Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.1
2. Monarchie, Religion und Medien im Nationalstaat S.2
3. Die Monarchie in Thailand S.4
3.1 Tradition und Überlieferungen S.5
3.2 Modernes Konzept: Nation, Religion und König. S.5
4. Der Umgang der Medien mit der Monarchie in Thailand. S.7
4.1 Zentrierung als sakrales nationales Symbol S.7
4.2 Agent of Stability S.10
4.3 Zensur und Selbstzensur S.12
5. Fazit S.13
6. Literaturverzeichnis S 15
1. Einleitung
In Thailand hat die Monarchie ihre zentrale Stellung in der Gesellschaft mit Hilfe der Medien historisch geschaffen und in der Moderne erfolgreich neu positioniert. Paternalistisch und mit Bezug auf indische und buddhistische Glaubensvorstellungen, wird die königliche Institution göttlich wie auch ethisch legitimiert und stabilisiert traditionell geprägte Machtstrukturen. Diese Vorstellungen sind auch im heutigen Thailand stark ausgeprägt und werden über die Medien stetig reproduziert. Medien dienen dabei zur Rekonstruktion, Neupositionierung und Stabilisierung einer konstitutionellen Monarchie mit König Bhumibol Adulyadej im Mittelpunkt der Nation, wie im Folgenden dargestellt wird.
In Kapitel zwei wird beschrieben, welche Rolle die Medien bei der Entstehung von Nationen und Nationalstaaten haben und wie dazu traditionelle Konstruktionen von Monarchie und Religion Identität stiftend verwendet und zu einer Gesamtkonstruktion zusammengeführt werden.
Die Wirksamkeit einer solchen Gesellschaftskonstruktion zeigt sich in Kapitel drei am Beispiel von Thailand, wo der Nationalstaat seine Ideologie auf der Grundlage einer historisch konstruierten Kontinuität von Buddhismus und Monarchie der Thai definiert. Die Monarchie stellt sich dabei mit Hilfe des Staates als ein der Gesellschaft und Politik übergeordnetes nationales und traditionell legitimiertes ethisches Wertesymbol dar. Das ermöglicht ihr verdeckt und ohne Imageverlust auf politische Entwicklungen Einfluss zu nehmen, ausgesuchten politischen Kräften Handlungslegitimität zu verleihen, um dadurch den Erhalt traditioneller elitärer Machtstrukturen, Besitzverhältnisse und Wertevorstellungen zu gewährleisten.
In Kapitel vier wird anhand verschiedener Beispiele erläutert, wie zu diesem Zweck die Medien eingesetzt und beeinflusst werden. Staatlicher Besitz der meisten Rundfunk- und Fernsehsender, eine weitreichende Zensur durch rigorose Regelungen zur Majestätsbeleidigung im Interesse der nationalen Sicherheit, wie auch eine disziplinierte Selbstzensur grenzen den Handlungsspielraum der Medien wirksam ein. Mit den neuen Medien Internet, Kabel- und Satellitenfernesehen verliert die Regierung jedoch zunehmend ihre Kontrolle und Informationshoheit, was sie zu einer verstärkten Regulierung der öffentlichen Meinung im Interesse der nationalen Sicherheit zum `Schutz der Monarchie` veranlasst.
1
Benedict Anderson hat in seinen Schriften sehr treffend die Medien als Grundlage zur Entstehung von Nationen erläutert. Verschiedene Autoren, wie Pasuk Phongpaichit und Duncan McCargo haben diesen Prozess in Bezug auf Thailand analysiert und beschrieben, es jedoch wie die meisten Akademiker und Autoren vermieden, mit dem Gesetz zur Majestätsbeleidigung in Konflikt zu geraten. So hat sich lange Zeit ein geschöntes und verklärtes Bild der Monarchie bewahren können, und akademische Medien wirkten gemeinsam mit den anderen Medien in Thailand sich selbst zensierend im Interesse der thailändischen Monarchie und regierenden Eliten. Kritische und aufschlussreiche Arbeiten der letzten Jahre, vor allem ein Buch von Paul Handley 1 und eine Reportage der Organisation Foreign Correspondent bei ABC (Australien Broadcasting Cooperation) 2 , die trotz intensiver Verhinderungsbemühungen der thailändischen Regierung in den USA und in Australien veröffentlicht wurden, konnten das Bild der thailändischen Monarchie schärfen und entmystifizieren. In Thailand sind diese Arbeiten verboten, und die Autoren würden auf thailändischem Boden wegen Majestätsbeleidigung verfolgt werden. Immer mehr Akademiker schließen sich jedoch einer offenen kritischen Betrachtung der thailändischen Monarchie an, wozu auch ich hiermit meinen Beitrag leisten möchte.
2. Monarchie, Religion und Medien im Nationalstaat
Wie Benedict Anderson beschreibt, ist der Begriff der Nation im heutigen Sinne erst vor relativ kurzer Zeit, ab dem 18. Jahrhundert entstanden. Nationalisten suggerieren dabei eine subjektiv ältere Wahrnehmung. Anderson definiert den Begriff Nation als eine vorgestellte politische Gemeinschaft, vorgestellt in den Köpfen der Menschen als begrenzt und souverän. Ein Wandel der Wahrnehmungsformen der Welt ermöglichte in einem Nebeneinander von kosmischer Vielfalt und weltlicher Besonderheit die Vorstellung von nationaler Einheit. Ethnischer Zensus und das Festlegen von Grenzen führten dabei zu einer neuen körperlichen Definition und räumlichen Vorstellung, dem Nationalstaat. Dem Nationalstaat sind religiöse Gemeinschaften und das dynastische Reich als kulturelle Bezugssysteme vorangegangen. In vielen Ländern konnte durch Aufklärung und
