Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Hauptteil 4
2.1. Rortys Sprachauffassung 4
2.2. Die Grundlage von Sprache 5
2.3. Die Beziehung von Wahrheit und Sprache 5
2.4. Die Beziehung von Wahrheit und Weltbild 6
2.5. Die Hermeneutik als Rahmen der Wahrheit 6
2.6. Die Rolle des Negativismus 8
2.7. Der Begriff der Rechtfertigung und die abschließende Frage, was noch als Wahrheit im
Neopragmatismus von Rorty gilt 9
3. Schluss 11
4. Literaturverzeichnis 12
4.1. Primärliteratur 12
4.2. Sekundärliteratur 12
2
1. Einleitung
Richard Rorty charakterisiert seine eigene philosophische Position als Neopragmatismus. Im Unterschied zum klassischen Pragmatismus bezieht der Neopragmatismus den ‚linguistic turn‘ mit ein, den der frühe Wittgenstein in den 20er Jahren mit dem Werk Tractatus logicophilosophicus 1 vollzog. Dieser postuliert, dass alle Erkenntnis in der Sprache liege. Rorty versteht insgesamt unter dem Neopragmatismus die sprachphilosophisch orientierte Weiterentwicklung des klassischen Pragmatismus, der besonders in Verbindung mit Charles Sanders Peirce, William James und John Dewey gebracht wird. In seinem Hauptwerk Der Spiegel der Natur verwirft er das traditionelle Bild, welches das Bewusstsein als einen Spiegel der Natur ansieht. Dieser Spiegel kann höchstens reflektieren, jedoch nicht die Wirklichkeit wiedergeben. Damit aber sei auch eine Suche nach Wahrheiten und sogar Gewissheiten unsinnig. Vielmehr kommt es darauf an, unanfechtbare Argumente zu suchen und diese in das zivilisatorische Gespräch der Menschheit einzubringen.
Im ersten Kapitel des Hauptteils geht es allgemein um Rortys Auffassung von Sprache. Diese wird nicht als Darstellung irgendwelcher Sachverhalte gesehen, sondern als ein Verbund von Metaphern, welches auf einer Glücks- und Nützlichkeitsmaximierung gerichtet ist. Im Kapitel ‚Die Grundlage von Sprache‘ wird die Ablehnung der Korrespondenztheorie an einem Beispiel gezeigt. Im dritten Kapitel wird die Sprache in Beziehung zum Wahrheitsbegriff gesetzt. Es wird gezeigt, dass Wahrheit stets im Rahmen von Sprache zu betrachten ist. Inwiefern unsere Wahrheitsauffassung mit unserem Weltbild zusammenhängt, wird im nächsten Kapitel beleuchtet. Im Absatz 2.5. wird die Bedeutung der Hermeneutik erörtert als konstruktive Methode zu einem gemeinsamen Verständnis zu gelangen, um eine bessere Zukunft zu kreieren. Im Kapitel ‚Die Rolle des Negativismus‘ wird der Einwand abgewiesen, Pragmatismus führe zwangsläufig auf einen Relativismus hinaus. Außerdem werden einige wichtige Begriffe unter das Licht des Pragmatismus gestellt. Im letzten Teil wird auf den Begriff der Rechtfertigung verwiesen, welcher gut zum hermeneutischen System passt. Insgesamt wird Rortys Wahrheitsverständnis in allen Kapiteln nach und nach aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet, um das ganze Spektrum seiner Wahrheitsauffassung zu erfassen.
1 Dieses Buch ist das einzig vollendete von Wittgenstein, welches er 1918 fertigstellte. Es erschien erstmals 1921
in Ostwalds Annalen der Naturphilosophie. Diese Fassung beinhaltete jedoch Fehler, weshalb Wittgenstein nur
ein Jahr später eine von ihm selbst korrigierte Fassung veröffentlichte, welche von Kegan Paul, Trench, Trubner
& Co. herausgegeben wurde.
3
2. Hauptteil
2.1. Rortys Sprachauffassung
Um den Begriff der Wahrheit bei Rorty zu fassen, ist es nötig, zunächst seine Sprachauffassung zu beleuchten. Danach ist Sprache weder ein Medium zur Informationsübermittlung noch ein in gewisser Hinsicht codierter Gedanke, sondern vielmehr vermittelndes Element zwischen dem Ich und der Welt, das normativen Charakter besitzt. Damit tritt die Sprache direkt an die Stelle von Geist oder Bewusstsein und ersetzt das traditionelle Subjekt-Objekt-Verhältnis. Rorty übernimmt die Sprachauffassung von Nietzsche und Davidson, wonach Sprache der Evolution unterliegt.
„Nietzsches Kulturgeschichte und Davidsons Sprachphilosophie sehen Sprache so, wie wir jetzt die Evolution
sehen, als neue Form des Lebens, die ständig alte Formen abtöten, nicht, um höhere Zwecke zu erreichen,
sondern blind.“ 2
Weiter führt Rorty aus, bestehe die Sprache lediglich aus zwei Arten von Metaphern. Aus den lebendigen und als Metapher erkennbaren Metaphern und aus alten Metaphern, welche durch eine hohe Abnutzung abgestorben sind und in die Alltagssprache übernommen wurden. Die letzteren haben ihren Methaphercharakter verloren und werden nicht mehr als Metaphern angesehen. Rorty stimmt mit Donald Davidson überein, der die Sprache als ein Instrument bzw. Werkzeug sieht, „daß zufällig für bestimmte Zwecke besser geeignet war als alle früheren Werkzeuge.“ 3 Der allgemeine Zweck und Sinn von Werkzeugen sind die Maximierung der Lust bzw. die Reduzierung von Leid und Schmerz. Zur Bedeutungsgleichheit stellt er folgende Überlegung an. „Wenn etwas in praktischer Hinsicht keinen Unterschied macht, sollte es nach pragmatischer Auffassung auch in philosophischer Hinsicht keinen Unterschied machen.“ 4 Daraus ableitend erschöpft sich Bedeutung im Behaviorismus. Kommt dieselbe Reaktion mit verschiedenen Ausrufen zustande, so haben jene Ausrufe dieselbe Bedeutung. Bedeutung kann also immer erst im Nachhinein überprüft werden.
2 Rorty, Richard: Kontingenz, Ironie und Solidarität, übers. v. Christa Krüger, 3.
Aufl., Frankfurt a.M. 1995, S.46
3 ebd., S.46
4 Rorty, Richard: Ist Wahrheit ein Ziel der Forschung? Donald Davidson kontra
Crispin Wright, in: Donald Davidson / Richard Rorty. Wozu Wahrheit? Eine Debatte, hrsg. von Mike
Sandbothe, Frankfurt a.M. 2005, S.210
4
Arbeit zitieren:
Markus Garth, 2008, Was gilt noch Wahrheit im Neopragmatismus von Rorty?, München, GRIN Verlag GmbH
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