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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Fragen stellen 3
3. Begriffe finden 4
3.1 Geist und Materie 5
3.2 Mensch und Maschine 7
3.3 Abhängigkeit und Determinismus 11
4. Zusammenfassung 13
5. Literaturangaben 14
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1. Einleitung
Was haben Naturgesetz, Bewusstsein und Freiheit gemeinsam? In welcher Relation stehen sie zueinander? Welche Theorien sind möglich? Ziel dieser Seminararbeit ist es, den Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnis philosophisch nachzudenken und angestoßen durch den Text von Erwin Schrödinger 1 Fragen systematisch aufzuwerfen. Die ersten könnten lauten: Was ist Geist? Ist Geist immer noch ein Stück Natur? Ist Natur vorhersagbar? Ist Geist vorhersagbar? Gibt es Naturgesetze, die für den Geist gelten? Wo ist der Ort des Geistes? Hat Geist eine nachweisbare Existenz? Was wenn nicht materielle Erzeugnisse des Geistes untersuchen wir? Sind Geist und Materie (Körper als Psycho-Physicum und Geistiges, Qualität und Quantität) nicht bloß zwei Seiten einer Medaille nämlich der Wirklichkeit des Lebendigen? Wodurch unterscheidet sich das Lebendige von der unbelebten Materie? Gibt es Lebendiges ohne Geistiges, ohne Bewusstsein, ohne Identität und Kontinuität?
2. Fragen stellen
Mit Bergson 2 halten wir zunächst fest, dass es eine der wichtigsten philosophischen Aufgaben ist, ein Problem überhaupt zu erkennen oder das Problem richtig als solches zu erfinden, ein Problem an der richtigen Stelle auszulösen und die Fragen dazu richtig zu stellen. Mit Bergson unterscheiden wir wahre und falsche Probleme und richtig und falsch gestellte Fragen. Bergson war der Ansicht, dass eine gut gestellte Frage dazu tendieren würde, sich von selber zu lösen. Wer die Frage richtig gestellt hat, hat damit schon einen Teil der Lösung in der Hand. Wer die Frage falsch stellt, wirft immer mehr Fragen und Widersprüche auf, anstatt nach Lösungen zu suchen. Insofern könnte uns die Ansammlung der Fragen in der Einleitung stutzig machen, ob hier vielleicht ein Problem vorliegt, dass immer wieder falsch gestellt wird. Wir wollen im Folgenden versuchen, einige Begriffe zu erläutern, um zu sehen, welche Fragen von Grund auf problematisch sind.
Wenn sich keine Antworten finden lassen (auf die Frage, wie Geist und Körper aufeinander wirken und von einander abhängen, wo der Sitz des Bewusstseins ist oder wer am Ende Recht
1 Erwin Schrödinger: Was ist ein Naturgesetz? Beiträge zum naturwissenschaftlichen Weltbild.München 1997.
2 Berson zitiert nach Gilles Deleuze: Le bergsonism, S. 4-6. „La vérité est qui’il s’agit, en philosophie et même ailleurrs, de trouver le problème et par conséquent de le poser, plus encore que de le résoudre. Car un problème spéculatif est résolu dès qu’il est bien posé. (...) Mais poser le problème n’est pas simplement dècouvrir, c’est inventer.“
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behalten wird 3 ), dann haben wir die Fragen vielleicht einfach falsch gestellt. Solange wir mit Descartes einen strengen Dualismus zwischen res cogitans und res extensa vertreten haben, war es unmöglich, ein Denken oder eine Intuition der res extensa zu erkennen. Solange wir aber meinen, jeden Dualismus ablehnen zu müssen, weil Geist und Körper in unauflöslicher Abhängigkeit zueinander stehen und das eine ohne dem anderen gar nicht existieren könnte, weil wir uns Sein immer schon als materielles Sein vorstellen, ist Geist lediglich eine Funktion des Körpers, bzw. ist der Körper immer nur eine Funktion des Geistes. Die Möglichkeit, dass doch beides unabhängig von einander existieren könnte, wird damit schon allein durch diese Definition ausgeschlossen. Das scheint ein grundsätzliches Problem zu sein, dass sich aufgrund von Definition nur mehr bestimmte Theorien bilden lassen und in den Definitionen ganze Modelle schon vorgedacht sind. Das würde bedeuten, dass Theorien aufgestellt werden, die sich selbst gegen Widersprüche immunisieren, indem sie die zu ihrer Theorie passenden Definitionen erst nachträglich finden. Insofern stellt sich auch hier die Frage, ob das Problem überhaupt richtig erkannt und eine sinnvolle Fragestellung überhaupt möglich ist.
3. Begriffe finden
Mit der vorliegenden Seminararbeit wollen wir einstimmen in die Debatte über die Entstehung des Geistes und unseres Bewusstseins. Entsteht Geist aus der Materie? Existiert Geist auch unabhängig und außerhalb der Materie? Oder liegt eine Abhängigkeit unseres Bewusstseins von der Materie vor und wenn ja, in welcher Form? Welche Erkenntnisse liefern naturwissenschaftliche Ergebnisse über Ort und Funktion des menschlichen Bewusstseins - über Ort und Funktion des Geistes?
