mittelfristige Strategie (ca. 2-4 Jahre) und die kurzfristige Strategie (ca. 1
Jahr). 4
x Langfristige Strategie:
Strategien können vereinfacht als Gesamtplan, als Weg bezeichnet werden, um
die Unternehmensziele zu erreichen. 5
Zweck dieser Strategie sind folgende Punkte: 6
x Mittelfristige Strategie:
Konkrete Maßnahmen, welche im Zeitraum von ca. 2 - 4 Jahren umgesetzt werden sollen und die eine mehrjährige Budgetierung erforderlich machen. 7
4 Vgl. Mintzberg, Henry /Ahlstrand, Bruce/Lampel, Joseph (2007): Strategy Safari. Eine Reise durch die Wildnis des strategischen Managements. Heidelberg. Redline Wirtschaft. S. 64-76 und Vgl. Trill, Roland (2009): Praxisbuch eHealth. Von der Idee zur Umsetzung. 1. Stuttgart: W. Kohlhammer. S. 33-36 und Vgl. Specht, Günter/Beckmann, Christoph/Amelingmeyer, Jenny (2002): F&E-Management. Kompetenz im Innovationsmanagement. 2., überarb. und erweiterte Auflage. Stuttgart: Schäffer-Poeschel. S. 131.
5 Vgl. Witte, Hermann (2007): Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. Lebensphasen des Unternehmens und betriebliche Funktionen. 2. Auflage. München: Oldenbourg S. 138f.
6 Vgl. Whittington, Richard (2006): What is Strategy- and does it matter?. 2. Auflage. London: Thomas Learning. S. 58 - 64.
7 Vgl. Witte, Hermann (2007): Allgemeine. S. 138f.
5
Beispiele:
x Kurzfristige Strategie:
Planung von Maßnahmen, die im nächsten Geschäftsjahr geplant, umgesetzt und
finanziert werden müssen. 8
Beispiele:
2.2 Planung
Frei nach Peter Drucker „Es geht nicht nur darum, dass man die richtigen Dinge tut, sondern man muss die Dinge auch richtig tun.“ ist Planung und Strategie un- mittelbarund unzertrennlich mit einander verbunden. Tabelle 2-1 gibt einen Überblick über die Abgrenzung von Strategie zu operativer Planung. 9
8 Vgl. Witte, Hermann (2007): Allgemeine. S. 138f.
9 Vgl. Lettau, Hans-Georg (2001): Strategische Planung. Ertragspotentiale erkennen - Unternehmenswachstum sichern. Wiesbaden: Dr. Th. Gabler. S. 15-17.
6
2.3 Methodik der Strategieentwicklung
Die Strategie umfasst, wie unter Kapitel 2.1 dargelegt, die Festlegung der langfristigen Ziele einer Unternehmung und zudem die Formulierung der Politiken sowie die Mittel und Wege zur Erreichung dieser. Der Strategiebegriff wird nach dem so
genannten Harvard Konzept durch zwei zentrale Elemente gekennzeichnet: 11
x Formulierung: In der Interaktion mit der Umwelt, internen Ressourcen sowie Werten werden die Möglichkeiten des Unternehmens verbunden.
x Implementierung: Es werden die Prozesse gestaltet, welche erforderlich sind, um die Strategie umzusetzen.
10 Quelle: Verändert übernommen aus: http://www.ibim.de/pl+orga/1-2.htm [Stand 13.05.2009].
11 Vgl. Lettau, Hans-Georg (2001): Strategisch. S. 26f.
7
Das obige Modell zeigt die Komplexität dar, mit welcher der Strategiefindungsprozess konfrontiert ist. Die einzelnen Phasen werden im kommenden Unterkapitel
dargebracht. 13
12 Quelle: http://www.teialehrbuch.de/Kostenlose-Kurse/Unternehmensfuehrung/images/ 2954413.gif [Stand 16.5.2009].
13 Vgl. Porter, Michael (Hrsg.) (1996): Strategie. Die brillanten Beiträge der weltbesten Strategie-Experten, u.a.: Kenichi Ohmae, Steven C. Wheelwright, Robert H. Hayes, Theodore Levitt, Anfred D. Chandler, C. K. Prahalad, Gary Hamel, Henry Mintzberg. Wien: Wirtschaftsverlag Carl Ueberreuter. S. 9 - 12.
