Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2. Grundlagen der Wehrerziehung in der DDR 4
2.1. Historische Einordnung 4
2.2. Gründe für die Einführung des Wehrunterrichts 6
3. Wehrunterricht in der DDR 8
3.1. Die wehrpolitisch-propagandistische Ausbildung 8
3.2. Die vormilitärische Ausbildung 12
4. Folgen der Einführung des Wehrunterrichts 13
5. Fazit 14
Quellen 16
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1. Einleitung
Die ausgewählte Strophe aus einem Soldatenlied der DDR zeigt den Zwiespalt an der innerdeutschen Grenze zu Zeiten der Teilung von BRD und DDR. Beide Staaten physisch lediglich durch eine Mauer getrennt, wurden viel mehr noch durch ihre Ideologien getrennt - gleichwohles sich um Brüder oder Schwestern handelte, da sie einem Volk entsprangen.
Das Seminar „Die Bildung des Bürgers. Politische Bildung im 20. Jahrhundert“ stellte unterschiedliche Erziehungskonzepte zu den sich ständig verändernden Staats- und Gesellschaftsformen vor. Wie auch das eingangs gewählte Zitat darstellt, ist dabei vor allem die Zugehörigkeit zur jeweiligen Staatsform entscheidend dafür, welchem Erziehungskonzept man ausgesetzt wurde. Ohne dies bereits zu werten, lässt sich aus den Erfahrungen der heutigen Generation bereits festhalten, dass das einstige Deutschland durch die Teilung unterschiedlichen politischen Vorstellungen von Erziehung und den zu erfüllenden Aufgaben im Staat gegenüberstand. Die Erziehung in der DDR wurde im Seminar anhand dreier Seminar aufgezeigt, so waren dies die Pionierorganisationen, die Jugendweihe und schließlich der Wehrkundeunterricht. Eben dieser Wehrunterricht sollte einen maßgeblichen Beitrag zur Entwicklung junger, sozialistischer Staatsbürger leisten und wurde somit von der politischen Führung forciert.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse und Darstellung des Wehrunterrichts in der DDR. Die zentrale Frage innerhalb der Ausarbeitung ist, wie es Politik zu schaffen versucht einstige „Brüder“ soweit von einander zu distanzieren. Beginnend mit einer historischen Einbettung wird zunehmend der Fokus, über die Gründe der Einführung hinaus, auf die Inhalte des Unterrichtsfaches gelenkt. Mit einer Darstellung der wehrpolitisch-propagandistischen und vormilitärischen Ausbildung werden die Inhalte der beiden Bestandteile des Wehrkundeunterrichts aufgezeigt. Die Folgen der Einführung beschreiben die Situation der ostdeutschen Bevölkerung in den Jahren der sozialistischen Erziehung. Im Fazit wird abschließend eine zusammenfassende Bewertung der vorangegangenen Teile vorgenommen.
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2. Grundlagen der Wehrerziehung in der DDR
2.1. Historische Einordnung
Bereits unmittelbar nach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) am 07. Oktober 1949 begann eine erste vormilitärische Ausbildung durch die Wehrsportgemeinschaften der FDJ in den Jahren 1950/51. Als eine Reaktion auf die Unterzeichnung des Vertrags über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) am 27. Mai 1952 wurden zahlreiche Institutionen erschaffen. So gründeten sich in dieser Zeit die Gesellschaft für Sport und Technik, das Deutsche Rote Kreuz und Betriebskampfgruppen. Auch die Delegation von vormilitärischen Aufgaben an die Freie Deutsche Jugend (FDJ) gehörte zu der - als notwendig erachteten - vormilitärischen Ausbildung der Bevölkerung. 1
Mit der Gründung der Bundeswehr und der Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland (BRD) in die NATO sah sich das SED-Regime 1955 genötigt die eigene Verteidigungsfähigkeit zu erhöhen. Daher erging darauf der Beschluss, dass alle 14- bis 18-Jährigen zur vormilitärischen Ausbildung herangezogen werden sowie eine höhere Bereitstellung von finanziellen Mitteln erfolgen soll. Somit war auch die Grundlage geschaffen eine eigene Armee zur Sicherung der Nation inner- und außerhalb der Grenzen aufzustellen und ein Militärbündnis mit dem Ostblock einzugehen. So wurde bereits am 14. Mai 1955 der Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigem Beistand unterzeichnet und am 18. Juni 1956 gründete sich die Nationale Volksarmee (NVA) zunächst als Freiwilligenarmee. Die allgemeine Wehrpflicht wurde unmittelbar nach dem Mauerbau von Berlin im Januar 1962 eingeführt. Im gleichen Jahr wurden Kommissionen für sozialistische Wehrerziehung eingerichtet, welche die Umsetzung der ideologischen Arbeit an der Bevölkerung durch Steuerung der betreffenden Organisationen auf Kreis-/ Bezirksebene gewährleisten sollte. 