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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Lebenslauf Johann Philipp Krieger 3
3. Der Hof und Krieger 4
4. Oratorium und Kantate? Kirchenstück 6
5. Analyse des Stückes „Rufet nicht die Weisheit?“ 8
6. Fazit 17
7. Literaturverzeichnis 18
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1. Einleitung
Dass der Großraum Halle- Leipzig in der Musikgeschichte eine besondere Stellung einnimmt, ist hinlänglich bekannt. Namen wie Johann Sebastian Bach, der in Leipzig wirkte, Georg Friedrich Händel, aus der Saalestadt stammend, und Heinrich Schütz aus Weißenfels sind weltbekannt, ihr Schaffen gehört auch heute noch zum musikalischen Aufführungs- Repertoire. Bereits früh im 17. Jahrhundert erfuhr Halle eine erste Blüte, nicht zuletzt begründet durch den Administrator Herzog August, der hier seinen Hof unterhielt und unter hohem finanziellen Aufwand einen optimalen Nährboden für Kunst und Musik bot. Das mag ein Grund sein, warum der bereits in jungen Jahren weit gereiste Johann Philipp Krieger am Ende des Jahrhunderts dort seine Anstellung suchte und selbst, so ist in einschlägiger Literatur zu lesen, eine nicht geringe Rolle eben für die musikalische Bedeutung der Region spielen würde. „Dieweil er lebet, hat er einen grössern Nahmen, denn andere tausend; und, nach seinem Tode, bleibt ihm derselbe Nahme“ 1 , schreibt Mattheson in seinem Komponistenlexikon Grundlage einer Ehrenpforte über Johann Philipp Krieger.
Nachfolgend soll das Kirchenstück „Rufet nicht die Weisheit?“ von Johann Philipp Krieger untersucht, und so ein Eindruck in das Schaffen Johann Philipp Kriegers gewonnen werden. Um die Analyse in einem für eine Hausarbeit angemessenen Rahmen zu halten, soll das Hauptaugenmerk dabei auf den ersten Chor und die nachfolgende Aria gelegt werden, nur für den Zusammenhang wichtige formelle Aspekte anderer Sätze finden darüber hinaus Berücksichtigung.
Zunächst soll jedoch ein Überblick über das Leben des Komponisten gegeben werden, um darauf folgend den Kontext seines Schaffens hervorzuheben und sein Wirken darin eingliedernd darzustellen. Ein Exkurs zu den Gattungsbegriffen Oratorium und Kantate scheint überdies notwendig, um sich anschließend der Analyse selbst widmen zu können. In einem Fazit werden dann die relevanten Ergebnisse aus Analyse und den vorigen Kapiteln zusammengefügt und die Frage nach der Bedeutung des Komponisten geklärt.
2. Lebenslauf Johann Philipp Krieger
Geboren wurde Johann Philipp Krieger am 6. Februar 1649 in Nürnberg, wo er seine Schulausbildung sowie erste musikalischen Unterricht genoss. 2 Seit seinem 8. Lebensjahr erhielt er Clavier- Unterricht bei Johann Drechsel und wurde auf verschiedenen Instrumenten von Gabriel Schütz unterwiesen. 3 Nachfolgend weichen dann jedoch die Quellen voneinander ab und mindestens Mattheson müssen ohnehin einige Ungenauigkeiten bezüglich der Daten und vorkommenden Personen unterstellt werden. 4 Als 14- oder 16-Jähriger reiste Krieger nach Kopenhagen, erhielt dort auch Kompositionsunterricht, und blieb für mehrere Jahre dort, bis er auf Geheiß der Eltern zwischen 1668 und 1770 wieder nach Nürnberg zurückgekehrt
1 Vgl. Mattheson, Johann: Grundlage einer Ehrenpforte, Hamburg 1740, Reprint Berlin 1910, S. 150.
2 Vgl. Samuel, Harold E. und Fuchs, Torsten: Krieger, Johann Philipp, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, hrsg. von Ludwig Fischer, Personenteil Band 10, 2. Neubearbeitete Ausgabe, Kassel u.a. 1997,Sp. 716.
3 Vgl. Mattheson, Johann: Grundlage einer Ehrenpforte, Hamburg 1740, Reprint Berlin 1910, S. 147.
4 Vgl. Johann Krieger. Verzeichnis seiner von seinem Bruder Philipp in Weißenfels 1684-1725 aufgeführten, sowie sonst in Bibliotheken erhaltenen kirchlichen und weltlichen Vokalwerke, als 2. Nachtrag zu Bd. XXX der Denkmä- ler Deutscher Tonkunst, hrsg. von Max Seiffert, Leipzig 1919, S. XII.
