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INHALTSVERZEICHNIS
VORWORT : 2
Einleitung 3
Teil I: Das Universalienproblem im Mittelalter 5
1. Die Universalienlehre des Duns Scotus 5
2. Ockhams Kritik am Realismus. 6
Teil II: Die Stellungnahme des Ch. S. Peirce zum Universalienproblem. 9
1. Die Einwände gegen den Nominalismus 9
2. Peirce’s scotistischer Universalienrealismus. 10
3. Der Universalienrealismus als Pragmatismus. 12
Teil III: Der Nominalismus bei W.v.O. Quine. 13
I. Vorbemerkungen 13
a) Die Wiederkehr des Universalienstreits in der modernen Mathematik
und. Logik. Die Antinomien der Mengenlehre 13
b) Die Positionen des Platonismus, Realismus, Konzeptualismus und
Nominalismus als Stellungnahmen zum Antinomieproblem. 15
c) Allgemeines und ideales Sein 16
2. Der Nominalismus W.v. O. Ouines. 17
3. Einige kritische Fragen an Quines Nominalismus. 19
Literaturverzeichnis. 22
1. Quellen. 22
2. Sekundärliteratur 22
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VORWORT:
Diese Seminararbeit ist gedacht als Weiterführung eines Teilaspekts meiner Diplomarbeit über den Personbegriff des Johannes Duns Scotus. Vor allem die systematische Bedeutung des realistischen Denkens des Doctor subtilis in Aus-einandersetzung mit modernen philosophischen Entwürfen, paradigmatisch am Beispiel von Ch. S. Peirce und W. v. O. Quine, soll dabei - einer Anregung des Gutachters, Professor Dr. F. Inciarte, folgend - im Vordergrund stehen. Wenn ich gelegentlich auf meine Diplomarbeit verweise, so hat das lediglich den Grund, daß das dort Dargestellte als Ausgangspunkt dienen soll; nähere Belege zur Interpretation des scotischen Gedankenguts finden sich dort. Die Knappheit der zur Verfügung stehenden Zeit und des für eine Hauptseminararbeit angemessenen Umfangs bringen es mit sich, daß Vieles, das für die Problemgeschichte bedeutsam wäre, nur andeutungsweise und skizzenhaft zur Sprache kommen kann. Dennoch hoffe ich, eine befriedigende Synthese von historischem und systematischem Aspekt gefunden zu haben.
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Einleitung
„Wie, o Zenon, meinst du dieses? Wenn das Seiende vieles wäre, so müßte dieses Viele untereinander auch ähnlich sein und unähnlich? Dieses aber wäre unmöglich, denn weder könnte das Unähnliche ähnlich noch das Ähnliche unähnlich sein? Meinst du es nicht so? Gerade so, habe Zenon gesagt.
