Inhaltsverzeichnis.
Inhaltsverzeichnis.
1) Einleitung. 3
2) Derridas Erbe: eine allgemeine Begriffsklärung. 4
3) Mark Wigley: dekonstruktivistische Architektur. 7
4) Exemplarisch: Zaha Hadid und Kasimir Malewitsch. 13
5) Das Fazit. 18
5) 18
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1) Einleitung.
Der Dekonstruktivismus ist eine noch junge Erscheinung innerhalb des archi‐ tekturtheoretischen Feldes; erst relativ spät im 20. Jahrhundert wurde er theoretisch analysiert und praktisch reflektiert. Das Ziel dieser Arbeit ist es die Ursprünge destruktiven Denkens und Bauens, mittels früher Schriften Mark Wigleys, aufzuzeigen und den Kern dieser Architekturtheorie zu destillieren, um sich anschließend der Frage zu widmen, ob und wie die zentralen Erkenntnisse Wigleys in heutigen Architekturentwürfen, beispielsweise von Toparchitekten wie Zaha Hadid, Eingang finden.
Der Aufsatz „Dekonstruktivistische Architektur“ 1 erschien 1988 im gleichnamigen Werk von Mark Wigley und Philip Johnson, beide Architekten und Architekturkritiker. Johnson wurde bereits 1906 geboren und verstarb 2005. Wigley, der 1979 seinen Bachelor in Architektur gemacht hat und dessen Schaffen bereits seit 1989 prämiert wird und auch gegenwärtig aktuell ist, steht also in direktem Einfluss eines Mitbegründers der dekonstruktivistischen Theorie und Praxis. Wigley zeichnet in seinem Aufsatz eine Linie der Dekonstruktion. Dabei nimmt er vornehmlich auf den Konstruktivismus in Kunst und Architektur Bezug. Von den ursprünglichen Methoden der Architektur über die modernistischen Strömungen hinweg soll die Methode des Dekonstruktivismus aufgespürt, lokalisiert und fruchtbar gemacht werden. Weiterhin wird auch auf eine weitere Schrift Wigleys Bezug genommen: „The Architecture of Deconstruction: Derrida’s Haunt“ 2 . Wigleys Überlegungen über dekonstruktivistische Architektur, in denen insbesondere der frühe De‐ konstruktivismus zur Sprache kommt sowie mittels der russischen Avantgardekunst argumentiert wird, soll hierbei jedoch neben einer knappen Begriffsklärung den Kern der Analyse darstellen und das Fundament für eine intensivere Betrachtung legen. Auf diese theoretische Annäherung an das Thema des Dekonstruktivismus sollen nun folgend in einem letzten Schritt die Parallelen betrachtet werden, die, von den frühen theoretischen Annahmen ausgehend, auf heutige Architekturentwürfe zu ziehen sind. Hier sollen unter anderem Wigleys Überlegungen interessieren und zentral
1 Buch: JOHNSON / WIGLEY 1988, Dekonstruktivistische Architektur. 2 Buch: WIGLEY 1993, The Architecture of Deconstruction. Derrida’s Haunt. 3
eingebunden werden sowie Querbezüge und Vergleiche hervorgehoben werden. Zu diesem Zwecke wird der Suprematismus Malewitschs mit den Architekturentwürfen Zaha Hadids verglichen. Wo bestehen nun die Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede innerhalb der Entwurfsstrukturen sowie zu Wigleys Überlegungen und wo setzen diese in den jeweiligen Entwürfen an?
2) Derridas Erbe: eine allgemeine Begriffsklärung.