8
2.4 Ebenen der Strategieentwicklung
Strategien entstehen entweder implizit im Rahmen der zahlreichen Entscheidungs- und Handlungsabläufe oder als Ergebnis eines systematischen Strategieentwicklungsprozesses. Unabhängig davon, sind Strategien immer durch ein Set
charakteristischer Eigenschaften gekennzeichnet: 14 x Eine Strategie bezieht sich jeweils auf einen bestimmten Geltungsbereich, einer bestimmten Ebene, z.B.:
x Jede Strategie hat eine Vision und ein klar definiertes Ziel. Die Beteiligten an dem Strategieentwicklungsprozess benötigen eine gemeinsame Vision und Zielsetzung. Diese wird meist von der Geschäftsführung formuliert, kann sich aber auch aus einem internen Prozess heraus entwickeln. x Am Anfang steht eine Analyse der Ist-Situation, die jeweils den Ausgangspunkt für den Strategieentwicklungsprozess bildet. x Jede Strategie definiert eine Geltungsdauer sowie einen Zeitraum, in dem die angestrebten Ziele erreicht werden sollen.
x Eine jede definierte Strategie konzentriert sich auf bestimmte Gestaltungsbereiche. Im Prozess der Strategieentwicklung werden die Mechanismen definiert, über welche die erforderlichen Veränderungen zur Beeinflussung des Unternehmenserfolges erreicht werden sollen. Dies können etwa die Unternehmenskultur, aber auch die Marktsegmente und/oder die Kosten-und Preisentwicklung des Unternehmens sein.
x Die nötigen strategischen Schlüsselfaktoren werden definiert. Es werden die Regeln festgelegt, nach denen die Einzelentscheidungen in den operativen Phasen getroffen werden.
14 Vgl. Wagner, Richard (2007): Strategie und Management Werkzeuge. Stuttgart: Schäffer-Poeschl. S.45-49.
9
2.5 Phasenmodell der Strategieentwicklung
Eine sinnvolle Strategieentwicklung bezieht alle Bereiche des Unternehmens mit
ein. 15 Die Entwicklung einer Unternehmensstrategie erfolgt deshalb nach einem Phasenmodell, das bei der Analyse beginnt und bei der Durchführung endet. 16 Das fünf-Phasen Modell in Anlehnung an das Phasen Modell nach Hinterhuber in Tabelle 2-2 stellt den Strategieentwicklungsprozess anschaulich dar. 17
15 Vgl. Trill, Roland (2009): Praxisbuch. S. 35f.
16 Vgl. Kranz, Mathias (2007): Management von Strategieprozessen. Von der Strategischen Planung zur integrierten Strategieentwicklung. Wiesbaden. Gabler. S. 251-267.
17 Vgl. Truschinski, Rena (2007): Instrumente des strategischen Managements. Das professionelle Handwerkzeug im Strategieprozess. Grin. S. 9-11.
18 Quelle: In Anlehnung an: Wolf, Joachim/Macharzina, Klaus (2008): Unternehmensführung: Das internationale Managementwissen - Konzepte - Methoden - Praxis. 6. Auflage. Wiesbaden. Gabler. S.301.
10
In der ersten Phase, dem Analyseblock, beschäftigt man sich als ersters mit der Ausgangsposition des Unternehmens. Ausgehend von der aktuellen Positionierung und Kultur des Unternehmens werden diese Punkte erarbeitet, und entsprechend untergliedert dargestellt, wie etwa in: 19
x Unternehmensstrukturen
x Humanpotential x etc.
Anschließend folgt der Block der Wettbewerbsanalyse. Hier ist darauf zu achten, dass die stärksten Mitbewerber analysiert werden. Diese sind auch jene, mit denen man sich in weiterer Folge vergleichen sollte.
Die Positionierung des Unternehmens und die Analyse der relativen Stärken und Schwächen ist hier ein essentieller Punkt. Die vorher durchgeführte Analyse des Wettbewerbs dient zur Verfeinerung der Darstellung des eigenen Unternehmens. Letztendlich kann es aussichtsreicher sein, sich z.B. auf die zweitbeste Stärke zu konzentrieren, wenn dort die Konkurrenten eher schwach sind, als sich mit seiner absolut besten Kompetenz auf einem Feld zu bewegen, auf dem viele sehr starke Konkurrenten sind.