Und also, wenn unmöglich das Ähnliche unähnlich sein kann und das Unähnliche ähnlich, so könnte ja unmöglich Vieles sein. Denn wenn Vieles wäre, begegnete ihm jenes Unmögliche. […]
Wohl, ich nehme das an, habe Sokrates gesagt, und glaube, daß es sich nach deiner Aussage verhält. Dies aber sage mir: Nimmst du nicht an, daß es an und für sich einen Begriff der Ähnlichkeit gibt, und wiederum einen anderen, diesem entgegengesetzten, von dem, was das Unähnliche ist? Und daß ich und du und alles andere, was wir vieles nennen, diese beiden an sich nehmen? Und was die Ähnlichkeit an sich nimmt, wird ähnlich, eben dadurch und sofern es die Ähnlichkeit an sich nimmt, was aber die Unähnlichkeit, unähnlich, und was beide, beides? [...]“
(Platon, Parmenides, 127 e. 128 e-129a)
Dieser mehr oder weniger willkürlich ausgewählte Text gibt einen ersten Eindruck in eines der wichtigsten und zugleich schwierigsten Probleme der Philosophie, das Universalienproblem. Die Frage, um die es dabei geht, verrät auf den ersten Blick nicht viel von ihrer Widerstandskraft gegen „glatte“ Lösungen: Worin liegt die Berechtigung, von Vielem ein Eines und Einziges auszusagen? Wenn zum Beispiel gesagt wird, Peter sei ein Mensch und Paul sei ein Mensch, dann sind Peter und Paul einerseits gleich, da sie beide Menschen sind, und andererseits verschieden, da sie zwei (verschiedene) Individuen sind. 1 Wie verhalten sich nun Gleichheit und Verschiedenheit, Einheit (des Prädikats) und Vielheit (der Subjekte)? Wenn weder die Gleichheit noch die Verschiedenheit Schein sind 2 , fragt sich, worin das Fundament für die Gleichheit verschiedener Dinge besteht und in welcher Weise es existiert. 3 Diese Frage ist identisch mit der Frage nach der Berechtigung und dem logischontologischen Stellenwert der Allgemeinbegriffe. Drei Lösungstypen bieten sich an und sind (teilweise auch als Mischformen) in der Geschichte der Philosophie vertreten worden:
a) Der sog. Begriffs- oder Universalienrealismus, b) der sog. Konzeptualismus, c) der sog. Nominalismus.
Vgl. R. CARLS, Idee und Menge, München 1974, 52. 1
So die beiden extremen Behauptungen der eleatischen Schule einerseits, die die Ver- 2
schiedenheit für Schein erklärte, und Heraklits andererseits, der alle Gleichheit als Schein ansah. Vgl. R. Carls, 53. Vgl. R. Carls, ebd. 3
4
Der Begriffsrealismus (hier meist abgekürzt einfach als Realismus bezeichnet) behauptet das reale (d.h. verstandesunabhängige) Bestehen einer allgemeinen Seinsschicht 4 , die als Grundlage für die Bildung von Allgemeinbegriffen dient. Der Realismus zerfällt wiederum in zwei Spielarten, den „extremen Realismus“ (auch Platonismus genannt) und den „gemäßigten Realismus“. Der extreme Realismus denkt das allgemeine Sein vom Einzelsein abgetrennt und selbständig und verfehlt deshalb den unterschiedlichen Charakter des allgemeinen und des individuellen Seins (Individualisierung des Allgemeinen); dies liegt daran, daß die Seinsweise des Allgemeinen der Denkweise des Allgemeinbegriffs angeglichen vorgestellt wird.
Der gemäßigte Realismus betont demgegenüber, daß der durch Abstraktion gebildete Allgemeinbegriff zwar ein Fundament in den Einzeldingen hat, aber nicht die genaue Abbildung einer vom Einzelnen getrennten „Idee“ ist, sondern im Denken eine andere Seinsweise hat als die am Einzelnen vorfindbare allgemeine Bestimmung, die er bezeichnet. 5
Nach dem Konzeptualismus besitzt das Allgemeine kein reales, verstandesunabhängiges Sein, sondern nur ein Sein im Begriff. Der Konzeptualismus bestreitet also gerade das, was der Realismus behauptet, nämlich ein seinsmäßiges Korrelat oder Fundament der Allgemeinbegriffe. Der Nominalismus geht noch darüber hinaus, indem er überhaupt das Bestehen von Allgemeinbegriffen leugnet: nach dieser Auffassung gibt es nur allgemein verwendete Wortzeichen, welche das Bestehen von Allgemeinbegriffen vortäuschen. 6 Nominalismus und Konzeptualismus kommen also darin überein, daß sie eine reale Gleichheit unter den verschiedenen Dingen verwerfen: es gibt also nur Verschiedenheit, alle Gleichheit ist Schein; außer der numerischen Einheit gibt es nur Vielheit.