Die Dekonstruktion versteht sich als Neubildung aus den Begriffen der „Destruktion“ und der „Konstruktion“; in einem programmatischen Sinne, beispielsweise innerhalb des architektonischen Feldes wird sie ferner als „Dekonstruktivismus“ bezeichnet. Ursprünglich ist die Dekonstruktion ein im Zuge des Poststrukturalismus in der Literaturkritik entwickeltes Verfahren. Es zielt auf die „Offenlegung innerer Widersprüchlichkeit“ und „uneinholbarer Vieldeutigkeit“; ursprünglich eines Textes, in dem der Arbeit zugrunde liegenden architektonischen Zusammenhang werden die Begriffe von Widersprüchlichkeit sowie Vieldeutigkeit ferner auf das Bauen bezogen. Diese Aneignung eröffnet der Architektur eine Vielzahl interpretatorischer Möglichkeiten. Wie innerhalb der Lektürestrategie das Marginalisierte gegen das Priorisierte stark gemacht wird, so kann auch die Architektur durch die Strategie des Dekonstruktivismus die tradierten Linien des Bauens verlassen, sich gegen die traditionellen Postulate auflehnen und dem bislang zumeist gefürchteten und daher vernachlässigten und erst spät auch in der Praxis aufgegriffenen Feld der Dekonstruktion widmen. 3
„Und noch heute stellt eine Struktur, der jegliches Zentrum fehlt, das Undenkbare selbst dar. […] Das Zentrum setzt […] dem Spiel, das es eröffnet und ermöglicht, eine Grenze. […] Im Zentrum ist die Permutation oder Transformation der Elemente […] untersagt.“ 4
3 Vgl. BURDORF / SCHWEIKLE 2007, Metzler Lexikon Literatur, S.144 4 DERRIDA 1976, Die Schrift und die Differenz, S.422f 4
„Diese Untersagung aber will Derrida aufbrechen und ein unendliches Spiel von Differenzen 5 […] anstelle des Zentrums […] setzen.“ 6 Der Dekonstruktivismus zielt also auf eine Kritik der fundamentalen Werte der abendländischen Kultur, und wiederstrebt deren logozentrischem Denken. Die Dekonstruktion arbeitet sowohl in Literatur als auch in der Architektur mit dezentrierenden Methoden. Verschiebung und Dezentrierung werden somit zu neuen Postulaten, die alte Werte und Normen infrage stellen und einer enormen, bis dato nicht geahnten Bedrohung aussetzen. Als Initiator und wichtigster Denker der Dekonstruktion ist der französische Philosoph Jacques Derrida (1930‐2004) zu nennen. 7 Mark Wigley beschäftigt sich in seinem Werk „The Architecture of Deconstruction: Derrida’s Haunt.“ 8 mit dessen Theorien und versucht diese auf die eigenen architektonischen Überlegungen anzuwenden. Bevor jedoch Wigleys Theorien zum Zuge kommen soll das Augenmerk zunächst auf einer allgemeineren Betrachtung der dekonstruktivistischen Strömung liegen, welche unter dem Titel „Dekonstruktion? Dekonstruktivismus? Aufbruch ins Chaos oder neues Bild der Welt?“ 9 untersucht und dargelegt werden kann.
