I. Julians Erziehung bis zum Tode des Constantius
Flavius Claudius Julianus, geboren um 331 i n Konstantinopel, war ein Enkel des Constantius Chlorus. 1
Nach dem Massaker beim Tode Constantins des Großen, welchem der Vater der Halbbrüder Julian und Gallus zum Opfer fiel, nahm sich Eusebius von Nikomedien, übrigens ein entfernter Verwandter von Julians verstorbener Mutter Basilina, der beiden Vollwaisen an. 2
Er übertrug die Unterrichtung und Erziehung der beiden dem gebildeten Eunuchen Mardonios. Dieser war zwar Christ, er informierte und begeisterte Julian jedoch für die alten Griechen wie Homer oder Platon. 3
Sicherlich tat die relative Ferne des streng christlichen constantinischen Hofes ein übriges, die Begeisterung des jungen Julian für alles Griechische und damit Klassische zu fördern. Auch vermeinte Julian in seinem Vetter Constantius II. den Urheber des Mordes an seiner Familie erkannt zu haben, was wohl auch Einfluss auf seine Einstellung zum Kaiser und zu dessen Religion hatte. 4
Nach mehrfachen, vom Hof angeordneten Wechsel der Aufenthaltsorte wurde Julian nach Macellum in Kappadokien gebracht. Vor allem der fehlende Kontakt mit jungen Menschen von entsprechendem Rang ließen diesen Aufenthaltsort Julian als Gefängnis erscheinen. 5 In Macellum jedoch schloss er auch Bekanntschaft mit dem Arianer Georgois von Kappadokien, welcher später Bischof von Lykopolis und später Gegenbischof des Athanasios in Alexandria werden sollte. 6
1 A.Demandt, Die Spätantike, S.94
2 B.K.Weis, Julian. Briefe, S.208
3 A.Demandt, Die Spätantike, S.95
4 B.K.Weis, Julian. Briefe, S.208
5 a.a.O., S.208f
6 A.Demandt, Die Spätantike, S.95 Seite - 3
Dieser versorgte Julian die Werke des Neuplatonikers Jamblichos, der in seinen Werken den Neuplatonismus mit altgriechischen Göttervorstellungen verschmolz und als religiösphilosophisches System im Gegensatz zur christlichen Lehre aufzustellen suchte. 7 An den Lehren des Jamblichos suchte sich Julian fortan zu orientieren. 8
Nach circa sechsjährigem Aufenthalt in Macellum wurde Julian nach Konstantinopel geschickt. Dort besuchte er unter anderen die Lesungen des heidnischen Philosophen Nikokles. Wohl um dem entgegen zutreten sandte ihn Constantius unter der Obhut des christlichen Rhetors Hekebolios nach Nikomedien, wo jedoch auch der Rhetor Libanios aus Antiochia lehrte. 9 Dieser Libanios sah sich als Klassizist in der Tradition eines Demosthenes und war Gegner des Christentums. 10 Julian sollte während seines übrigen Lebens ständig mit ihm in Kontakt bleiben (Julian.Briefe 22, 22a, 23, 23a).
Nach der Erhebung seines Stiefbruders Gallus' zum Caesar verblieb Julian mit Erlaubnis des Constantius bei seinen Studien. Wahrscheinlich waren diese Studien dem Constantius nicht unlieb; hielten sie doch Julian von der Beschäftigung mit der Politik fern. 11 In den Jahren 351 bis 355 war Julian Hörer verschiedener kleinasiatischer Rhetoren, wie zum Beispiel des Aidesios in Pergamon und des Maximus in Ephesos. Beide waren übrigens aus der Schule des Jamblichos. 12
Julian selbst hat später seine Rückkehr zum alten Glauben in das Jahr 351, sein zwanzigstes Lebensjahr, gelegt (Julian.Briefe 61).
Nach den Ereignissen in Gallien und seiner Erhebung zum Augustus in Paris feiert er das Epiphaniasfest in Vienne. Dieses christliche Fest begeht Julian noch wie ein Anhänger des Christentums. Ammianus Marcellinus schreibt dies dem bemühen zu, den drohenden militärischen Konflikt mit Constantius nicht noch mit einem religiösen Konflikt zu verschärfen (Amm. XXI 2,4f).
7 R.Klein (Hrsg.), Julian Apostata, S.209
8 J.Leipoldt, Der römische Kaiser Julian in der Religionsgeschichte, S.7
9 A.Demandt, Die Spätantike, S.95
10 J.Irmscher (Hrsg.), Lexikon der Antike, S.337
11 A.Demandt, Die Spätantike, S.95
12 a.a.O., S.95
Seite - 4
Arbeit zitieren:
M.A. Diana Beuster, 1995, Kaiser Julian Apostata und die Christen, München, GRIN Verlag GmbH
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