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Das Universalienproblem in der Gegenwartsphilosophie

Dargestellt am Beispiel der Positionen von Ch. S. Peirce und W. v. O. Quine

Title: Das Universalienproblem in der Gegenwartsphilosophie

Term Paper (Advanced seminar) , 1986 , 25 Pages

Autor:in: Dr. Axel Schmidt (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Worin liegt die Berechtigung, von Vielem ein Eines und Einziges auszusagen? Wenn zum Beispiel gesagt wird, Peter sei ein Mensch und Paul sei ein Mensch, dann sind Peter und Paul einerseits gleich, da sie beide Menschen sind, und andererseits verschieden, da sie zwei (verschiedene) Individuen sind.
Wie verhalten sich nun Gleichheit und Verschiedenheit, Einheit (des Prädikats) und Vielheit (der Subjekte)? Wenn weder die Gleichheit noch die Verschiedenheit Schein sind, fragt sich, worin das Fundament für die Gleichheit verschiedener Dinge besteht und in welcher Weise es existiert.
Diese Frage ist identisch mit der Frage nach der Berechtigung und dem logisch-ontologischen Stellenwert der Allgemeinbegriffe. Drei Lösungstypen bieten sich an und sind (teilweise auch als Mischformen) in der Geschichte der Philosophie vertreten worden:
a) Der sog. Begriffs- oder Universalienrealismus,
b) der sog. Konzeptualismus,
c) der sog. Nominalismus.
In dieser Arbeit soll nach einer Kurzdarstellung von zwei mittelalterlichen Stellungnahmen zum Universalienproblem (Teil I) das Wiederaufleben des alten Streits in der Gegenwartsphilosophie, v.a. innerhalb der Grundlagenforschung der Mathematik, charakterisiert werden. Die Position des Ch. S. Peirce († 1914) nimmt dabei eine gewisse Sonderstellung ein, da sie einerseits manche Überlegungen der späteren analytischen Philosophie vorwegnimmt und andererseits im Gegensatz zu dieser eine metaphysische Grundlegung für notwendig hält. Da sich Peirce ausdrücklich auf Duns Scotus bezieht, verspricht seine Auffassung interessante Lichtblicke für die Beurteilung des originellen scotischen Ansatzes geben zu können (Teil II).
In W. v. O. Quine hat der Nominalismus seinen vielleicht schärfsten Verteidiger gefunden. Deshalb soll hauptsächlich auf die Position Quines eingegangen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

VORWORT:

Einleitung

Teil I: Das Universalienproblem im Mittelalter

1. Die Universalienlehre des Duns Scotus

2. Ockhams Kritik am Realismus

Teil II: Die Stellungnahme des Ch. S. Peirce zum Universalienproblem

1. Die Einwände gegen den Nominalismus

2. Peirce’s scotistischer Universalienrealismus

3. Der Universalienrealismus als Pragmatismus

Teil III: Der Nominalismus bei W.v.O. Quine

I. Vorbemerkungen

a) Die Wiederkehr des Universalienstreits in der modernen Mathematik und. Logik. Die Antinomien der Mengenlehre

b) Die Positionen des Platonismus, Realismus, Konzeptualismus und Nominalismus als Stellungnahmen zum Antinomieproblem

c) Allgemeines und ideales Sein

2. Der Nominalismus W.v. O. Ouines

3. Einige kritische Fragen an Quines Nominalismus

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Universalienproblem in der Philosophie, indem sie die mittelalterlichen Positionen von Duns Scotus und Wilhelm von Ockham mit den modernen Ansätzen von Ch. S. Peirce und W. v. O. Quine in einen systematischen Dialog stellt, um die erkenntnistheoretische und ontologische Bedeutung von Allgemeinbegriffen zu klären.

  • Historische Herleitung des Universalienstreits anhand von Scotus und Ockham.
  • Peirce’s realistischer Ansatz als Verbindung von Scholastik und wissenschaftlicher Erkenntnistheorie.
  • Quines nominalistische Position und ihre methodische Konsequenz für die Logik.
  • Die Verbindung zwischen mathematischen Antinomien und dem Universalienproblem.
  • Kritische Reflexion über Reduktionismus und die Definition von Existenz in der Gegenwartsphilosophie.

Auszug aus dem Buch

2. Peirce’s scotistischer Universalienrealismus

Die Einwände der Nominalisten gegen den Universalienrealismus, die in Wahrheit nur den Platonismus treffen, werden von Peirce durch die Unterscheidung einer zweifachen Bedeutung von „Universale“ gegenstandslos: der logische Universalbegriff, der prädizierbar ist von vielen individuellen Dingen (scholastisch: unum de multis), und die reale Gemeinsamkeit und Regularität in den Dingen (unum in multis), welche es erlaubt, naturwissenschaftliche Gesetze (laws) zu entdecken und Voraussagen (predictions) über das Verhalten der Dinge zu treffen. Die Parallelität zur scotischen Unterscheidung zwischen dem Universalen und dem Communen ist unübersehbar. Im Unterschied zu Scotus nennt Peirce das Commune jedoch nicht „natura communis“, sondern (Natur)Gesetz. Das hängt damit zusammen, daß Peirce alle Prädikate als Relationen und virtuelle Prognosen deutet.