„Schönheit heute hat kein anderes Maß als die Tiefe, in der die Gebilde die Widersprüche austragen, die sie durchfurchen und die sie bewältigen einzig, indem sie ihnen folgen, nicht, indem sie sie verdecken.“ 10 Das was hier Theodor W. Adorno bereits 1965 konstatiert, scheint die dekonstruktivistische Strömung vorauszugreifen. Ferner handelt es sich um ein Austragen von Widersprüchen; Gegensätze stehen nun in direkter Konfrontation gegeneinander: hart und kompromisslos scheint Unharmonisches durch einen unvermittelten Zusammenstoß von Materialien, Richtungen und Räumen zu entstehen. Doch grade dieses vehemente Austragen von inneren und äußeren Kämpfen macht den Dekonstruktivismus stark und ausdauernd gegen die tradierte Konformität der Architektur standzuhalten. Wie die jeweiligen Umsetzungen von unterschiedlicher architektonischer Intention zeugen, so ist auch deren Herkunft unterschiedlichen Ursprungs. Während Bernard Tschumi aus der philosophischen Gedankenwelt eines Derrida schöpft, so entlehnt Zaha Hadid beispielsweise ausdrücklich dem historischen Fundus des sowjetischen
5 Vgl. DERRIDA 1983, Grammatologie, S.87
6 UEDING / KALIVODA 1994, Historisches Wörterbuch der Rhetorik, S.513 7 Vgl. BURDORF / SCHWEIKLE 2007, Metzler Lexikon Literatur, S.144 8 Buch: WIGLEY 1993, The Architecture of Deconstruction. 9 Buch: KÄHLER 1990, Dekonstruktion? Dekonstruktivismus? 10 ADORNO 1973, Ohne Leitbild, S:127 5
Konstruktivismus zahlreiche ideologische sowie intentionale Anknüpfungspunkte (auf die im weiteren Verlauf der Arbeit noch näher eingegangen wird). Die Assoziation von reiner Zerstörung und der formalen wie intentionalen Negation traditioneller Werte, die dem Begriff der Destruktion behaftet sind spielt allein schon aufgrund des Wortursprungs in die Bedeutungsebenen des Dekonstruktivismus mit ein 11 ; es bleibt lediglich die Frage, ob diese neue Avantgarde laut Gert Kähler tatsächlich „[die] Moderne wie Postmoderne stürzen und aus den Trümmern etwas Neues entstehen lassen - oder besser: die Trümmer liegen lassen und zum Neuen erklären [will].“ 12 Dieser Behauptung steht die Architektur als solche, welcher der Akt des Aufbauens selbst, und eben nicht der Akt der Zerstörung, eingeschrieben ist, im Wege. Die Interpretation, dass der Dekonstruktivismus als Gegenstück zum Konstruktivismus angesehen wird, ist im Hinblick der sowjetischen Architektur der 20er Jahre und der heutigen nicht länger haltbar. Vielmehr scheinen die Ähnlichkeiten anstatt der Gegensätze zu überwiegen; das vermutlich Zerstörerische ist keine Umkehr, es handelt sich vielmehr um eine formale Fortentwicklung, die dem architektonischen Dilemma der Konstruktion und des Bauens als mit der Dekonstruktion unvereinbar entgegen wirkt und sich beispielsweise der Mittel des Konstruktivismus bedient sowie formal, wie es in Zaha Hadids Entwürfen der Fall ist, annähert. 13 Als eine Architektur der Verweigerung bezeichnet E. M. Farrelly den De‐ konstruktivismus, als „anarchisch“, aber „nicht als Fehlen von Ordnung, sondern vielmehr als eine absichtliche Zerstörung der alten, um einer anderen, subtileren und sogar in mancher Hinsicht stringenteren Disziplin Platz zu machen [… und weiter: er sieht] gebaute Metaphern des Denkprozesses […] scharfkantige[n] Individualismus in einer Welt passiver, gleichartiger Konsumenten, die entschiedene Zurückweisung der konformistischen Ideale, die wir nach dem Willen des Establishments übernehmen sollen, und die Weigerung, durch die gewaltigen Kräfte der Autorität manipuliert zu werden.“ 14 Auch wenn man diesen gesellschaftskritischen Überlegungen nahezu blind zustimmen kann, handelt es sich dennoch weder um Destruktion oder Dekonstruktion, die als reine Zerstörung begriffen wird; noch um eine Art von NeoKonstruktivismus; doch um was
11 Vgl. KÄHLER 1990, Dekonstruktion? Dekonstruktivismus?, S.13ff 12 ebd. S.14 13 Vgl. ebd. S.15‐24
14 FARRELLY 1986, In: Architectural Review, S.12f 6
Arbeit zitieren:
Annemarie Binkowski, 2010, Dekonstruktivistische Architektur, München, GRIN Verlag GmbH
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