Sehr wichtig als Basis der weiteren Strategieentwicklung sind Ziele. Diese sind aber auch Restriktionen der Eigentümer etwa bei Bestimmung der Marschrichtung. Schließt z.B. der Eigentümer unternehmerische Zusammenschlüsse mit möglichen Partnern aus, brauchen solche Strategien nicht weiter verfolgt wer-den. 20
In der weiteren Phase nach dem Analyseblock geht es um die Strategieformulierung. Kurze prägnante Aussagen sind hier vielsagender als lange ausschweifende Formulierungen. Hier gilt es entsprechende Anpassungen durchzuführen, bezo-
19 Vgl.Berndt, Ralf (Hrsg.) (2004): Competitveness und Ethik. Wiesbaden. Springer. S. 238-240.
20 Vgl. Berndt, Ralf (Hrsg.) (2004): Competitveness und Ethik. Wiesbaden. Springer. S. 239f.
11
gen auf das eigentliche Objekt der Strategieentwicklung. Geschäftsfeldstrategien unterscheiden sich etwa von reinen Marketingstrategien durch breitgefächerte Rahmenbedingungen.
Die anschließenden Phasen im Phasen-Modell stellen den „Post-Strategieprozess“ dar. Hier geht es nach der Strategieformulierung um die nötigen Anpas- sungender Organisation, Prozesse und nach der Personalwahl auch um die Steuerung und Kontrolle der Strategieumsetzung.
12
2.6 Strategische Analyse und Standortbestimmung, Metho-den der Strategieentwicklung
In den folgenden Unterkapiteln werden die nach Auffassung des Autors für diese Arbeit wichtigsten und relevantesten Methoden der Strategieentwicklung dargebracht. In der Literatur finden sich unzählige weitere Methoden und Tools um die strategischen Entscheidungen in einem Unternehmen zu treffen. Für den Bereich Technologietransferstrategieentwicklung hingegen sind nicht alle relevant. Die hier dargebrachten Methoden beziehen sich sehr stark auf die Bereiche Unternehmensumwelt und unternehmensinterne Stärken
2.6.1 Umweltanalyse
Die Umweltanalyse oder auch PEST oder PESTLE 21 ist ein sinnvoller Ausgangspunkt für die Analyse der externen Umgebung eines Unternehmens. PESTLE steht dabei für politische (political), wirtschaftliche (economical), sozio-kulturelle (social), technologische (technological), rechtliche (legal) und ökologische (ecological) Einflussfaktoren. 22
21 Vgl. o.V. http://www.renewal.eu.com/resources/Renewal_Pestle_Analysis.pdf [Stand 22.06.2009].
22 Vgl. Trill, Roland (2009): Praxisbuch. S. 36.
13
Ziel dieser Analyse ist es das Unternehmensumfeld gesamtheitlich zu betrachten
um in weiterer Folge Strategien daraus ableiten zu können. 24
x Ökonomische Faktoren beeinflussen die Kapital- und Gütermärkte einer Volkswirtschaft und prägen das Angebot- Nachfrageverhalten x Soziokulturelle Faktoren können die Werte und Normen einer Gesellschaft prägen
x Politische Faktoren bilden Restriktionen für die Unternehmen. x Rechtliche Faktoren bilden zu den politischen Faktoren weitere Restriktionen und können Hindernisse für weitere oder neuere Produkte sein. x Technologische Faktoren wirken sich auf den Produktlebenszyklus und die damit verbundene Wertschöpfung aus.
x Ökologische Faktoren beeinflussen etwa die Beschaffenheit von Produkten (UV Belastung) oder auch Standortfragen (Produktionsstätten).