In dieser Arbeit soll nach einer mehr vorbereitenden Kurzdarstellung von zwei mittelalterlichen Stellungnahmen zum Universalienproblem (Teil I) das Wiederaufleben des alten Streits in der Gegenwartsphilosophie, v.a. innerhalb der
Dieser Ausdruck soll hier noch möglichst unbestimmt bleiben, so dass so verschiedene 4
Lösungen wie die von Platon, von Aristoteles oder auch von Duns Scotus darunter fallen.
Vgl. J. de VRIES, „Realismus“, in: Philosophisches Wörterbuch (hrsg. von W. BRUGGER), 5
Freiburg-Basel-Wien 1981, 316-318, bes. 318; R. Carls, 53; W. STEGMÜLLER, Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie, I, Stuttgart 6 1978, 56.
Vgl. J. SANTELER, „Nominalismus”, in: Philosophisches Wörterbuch (hrsg. v. W. Brugger), 6
270f; ders., „Konzeptualismus“, in: Philosophisches Wörterbuch, 202f; zur Geschichte F. HOFFMANN, „Nominalismus“, in: HWP VI (1984) 874-884.
5
Grundlagenforschung der Mathematik, charakterisiert werden. Die Position des Ch. S. Peirce († 1914) nimmt dabei eine gewisse Sonderstellung ein, da sie einerseits manche Überlegungen der späteren analytischen Philosophie vorwegnimmt und andererseits im Gegensatz zu dieser eine metaphysische Grundlegung für notwendig hält. Da sich Peirce ausdrücklich auf Duns Scotus bezieht, verspricht seine Auffassung interessante Lichtblicke für die Beurteilung des originellen scotischen Ansatzes geben zu können (Teil II). In W. v. O. Quine hat der Nominalismus seinen vielleicht schärfsten Verteidiger gefunden. (Daß Quine mittlerweile den Nominalismus aufgegeben hat, soll für diese Darstellung nicht wesentlich sein.) Deshalb soll hauptsächlich auf die Position Quines eingegangen werden, obwohl auch andere bedeutende Logiker und Philosophen unserer Zeit in dieser Richtung gearbeitet haben. Leider können viele Einzelheiten aus Raumgründen nicht erwähnt werden; solche können aus der angeführten Literatur entnommen werden.
Teil I: Das Universalienproblem im Mittelalter
1. Die Universalienlehre des Duns Scotus
Duns Scotus († 1308) erörtert das Universalienproblem ebenso wie seine Zeitgenossen vorrangig in seinem ontologischen Aspekt. Die entscheidende Frage ist die nach der Notwendigkeit, ein Individuationsprinzip für die (materielle) Substanz anzunehmen oder nicht. 7 Unter dieser Fragerücksicht erscheint der Nominalismus als diejenige Position, wonach jedes Ding durch seine Wesenheit bereits numerisch eines, d.h. individuell ist, denn dann ist ein eigenes Individuationsprinzip „neben“ der (allgemeinen) Natur überflüssig, und das heißt wiederum, daß es in der Wirklichkeit nur Individuelles gibt und daß das Allgemeine lediglich Produkt des Verstandes ist. 8
Duns Scotus lehnt diese nominalistische (bzw. konzeptualistische) Auffassung energisch ab und entwickelt eine eigene Ontologie: In jedem aktuell Seienden sind zwei Seinsschichten (formal) unterscheidbar, die Schicht des allgemeinen oder quidditativen Seins und die Schicht des individuellen 9 oder suppositori-
Ord.II d.3 q.1 n.1 (Vat. VII 391): „Utrum substantia materialis ex se sive ex natura sua 7
sit individua vel singularis.“
An sich ist dies die Position des Konzeptualismus und nicht des Nominalismus, wel- 8
cher überhaupt die Existenz des Allgemeinen, auch im Geiste, bestreitet. Das Merkmal der Individualität kommt dem Suppositum nur im Bereich des ge- 9