1 Handley 2006: The King Never Smiles.
2 ABC, Foreign Correspondent 2010: Royal Report.
2
Revolution absolutistische Herrschaft aufgebrochen werden, zum Teil nur unter großen menschlichen Opfern. 3
Zum einen wurden alte Eliten und Religionen radikal bekämpft und ausgelöscht, wie in der Sowjetunion und in China, wo sich neue Eliten unter einer neuen Ideologie, dem Kommunismus etablierten. In den meisten Fällen konnten sich die alten Eliten und Religionen in den Nationalstaat einfügen und ihren Besitzstand wahren. Dabei wurde teilweise die Monarchie abgeschafft oder in eine konstitutionelle Form umgewandelt und die traditionelle Religion in die nationale Identität integriert. Sprache, Bild und Schrift sind mediale Grundlage gesellschaftlicher Kommunikation und nationaler Identität. Sie sind als Träger der Informationen zur Herausbildung von menschlichem Bewusstsein ein machtvolles Instrument in den Händen derer, die sie kontrollieren und einsetzen und bildeten so eine Grundlage für weltliche und religiöse Herrschaft. Die Entwicklung des Druckgewerbes und einheitlicher Schriftsprachen schuf das Fundament für ein nationales Empfinden und Bewusstsein, welches sich im Rahmen des entwickelnden Kapitalismus mit seinen wachsenden Märkten verstärken konnte. Damit hatte sich jedoch auch ein politisches Machtmittel ergeben, welches zu neuen Machtsprachen, Statusdifferenzierungen und kultureller Assimilierung von Minderheiten führt. Davon sind vor allem viele ehemalige Kolonien betroffen, die als Nationalstaaten meist historische Zwangsgründungen sind. 4 Nationen konstruieren dabei sehr oft eine heroische nationale Geschichte mit Ursprungsmythen, um ihre Mitglieder in eine gemeinsame Raum- und Zeitordnung zu binden, wobei Fremd- und Eigendefinition als Grundlage ihrer nationalen Identität dienen. 5 Nationale Erinnerung ist ein abstraktes kollektives Geschichtsbild. Es manifestiert sich konkret in politischen und moralischen Wertungen historischer Ereignisse, Bildungsinhalten, staatlicher Politik, im Kulturleben und in den internationalen Beziehungen. 6 Die Rolle der Monarchie in Nationalstaaten wird durch die Verfassung bestimmt. Die Monarchie wird dann zu einem Teil der nationalen Identität und in die nationale Geschichte eingewoben. Gleiches geschieht mit den traditionellen Religionen. In diesem Prozess sind die Massenmedien, wie Presse, Radio und Fernsehen, die zentralen Ressourcen der Bedeutungsproduktion. Sie veranlassen die Menschen, sich mit dominanten sozialen und politischen Ideologien, Positionen und Repräsentationen
3 Anderson u. Mergel 1996: 14-16, 20, 30, 285.
4 Ebd.: 38-40, 44-47.
5 Ebd.: 286, 292.
6 Memorial 2008: 1; vgl. Trobst 2006: 26.f.
3
zu identifizieren. 7 Dabei wirken die Medien entsprechend den Interessen der sie beherrschenden gesellschaftlichen Kräfte auf einer verfassungsrechtlichen Grundlage, werden durch Gesetze kontrolliert und reguliert und können dadurch unterschiedlich frei agieren. Sie können konservativer Agent of Stability, progressiver Agent of Restraint oder transformativer Agent of Change sein. 8 Durch territoriale Konzeptionalisierung entsteht oft nationalstaatliches Container-Denken, das sich mit den Einflüssen fortschreitender Globalisierung der Medienkommunikation auseinandersetzen muss und zum Schutz der `nationalen Sicherheit` die Medienfreiheit einschränkt. In Thailand steht die Monarchie geschützt durch die Verfassung und gesetzliche Regelungen im Zentrum der nationalen Sicherheit und medialen Bedeutungsproduktion, so dass die Medien im Interesse der Monarchie und Nation als Agent of Stability tätig sind.
3. Die Monarchie in Thailand
Thailand ist das einzige Land Asiens, welches nicht direkt westlich kolonialisiert war. So konnten die alten Eliten ihre Herrschafts- und Besitzverhältnisse erhalten und in eigener Regie den gesellschaftlichen Veränderungen der Moderne anpassen. Die Revolution von 1932, ein Produkt nationalistischer bürgerlicher Eliten, beseitigte zwar die absolute Monarchie, 9 jedoch waren monarchistische Kräfte schnell in der Lage neue Allianzen zu bilden, Macht- und Besitzverhältnisse wiederzuerlangen und die revolutionären Kräfte zu verdrängen. Der neue und junge König Bhumibol Adulyadej konnte so in einer konstitutionell abgesicherten Position mit Unterstützung willfähriger Helfer aus Palast und Militär im Laufe der Zeit hohes Ansehen und fast absolute Autorität aufbauen. Diesen Erfolg verdankt die Monarchie einer langfristigen Netzwerkpolitik, die Duncan McCargo treffend „network monarchy“ 10 nennt. Traditionen und Überlieferungen, rituelle und heroische Konstrukte der Vergangenheit, geschaffen von weltlichen und religiösen Bildungseliten zur Legitimation und Stabilisierung königlicher Macht, bilden bis heute die Grundlage nationaler Geschichte und deren Darstellung, eine spezifische thailändische Erinnerungskultur.
7 Hepp 2009: 3-5.
8 McCargo 2003: 3f.
9 Handley: 43-45; vgl. Samudavanija 2002: 51.
10 McCargo 2005: 501.
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Arbeit zitieren:
Jan Andrejkovits, 2010, Die Medien in Thailand, München, GRIN Verlag GmbH
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