Das HGB stellt zusammen mit dem BGB seit seiner Einführung am 01. Januar 1900
die grundsätzliche Kodifikation der deutschen Privatrechtsordnung dar.1 Das dritte
Buch Handelsbücher bildet die gesetzliche Grundlage für den Jahresabschluss.
Weitere gesetzliche Grundlagen sind im GmbH-Gesetz, dem Aktiengesetz und dem
Publizitätsgesetz enthalten. Die Buchführungspflicht ist ebenfalls gesetzlich geregelt
(§§ 238 ff. HGB). Ferner sind aus Kommentierungen zu den Gesetzen und der
betrieblichen Praxis die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung2 entstanden. Sie
bilden ein Regelwerk, welches die gesamte Rechnungslegung umfasst. Allerdings
existiert für die GoB keine zusammengefasste Definition; sie sind ein unbestimmter
Rechtsbegriff.3 Im Jahr 1998 wurde das Deutsche Rechnungslegungs Standards
Committee gegründet, das sich hauptsächlich damit befasst, die deutschen
Konzernrechnungslegungsvorschriften an internationale Verhältnisse anzupassen.4
In Deutschland gibt es unterschiedliche Vorschriften für Nicht-
Kapitalgesellschaften und Kapitalgesellschaften, für kleinere, mittlere und große
Kapitalgesellschaften und für den Einzel- und Konzernabschluss.5 Seit der
Einführung des § 292a HGB durch das KapAEG besteht für börsennotierte
Unternehmen, unter gewissen Voraussetzungen, die Möglichkeit, lediglich einen
Konzernabschluss nach international anerkannten Rechnungslegungsgrundsätzen
aufzustellen.6 Mit dessen Aufstellung und Veröffentlichung entfällt die
Verpflichtung zur Erstellung eines zusätzlichen Konzernabschlusses nach deutschem
Bilanzrecht.
Während die Ziele der US-GAAP explizit festgelegt sind, kann das HGB keine
schriftlich erfassten Ziele vorweisen. Das dritte Buch Handelsbücher orientiert sich
stark an der Aktiennovelle von 1884, die Bestimmungen enthielt, die hauptsächlich
dazu dienten Betrug zu vermeiden.7 [...]
1 Zu dieser und den folgenden Ausführungen vgl. Eggloff, F. (2001) S. 15-16
2 Die GoB bestehen aus den GoB i.e.S., den GoI (Grundsätze ordnungsgemäßer Inventur), den GoS
(Grundsätze ordnungsgemäßer Speicherbuchführung) und den GoBil (Grundsätze ordnungsgemäßer
Bilanzierung). Eggloff, F. (2001), S. 15
3 Vgl. Born, K. (2001), S. 20
4 Vgl. Haller, A. (2000), S. 4
5 Vgl. Born, K (1999), S. 573
6 Zu dieser und den folgenden Ausführungen vgl. Fischer, T. / Wenzel, J. (2001), S. 597
7 Zu dieser und den folgenden Ausführungen vgl. Born, K. (2001), S. 20-22
Inhaltsverzeichnis
1 GRUNDZÜGE DER RECHNUNGSLEGUNG NACH HGB UND US-GAAP IM VERGLEICH
2 VERGLEICH VON HGB UND US-GAAP ANHAND AUSGEWÄHLTER BILANZPOSITIONEN
2.1 Aktiva
2.1.1 Anlagevermögen
2.1.2 Umlaufvermögen
2.2 Passiva
3 FAZIT
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der zunehmenden Internationalisierung auf die Rechnungslegung, indem sie einen direkten Vergleich zwischen den Bilanzierungsvorschriften des deutschen Handelsgesetzbuchs (HGB) und den US-amerikanischen Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP) durchführt.
- Vergleich der grundlegenden Zielsetzungen von HGB und US-GAAP
- Analyse ausgewählter Bilanzpositionen des Anlage- und Umlaufvermögens
- Untersuchung der Behandlung von Rückstellungen nach beiden Rechnungslegungssystemen
- Diskussion von Unterschieden bei Bewertungsmaßstäben und Vorsichtsprinzipien
- Aufzeigen der Konsequenzen für die Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Anlagevermögen
Im folgenden werden für zwei ausgewählte Positionen des Anlagevermögens die Unterschiede zwischen der Rechnungslegung nach HGB und der Rechnungslegung nach US-GAAP aufgezeigt. Begonnen wird mit den immateriellen Vermögensgegenständen, die die erste Position des Anlagevermögens nach HGB bilden. Bei ihrer Bewertung kann es in einigen Fällen zu deutlichen Abweichungen zwischen HGB und US-GAAP-Abschlüssen kommen, die vor allem aus der unterschiedlich starken Berücksichtigung des Vorsichtsprinzips resultieren.
Nach § 266 Abs. 2 HGB setzen sich immaterielle Vermögensgegenstände aus Konzessionen, gewerblichen Schutzrechten und ähnlichen Rechten und Werten sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten, Geschäft- oder Firmenwert und geleisteten Anzahlungen zusammen.