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schen Seins. Beiden Seinsschichten entspricht eine eigene reale 10 Einheit: die numerische Einheit des Individuums und die spezifische Einheit der Artnatur oder natura communis. Davon zu unterscheiden ist noch die Einheit des vom Verstande gebildeten Allgemeinbegriffs (universale actu), der als Begriff zweiter Intention 11 Terminus einer gedanklichen Relation (relatio rationis) ist und somit in der Wirklichkeit kein Korrelat hat und der sich dadurch auszeichnet, daß er von jedem unter die Art fallenden Individuum in Identität prädizierbar ist. 12 Während Scotus den Nominalismus (bzw. Konzeptualismus) durch die Differenzierung von quidditativer und suppositorischer Seinsschicht vermeidet, gleitet er zugleich auch nicht in den Platonismus ab, da er sorgsam das Commune (natura communis) vom Universalen (universale actu) unterscheidet. 13 Die dargestellte Lehre des Duns Scotus versucht, den griechischen Primat des Allgemeinen vor dem Individuellen zu überwinden, ohne das Aristotelische Anliegen, Wissenschaft als Erkenntnis des Allgemeinen zu verstehen und metaphysisch grundzulegen 14 , aufzugeben. Diese im Grundansatz schon von der Tradition abweichende Neukonzipierung der Metaphysik bereitet allerdings schon den Beginn der Neuzeit vor. 15
2. Ockhams Kritik am Realismus
Weitaus radikaler als Scotus betont Wilhelm von Ockham († 1349) den Vorrang des Individuellen vor dem Allgemeinen. Er folgt damit zwar dem grundsätzlichen Anliegen des Doctor subtilis, geht aber an der entscheidenden Stelle über
schöpflichen Seins zu; das suppositorische Sein ist aber ganz allgemein als inkommunikables zu kennzeichnen.
„Real“ ist alles das zu nennen, was unabhängig vom Verstand Sein hat. Vgl. Ord. I d. 2 10
p. 2 q. 1-4 n.390 (Vat. II 350): „Et intelligo sic ‘realiter’, quod nullo modo per actum intellectus considerantis, immo quod talis entitas esset ibi si nullus intellectus esset considerans...” Die erste fundamentale Seinsdifferenz besteht somit zwischen den entia rationis und den entia realia. Vgl. Quodl. q. 3 n. 2 (Viv. XXV 114a); dazu H. MÜHLEN, Sein und Person nach Johannes Duns Scotus, Werl 1954, 10-13. Vgl. W. HOERES, Der Wille als reine Vollkommenheit, München 1962, 20-23. Vgl. weiter 11 unten Anm. 30.
Vgl. Ord. II d.3 q.1 n.37f (Vat. VII 406-408). 12
Vgl. E. WÖLFEL, Seinsstruktur und Trinitätsproblem, Münster 1965, 60. Zur näheren Inter- 13
pretation des zusammenhängenden Gedankengangs und seiner Begründung vgl. E. GILSON, Johannes Duns Scotus, Düsseldorf 1959, 461- 469; J. KRAUS, Die Lehre des Johannes Duns Scotus von der natura communis, Freiburg (Schweiz) 1927, 76-86.
Vgl. Aristoteles, An.hyst. A.11, 77 a 5-9; Met. III, 4, 999 a 26-29; XIII, 9, 1086 b 5-7. Duns 14
Scotus, Met. VII q. 18 n. 10 (Viv. VII 459f). Dazu L. HONNEFELDER, Ens inquantum ens, 136-138.141-143.
Vgl. Ludger HONNEFELDER, Scientia transcendens. Die formale Bestimmung der Seiendheit 15
und Realität in der Metaphysik des Mittelalters und der Neuzeit (Duns Scotus - Suárez - Wolff - Kant - Peirce), Hamburg 1990.
Arbeit zitieren:
Dr. Axel Schmidt, 1986, Das Universalienproblem in der Gegenwartsphilosophie, München, GRIN Verlag GmbH
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