23 Quelle: in Anlehnung an: http://www.jiscinfonet.ac.uk/tools/pestle-swot.png [Stand 22.06.2009].
24 Vgl. Lettau, Hans-Georg (2001): Strategische. S. 39f.
14
Um wirklich aussagekräftige Erkenntnisse zu gewinnen, reicht es jedoch nicht aus, wenn man die PESTLE als bloße Auflistung von Einflussfaktoren ansieht. Diese Analyse ist vielmehr lediglich der Ausgangspunkt für weiterführende Analysen der
externen Umgebung. 25
Die Faktoren sind stets regional begrenzt, so können politische Faktoren sich in anderen Ländern sehr schnell umkehren. Bei dieser Art der Analyse ist es vor allem wichtig sie laufend durchzuführen, nur dann kann man wirkliche Trends und langzeitige Entwicklungen ableiten. 26
25 Vgl. Kerth, Klaus/Asum, Heiko: Die besten Strategietools in der Praxis. München: Carl Hanser Verlag. S.118f.
26 Vgl. Wagner, Richard (2007): Strategie. S.12f.
15
Die Vorgehensweise sieht wie folgt aus: 27
1. Überprüfung der verschiedenen Umwelten auf mögliche Auswirkungen auf das untersuchte Unternehmen
Als Basis für diesen Schritt dienen die sechs vorher skizzierten Faktoren. Mittels Brainstorming werden sämtliche Einflussfaktoren aufgelistet, die zunächst ohne Diskussion aufgenommen und in Kategorien zugeordnet werden. Hier ist zudem hilfreich, wenn im Vorfeld eine Checkliste erarbeitet wurde, um als Stütze für das
Brainstormings zu fungiert. 29
2. Auswahl der wichtigsten Einflussfaktoren
Im nächsten Schritt werden die gesammelten Faktoren in Gruppen diskutiert und auf die wichtigen Einflussfaktoren reduziert. Es ist hierbei zu beachten, die für die kommende Unternehmensentwicklungen relevantesten auszuwählen und diese
wenn nötig genauer zu benennen. 30
27 Vgl. Kerth, Klaus/Asum, Heiko: Die besten Strategietools. S.119.
28 Quelle: In Anlehnung an: Kerth, Klaus/Asum, Heiko: Die besten Strategietools in der Praxis. München: Carl Hanser Verlag. S.119.
29 Vgl. Kerth, Klaus/Asum, Heiko: Die besten Strategietools. S.120.
30 Vgl. Kerth, Klaus/Asum, Heiko: Die besten Strategietools. S.120.
16
3. Dokumentation und Auswertung der Einflussfaktoren Im letzten Schritt werden die gesamten erarbeiteten Erkenntnisse dokumentiert und ausgewertet. Da die Analyse fortlaufend durchgeführt wird, ist es hier möglich Trends und Entwicklungen abzuleiten. Neue Faktoren, die in vorhergegangenen Analysen nicht aufgetaucht sind, sollten nun betrachtet werden um mögliche Sze-narios ableiten zu können 31
2.6.2 Geschäftsbereichsanalyse mittels 7-S Modell
Das 7-S-Modell ist ein Modell zur Erkennung und Nutzung der Personalressourcen in einem Unternehmen mit dem Hintergedanken einen Wettbewerbsvorteil zu erarbeiten. Das 7-S-Modell wurde Anfang der achtziger Jahre von Beratern bei McKinsey entwickelt, darunter Tom Peters und Robert Waterman. Das Modell versucht die Bedeutung des Personals in einem Unternehmen heraus zu arbeiten und weg von den traditionellen Aspekten der Massenfertigung wie Kapital, Infra-
struktur und Ausrüstung zu kommen. 32
Besonders geeignet ist dieses Modell um in Veränderungsprozessen die Ist- und Soll-Werte zu vergleichen und die entstehenden Wechselwirkungen zu betrachten.
31 Vgl. Kerth, Klaus/Asum, Heiko: Die besten Strategietools. S.120.
32 Peters, Thomas/Waterman, Rolf (1984): Auf der Suche nach Spitzenleistungen: Was man von den bestgeführten US-Unternehmen lernen kann. 10. Auflage. Landsberg/Lech: Moderne Industrie. zit. nach Peter, Weule, Hartmut (2002): Integriertes Forschungs- und Entwicklungsmanagement. Grundlagen-Strategien-Umsetzung. München/Wien: Carl Hanser Verlag. S. 103-105.
17
Arbeit zitieren:
BSc, MA Michael Russ, 2010, Technologietransferstrategien für eine Forschungseinrichtung im Bereich eHealth, München, GRIN Verlag GmbH
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