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sein muss. 5 Da dort alle Stellen besetzt waren und Krieger bereits ein hervorragender Musiker war, erhielt er das Versprechen die nächste freie Stelle mit ihm zu besetzen und erhielt so lange Wartegeld. 6 In Bayreuth war er nachweislich 1673 als Hoforganist tätig, Mattheson und Doppelmayr verorten ihn einige Jahre vorher dort, unternehm dann als Stipendiat eine zweijähriger Italienreise. Er besuchte unter anderem Venedig, Rom, Bologna, Neapel und weitere Städte der Apennin-Halbinsel, studierte bei Rosenmüller, später Abbatini und Pasquini Komposition, bei G. Rovettini und Pasquini Klavier und traf auf weitere bedeutende italienische Komponisten. 7
Entweder vor oder kurz nach seiner Rückkehr nach Bayreuth gelangte er nach Wien, wo er bei Kaiser Leopold gehört wurde. Über Zwischenstationen in Frankfurt und Kassel gelangte er schließlich nach Halle, wo Krieger seit 1677 tätig war, später als Kapellmeister, und mit dem Hof 1680 nach Weißenfels umzog und dort bis zu seinem Tod lebte. 1684 heiratete er Rosine Helene Nicolai, aus der Ehe gingen neun Kinder hervor. Zu seinen Schülern gehörten neben seinem Bruder Johann und seinem Sohn Gotthilf unter anderem der spätere Zerbster Kapellmeister Johann Friedrich Fasch. 8
3. Der Hof und Krieger
Bereits in der Einleitung wurde hervorgehoben, dass sich im Halle des 17. Jahrhunderts ein fruchtbarer Boden nicht nur, aber im Besonderen, für musikalische Künste entwickelte. Verantwortlich dafür ist besonders Herzog August, der in Halle seinen Hof unterhielt. Seine außerordentlich große Wertschätzung der Kunst äußerte sich dabei auch zahlenmäßig. Die Kosten der Hallischen Hofkapelle, die er unterhielt, beliefen sich beispielsweise im Jahre 1676 auf etwa 4500 Taler, womit sie finanziell betrachtet gar einen höheren Rang einnimmt als der Dresdner Hof dieser Tage. 9 Die Besoldung der über 25 Musiker reichte dabei von 500 Thalern für den Kapellmeister (in diesem Fall David Pohle 1677) über 230 Thaler für Fagottisten und Violinisten und weiteren Abstufungen bis zu 100 Thaler für den am niedrigsten bezahlten Musiker, zuzüglich Hauszins und Kopfgeld. 1011 Der Arbeitsauftrag umfasste dabei musikalischen Dienst bei der Tafel, sowie in Kirche und Oper. 12 Die besondere Leidenschaft Augusts galt letzterem, der Oper, nicht jedoch in der italienischen sondern ihrer deutschen Spielart. 13 1654 eröffnete die „Hochzeit der Thetis“, vermutlich von Kapellmeister Philipp Stolle (den Titel Hofkapellmeister allerdings trug er erst ab 1670), diese neue Musiktradition, auch ein Komödienhaus wurde eingerichtet. 1415 Alljährlich wurden nun
5 Vgl. Samuel, Harold E. und Fuchs, Torsten: Krieger, Johann Philipp, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, hrsg. von Ludwig Fischer, Personenteil Band 10, 2. Neubearbeitete Ausgabe, Kassel u.a. 1997,Sp. 717.
6 Vgl. E Mattheson, Johann: Grundlage einer Ehrenpforte, Hamburg 1740, Reprint Berlin 1910, S. 147.
7 Vgl. Samuel, Harold E. und Fuchs, Torsten: Krieger, Johann Philipp, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, hrsg. von Ludwig Fischer, Personenteil Band 10, 2. Neubearbeitete Ausgabe, Kassel u.a. 1997,Sp. 717.
8 Vgl. ebd. Sp. 717 f.
9 Vgl. Musketa, Constanze (Hrsg.): Musikgeschichte der Stadt Halle. Führer durch die Ausstellung des Händel-Hauses, Halle 1998, 23. 10 Vgl. Serauky, Walter (Hrsg.): Von Samuel Scheidt bis in die Zeit Georg Friedrich Händels und Johann Sebastian Bachs, Halle und Berlin 1939-40, Reprint Hildesheim u.a. 1971, Musikgeschichte der Stadt Halle, Band 2, S. 226. 11 Vgl. ebd. S. 230ff.