Es muss klar sein, dass es nicht darum geht, die geschichtliche Entwicklung des Begriffs Geist zu erläutern. Auch Zusammenhänge zwischen religiösen Vorstellungen und diesem Begriff sind hier nicht das Thema. Da es um eine philosophische Reflexion der naturwissenschaftlichen Debatte zum Thema Geist und Gehirn geht, werden nicht Descartes und Hegel zu Wort kommen, sondern Schrödinger, Bergson und Canguilhem.
3 Funktionalisten, die behaupten, dass Geist nur eine Funktion der Materie ist (oder Materie nur eine Funktion des Geistes)? Naturalisten, die von Grund auf alles - auch das Leben - im Sinne der Wissenschaftlichkeit auf beobachtbare, messbare Objekte und Fakten reduzieren?
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Angestoßen durch den Artikel von Erwin Schrödinger „Was ist ein Naturgesetz?“ sollen aber eher Fragen aufgeworfen, als beantwortet werden. Zunächst geht es darum, Begriffe einfach abzugrenzen.
3.1 Geist und Materie
Es ist in der Folge nicht notwendig, den so unterschiedlich verwendeten Begriff auf alle seine Bedeutungsfelder hin abzuklopfen und den breiten Kontext des Begriffs Geist (pneuma oder nous in der griechischen Tradition, ruach in der hebräischen oder spiritus, mens, anima in der lateinischen Tradition) darzustellen. Es muss reichen, den Begriff Geist so zu definieren, wie er für diese Arbeit als Werkzeug tauglich ist. Wir wollen ihn den Begriffen Psyche und Leben gegenüberstellen, mögliche Übersetzungen (z.B. Englisch oder Französisch: mind, spirit, l’ésprit) aber vernachlässigen. Auch geht es hier nicht um religiöse Bedeutungen, weshalb auf die Begriffe Seele und Geist Gottes nicht eingegangen wird. Wenn in der folgenden Arbeit von Geist die Rede ist, wird damit niemals auf eine Transzendenz welcher Art auch immer angespielt. Geist wird auch nicht reduziert auf kognitive Fähigkeiten, wie denken, vorstellen oder erinnern. Geist wird hier verstanden als Funktionsweise, die es uns erlaubt, uns durch die Zeit hindurch als ein (und dasselbe) Bewusstsein wahrzunehmen. Geist und Bewusstsein werden daher synonym verwendet und Identität meint folglich eine gewisse Kontinuität. Um nicht den Eindruck zu erwecken, wir würden nach der Natur (nach dem Wesen 4 ) des Geistes fragen, sei vorausgeschickt, dass im Folgenden Geist nicht eine (naturwissenschaftlich beobachtbare und messbare) neuronale Aktivität des Gehirns meint, sondern die (philosophisch spekulativ behauptete) Fähigkeit allen Lebens, sich durch die Zeit, durch Veränderungen hindurch (in welcher Form auch immer) als Einheit, als Identität zu erleben. 5
4 Wenn von der Natur einer Sache die Rede ist, wird der Begriff Natur im Sinne des Wesens gebraucht. Insofern aber, existenzphilosophisch gesprochen, das Wesen der Existenz nicht vorausgeht, sondern umgekehrt, die Existenzweise (in diesem Fall die Fähigkeit und Seinsweise des Geistes Lebendiges am Leben zu halten) dessen Wesen nachträglich definiert, liegt das Wesen des Geistes darin, dass es kein Wesen gibt. Geist hat kein Wesen, das er aktualisieren müsste. Geist hat aber auch keine materielle Existenz. Geist ist die Potentialität lebendig zu halten. Geist hat eine Funktion für das Leben, so wie Materie eine Funktion für das Leben hat. 5 Die These, dass nicht nur der Mensch oder höhere Primaten, die in der Lage sind, sich im Spiegel zu erkennen, Identität besitzen, sondern auch niedere Lebensformen Identität (wenn auch in weniger komplexer Ausprägung) zukommt, wird hier nur kurz zu erläutern sein. Vgl. Hans Jonas: Metaphysische Vermutungen und philosophische Überlegungen. Frankfurt/M. und Leipzig 1992. Jonas beschreibt in seinem Modell, inwiefern Freiheit stufenweise komplexer wird, je höher Lebewesen entwickelt sind, dass aber von Freiheit schon im Fall der kleinsten Zelle zu sprechen ist, insofern schon da aufgrund des Stoffwechsel eine gewisse Form der Unabhängigkeit von Materie und damit eine gewisse Form der Identität (Kontinuität trotz Materiewechsel) vorliegt.
Arbeit zitieren:
Mag. Mag. Mag. Renate Enderlin, 2010, Reflexionen zum Begriff "Geist", München, GRIN Verlag GmbH
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