2 Der Auftrag der Wehrerziehung lässt sich mit zwei Punkten zusammenfassen, die aber in ihrer Kürze jedoch nicht in Ansätzen ihre Tragweite erkennen lassen: Zum einen war es der Auftrag der Wehrerziehung in der DDR langfristig die Stabilität der Gesellschaft durch „aktive Disziplin“ im marxistisch-leninistischen Sinne und zum anderen den Nachwuchs der NVA zu sichern. 3
Es lässt sich feststellen, dass die DDR ihre Aufrüstung von langer Hand geplant und die Legitimation hierfür in der BRD und NATO gesucht und gefunden hat. Ebenso gelang es der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) den „Klassenfeind“ im Westen ihrer Bevölkerung als Bedrohung zu verkaufen. Durch die vormilitärische Ausbildung, welche bereits im frühen Kindesalter durch beispielsweise Heimatkundeunterricht begann, wurde
1 Vgl. Koch, S. 7
2 Vgl. Koch, S. 8 und Bröckermann, S. 14
3 Vgl. Sachse, S. 239ff
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somit gezielt auf die Meinungsbildung der unreifen Individuen eingewirkt. Man beschrieb dabei das Ideal der sozialistischen Soldatenpersönlichkeit, um die Bereitschaft zu erhöhen sein Land gegen den Klassenfeind zu verteidigen. 4 Man erkennt dies besonders in den damaligen Lehrbüchern, welche einen affirmativen und nicht reflexiven Charakter besaßen und somit konträr dem heutigen Verständnis von politischer Bildung gegenüberstehen. 5
Versucht man nun im nächsten Schritt zunächst die geschaffenen Institutionen der Wehrerziehung kurz aufzuzeigen, stellt sich zugleich die Größe des Erziehungsapparates in der DDR. Entlang der Kindheits- und Jugendphasen eines Menschen dar, beginnt die institutionelle Wehrerziehung mit dem Eintritt in die Pionierorganisation „Junge Pioniere“ bereits in der ersten Klasse, in der vierten Klasse schloss sich die „freiwillige“ Teilnahme bei den „Thälmannpionieren“ an. Nahtlos trat man ab der achten Klasse der „Freien Deutschen Jugend“ bei. Diesen zunächst außerschulischen Verpflichtungen folgte der Wehrkundeunterricht in der Schule, auf welchem im Verlauf dieser Arbeit der Schwerpunkt liegen wird. Jedoch bildete dies nicht den Abschluss des Erziehungsplans der DDR. So wurden in den Erweiterten Oberschulen ebenso wehrpolitische Unterrichtungen und die vormilitärische Ausbildung vorangetrieben. 6 Schließlich bildete die Gesellschaft für Sport und Technik eine Möglichkeit die jungen Erwachsenen durch kostenfreie oder kostengünstige Lehrgänge sowohl in ihrer gesellschaftlichen Haltung als auch in ihrer Bereitschaft den Wehrdienst anzutreten im Sinne der Obrigkeit gefördert werden. Die Einflussnahme des Staates auf die Bürger lässt sich zu keinem Zeitpunkt als beendet bezeichnen, da auch die Berufsausbildung sozialistische Wehrerziehung auf dem Ausbildungsplan festschrieb. 7 Selbst das Hochschulstudium war geprägt von der Auflage „sozialistische Haltungen und Überzeugungen“ zu fördern und diese in einer Grundlagenausbildung entsprechend zu vermittelt. 8
Wie dadurch aufgezeigt werden konnte und sich auch im weiteren Verlauf zeigen wird, hat die SED bei der Konzeption ihrer Wehrerziehung keine Sozialisationsinstanz ausgelassen. Doch wie gestaltete sich die Entwicklung bis hin zum Wehrunterricht und was waren die wesentlichsten Gründe für die Einführung eines solchen Unterrichtsfachs? Der nächste Abschnitt stellt die Gründe dar, bevor im darauffolgenden Abschnitt die Inhalte beschrieben werden.
4 Vgl. Rogg, S. 17
5 Vgl. Detjen, S. 205f
6 Vgl. Bildungswesen der Deutschen Demokratischen Republik, S. 83f
7 Vgl. Bildungswesen der Deutschen Demokratischen Republik, S. 102
8 Vgl. Bildungswesen der Deutschen Demokratischen Republik, S. 168
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Arbeit zitieren:
B.A. David Wolf, 2008, Politische Erziehung in der DDR, München, GRIN Verlag GmbH
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