Um nun die spezifische Weise von Realität genauer zu bestimmen, die das Allgemeine – aus Peirce’scher Sicht also in erster Linie die (Natur)Gesetze – besitzt, greift Peirce auf die scotische Lösung zurück, deren Eigenart (wie oben dargelegt) in der (formalen) Unterscheidung des formalen und des suppositorischen Seins besteht. Peirce, der sich selbst als „scotistischen Realisten“ bezeichnet, entwickelt von Scotus aus seine „theory of reality“: Die Realität des Allgemeinen steht nicht auf gleicher Stufe wie die Existenz des Individuellen, sondern besagt zunächst nichts anderes als „eine gewisse Weise der Nicht-Abhängigkeit vom Denken“; das Gesetz, das zweifellos ein Gedankending ist, ist zugleich real, d.h. nicht vom Denken abhängig, keine mentale Fiktion, sondern dem Denken vorgängig.

Zusammenfassung der Kapitel

Teil I: Das Universalienproblem im Mittelalter: Darstellung der gegensätzlichen Ansätze von Duns Scotus, der eine reale Grundlage des Allgemeinen annimmt, und Wilhelm von Ockham, der das Universale als bloßes Verstandesprodukt bewertet.

Teil II: Die Stellungnahme des Ch. S. Peirce zum Universalienproblem: Untersuchung von Peirce’s Versuch, den Realismus durch die wissenschaftliche Methode und die Lehre von den Naturgesetzen gegen nominalistische Kritik zu verteidigen.

Teil III: Der Nominalismus bei W.v.O. Quine: Analyse der strikt nominalistischen Position Quines, die das Universalienproblem als semantisches und logisches Problem betrachtet und auf eine mathematisch-finitistische Sprache abzielt.

Schlüsselwörter

Universalienproblem, Nominalismus, Realismus, Konzeptualismus, Duns Scotus, Wilhelm von Ockham, Ch. S. Peirce, W. v. O. Quine, Naturgesetze, Ontologie, Erkenntnistheorie, Mengenlehre, Antinomien, Allgemeinbegriffe, Logik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Universalienproblem, also die Frage nach dem Status und der Berechtigung von Allgemeinbegriffen, im Spannungsfeld zwischen mittelalterlicher Metaphysik und moderner Logik.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen den ontologischen Status von Universalien, die Verbindung von mathematischen Grundlagenkrisen mit philosophischen Grundfragen sowie den Vergleich zwischen mittelalterlicher Scholastik und dem modernen Pragmatismus bzw. Nominalismus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die systematische Bedeutung des realistischen Denkens am Beispiel von Peirce und die nominalistische Gegenposition bei Quine im Licht ihrer historischen Wurzeln bei Scotus und Ockham kritisch zu würdigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine historisch-systematische Methode angewandt, die philosophische Entwürfe durch eine vergleichende Analyse ihrer Begriffsapparate und erkenntnistheoretischen Voraussetzungen interpretiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine mittelalterliche Bestandsaufnahme, eine Darstellung des „scotistischen Realismus“ bei Peirce und eine detaillierte Auseinandersetzung mit Quines Nominalismus, inklusive einer Diskussion mathematischer Antinomien.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Universalien, Realismus, Nominalismus, Naturgesetz, ontologische Verpflichtung (ontological commitment) und Antinomien geprägt.

Wie unterscheidet Peirce nach seiner Theorie Realität von Existenz?

Peirce ordnet die Existenz der Kategorie der Zweitheit (individuelle Fakten) zu, während die Realität des Allgemeinen zur Kategorie der Drittheit (Relationen, Gesetze, Vermittlung) gehört.

Warum lehnt Quine nach der Darstellung des Autors Bedeutungen oder Intensionen ab?

Quine lehnt diese ab, weil sie für ihn das Problem des Universalienrealismus neu aufrollen würden und er eine strikt nominalistische Sprache anstrebt, die nicht auf vermeintlich „abstrakte Entitäten“ angewiesen ist.

Inwieweit sieht der Autor Quines Position als reduktionistisch an?

Der Autor argumentiert, dass Quines Nominalismus auf eine radikale Vereinfachung setzt, die zwar logisch konsistent sein mag, aber die erkenntnistheoretische Rechtfertigung der Allgemeinerkenntnis unbefriedigend lässt.

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Details

Title
Das Universalienproblem in der Gegenwartsphilosophie
Subtitle
Dargestellt am Beispiel der Positionen von Ch. S. Peirce und W. v. O. Quine
College
University of Münster
Author
Dr. Axel Schmidt (Author)
Publication Year
1986
Pages
25
Catalog Number
V162597
ISBN (eBook)
9783640763818
ISBN (Book)
9783640764174
Language
German
Tags
Universalienproblem Metaphysik Grundlagenkrise der Mathematik Antinomien Nominalismus Realismus Konzeptualismus Duns Scotus Platonismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Axel Schmidt (Author), 1986, Das Universalienproblem in der Gegenwartsphilosophie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162597
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