Gemäß § 246 Abs. 1 und § 248 Abs. 2 HGB unterliegen entgeltlich erworbene immaterielle Vermögensgegenstände der Aktivierungspflicht, wohingegen für nicht entgeltlich erworbene Vermögensgegenstände ein Aktivierungsverbot besteht. Die Aktivierung von Aufwändungen für die Unternehmensgründung sowie die Eigenkapitalbeschaffung ist verboten, der Ansatz von Aufwändungen für die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebs dagegen erlaubt. Forschungs- und Entwicklungskosten unterliegen gemäß § 248 Abs. 2 HGB ebenfalls einem Aktivierungsverbot. Bezüglich des derivaten Geschäfts- oder Firmenwerts wird im HGB die Unterscheidung in asset deal und share deal vorgenommen. Beim asset deal besteht laut § 255 Abs. 4 HGB ein Wahlrecht für die Behandlung: Der entstandene Geschäfts- oder Firmenwert darf demnach entweder aktiviert oder sofort als Aufwand verrechnet werden. Beim share deal hingegen werden die gesamten Anschaffungskosten als Beteiligung aktiviert. Für den originären Firmenwert gilt ein generelles Ansatzverbot.
Zusammenfassung der Kapitel
1 GRUNDZÜGE DER RECHNUNGSLEGUNG NACH HGB UND US-GAAP IM VERGLEICH: Das Kapitel erläutert die gesetzlichen Grundlagen und Ziele der Rechnungslegung in Deutschland sowie die Entstehung und Ausrichtung der US-GAAP auf Investorenbedürfnisse.
2 VERGLEICH VON HGB UND US-GAAP ANHAND AUSGEWÄHLTER BILANZPOSITIONEN: Hier erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung der Bilanzierung von Anlagevermögen, Umlaufvermögen und Rückstellungen nach den Vorschriften des HGB und der US-GAAP.
2.1 Aktiva: In diesem Unterkapitel werden die unterschiedlichen Bewertungsansätze für immaterielle Vermögensgegenstände sowie Sachanlagen und Wertpapiere analysiert.
2.1.1 Anlagevermögen: Der Fokus liegt auf der Bewertung von immateriellen Werten und Sachanlagen, wobei insbesondere das Vorsichtsprinzip im HGB und das Fair-Presentation-Prinzip der US-GAAP kontrastiert werden.
2.1.2 Umlaufvermögen: Das Kapitel befasst sich mit der Bilanzierung von Wertpapieren und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung in beiden Systemen.
2.2 Passiva: Dieser Abschnitt thematisiert die signifikanten Unterschiede bei der Bildung und Bewertung von Rückstellungen, insbesondere im Bereich der Pensionsverpflichtungen.
3 FAZIT: Das Fazit fasst die Relevanz der internationalen Harmonisierung zusammen und verweist auf die wachsende Bedeutung internationaler Standards für deutsche Unternehmen.
Schlüsselwörter
Rechnungslegung, HGB, US-GAAP, Jahresabschluss, Bilanzierung, Bewertung, Vorsichtsprinzip, Anlagevermögen, Umlaufvermögen, Rückstellungen, Pensionsrückstellungen, Internationalisierung, Fair Presentation, Konzernabschluss.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Seminararbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen der Internationalisierung auf die Rechnungslegung und vergleicht dazu die Bilanzierungsvorschriften nach deutschem HGB mit den US-amerikanischen US-GAAP.
Welche zentralen Themenfelder werden in dieser Studie behandelt?
Zentrale Themen sind die Unterschiede in den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden für Anlagevermögen, Umlaufvermögen sowie die Behandlung von Rückstellungen und Pensionsverpflichtungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Regelwerke zu variierenden Ergebnissen in der Rechnungslegung führen und welche Konsequenzen dies für die Vergleichbarkeit von Abschlüssen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung genutzt?
Es handelt sich um eine vergleichende Literatur- und Fallstudie, die Vorschriften beider Rechnungslegungssysteme gegenüberstellt und durch Praxisbeispiele ergänzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert ausgeführt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Bilanzpositionen, unterteilt in Aktiva und Passiva, und beleuchtet die divergierenden Anforderungen an Bilanzansatz und -bewertung.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die theoretische Diskussion?
Wichtige Begriffe sind das Vorsichtsprinzip (HGB) sowie das Fair-Presentation-Prinzip und das Accrual Principle der US-GAAP.
Warum ist der Vergleich von Rückstellungen besonders relevant?
Da hierbei, wie am Beispiel des Daimler-Benz-Konzernabschlusses verdeutlicht, aufgrund unterschiedlicher Schwellenwerte und Bewertungsmethoden massive Differenzen im Ausweis der Verbindlichkeiten entstehen können.
Welche Rolle spielt die Regelung für Pensionsrückstellungen?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die US-GAAP weitaus komplexere und umfangreichere Bewertungsmethoden wie die "Projected Unit Credit Method" fordern, während das HGB steuerlich geprägte Teilwertverfahren nutzt.
- Quote paper
- Sandra Kübert (Author), 2003, Die Auswirkungen der Internationalisierung auf die Rechnungslegung: Ein Vergleich des Jahresabschlusses nach HGB und US-GAAP, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16250