12 Vgl. ebd. S. 232.
13 Vgl. ebd. S. 204. 14 Vgl. ebd. S. 206. 15 Vgl. ebd. S. 206.
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einige Singspiele oder Singballette komponiert, die zumeist zu festlichen Gelegenheiten, etwa Hochzeiten, aufgeführt wurden. 1617 Dabei ist jedoch zu bemerken, dass diese sich selbstverständlich in die höfische Ordnung einzufügen hatte. 18 Neben Stolle spielte David Pohle, seit 1660 Konzert- und später Kapellmeister und ebenso wie Stolle dereinst unter dem bedeutenden Heinrich Schütz tätig gewesen, 19 eine herausragende Rolle im Opernschaffen, doch muss sein Werk als verschollen gelten. 2021 Pohle ist auch für die Entwicklung der protestantischen Kirchenkantate von erheblichem Einfluss. 22 Dass die Aufführungen ein beeindruckendes Spektakel gewesen sein dürften, liegt auch dank der Betonung des Bühnenbildes, 23 sowie der Verwendung von Spezialeffekten nebst Feuerwerk nahe. 24
1677 kam schließlich Johann Philipp Krieger als Cammer-Musicus und Cammer-Organist an den Hof Augusts, erhielt 230 Thaler Besoldung und 2 Thaler wöchentliches Kopfgeld. 25 Angesichts dieser Anstellung, die sich vornehmlich auf die Darbietung des Generalbasses beschränkte, was für den selbstbewussten und weit gereisten Krieger als zu beschränkt gelten muss, richtete er noch im Dezember ein Schreiben an den Herzog. 26 In diesem brauchte er zum Ausdruck, dass er sich nur der Direktionstätigkeit des Herzogs, nicht aber Pohles unterwerfen wolle, woraufhin er die Besoldung von 500 Thalern erhielt bzw. mit der Bestallung 1679 als Vize-Kapellmeister Pohle gleichgestellt war, wohl nicht ganz ohne Konflikte zwischen beiden. 27 Nach dem Umzug des Hofes nach Weißenfels, bedingt durch den Tod Augusts und die Regelungen des Westfälischen Friedens, wurde Krieger 1680 unter dessen Sohn Johann Adolf alleiniger Kapellmeister - David Pohle war bereits 1679 nach Zeitz gegangen. 28 Bis 1681 wurden übrigens nachweislich 26 verschiedene Opern bzw. Singspiele und -Ballette am Hofe aufgeführt, 1681 bereits „Die drey Charites“ von Krieger, der somit in das Operngeschehen eingriff und es viele Jahre maßgeblich prägen sollte. 29 Selbst in Braunschweig, Dresden und Halle wurden seine Singspiele in den Spielplan genommen. 30 Nur die zwei gedruckten Ariensammlungen, geprägt von schlichter Rhythmik und volksliedhafter Melodik, sowie ihre Libretti blieben jedoch erhalten. 31 Dass er möglicherweise auch das Schaffen Händels in dieser Gattung entzündete, ist denkbar, da der später in Hamburg und England wirkende
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Vgl. ebd. S.207.
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Vgl. ebd. S.217.
18 Vgl. ebd. S. 207.
19 Vgl. ebd. S. 204. 20 Vgl. ebd. S. 220. 21 Vgl. ebd. S.252.
22 Vgl. Musketa, Constanze (Hrsg.): Musikgeschichte der Stadt Halle. Führer durch die Ausstellung des Händel-Hauses, Halle 1998, S. 24.
23 Vgl. Serauky, Walter (Hrsg.): Von Samuel Scheidt bis in die Zeit Georg Friedrich Händels und Johann Sebastian Bachs, Halle und Berlin 1939-40, Reprint Hildesheim u.a. 1971, Musikgeschichte der Stadt Halle, Band 2, S. 254.
24 Vgl. ebd. S. 259.
25 Vgl. ebd. S. 236
26 Vgl. Johann Krieger. Verzeichnis seiner von seinem Bruder Philipp in Weißenfels 1684-1725 aufgeführten, sowie sonst in Bibliotheken erhaltenen kirchlichen und weltlichen Vokalwerke, als 2. Nachtrag zu Bd. XXX der Denkmäler Deutscher Tonkunst, hrsg. von Max Seiffert, Leipzig 1919, S. XVI.
27 Vgl. Serauky, Walter (Hrsg.): Von Samuel Scheidt bis in die Zeit Georg Friedrich Händels und Johann Sebastian Bachs, Halle und Berlin 1939-40, Reprint Hildesheim u.a. 1971, Musikgeschichte der Stadt Halle, Band 2, S. 237.
28 Vgl. ebd. S. 238.
29 Vgl. ebd. S. 238-244.
30 Vgl. Samuel, Harold E. und Fuchs, Torsten: Krieger, Johann Philipp, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, hrsg. von Ludwig Fischer, Personenteil Band 10, 2. Neubearbeitete Ausgabe, Kassel u.a. 1997,Sp. 721.
31 Vgl. ebd.
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Sebastian Haupt, 2010, Das Schaffen Johann Philipp Kriegers am Beispiel des Kirchenstückes „Rufet nicht die Weisheit?“, München, GRIN Verlag GmbH
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